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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2019

Leider doch zu vorhersehbar

Dein fremdes Herz
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Nela Harolds Leben hakt irgendwie: jobmäßig im Hamsterrad, die Erinnerung an ihren Vater Hannes ist schmerzlich, da er die Familie damals mehrfach enttäuscht hat, ihre Mutter ein Pflegefall. Eines Tages ...

Nela Harolds Leben hakt irgendwie: jobmäßig im Hamsterrad, die Erinnerung an ihren Vater Hannes ist schmerzlich, da er die Familie damals mehrfach enttäuscht hat, ihre Mutter ein Pflegefall. Eines Tages erhält sie ein Paket, voll von alten Briefen. Nela packt ihre Sachen und sucht den Briefen zufolge am Meer nach Maximilian, den ebenfalls etwas belastet. Am Meer stellt Nela fest, dass die Briefe bald alles für sie verändern werden - ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart sowie ihre Zukunft.

Meine Meinung:
Kati Secks Sprache ist modern und direkt und dennoch vermag sie es, Sinnsätze mit einzubauen, die tiefe Bedeutung haben.

Zu der Hauptfigur Nela entwickle ich keine sonderlich tiefgehende Sympathie, im Großen und Ganzen plätschert die Story so dahin.
Ganz im Gegenteil dazu stehen die als von Ellen verfasste Briefe dargestellten Passagen. In diesen Parts stellt Kati Seck ihr Gespür für Emotionalität unter Beweis. Speziell in diesen Parts wird das sensible Thema Organspenden und die erlebten Gefühle angegangen, die man durchlebt, wenn man sich hilflos dem Dahinsiechen und schlussendlichen Tod eines geliebten Menschen gegenüber findet.

Und das, was ich zuvor während des Lesens bereits befürchtet habe, tritt dann auch tatsächlich ein: Nela und Maximilian verlieben sich ineinander. Das ist meines Erachtens sehr vorhersehbar, desweiteren finde ich nicht, dass die an sich sehr gute Story dessen bedurft hätte, bei mir ruft dies Stirnrunzeln hervor.

Das Ende der Geschichte um Nela und Maximilian hat für mich etwas Bittersüßes - zwar haben sie jetzt einander, doch wer weiß, für wie lange, da Max's Spenderherz schon vor 15 Jahren eingesetzt wurde und ja in jüngster Zeit deutlich schwächer geworden ist. Auf mich wirkt diese Situation hoffnungslos und tragisch. Und doch ist es alles, was die beiden haben. Jedenfalls tangiert mich die Liebe der beiden zueinander nur peripher, da das Muster in dem Buch recht vorhersehbar und beliebig ist.

Ich hätte mir im Rahmen des hier behandelten Themas Organspende gewünscht, dass Kati Seck auf solch überaus Vorhersehbares wie "Nela&Maximilian werden ein Paar" verzichtet hätte - schade.
Daher kann ich dieses Buch auch nur mit 3 Sternen bewerten.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Augenöffnende Pflichtlektüre

Die große Heuchelei
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Der Autor Jürgen Todenhöfer war früher als Politiker tätig, als Jurist und auch als Publizist. Nach weiteren Büchern ist "Die große Heuchelei" nun sein aktuellste Werk.

Dass Hr. Todenhöfer schonungslos ...

Der Autor Jürgen Todenhöfer war früher als Politiker tätig, als Jurist und auch als Publizist. Nach weiteren Büchern ist "Die große Heuchelei" nun sein aktuellste Werk.

Dass Hr. Todenhöfer schonungslos und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen Missstände aufdeckt, war bereits in der Vergangenheit stets so, und so ist es nun auch weiterhin. In kurzen Kapiteln werden die Sachverhalte oder Erfahrungen aufgeteilt, was auch besser ist, denn da nach dem ein ist anderen Kapitel möchte man auch gern erstmal durchatmen.

Ein gesondertes Lob möchte ich an dieser Stelle auf keinen Fall unerwähnt lassen: Man verzichtet bei der Buchverpackung komplett auf Plastikfolie - stattdessen wird ein Klebestreifen verwendet.

Hr. Todenhöfer schildert in diesem Buch menschliche Schicksale im nahen Osten, erläutert geschichtliche oder politische Zusammenhänge und Entwicklungen der älteren bis zur jungen Geschichte. Weiterhin berichtet er von seinen Erlebnissen, als er zusammen mit seinem Sohn ins Gebiet des IS gereist ist.

