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Veröffentlicht am 16.08.2023

Stalker-Story vom Feinsten

ANGST
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Ivar Leon Menger legt mit „Angst“ seinen zweiten Thriller vor. Angst hatte ich tatsächlich ein bisschen, nachdem mir Mengers Debüt „Als das Böse kam“ so gar nicht gefallen hat. Weil ich Menger aber für ...

Ivar Leon Menger legt mit „Angst“ seinen zweiten Thriller vor. Angst hatte ich tatsächlich ein bisschen, nachdem mir Mengers Debüt „Als das Böse kam“ so gar nicht gefallen hat. Weil ich Menger aber für seine innovativen Hörspiele und Hörbücher schätze, wollte ich ihm auf jeden Fall auch in Buchform noch eine Chance geben. Also bin ich so unvoreingenommen wie möglich an das Burch herangegangen … und bin dafür belohnt worden.
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Darum geht’s: Mia hat ein Date mit Viktor. Allerdings ist ihr der Typ nicht geheuer. Ein weiteres Treffen kommt für sie nicht in Frage. Allerdings geschehen in den nächsten Tagen seltsame Dinge. Aus anfänglicher Beunruhigung wird konkrete Angst. Mia ist sich sicher: Sie wird gestalkt. Und weil sie keine Hilfe bekommt, hilft sie sich selbst. Ein gefährliches Spiel beginnt…
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„Angst“ ist ein Quantensprung im Vergleich zum Vorgänger. Besser geschrieben. Besser durchdacht. Viel besser konzipiert, was Plot, Charaktere und Setting angeht. Die Storyline hat mich von Anfang an fasziniert. Das Stalker-Thema hat Menger aber natürlich auch genial gewählt. Es spielt ihm von Hause aus mit einer gruseligen Grundstimmung und Spannung in die Hände. Und Menger nutzt die Steilvorlage. Ich habe mitgefiebert und -gelitten und den Stalker verflucht.
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Die Geschichte scheint recht klar zu sein. Wirklich? Denn irgendwie entwickelt man eine Ahnung, dass hinter der Geradlinigkeit mehr steckt. Es sind Kleinigkeiten, die mich immer wieder misstrauisch gemacht und einen Verdacht gesät haben. Menger setzt feine Spitzen, um die Leser*innen dann aber doch wieder geschickt davon abzulenken. Bereitwillig und atemlos bin ich allen Wendungen gefolgt. Auf dem vermeintlichen Höhepunkt setzt Menger dann nochmal eins obendrauf. Das ist das absolute Sahnehäubchen. Dass meine zwischenzeitliche Vermutung sich bestätigt hat, war eine kleine Genugtuung.
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Fazit: Was für ein toller Thriller. Menger hat mich mit „Angst“ mitgerissen, begeistert und überzeugt. Ich bin durch die Seiten geflogen und feiere das durchweg schwelende Spannungsgefühl. Mit dieser deutlichen Steigerung im Vergleich zu seinem Debüt, hat Menger sich für „Angst“ eine Topp-Bewertung verdient.

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Veröffentlicht am 13.08.2023

Kobr überzeugt auch solo

Sonne über Gudhjem
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Michael Kobr kenne ich seit mittlerweile zwei Jahrzehnten als eine Hälfte des Autoren-Duos Klüpfel & Kobr. Ihr Kommissar Kluftinger ist für mich zu einer geliebten Kultfigur geworden. Auch ihre Bücher ...

