Cover-Bild Arthur und Lilly

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Heyne
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 384
  • Ersterscheinung: 12.11.2018
  • ISBN: 9783453202825
Lilly Maier

Arthur und Lilly

Das Mädchen und der Holocaust-Überlebende – Zwei Leben, eine Geschichte
Was uns die Vergangenheit zu erzählen hat

"Ich hatte ein tolles Leben", erzählt Arthur Kern und meint seine Kindheit in Wien – bis zu jenem Moment, als er 1939, gerade mal zehn Jahre alt, jäh von seiner Familie getrennt wird. In der Hoffnung, ihn vor dem Holocaust zu bewahren, schicken ihn seine jüdischen Eltern mit einem Kindertransport in die Fremde – ein traumatisches Erlebnis für den Zehnjährigen. Zwar kann er sich über Frankreich nach Amerika retten, doch seine Familie wird er nicht mehr wiedersehen.

60 Jahre später: Bei einem Besuch der Wiener Wohnung seiner Kindertage lernt Arthur die elfjährige Lilly Maier kennen. Eine schicksalhafte Begegnung für beide, die nicht nur Lillys weiteres Leben prägt, sondern auch dazu führt, dass Arthur ein spätes Vermächtnis seiner Eltern zuteil wird …



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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2019

Eine schicksalhafte Begegnung

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Der Roman „Arthur & Lilly“ von Lilly Maier ist 2019 im Heyne Verlag erschienen.
Die Autorin des Buches ist 11 Jahre alt als es plötzlich an der Tür ihrer Wohnung in Wien klingelt, in der sie mit ihren ...

Der Roman „Arthur & Lilly“ von Lilly Maier ist 2019 im Heyne Verlag erschienen.
Die Autorin des Buches ist 11 Jahre alt als es plötzlich an der Tür ihrer Wohnung in Wien klingelt, in der sie mit ihren Eltern lebt. Ein amerikanischer Pensionist, Arthur, der zu Zeiten des Anschlusses 1938 zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder in genau dieser Wohnung lebte und damals noch Oswald Kernberg hieß. Eine wunderbare Freundschaft entsteht, die Generationen und sogar Kontinente verbindet.
Arthur erzählt Lilly von seiner Kindheit in Wien, dem zunehmenden Hass auf die jüdische Bevölkerung nach dem „Anschluss“ Österreichs an des Deutsche Reich. Das Hoffen der Textilfabrik-Familie auf eine gemeinsame Ausreise, die in einem einzelnen Kindertransport nach Frankreich endete. Arthur soll seine Eltern und seinen Bruder niemals wiedersehen. Er erzählt ihr aber auch vom Pädagogen Ernst Papanek in Frankreich und dessen reformpädagogisches Kinderheim, das eine neue Heimat für Arthur darstellte, bis, ja bis die Nationalsozialisten auch in Frankreich einmarschieren und Arthurs Flucht von Neuem beginnt.
„Arthur & Lilly“ erzählt aber auch von Briefen von Arthurs Eltern aus dem KZ, die dem Jungen Hoffnung machen sollen, aber gerade für die LeserInnen schwer zu lesen sind, da der Ausgang der Geschichte schon vor der Lektüre des Buches bekannt ist. Aber zumindest Oswald/Arthur überlebt den Krieg, lernt in Amerika eine ehemals aus Wien stammende junge Dame, Trudy, kennen und gründet mit ihr eine Familie. Gemeinsam haben sie drei Söhne, mehrere Enkel und Urenkel.
Oskar Kernbergs Geschichte kennenlernen zu dürfen, war sehr bewegend und hat mich an vielen Stellen des Buches nachdenklich gestimmt. Eine Kritik zu schreiben fällt mir schwer, eine Lebensgeschichte sollte nicht bewertet werden, sondern einzig und allein für sich stehen.

Veröffentlicht am 23.12.2018

Beeindruckende, hervorragend recherchierte Kombination aus Biographie und Sachbuch

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Nur zufällig bin ich über dieses Buch gestolpert. Der Titel allein lässt einen nicht ahnen, was für ein besonderes Werk sich dahinter versteckt: Lilly ist elf, als sie durch einen Zufall Arthur kennenlernt, ...


Nur zufällig bin ich über dieses Buch gestolpert. Der Titel allein lässt einen nicht ahnen, was für ein besonderes Werk sich dahinter versteckt: Lilly ist elf, als sie durch einen Zufall Arthur kennenlernt, der über 60 Jahre zuvor in derselben Wohnung in Wien gelebt hat. Jedoch musste er, damals noch Oswald genannt, die Wohnung 1939 verlassen: mit nur zehn Jahren wurde er von den jüdischen Eltern mit einem Kindertransport nach Frankreich geschickt, von dort emigrierte er nach Amerika. Seine Familie sah er nie wieder. Die Begegnung von Arthur und Lilly wird das Leben von beiden nachhaltig verändern.

Das Buch ist hervorragend recherchiert und toll aufgebaut: Oswalds Kindheit in Wien, der transport nach Frankreich, wo sein Bruder nicht mitdurfte, das Leben in Frankreich und schließlich die Reise über Spanien und Portugal in die USA. Dann wird beschrieben, wie Oswald sich in den USA einlebte, schliesslich Maschinenbau studierte und während dem Studium die Liebe seines Lebens kennenlernte.

