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Veröffentlicht am 20.09.2020

Die Chronologie einer Freundschaft

Dear Frederick! Lieber Mohr!
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"Dear Frederick! Lieber Mohr!" von Klaus Körner ist im wbg Theiss Verlag mit dem Untertitel „Friedrich Engels und Karl Marx in Briefen.“ erschienen.

Der Autor Klaus Körner hat aus über 1600 erhaltenen ...

"Dear Frederick! Lieber Mohr!" von Klaus Körner ist im wbg Theiss Verlag mit dem Untertitel „Friedrich Engels und Karl Marx in Briefen.“ erschienen.

Der Autor Klaus Körner hat aus über 1600 erhaltenen Briefen eine Auswahl getroffen, die tiefe Einblicke in das Leben von Friedrich Engels und Karl Marx geben, von Berichten über den Gesundheitszustand von Kindern und Ehefrau bis hin zu Hinweisen über pikante Affären. Das Buch liefert so eine Chronologie der berühmten Freundschaft.

Im Buch können LeserInnen den Briefwechsel von Friedrich Engels und Karl Marx mit detaillierten Kommentaren lesen und bekommen so einen guten Einblick in die Biografie der beiden und die Entstehung des Buches „Das Kapital“. Klassenkampf und Arbeiterbewegung sind wichtige Grundpfeiler der Briefe.

Nachdem sich Engels und Marx im Jahr 1844 kennengelernt haben, war ihnen schnell klar, dass sie ähnliche Ansichten zu vielen Themen haben. Beleuchtet wird auch Marx Geldmangel, denn ihm und seiner Familie mangelte es oft am Nötigsten. Engels als Unternehmer in Manchester unterstützte den in London lebenden Autor immer wieder finanziell, um die Arbeit an „Das Kapital“ voranzutreiben. Aber nicht nur der Briefwechsel der beiden bekommt in diesem Buch eine Bühne, auch Engels Grabrede für Marx bekommt ihren Platz und hebt noch einmal die Bedeutung der Freundschaft der beiden hervor.

Besonders gut hat mir auch das Literaturverzeichnis am Ende des Buches gefallen, das auf weiterführende Literatur hinweist und mir sicher noch viele Lesestunden bereiten wird. Denn auch heute noch wollen Menschen in erster Linie essen, trinken, wohnen und sich kleiden. So bleibt Karl Marx Meinung weiterhin aktuell und Forderung der Arbeiterbewegung von heute: leistbares Wohnen und Arbeit, von der man gut leben kann.

Der kommentierte Briefwechsel lässt die LeserInnen nicht nur an der Entstehung der Werke von Marx und Engels teilhaben, sondern ist auch ein aufschlussreiches Dokument des 19. Jahrhunderts, denn die beiden erwähnen in ihren Briefen auch immer wieder das aktuelle Weltgeschehen. Nur wer Frederick und wer Mohr ist, sollten zukünftige LeserInnen selbst herausfinden. Das Lesen lohnt sich auf alle Fälle!

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Veröffentlicht am 20.09.2020

Menschen aller Kulturen durch gutes Essen zusammenbringen

Wien by NENI
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„Wien by NENI“ von Haya Molcho & Söhne ist mit dem Untertitel „Food. People. Stories“ im Brandstätter Verlag erschienen und der Untertitel des Buches ist Programm.

Die in Tel Aviv geborene Köchin Haya ...

„Wien by NENI“ von Haya Molcho & Söhne ist mit dem Untertitel „Food. People. Stories“ im Brandstätter Verlag erschienen und der Untertitel des Buches ist Programm.

