Cover-Bild Der restliche Sommer

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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 14.03.2018
  • ISBN: 9783455404944
Max Scharnigg

Der restliche Sommer

Roman
»Max Scharnigg schreibt kluge, magische, lichtdurchflutete, einzigartige Geschichten.« Mariana Leky

Ein verliebter Stilkolumnist, der sich einen einzigen Fehltritt leistet. Ein mysteriöser Anschlag, der in Wirklichkeit ein Leben rettet. Und eine Frau, die sich plötzlich daran erinnert, wer sie einmal sein wollte. Geschichten von Liebe und Unbehagen - in einer Zeit, die grundsätzlich eine Zumutung ist.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2018

Enttäuschend banal

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„Der Fingerabdruck eines Paares liegt in einer Sprache, die nur ein anderer Mensch auf der Welt wirklich vollkommen richtig entschlüsseln konnte.“ (Zitat Seite 196)

Inhalt
Paul Neulich schreibt seit zwölf ...

„Der Fingerabdruck eines Paares liegt in einer Sprache, die nur ein anderer Mensch auf der Welt wirklich vollkommen richtig entschlüsseln konnte.“ (Zitat Seite 196)

Inhalt
Paul Neulich schreibt seit zwölf Jahren als August Sternberg eine konservative Ratgeber Kolumne über gutes Benehmen. Als ihm die Redaktion mitteilt, dass er nicht mehr in die zukünftige, moderne Blattlinie passt, verbringt er gerade mit der Performance Künstlerin Sara Almeida eine Auszeit in Portugal. Zwölf Jahre lang war Paul mit der Paartherapeutin Dr. Sonja Wilms verheiratet, bevor er sie verlassen hat. Sara wiederum war zuvor mit dem mit introvertierten Informatiker Tin Hasenglock zusammen, der gemeinsam mit zwei Freunden eine sehr erfolgreiche Social-Media-Community entwickelt hatte, Harpf.com. Persönliche Erlebnisse am Beginn dieses Sommers leiten Veränderungen ein …

Thema und Genre
Dieser Roman ist eine Momentaufnahme im Leben der Protagonisten, gesellschaftskritisch und mit ironischer Betrachtung der Entwicklungen im Social Media Bereich und Journalismus. Er handelt aber auch von der Frage „wer war ich früher, wer will ich heute sein“, die sich wohl jeder irgendwann im Laufe des Lebens stellt.

Charaktere
Die Protagonisten haben eines gemeinsam, sie träumen sich die eigene Situation schön, spielen ihre Rollen, reagieren, statt zu agieren. Erst als der Autor sie mehr oder weniger wichtige Situationen erleben lässt, setzen Veränderungen ein. Doch selbst manche dieser Ereignisse sind im Grunde banal, nur in ihrem persönlichen Empfinden bedeutend. Dadurch bleibt man auch als Leser ein unbeteiligter Beobachter.

Handlung und Schreibstil
Der Zeitrahmen der Handlung beschränkt sich auf die ersten Sommerwochen, alle weiteren Details aus dem Leben der jeweiligen Person erfährt der Leser, indem der Autor ihn durch die personale Erzählform an den Gedanken und Erinnerungen seiner Figuren teilhaben lässt. Die einzelnen Kapitel betreffen abwechselnd Paul, Sara, Sonja, Tin; der jeweilige Name ist die Überschrift. Ein einziges Kapitel ist aus Sicht des Nachrichtenchefs des Magazins, für das Paul schreibt, erzählt.
Die fließende, leicht zu lesende Sprache zeigt einige interessante Metapher, zum Beispiel beobachtet Paul ein Moskito in einem Spinnennetz. Interessant ist es auch, die Gedanken und Überlegungen der Protagonisten zu lesen, die oft im Gegensatz zum sichtbaren Verhalten und Handeln stehen.

Fazit
In der Realität sind die Dinge, die den vier Personen passieren, zwar wichtig, aber nicht so außergewöhnlich, wie sie es für sich selbst empfinden. Der Autor macht sich nicht die Mühe, auf die Auswirkungen der Ereignisse einzugehen, er bleibt vage, bei einem „vielleicht, vielleicht auch nicht“. Der ironisch gemeinten Gesellschaftskritik fehlen leider Humor und Ironie, dadurch versickert alles in 240 schnell zu lesenden Seiten von enttäuschender Mittelmäßigkeit.