Dieses Buch war viel mehr als ich mir vorgestellt hatte: Lilly Maier gelingt es, Oswalds Leben komplett aufzuarbeiten und mit Hilfe vieler Quellen darzustellen. Auch der psychologische Aspekt kommt nicht zu kurz. Durch die persönliche Nähe zum Protagonisten ist das ganze Buch sehr persönlich aufgebaut. Teilweise gibt es sehr viele Fakten, so dass das lesen nicht einfach ist. Dennoch hat Lilly Maier hervorragende Arbeit geleistet, ihr ist ein wunderbarer Spagat zwischen einem zeitgeschichtlichen Roman und einer Biographie gelungen. Ich konnte sehr viel über die Kindertransporte lernen, sowohl nach Frankreich als auch nach England. Ein durchaus lohnenswerter Roman, den ich sehr empfehlen kann und auch möchte!

Veröffentlicht am 16.12.2018

Im Land der Chinesen bin ich noch nie gewesen,

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erstens hatte ich keine Zeit, zweitens war der Weg zu weit!

Dieses Lied sang Arthur Kern im fernen Kalifornien noch im hohen Alter und zwar auf Deutsch, das außer ihm keines seiner Familienmitglieder ...

erstens hatte ich keine Zeit, zweitens war der Weg zu weit!

Dieses Lied sang Arthur Kern im fernen Kalifornien noch im hohen Alter und zwar auf Deutsch, das außer ihm keines seiner Familienmitglieder spricht. Arthurt Kern ist als Oswald Kernberg in Wien geboren worden, Ende der 1920er Jahre in eine jüdische Familie und er ist durch den Kindertransport gerettet worden, zunächst nach Frankreich, dann verschlug es ihn in die USA, wo er den - umfangreichen - Rest seines Lebens verbrachte. Weder seine Eltern noch sein Bruder überlebten, sie wurden nach Polen deportiert und starben dort irgendwo - Arthur kennt weder den Ort noch die Umstände.

Eine harte Kindheit - dennoch ist aus Arthur ein heiterer, lebenslustiger und beruflich sehr erfolgreicher Mensch geworden, ein Familienmensch noch dazu - zusammen mit seiner Frau Trudie hat er eine richtig große Sippe begründet. In der außer ihm niemand Deutsch spricht, nicht einmal seine Frau, die ebenfalls als Jüdin in Wien geboren wurde und dort den ersten Teil ihrer Kindheit verbrachte, doch das ist eine andere Geschichte. Allerdings eine, die ebenfalls in diesem Buch vorkommt.

Wie so vieles andere, das Autorin Lilly Maier scheinbar beiläufig hineinflicht in ihre Biographie Arthur Kerns, die auch ihre eigene Geschichte beinhaltet: denn die Begegnung der beiden hat den Stein erst ins Rollen gebracht, Lillys Interesse an Zeitgeschichte und vor allem an den Kindertransporten wurde dadurch geweckt. Dabei war sie erst elf, damals im Jahr 2003, als Arthur Kern vor der Wohnungstür der Maiers in Wien stand - vor der Wohnung, die bis 1939 seine eigene, bzw. die seiner Familie gewesen war. Lilly und ihre Mutter öffneten diese Tür für ihn und später öffnete Arthur für Lilly viele weitere Türen - nicht zuletzt die zu seinem Herzen. Lilly Maier, inzwischen Historikerin und auf dem Weg zur Promotion, ist seit Jahren zum Familienmitglied der Kerns geworden. Das war quasi der erste Zufall, der in diesem Buch zur Sprache kommt. Und dem noch viele weitere folgen.

Sie hat Ungeheuerliches zustande gebracht, diese ehemals kleine Lilly, die sich schon als elfjähriges Mädchen für Geschichte, zunächst die der Familie Kern(berg), dann für die der Kindertransporte und für das drumherum.

Das Sachbuch "Arthur und Lilly" liest sich wie ein spannender Roman, man kommt gar nicht mehr los von dieser Geschichte und nimmt doch dabei so vieles mit über die Zusammenhänge der europäischen und transatlantischen Geschichte.

Ich freue mich besonders darüber, dass Lilly Maier noch so jung ist, ihr dreißigster Geburtstag liegt noch in weiter Ferne. Denn das bedeutet, dass sie noch viele wunderbare historische Werke erschaffen kann, in denen sie das Thema Kindertransporte oder auch ein anderes - wer weiß, worauf sie noch kommt - weiter untersucht. Sie hat teilweise in den USA studiert und den angelsächsischen Schreibstil der Historiker verinnerlicht, der so viel unterhaltsamer und lebensnaher ist als der in Deutschland übliche, oft trockene Stil, der nicht nur mir häufig die Lektüre historischer Werke erschwert.

Ein ganz besonderes Buch, ist dieses historische Werk, das zeigt, das ein Sachbuch auch warmherzig und empathisch sein kann. Ich empfehle es aus ganzem Herzen, auch denen, die sich normalerweise nicht für Bücher dieser Art interessieren!