Philosophie
Feuerwerk des Glücks"Glücksphysiker" Tilann Noller versucht mit diesen Buch etwas poetisches und tiefgründiges zu sagen. Leider wirkt es dadurch arg gezwungen und gestellt. Statt wirklich logischer Ableitungen von wissenschaftlichen ...
"Glücksphysiker" Tilann Noller versucht mit diesen Buch etwas poetisches und tiefgründiges zu sagen. Leider wirkt es dadurch arg gezwungen und gestellt. Statt wirklich logischer Ableitungen von wissenschaftlichen Theorien aus Psychologie und anderen Disziplinen ist dieser Roman eine "Küchen-Philosophie". Bilder und religiöse Konzepte ersetzen fundierte Argumente, und Begriffe wie "Wesensblüte" dominieren den Stil. Ein Beispiel für diese Problematik ist der Satz:
>Die Enttäuschung ist aber in Wahrheit eine Ent-Bindestrich-Täuschung.
Das hier hat nichts mit Wissenschaft zu tun, es werden schlicht eine Menge an wilden Hypothesen und daraufhin Simplifizierungen in wiederholendem und überspitzt ausgeschmücktem Sprech vorgetragen. Diese Verkürzungen wirken oft wenig durchdacht und wiederholen sich im Laufe des Buches. Nicht selten finde ich das Gesagte zu kurz gedacht.
CHARAKTERE
Stella wird als das Idealbild einer Partnerin gezeichnet: selbstlos, frei, nicht eifersüchtig und liebenswert. Im Gegensatz dazu ist Melanie das genaue Gegenteil: egoistisch, eifersüchtig, unehrlich und abhängig von der Meinung anderer. Der Protagonist diagnostiziert Melanie gar seelische Verletzungen und behauptet, dass sie, obwohl sie alles zum Glücklichsein hätte, es nicht sei. Die Botschaft des Buches ist klar: Menschen wie Stella sind liebenswert, Menschen wie Melanie hingegen nicht.
Besonders fragwürdig ist der folgende Satz:
>„Wo Liebe präsent ist, existiert Eigenliebe, und wo es keine Eigenliebe gibt, kann auch keine Liebe existieren.“
Das ist eine gefährliche Vereinfachung, denn die meisten Menschen besitzen keine vollkommene Eigenliebe. Solche Ratschläge isolieren Menschen, die mit Selbstliebe kämpfen, unnötig.
SCHREIBSTIL
Auch die Vorstellung von Glück wird im Buch auf problematische Weise dargestellt:
>„Ich frage mich ernsthaft, warum nicht alle Menschen einfach glücklich sein können. Glücklich zu sein ist doch so einfach und so schön.“
Diese Aussage ignoriert die Realität von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder traumatischen Erlebnissen. Glücklich zu sein ist nicht für alle Menschen "einfach". Solche Sätze invalidieren die Erfahrungen jener, die mit dem Glücklichsein kämpfen.
>„Die Liebe tritt in Erscheinung durch die Abwesenheit von Egoismus, allumfassendes Mitgefühl und damit die Abwesenheit von Gefühlskälte, Wahrhaftigkeit und damit die Abwesenheit von Falschheit, gegenseitige Hingabe, Offenheit und damit als Abwesenheit von Verschlossenheit, Ehrlichkeit und damit als Abwesenheit von Lüge, Vertrauen und damit die Abwesenheit von Furcht bzw. Angst.“
Auch hier wird ein Schwarz-Weiß-Denken propagiert, das realitätsfremd wirkt. Egoismus wird als der ultimative Feind der Liebe dargestellt. Es fehlt jedoch eine differenzierte Betrachtung, die anerkennt, dass gewisse Anteile von Egoismus und Angst natürliche und menschliche Verhaltensweisen sind.
FAZIT
Tilann Noller startet einen ambitionierter Versuch, Liebe und Glück auf poetische Weise zu erklären. Das Buch bietet eine klare Meinung zum Thema. Diese Gedanken regen zum Nachdenken an und bieten in ihrer Einfachheit Orientierung für Leserinnen und Leser, die nach Antworten in diesen Bereichen suchen. Allerdings wirkt die Darstellung oft vereinfacht und es fehlt an einer differenzierten Sichtweise auf komplexe menschliche Emotionen. Dennoch bleibt das Buch durch emotionalen Ansätze für Leser interessant, die nach inspirierenden, leicht zugänglichen Impulsen suchen.