Veröffentlicht am 18.05.2018

Der Mut zum Zweifeln

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„Der restliche Sommer“ bleibt den Protagonisten im gleichnamigen Buch von Max Scharnigg, um sich Ende Juli darum Gedanken zu machen, wie ihr weiterer Lebensweg sich gestalten soll. Auch das Cover trägt ...

„Der restliche Sommer“ bleibt den Protagonisten im gleichnamigen Buch von Max Scharnigg, um sich Ende Juli darum Gedanken zu machen, wie ihr weiterer Lebensweg sich gestalten soll. Auch das Cover trägt die Ungewissheit in sich. In Bezug auf den Inhalt des Romans wirft sich die Frage auf, ob ein Leben in sonnigen Gefilden unter Palmen der gewohnten Heimat im waldreichen Deutschland dauerhaft vorzuziehen ist.

Paul, Sara, Tin und Sonja sind die Protagonisten des Romans und stehen in ungleichem Wechsel in den Kapiteln im Fokus. Paul ist 45 Jahre alt und lebt seit zwölf Jahren vom Schreiben einer Kolumne über Benehmen im Knigge-Stil, die allerdings von den Lesern allmählich als hinterwäldlerisch und langweilend empfunden wird. Sara ist Künstlerin und kennt Tin von Jugend an. Sie hat sogar eine Zeit bei ihm gewohnt. Auf einer Lesung von Paul hat sie sich in ihn verliebt und vor zehn Monaten beschlossen, gemeinsam mit ihm, von allen Zwängen befreit am sonnigen Meer in wechselnden Ländern zu leben. Tin, 34 Jahre alt, hat einen Flug nach Portugal gebucht, wo Sara sich gerade mit Paul aufhält, weil er sich noch eine Chance auf Erwiderung seiner Liebe zu ihr erhofft. Er ist von Jugend an ein erfolgreicher Programmierer mit eigenem Unternehmen. Ein vermeintlicher Anschlag auf ihn am Flughafen macht seine Pläne zunichte und rettet gleichzeitig sein Leben. Sonja ist Paartherapeutin und die geschiedene Frau von Paul. Nach einem Radiointerview bekommen ihre Aussagen eine unverhofft große Aufmerksamkeit.

Max Scharnigg führt dem Leser mit seinen Charakteren vor Augen, dass das Leben unberechenbar ist. Manchmal nehmen wir eine Rolle ein, wie sie von uns erwartet wird und werden uns darüber erst später bewusst. So denkt man häufig von einer Künstlerin, dass sie neben Kreativität auch spontane Aktionen zeigen, von einer verheirateten Frau, dass sie ihren Mann umsorgen und sich um den Haushalt kümmern wird. Sara und Sonja kommen mit den Erwartungen zurecht, finden sich darin aber irgendwann nicht wieder.

Wer sich bequem in seinem Job eingerichtet hat, an den werden meist gar keine neuen Erwartungen gestellt. Damit kann man zufrieden sein oder auch nicht. Paul sucht an der Seite von Sara bereits nach neuen Wegen, ohne sich von den alten ganz lösen zu können. Für Tin ist die bevorstehende Reise ein ganz großer, aufregender Schritt raus aus seinem Nerd-Leben und der Einsamkeit seiner vollgestellten Wohnung.

Keiner ist zufrieden mit dem, was er gerade tut. Jeder der Charaktere hat sich seinen Beruf bereits als Jugendlicher ausgesucht und ihn im Zusammenleben mit einem Partner erprobt. Der Autor zeigt, dass der Mut zum Zweifeln, die Suche nach Selbstwert und das Einlassen auf Gelegenheiten neue Chancen bieten kann.

Max Scharnigg schreibt in einer sprachlich reichen Form mit einer leichten gesellschaftlichen Kritik. In seinen Beschreibungen ist für jeden etwas dabei, um sich darin wiederzufinden. Man spürt den Szenarien an, dass darin eigene Erfahrungen enthalten sind, das Übrige ergänzt er durch die Wiedergabe genauer Beobachtungen und Einfühlungsvermögen. Dennoch fehlt es ihm nicht an Fantasie, die zu einigen erheiternden Schilderungen führt. Gerne vergebe ich für diesen gleichzeitig ernsten und vergnüglichen Roman eine Leseempfehung.