Bestürzend und bewegend
Inhalt:
Die angesehene Archäologin Louise Cantor erlebt, was keine Mutter erleben sollte: ihr Sohn verstirbt plötzlich. Beim Sichten seiner wenigen persönlichen Dinge realisiert sie, dass sie ihn eigentlich ...
Inhalt:
Die angesehene Archäologin Louise Cantor erlebt, was keine Mutter erleben sollte: ihr Sohn verstirbt plötzlich. Beim Sichten seiner wenigen persönlichen Dinge realisiert sie, dass sie ihn eigentlich kaum gekannt hat und dass er vor allem einer brisanten Sache auf der Spur war. Der Verdacht, dass er vielleicht ermordet worden ist, wächst in ihr und sie stürzt sich in eigene Ermittlungen.
Dabei entdeckt sie mehr und mehr menschliche Abgründe und bringt sich selber in grosse Gefahr.
Meine Meinung:
Henning Mankell gehört seit jeher zu meinen liebsten Autoren. Viele kennen ihn für seine schwedischen Krimis mit Tiefgang, viel Gesellschaftskritik und einer schweren, aber wunderschönen Melancholie im Schreibstil und natürlich ist er bekannt für seinen Kommissar Wallander. Er hat aber auch berührende und bestürzende Romane geschrieben, die in Afrika spielen. In "Kennedys Hirn" vereint er Spannung, Afrika, den Schmerz einer trauernden Mutter und menschliche Bösartigkeit auf grandiose Weise. Der Inhalt dieses Buches ist heftig und hat mich einige Male leer schlucken lassen. Wegschauen ist aber keine Option und Mankell führt uns mit seiner mutigen Protagonistin sanft durch seine packende und bewegende Geschichte.
Schreibstil und Aufbau:
Auf Mankells Schreibstil muss man sich einlassen, ich geniesse dieses Eintauchen aber immer sehr. Bei anderen Autor*innen stört es mich oft, wenn sehr langsam erzählt wird. Mankell schafft es aber, seine Geschichten mit viel Atmosphäre, starken Emotionen und vor allem nahbaren Figuren mit Ecken und Kanten auszustatten. Seinen Schreibstil würde ich wohl mittlerweile an nur wenigen Sätzen erkennen und bei diesem Spannungsroman/Krimi hat mir besonders gut gefallen, dass die Erzählsprache von Unverständnis und Zorn getrieben ist. Vom Zorn eines schreibenden Menschen, der in die tiefsten und dunkelsten Ecken des Menschseins geblickt hat und immer noch nicht fassen kann, was er dabei erkennen musste.
Meine Empfehlung:
Ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem ich alle noch verbleibenden Bücher von Henning Mankell gelesen habe und mich auf keine weiteren Werke von ihm freuen kann. Er war einfach ein einzigartiger Erzähler und sogar seine älteren Krimis sind nach wie vor hochaktuell und brisant. Auch diesen sehr gesellschaftskritischen Krimi (oder vielleicht eher Spannungsroman) möchte ich euch sehr gerne weiterempfehlen.