Michael Kobr kenne ich seit mittlerweile zwei Jahrzehnten als eine Hälfte des Autoren-Duos Klüpfel & Kobr. Ihr Kommissar Kluftinger ist für mich zu einer geliebten Kultfigur geworden. Auch ihre Bücher außerhalb dieser Reihe lese ich gerne. Und Lesungen der beiden sind sowieso Garant für richtig viel Spaß. Nun hat Michael Kobr sich aber erstmals an ein Solo-Projekt gewagt. Ich hatte hohe Erwartungen an "Sonne über Gudhjem" und gleichzeitig ein bisschen Angst, enttäuscht zu werden. Letzteres war aber komplett unbegründet.
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Lennart Ipsen, so heißt auf Bornholm das Müllabfuhr-Unternehmen. Und entsprechend verwundert oder auch belustigt reagiert erst mal jeder Einheimische, dem sich der neue Insel-Kommissar vorstellt. Nach einer Trennung und einem Burnout wagt Ipsen auf Bornholm einen Neuanfang. Möglichst ruhig und beschaulich soll er sein. Zu Ipsen hatte ich direkt einen Draht, denn erist ein Früh-ins-Bett-Geher wie ich und schläft genau wie ich bei Hörbüchern nach 5 Minuten ein. Kurzum: Er ist ein durch und durch sympathischer Kerl, den man einfach gern haben muss.
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Keiner ist so glücklich wie die Dänen. Angesichts der von Michael Kobr in Worte gefassten Insel-Vibes hat sich bei mir auch direkt ein wohliges Gefühl breit gemacht. Die Beschreibung der Häuser und Landschaft hat etwas von Pippi Langstrumpf. Ich weiß, die ist natürlich in Schweden beheimatet. Aber trotzdem. Ipsens neuer Arbeitsplatz, die Wache mit gerade mal zwei weiteren Kollegen, hat mich irgendwie an die Fernsehserie "Mord mit Aussicht" erinnert. Zu diesem Vergleich tragen auch viele herrlich humorvolle Szenen, die ich einfach nur genossen habe.
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Ach ja, einen Toten gibt es allem Cosy-Glücks-Gefühl zum Trotz aber auch. Schweinebauer Kristensen wird in seiner Räucherkammer gefunden. Man könnte ihn als gut durchgegart bezeichnen. Schnell stellt sich heraus, dass das Opfer ein eher unbeliebter Zeitgenosse war. Und so stößt Ipsen im Verlauf seiner Ermittlungen auf etliche Verdächtige, die ein Mordmotiv hätten. Auf Bornholm herrscht eben auch nicht nur eitel Sonnenschein.
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"Sonne über Gudhjem" empfehle ich allen, die gerne leicht und locker geschriebene Krimis in schöner Atmosphäre und mit herzigen Charakteren mögen. Der Mordfall läuft fast schon so nebenbei, ohne aber zur Nebensache zu werden. Die Ermittlungen fand ich spannend, die Auflösung überzeugend und den finalen Schlusspunkt nochmal richtig gelungen.
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Fazit: Michael Kobr hat mich mit seinem Solo-Krimi begeistert. Eigentlich wäre ich gerne auf Bornholm geblieben, um direkt den nächsten Fall mit Lennart Ipsen zu lösen. Ich habe die Charaktere und das Setting sofort ins Herz geschlossen. Ich freue mich definitiv auf mehr!

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Veröffentlicht am 07.08.2023

Massentaugliche Thriller-Ware

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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Ich bin bekennender Strobel-Fan. Der Autor hat über die Jahre etliche Thriller geschrieben, die mich total begeistert haben. Da verzeiht man auch mal Durststrecken und Bücher, die da nicht an die persönlichen ...

Ich bin bekennender Strobel-Fan. Der Autor hat über die Jahre etliche Thriller geschrieben, die mich total begeistert haben. Da verzeiht man auch mal Durststrecken und Bücher, die da nicht an die persönlichen Favoriten ran reichen. Das nächste richtig gute Buch wird schon kommen, denke ich mir immer. "Der Trip" ist es aber leider nicht.
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Darum geht’s: Der Campingplatz-Mörder geht um. Endlich gibt es aber einen Zeugen und damit dann auch ein Phantombild. Auf dem glaubt die Psychologin Evelyn Jancke ihren Bruder zu erkennen. Nur, dass Fabian und seine Frau bei einem Camping-Trip vor zwei Jahren spurlos verschwunden sind.

