Cover-Bild Balkan-Odyssee, 1933-1941
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23,99
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Geschichte und Archäologie - Geschichte
  • Genre: Sachbücher / Geschichte
  • Ersterscheinung: 15.10.2025
  • ISBN: 9783406836350
Marie-Janine Calic

Balkan-Odyssee, 1933-1941

Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa
Der Theaterstar Tilla Durieux, die Schriftsteller Manès Sperber und Ernst Toller, der Dramatiker Franz Theodor Csokor, der Maler Richard Ziegler und viele andere – sie alle flohen vor Hitler nach Südosteuropa und fanden dort Unterschlupf. Doch diese erste Balkanroute ist heute so gut wie vergessen. Marie-Janine Calic ruft sie in Erinnerung und erzählt berührende Geschichten von Mut und Menschlichkeit, von Elend und Verrat, von Rettung und Untergang.

Bei Hitlers Machtübernahme lag der Balkan für viele Verfolgte und Bedrohte "irgendwo da unten". Trotzdem flohen sie nicht nur in den demokratischen Westen und die kommunistische Sowjetunion, sondern auch in den vermeintlich rückständigen Südosten Europas, mindestens 55.000 allein nach Jugoslawien. Und ihren waren Juden und Nichtjuden, Konservative und Kommunisten, Zionisten und Internationalisten, Widerstandskämpfer und Unpolitische. Die Flucht auf der Balkonroute begann gleich Anfang 1933 mit den ersten Verfolgungswellen der Nationalsozialisten. 1938 ließen der "Anschluss" Österreichs und das Novemberpogrom den Strom der Flüchtenden schlagartig anschwellen, weil kaum noch andere Routen offenstanden. Doch als Italien Ende Oktober 1940 das Königreich Griechenland überfiel und Hitler den Angriff auf die Balkanländer plante, war plötzlich auch dieser letzte Fluchtweg verschlossen. Tausende saßen in der Falle. In der griechischen Sage endete die abenteuerliche Irrfahrt für den Helden glücklich - für viele der Balkan-Flüchtlinge tat sie das nicht.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2025

Ein wertvolles Buch, das viele Leser verdient

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Immer mehr Staaten verweigerten den Aufenthalt von Menschen, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten. Nur Jugoslawien duldete noch deren Durchreise. Alle Flüchtenden wollten nur das Eine: den rettenden ...

Immer mehr Staaten verweigerten den Aufenthalt von Menschen, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten. Nur Jugoslawien duldete noch deren Durchreise. Alle Flüchtenden wollten nur das Eine: den rettenden Hafen erreiche und nach Palästina ausreisen. Sogenannte Kulturjuden mussten Hals über Kopf aus Berlin fliehen. Ihre Kunst galt als entartete und so wurden auch sie als Person behandelt. Es spielte keine Rolle, dass sie bei ihren Theaterauftritten das Publikum begeisterten. Oder dass sie schon vor vielen Jahren konvertierten. Sie wurden als Juden geboren und als solche verfolgt. Die Gestapo war überall. Aber nicht nur Juden gehörten zu den Verfolgten. Auch Kommunisten, „Zigeuner“ und Behinderte sowie alle, die gegen Hitler agierten, gehörten zu den Feinden.

Den Fliehenden wurde viel versprochen. Sie mussten den Schleusern ihr Hab und Gut abgeben, um überhaupt die Chance zur Flucht zu bekommen. Leider wurden sie sehr oft betrogen, hinters Licht geführt. Und als Hitler massiven Einfluss auf den Statt Jugoslawien bekam, wurde den Hoffenden sogar diese Möglichkeit der Flucht genommen.

"Balkan Odyssee 1933-1941" ist viel mehr als ein Sachbuch. Es liest sich wie ein Schicksalsroman, ist aber leider keine ausgedachte Story. Es handelt sich um das tatsächliche Erleben so vieler Menschen, die aus Nazideutschland fliehen mussten. Immer mehr Tatsachen kommen nach so vielen Jahren ans Licht. Und es gibt unzählige Bücher zum Thema. Dieses setzt sich positiv ab. Obwohl ein Sachbuch, so lässt es sich gut lesen. Ist zu keinem Zeitpunkt langatmig und trotz des ernsten Themas abwechslungsreich und bildhaft geschrieben. Einen Sternenregen und ein absolute Leseempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Eine klare Leseempfehlung!

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Die wenig bekannte Fluchtroute – Der Balkan

Wenn man „Balkan-Route“ hört, denkt man an illegale Einwanderungen der letzten Jahre. Dass der Balkan bereits in den Jahren 1933 bis 1941 für Tausende von ...

Die wenig bekannte Fluchtroute – Der Balkan

Wenn man „Balkan-Route“ hört, denkt man an illegale Einwanderungen der letzten Jahre. Dass der Balkan bereits in den Jahren 1933 bis 1941 für Tausende von verfolgten Juden und Kritikern des NS-Regimes ein Fluchtmöglichkeit geboten hat, ist längst nicht so bekannt, wie jene nach Frankreich und anschließend über die Pyrenäen in das neutrale Spanien über die Uwe Wittstock in seinem Buch „Marseille 1940“ ausführlich geschrieben hat.