Es wurden wirklich erschütternde, entsetzliche Verbrechen begangen. Diese wurden von den Regierungen beispielsweise unter dem Deckmantel "Befreiungskrieg" oder ähnlichem der Öffentlichkeit verkauft.
Ich für meinen Teil bin nach der Lektüre entsetzt über das Ausmaß dessen, wie westliche Regierungen vordergründig "helfen" wollen und doch höchst berechnend nur für ihren eigenen Nutzen handeln. Und die Menschen dort richtig leiden.
Nicht nur einmal schüttelte ich beim Lesen fassungslos den Kopf.
Sogar eine Fr. Merkel tritt in diesem Buch aufgrund ihres zweifelhaften Verhaltens in den Fokus. Und welchen Stellenwert die Medien inne haben und die Menschen in nicht geringem Ausmaß manipulieren, fernab der Wahrheit, wie sie tatsächlich abläuft. Für diese echte Wahrheit braucht es Menschen wie Hr. Todenhöfer.

Ein immens wichtiges Buch. Ich hoffe, es wird von vielen Menschen gelesen. Und ich hoffe, es wird den Menschen wie Schuppen von den Augen fallen, dass eventuell nicht alles so ist wie es in den Medien verkündet wird.
Danke Herr Todenhöfer für dieses Buch.

Veröffentlicht am 07.04.2019

Wie der Weg in einen Irrgarten

ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL
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" Wie der Weg in einen Irrgarten..."
so schrieb ich in meinem Leseeindruck nach der Lektüre der Leseprobe.

Und genauso beginnt sich der Schriftsteller Manuel nach dem Tod seines Ehemannes Alvaro in einen ...

" Wie der Weg in einen Irrgarten..."
so schrieb ich in meinem Leseeindruck nach der Lektüre der Leseprobe.

Und genauso beginnt sich der Schriftsteller Manuel nach dem Tod seines Ehemannes Alvaro in einen wahrhaften Irrgarten zu verirren. Denn sein Liebster, so scheint es, hatte neben seinem Leben mit Manuel noch ein anderes in Galicien. Hier tun sich im Zusammenhang mit Alvaros Familie, die dort lebt, nach und nach immer mehr Abgründe auf. Was Manuel in der Zeit der Aufdeckung all dieser Geschehnisse und Umstände erfährt, ist echt erschütternd.

Die kriminalistischen Details der Tat nehmen nicht zu viel Raum ein und kommen genau zur rechten Zeit im Buch. Ich bin zwar durchaus Krimi- Fan, doch was in diesem Buch alles enthüllt wird, wovon man vorher keinen blassen Schimmer hatte, hat erste Priorität und da hat Dolores Redondo genau die richtige Gewichtung vorgenommen.

Ich kam beim Lesen größtenteils gut voran, dank der flüssigen Schreibweise findet man sich recht schnell in das Geschehen ein. Der Protagonist Manuel ist mir sofort von Beginn an sympathisch, seine Gedankengänge sind schlüssig und nachvollziehbar.

Den einzigen kleinen Kritikpunkt bildet der unmittelbare Schluss, denn wenn man sich so ca. 60 Seiten vor dem Ende befindet, wirkt das Ganze ein wenig in die Länge gezogen.

Alles in allem ein toller Roman mit geringem Abzug in der B-Note.

Veröffentlicht am 11.03.2019

... über das eigene Dasein und das darüber Hinaus...

Altern. Sterben. Tod.
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Mit dem Sachbuch "Altern.Sterben.Tod." gibt Oliver Müller, Professor für angewandte Medizin- und Biowissenschaften einen umfassenden Blick in das Themenfeld, das jeden von uns betrifft und betreffen wird. ...

Mit dem Sachbuch "Altern.Sterben.Tod." gibt Oliver Müller, Professor für angewandte Medizin- und Biowissenschaften einen umfassenden Blick in das Themenfeld, das jeden von uns betrifft und betreffen wird. Sowohl aus Sicht der Naturwissenschaften, der Medizin als auch - kurz - der Philosophie wird das Themenfeld des Alterns, des Sterbens und des Todes betrachtet, erläutert und diskutiert.

An dieser Stelle muss man als nicht-Studierte/r mitnichten das Buch beiseite legen. Denn alle behandelten Themen werden so behandelt, dass auch für Nicht-Mediziner alles verständlich ist. Auch kommt der Text nicht zu theoretisch und trocken daher, einerseits durch die nicht exzessiv ausufernden Kapitel, andererseits durch etliche den Text auflockernde Schaubildchen.
Ferner können alle Kapitel einzeln gelesen werden, müssen nicht zwangsweise alle chronologisch hintereinander gelesen werden.

