Ein beängstigendes Szenario
Als mich Jonas Schönberger gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, seinen Thriller zu lesen und zu rezensieren, musste ich nachdenken. Ein Tech-Thriller hat bisher noch nicht mein Interesse geweckt. ...
Als mich Jonas Schönberger gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, seinen Thriller zu lesen und zu rezensieren, musste ich nachdenken. Ein Tech-Thriller hat bisher noch nicht mein Interesse geweckt. Aber da meine Neugierde überwog, habe ich zugestimmt.
Es ist unglaublich und beängstigend, wie man die Privatsphäre von Menschen infiltrieren kann. Über all diese Gefahren, Hintergründe und mögliche Lösungen schreibt der Autor in seinem sowohl fiktiven als auch visionären Thriller. Er greift hier ein sehr aktuelles und brisantes Thema auf.
Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Teil 1 ist überwiegend dynamisch und spannungsgeladen geschrieben. Die Kapitel sind kurzgehalten. In diesem Teil legt der Autor das Augenmerk auf ein Containerschiff im nordöstlichen Pazifik. Die gesamte Steuerung der SLS Tokio wird blockiert, was zur Folge hat, dass das Schiff manövrierunfähig ist. Terroristen kapern das Schiff und bringen es in ihre Gewalt.
Sie haben es auf die Ladung abgesehen. Die SLS Tokio ist kein gewöhnliches Containerschiff, sondern ein schwimmendes Rechenzentrum mit riesigen Datenmengen. Aber warum ist ein Containerschiff mit einer solch brisanten Ladung an Bord unterwegs?
Verschiedene komplexe Handlungsstränge sorgen für Verwirrung, da sie scheinbar parallel zueinander laufen, ohne dass man einen Zusammenhang erkennen kann. Häufig wechseln sowohl die Handlungsorte, die Zeiträume und die Perspektiven.
Der zweite Teil ist längst nicht so dynamisch einhergehend mit einem Spannungsabfall. Hier geht es schwerpunktmäßig um drei junge Studenten, die in einer Eliteuniversität in Montreux in der Schweiz studieren. Der hochintelligente amerikanische Student Adam Volt mit einem leichten Asperger-Syndrom erkennt die Gefahr der Cyberkriminalität und will eine Technologie zur Datenhaltung in dezentral verteilten Netzwerken entwickeln. Diese sogenannte Blockchain ist eine Kette, in der die einzelnen Datenblöcke aneinandergereiht werden. Der erste Block in der Kette ist der sogenannte Genesis-Block. Vieles in diesem Teil ist überaus technisch und abstrakt.
Adam Volt weiht seine Kommilitonen Junichiro Hisoka und Vadim Orlov ein und bittet sie um Unterstützung, da er für Testzwecke mehr Rechenleistung benötigt. Das stellt sich allerdings im weiteren Verlauf als eine toxische Verbindung heraus. Denn sowohl der Vater des Japaners als auch der Onkel des Russen verfolgen andere Ziele, da sie Kenntnisse von den gestohlenen Daten haben. Kazumasa Hisoka leitet ein großes Softwareunternehmen und Dimitri Orlov möchte mit unsauberen Methoden an möglichst viel Kapital gelangen. Sie haben kein Interesse an einem Programm für Datensicherheit.
Der dritte Teil befasst sich u.a. mit der Vorgeschichte zur feindlichen Übernahme der SLS Tokio, die wir in Teil 1 erfahren haben. Es kommt zu heftigen Kämpfen zwischen den Terroristen und der Besatzung, in deren weiterem Verlauf die SLS Tokio samt Besatzung sinkt, es gibt keine Überlebenden. Zuvor hat man die Daten auf Server außerhalb des Schiffes übertragen.
Die gestohlenen Daten werden meistbietend an Broker versteigert. Dazu werden insgesamt 20 Datenpakete geschnürt, die Millionenerträge einbringen. Es geht darum, radikale und weltweite Veränderungen im digitalen Bereich, in der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft und den Medien zu erzielen. Des Weiteren ist dieser Teil von wilden Verfolgungsjagden geprägt.
Fazit
Ein solch umfangreiches Werk mit 586 Seiten und in einem sehr kleinen Schriftsatz verfasst, stellt beim Lesen eine Herausforderung dar. Man kann es nur erahnen, welch immenser Zeitaufwand und Recherche in diesem Werk steckt.
Diesen Tech-Thriller, der Kreise bis in die Politik zieht, kann man durchaus als eine dystopische Erzählung wahrnehmen. Hier wird eine nicht wünschenswerte Gesellschaftsordnung dargestellt, die so hoffentlich nie eintritt.
Zu viele Figuren mit unterschiedlichen Perspektiven wurden in die Handlung gepackt, was das Buch unübersichtlich erscheinen lässt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Alles in allem konnte mich das Setting nicht ganz überzeugen. Daher gibt es von mir drei von fünf Sternen.