Die in Tel Aviv geborene Köchin Haya Molcho prägt seit über 10 Jahren das kulinarische Wien. Sie kombiniert die Gerichte ihrer Heimat mit den österreichischen Gerichten. In „Wien by NENI“ begibt sie sich zusammen mit ihren Söhnen auf die Suche nach spannenden Personen und Geheimtipps in der multikulturellen Stadt Wien und bietet den LeserInnen des Buches dabei eine kulinarische Weltreise in Form von vielen Rezepten und wunderschönen Fotografien. Aber auch die kulinarischen Lieblingsadressen der Familie bekommen im Buch ihren Platz von Restaurants & Cafés über Shopping bis hin zu Kunst & Kultur.

Ganz besonders gut haben mir die Portraits der Wiener Persönlichkeiten gefallen. Von Susanne Widl, der Inhaberin des Café Korb, über Patrick Müller aus der TV-Show „The Silent Cook“ bis zu

Aber auch einige Rezepte aus dem Buch werden in Zukunft Einzug in unserer Familienküche halten: Gebratener Spargel mit Riesencouscous, Oliven und Feta zum Beispiel, oder Bärlauchlatkes.

Auch die Idee hinter NENI, Menschen aller Kulturen durch gutes Essen zusammenzubringen, gefällt mir wahnsinnig gut und in diesem Sinne kann ich dieses kulinarische Meisterwerk nur weiterempfehlen und sei es nur wegen der wunderschönen Fotografien von Wien.

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Veröffentlicht am 15.09.2020

Schöner Einstieg ins Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Groß genug, die Welt zu retten
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Das Kinderbuch „Groß genug, die Welt zu retten“ von Loll Kirby ist im Insel Verlag erschienen und richtet sich an kleine ZuhörerInnen ab 4 Jahren,

Nach einem kurzen Vorwort werden auf einer Doppelseite ...

Das Kinderbuch „Groß genug, die Welt zu retten“ von Loll Kirby ist im Insel Verlag erschienen und richtet sich an kleine ZuhörerInnen ab 4 Jahren,

Nach einem kurzen Vorwort werden auf einer Doppelseite kurz alle 12 ProtagonistInnen aus dem Buch vorgestellt. Danach erfährt man auf je einer Doppelseite genaueres über die umweltfreundlichen bzw. nachhaltigen Projekte der einzelnen Kinder. Die Botschaft dahinter finde ich ganz besonders toll, denn hier wird den Kindern gezeigt, dass sie nicht zu jung sind, um gehört zu werden und etwas zu verändern. Alle jungen Aktivisten sind echte Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und haben in ihrer Region etwas bewirkt. Egal ob sie Nashörner vor Wilderern schützen, oder die Meere sauber halten.
Neben den Projekten werden in diesem wunderschön illustrierten Sachbilderbuch aber auch Fakten und Tipps zum jeweiligen Thema (z.B. Verzicht auf Einmalplastik, Wasser sparen, Aufforsten etc.) kindgerecht erklärt, nur das Wort Biodiversität kannte mein 5-jähriger Sohn bisher noch nicht.

Ganz besonders gut gefallen hat mir als vorlesende Mama die Doppelseite am Ende mit 10 Tipps, wie wir alle selbst etwas zum Umweltschutz beitragen können und nachhaltig leben können. Wir haben in der Nachbesprechung des Buches auch besprochen, was meinem Sohn sonst noch alles einfallen würde, um die Welt ein kleines Stück zu retten und werden sicher einige der Tipps in unserem Alltag berücksichtigen.

“Groß genug, die Welt zu retten” ist meiner Meinung nach ein toller Einstieg ins Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit und bietet sehr viel Diskussionsgrundlage. Nur ob ich meinen 5-jährigen Sohn, wie bei den Tipps am Ende, demonstrieren lasse, weiß ich nicht. Dieser Tipp richtet sich wohl an etwas ältere Kinder als die Altersangabe vorgibt.

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Veröffentlicht am 09.09.2020

Eine Familie & Triest zwischen den Kriegen

Die Liebenden von der Piazza Oberdan
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Der Roman „Die Liebenden von der Piazza Oberdan“ von Christian Klinger ist im Picus Verlag erschienen und beruht auf einer wahren Geschichte.

