Das Leben einer Frau Ende der 60er
"Donnersonntage" von Marie Molsberg ist ein Roman, der uns in die Zeit Ende der 60er Jahre in ein Dorf im Westerwald führt. Gelesen wird das Hörbuch von Astrid Kohrs. Es hat mich sofort in seinen Bann ...
"Donnersonntage" von Marie Molsberg ist ein Roman, der uns in die Zeit Ende der 60er Jahre in ein Dorf im Westerwald führt. Gelesen wird das Hörbuch von Astrid Kohrs. Es hat mich sofort in seinen Bann gezogen.
Renate ist Anfang 30, lebt mit ihrem Mann Werner , ihrem Sohn Stefan und ihrer Mutter Minchen in Brunnenbach, einem verschlafenen Ort im Westerwald. Sie fühlt sich dort nicht wohl, alles ist ihr zu eng und rückständig. Sie will mehr, vor allem nicht mehr von ihrer Mutter bevormundet werden. Auf der Dorfkirmes lernt sie Raimund kennen und tanzt mit ihm zum Missfallen aller den ganzen Abend durch, den Raimund ist erst 19 Jahre alt. Die beiden verlieben sich ineinander.
Marie Molsberg vermittelt uns in ihrem Roman die Atmosphäre in einem Dorf Ende der 60er Jahre bis Mitte der 70er. Sie lässt uns die Vorbehalte der Dorfgemeinschaft und den Tratsch miterleben. Eine verheiratete Frau fängt ein Verhältnis mit einem viel jüngeren Mann an? Sie verlässt Mann und Sohn? Das geht ja gar nicht! Renates Mutter Minchen und die Eltern von Raimund versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die beiden auseinander zu bringen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die ganzen Familien, was besonders die Kinder zu spüren bekommen. Besonders Minchen ist mir dabei besonders gegen den Strich gegangen. Sie schluckt jeden Tag mehr von ihren Seelentrösterpillen und glaubt die einzig fähige Person zu sein, die den Enkel Stefan großzieht. Wir erleben diesen Roman aus mehreren Perspektiven, nämlich von Renate, Raimund und Minchen und können der Zeitachse folgen. Molsberg bietet uns als Gegensatz zum dörflichen Leben aber auch das Leben in München, in dem auch zu dieser Zeit die Uhren schon ein wenig anders ticken. Nicht viel, aber ein Umschwung im Denken ist spürbar. Sie schildert aber nicht einseitig, auch Raimunds Eltern und Minchen kommen mit ihrer Sicht der Dinge zu Wort. Astrid Kohrs interpretiert das Hörbuch mit einer sehr angenehmen Stimme, die je nach gesprochener Person aber auch viel Antipathie vermittelt. Besonders bei Minchen (die ich ja sowieso nicht mochte) ist das besonders gut gelungen. Die Sprache des Romans hat mir gefallen, klar und präzise, mit viel Wärme und ohne Kitsch können wir die Protagonist*innen begleiten.
Es ist ein Liebesroman und doch wieder keiner, es ist ein Blick auf die Gesellschaft der damaligen Zeit. Sehr gut gelungen und auf jeden Fall empfehlenswert. Es ist ein Roman, der im Gedächtnis bleibt! Warum er Donnersonntage heißt? Es erklärt sich im Roman, aber in meiner Rezension erkläre ich es nicht
Der Roman regt zum Nachdenken an, denn auch heute gibt es immer noch solche Dörfer wie Brunnenbach, in denen die Zeit stehen geblieben ist. 5 Sterne bekommt Marie Molsberg für ihren Roman, den ich sicher auch noch einmal lesen oder hören werde.