Diese Lücke in der Exilforschung versucht nun Marie-Janine Calic zu schließen. In ihrem Sachbuch listet sie zahlreiche Prominente wie Tilia Durieux, Manès Sperber oder Franz Theodor Csokor und weniger Prominente auf, die sich auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg durch die Schluchten des Balkans gemacht haben, um einen Platz auf einem der Seelenverkäufer nach Palästina zu gelangen.

Der Balkan, also das damalige Königreich Jugoslawien, ist lange Zeit nur von wenigen Verfolgten als Möglichkeit dem NS-Regime zu entkommen, wahrgenommen worden. Calices Recherchen stützen sich auf Tagebücher, Briefe, Akten, Fotos und andere Quellen um die verschlungenen Wege von mehr als 55.000 Betroffenen nachzuzeichenen. Dabei hat sie, wie sie schreibt, „Nichts wurde erfunden und kein Zitat verändert, um den Erzählfluss oder Spannungsbogen aufrechtzuerhalten.“.

So wird einerseits die systematische Enteignung und Vertreibung der Juden aus Deutschland, Österreichs und der letztlich anderen annektierten Gebiete, bevor der staatlich angeordnete Massenmord an den Juden vollzogen wird, sowie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung Jugoslawiens und Albaniens beschrieben. Die Hilfsbereitschaft endet schlagartig im Jahr März 1941 als gegen die Regierung des Prinzregenten geputscht wird. Wenig später marschiert die deutsche Wehrmacht über Ungarn in Jugoslawien ein, das nach nur elf Tagen kapituliert und von Hitlers Truppen besetzt wird. Einige Gebiete müssen an Mussolinis Italien abgetreten werden, der zuvor schon Albanien annektiert und 1940 Griechenland überfallen hat.

Die Flüchtlinge sitzen in der Falle, weil die Briten gleichzeitig die Einwanderung der verfolgten Juden nach Palästina verbieten. Sie bringen die ohnehin kaum seetüchtigen Schiffe auf und internieren die Menschen unter anderen auf den Malediven.

Die Autorin gibt uns einen Einblick in die Arbeit der verschiedenen jüdischen Hilfsorganisationen, die oft als willfährige Helfer des NS-Regimes erscheinen, zumal sie dazu gezwungen werden, mit zwielichtigen und kriminellen Personen zusammenzuarbeiten. Es müssen Unterkünfte, Lebensmittel, Einreisegenehmigungen und Transitvisa beschafft werden. Alles äußerst schwierig und gefährlich sowie kostspielig.

Wie oft die versprochenen und im Voraus bezahlten Passagen - aus unterschiedlichen Gründen - nicht durchgeführt worden sind, zeigt die Geschichte des Kladowo-Transportes, der 1939 in einem der jugoslawischen Donauhäfen festsaß. Der heftige Wintereinbruch 1939 verhindert ihre schnelle Weiterreise, denn die versprochenen Schiffe kmen nicht.

Fazit:

Ich habe schon einiges über den Balkan als Fluchtroute für verfolgte Juden gelesen, trotzdem ist dieses Buch auf Grund der peniblen Recherche und der Fülle der dargebotenen Unterlagen eine Ergänzung meines bisherigen Wissens. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Auf der Flucht

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Auf der Flucht vor dem Nazi-Regime hat es viele Menschen nach Frankreich, die USA oder woanders hin verschlagen, aber es gab auch eine Fluchtroute auf den Balkan.
Immer wieder gibt es Berichte von Einzelschicksalen, ...

Auf der Flucht vor dem Nazi-Regime hat es viele Menschen nach Frankreich, die USA oder woanders hin verschlagen, aber es gab auch eine Fluchtroute auf den Balkan.
Immer wieder gibt es Berichte von Einzelschicksalen, einigen "begegnet" man im Verlauf des Buches immer mal wieder, andere werden dann doch deportiert, bei anderen ist der weite Lebensweg nicht bekannt. Am Anfang springt das Buch immer wieder zurück zu Tilla Durieux, die wirklich eine große Odyssee mit gemacht hat.
Es werden verschiedene Fluchtrouten und Ziele vorgestellt, immer wieder gibt es eine historische Einordnung und einen kurzen Abriss der Ereignisse, wie zum vereinten Jugoslawien, zum Attentat auf den König, die Donauschiffe, die monatelang warten mussten und es ungewiss war, ob sie Palästina erreichen werden oder nicht. Viele Helferinnen und Helfer werden genannt, manche handelten nicht ganz uneigennützig und nutzten das System für ihre Zwecke aus, andere wiederum engagierten sich.
Einige Geschichten und Menschen tauchen kurz auf, andere immer wieder. Geografisch ist es eine Reise über den Balkan.
Ein anspruchsvolles Buch, bei dem ich viel gelernt habe, auch wenn ich mir nicht längst alle Namen gemerkt habe.
Erich Wittenberg liest das Buch sehr gekonnt vor und seine ruhige Stimme passt perfekt.