Triest zwischen den beiden Weltkriegen. Der junge Vittorio ...

Der Roman „Die Liebenden von der Piazza Oberdan“ von Christian Klinger ist im Picus Verlag erschienen und beruht auf einer wahren Geschichte.

Triest zwischen den beiden Weltkriegen. Der junge Vittorio hat den Ersten Weltkrieg überlebt und baut sich in der Zwischenkriegszeit eine Existenz als Rechtsanwalt auf. Als in Italien der Faschismus aufkeimt, hilft er Juden und Slowenen dabei, ausreichend Geld für die Emigration aufzubringen. Vittorios Sohn Pino beginnt unterdessen ein Architekturstudium, das ihn vor der Einberufung in den Zweiten Weltkrieg beschützt. Pino verliebt sich unsterblich in die junge Lehrerin Laura und am Tag, an dem das junge Paar Vittorio von den Hochzeitsplänen erzählen wollten, wird Pino an der Piazza Oberdan von der Gestapo verhaftet.

Christian Klinger beschreibt nicht nur einen Familienepos, der unter die Haut geht, sondern malt auch Triest malerisch. Ich habe mich beim Lesen direkt in die Cafés rund um die Piazza Unità d’Italia, die zur Zeit Vittorios noch Piazza Grande geheißen hat, versetzt gefühlt. Auch Pinos Wanderung zu den Partisanen im Karst, habe ich bildlich vor mir gehabt. Und die Steinzellen in der Risiera di San Sabba haben mir Tränen in die Augen getrieben, vor allem weil ich das ehemalige Konzentrationslager in Triest selbst besucht habe und die Zellen einfach erschreckend sind. Nur, dass Pino in der KZ-Gedenkstätte vorkommt, wusste ich zu meinem Triest-Aufenthalt noch nicht. Christian Klinger hat mich mit seinem Buch nicht nur emotional berührt, das Ende hätte ich mir so nicht erwartet und ganz anders gewünscht, sondern in mir auch die Sehnsucht nach Triest erweckt. Über die Zeit des Faschismus in Italien wusste ich bisher nicht viel und ich würde mir mehr Bücher wie „Die Liebenden von der Piazza Oberdan“ wünschen, die mein Geschichtsinteresse nicht nur für die eigene Geschichte wecken.

„Die Liebenden von der Piazza Oberdan“ ist ein großartiges Buch für alle geschichtsinteressierten Triest-LiebhaberInnen, die auch mit einem Buch leben können, das kein Happy End aufweist.

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Veröffentlicht am 23.08.2020

Menschlichkeit in düsteren Zeiten

Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete
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Der Roman „Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete“ von Sharon Cameron ist im Insel Verlag erschienen und beruht auf einer wahren Geschichte.

Polen 1939. Die Heimatstadt der sechzehnjährigen Stefania ...

Der Roman „Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete“ von Sharon Cameron ist im Insel Verlag erschienen und beruht auf einer wahren Geschichte.

Polen 1939. Die Heimatstadt der sechzehnjährigen Stefania wird von den Nazis besetzt und ihr Verlobter Izio muss mit seiner Familie ins jüdische Ghetto ziehen. Als die Deportationen beginnen, kann nur Izios Bruder Max fliehen und sein Weg führt ihn zu Stefania. Kurzerhand versteckt sie Max und zwölf weitere JüdInnen auf ihrem Dachboden.

Sharon Cameron beschreibt sehr einfühlsam, das alltägliche Leben im Versteck und die ständige Angst entdeckt zu werden, denn die Nazis könnten jede Minute vor der Tür stehen. Das Buch bringt den LeserInnen viele Informationen über die damalige bei, ohne etwas zu beschönigen. Vor allem aber macht „Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete“ Mut, dass auch in den dunkelsten Zeiten Menschlichkeit, Mut und Hoffnung existieren. Ich habe Stefania gerne auf ihrem Weg begleitet und konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen.

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