Eine verständliche Abhandlung über ein Thema, das an keinem von uns vorbei geht. Ein Buch, das zum Nachdenken über das eigene Dasein anregt und über das darüber Hinaus.


Veröffentlicht am 05.03.2019

Vehement und eindrücklich

1793
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Wir schreiben das Jahr 1793 in Stockholm. Ein Ort zu einer Zeit, den man nicht als Wunschdestination angeben würde. Eine übel zugerichtete Leiche wird von Stadtknecht Michael Cardell aus der Stockholmer ...

Wir schreiben das Jahr 1793 in Stockholm. Ein Ort zu einer Zeit, den man nicht als Wunschdestination angeben würde. Eine übel zugerichtete Leiche wird von Stadtknecht Michael Cardell aus der Stockholmer Stadtkloake gezogen. Zusammen mit dem von der Tuberkulose schwer gezeichneten Juristen Cecil Winge begibt sich der einarmige Kriegsveteran auf die Suche nach dem Täter dieses grausigen Verbrechens. Dabei werden Abgründe aufgetan, geprägt von Ausweglosigkeit und Verzweiflung bis hin zu schlimmer Gewaltanwendung.

Obwohl "1793" der Debütroman des Schweden Niklas Natt och Dag ist, lässt das Werk nahezu keine Mängel erkennen. Die Sprache des 39-Jährigen transportiert die Szenen sehr lebhaft und direkt, was einen dazu bringt, das Buch nicht mehr aus den Händen legen zu können. Das Cover in Schwarz spiegelt die düsteren Zeiten wider, in denen die Story sich abspielt. Das Gold.. Hierzu fällt mir nur eine Songzeile meiner Lieblingsband Hämatom ein, die da lautet "...auch wenn es glänzt, ist es nicht Gold ..." - ich spiele hiermit auf die beschriebenen
Umstände im Stockholm des Jahres 1793 an.
Bei historischen Werken habe ich persönlich immer etwas Bedenken, mich ran zu wagen, weil ich denke, die Opulenz der Sprache drückt mich nieder. Das passiert Niklas Natt och Dag eben nicht - was allerdings geschieht, ist, dass ich mich unmittelbar in diese stinkenden Gassen hinein versetzt fühle. Dass es ein Autor schafft, solche Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, zeigt von sehr gutem Gefühl für das Schreiben.
Die dargestellten Gewaltszenen werden so plakativ beschrieben, dass man sie unmittelbar vor dem inneren Auge hat und man sich diese unschwer und umso eindrücklicher vorstellen kann. Diese Szenen sind für mich persönlich nicht zu hart, obwohl ich durchaus das ein oder andere Mal geschluckt habe, aber für echt zart Besaitete ist dieses Buch mit Vorsicht zu genießen.
Die Willkür des Systems, die Hoffnungs- und Ausweglosigkeit sowie die Umstände, in denen die Menschen im Stockholm des Jahres 1793 lebten, machen sprachlos, atemlos und sind schon als schwere Kost zu bezeichnen, klingen die durch die Lektüre hervorgerufenen Gefühle doch einige Zeit nach.
Trotz ihrer eigenen Schicksale verfolgen die beiden Ermittler die Suche nach dem Täter und das Bestreben nach Gerechtigkeit in all der Düsternis. Obwohl beide jeweils genügend vom Schicksal gezeichnet sind, der eine verkrüppelt, der andere todkrank, verfolgen sie doch die Suche nach der Wahrheit, der Gerechtigkeit, was sie in meinen Augen zu Helden macht in dieser finsteren Zeit, in der Lügen, Verrat, Ungerechtigkeit, Willkür und Gewalt den Ton angeben.
Die geschilderten Schicksale von Anna Stina sowie die Briefe lassen zunächst kennen Zusammenhang erkennen zu dem anfänglich begangenen Verbrechen, doch zum Ende hin fügt sich alles zu dem großen Ganzen. Auch hierbei gelingt es dem Autor, die Einzelteile nicht wie künstlich zusammen gezimmert erscheinen zu lassen, sondern alles passt harmonisch zufallen, auch wenn" harmonisch" in dem Roman eventuell doch die falsche Bezeichnung ist.

"1793" ist ein historischer Krimi mit 2 bemerkenswerten, einigen bedauernswerten und auch mit verachtenswerten Figuren, ein Werk, das ob seiner Vehemenz und Eindringlichkeit sprachlos macht und das man gelesen haben muss.