Der Auftakt des Thrillers verlief nach Maß. Tolles Szenario. Mysteriöse Spannung. Am Ende jedes Kapitels ein Cliffhanger. Ab der Hälfte nutzt sich das aber zunehmend ab. Gefühlt passiert nicht viel, außer dass sich die Protagonistin die ewig gleichen Fragen stellt. Dann kommt aber doch noch eine Wendung. Die hat mich an einen meiner Lieblings-Strobels "Das Dorf" erinnert. Hier hat der Kniff aber nicht denselben Effekt. Er hat bei mir kurz für Irritation gesorgt. Ansonsten ist er eher ein Showstopper, der die Spannung nicht erhöht, sondern rausnimmt. Ich habe nicht eine Sekunde geglaubt, dass die Prota jetzt komplett einen an der Klatsche hat. Diese Finte war doch etwas zu plump. Vielleicht habe ich auch einfach schon viel in dieser Richtung gelesen. Auch die kurzen Kapitel aus Tätersicht tragen kaum etwas zur Dramaturgie bei. Sie bleiben viel zu schemenhaft und oberflächlich, um mein Interesse am Täter, seiner Geschichte und seinem Motiv zu wecken.
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Der spannend aufgebaute Handlungsablauf ist ab einem gewissen Punkt durchschaubar. Außerdem hat mich der teilweise sehr einfache Schreibstil genervt. Das Gesamtkonstrukt macht den Eindruck, als würde der Autor seinen Lesern nicht allzu viel zutrauen. Ein paar mehr sprachliche Finessen und Feinheiten dürfen aber auch bei einem Thriller ruhig sein.
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Fazit: "Der Trip" von Arno Strobel hat mir immerhin besser gefallen als sein letzter Stand-Alone FAKE. Bis zur Hälfte würde ich den neuen Psychothriller sogar als stark bezeichnen. Dann baut er allerdings ab, sodass er insgesamt im Mittelmaß hängen bleibt.

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Veröffentlicht am 04.08.2023

Gelungene Reihen-Fortsetzung

Düstergrab
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"Düstergrab" ist der 6. Band der Elbmarsch-Reihe von Romy Fölck. Der Krimi reiht sich nahtlos in die insgesamt gute Serie ein.
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Darum geht’s diesmal: Kommissarin Frida Paulsen nimmt an der Beerdigung ...

"Düstergrab" ist der 6. Band der Elbmarsch-Reihe von Romy Fölck. Der Krimi reiht sich nahtlos in die insgesamt gute Serie ein.
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Darum geht’s diesmal: Kommissarin Frida Paulsen nimmt an der Beerdigung eines alten Freundes teil. Über Nacht wird das Grab geschändet. Als daraufhin der Sarg geöffnet wird, liegt eine zweite Leiche darin. Ein junges Mädchen in seltsamer Kleidung. Die Tote und ihre Zwillingsschwester waren vor Jahren spurlos verschwunden…
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Alles beginnt mit einem mysteriösen Prolog der mich direkt in Spannung versetzt hat. Der perfekte Auftakt für einen weiteren typischen Romy Fölck-Krimi. Die Autorin schafft einmal mehr Atmosphäre und Bilder. Automatisch springt das Kopfkino an. Mit den Protagonisten war es wieder ein gewohnt schönes Wiedersehen. Die Personen sind mir über die Jahre richtig ans Herz gewachsen. Von Band zu Band tut sich für sie etwas - sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene. Beziehungen untereinander, Freundschaft, Familie und Kollegialität werden groß geschrieben. Das führt Fölck in ihrer typischen Art und Weise mit der Krimi-Handlung zusammen. Auch diesmal ist der Plot wieder geschickt konstruiert. Souverän werde ich durch verschiedene Handlungsstränge geführt. Wie sich wohl alles auflöst? Immer wieder gibt es neue Entwicklungen. In der Schlussphase hat mich so manche Wendung nochmal richtig überrascht. Einen Stern ziehe ich ab, weil mir das Ende im Vergleich zum ruhigen und intensiven Handlungsaufbau etwas zu übereilt daherkam und auch einen Tick überkonstruiert vorkommt.
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Fazit: Romy Fölck hat ihre Reihe erneut stimmig fortgesetzt. Der Krimi ist gefühlvoll und warmherzig. Spannung kommt aber nicht zu kurz. Wie immer bin ich am Ende schon neugierig auf den nächsten Teil.

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Veröffentlicht am 30.07.2023

Spannung und maritimes Flair

Nordlicht - Tod in den Fluten
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Boisen & Nyborg ermitteln wieder. "Tod in den Fluten" ist Band 5 der NORDLICHT-Reihe von Anette Hinrichs. Ich verfolge die Krimis schon von Anfang an und kann euch die Krimis nur wärmstens empfehlen.
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Darum ...

Boisen & Nyborg ermitteln wieder. "Tod in den Fluten" ist Band 5 der NORDLICHT-Reihe von Anette Hinrichs. Ich verfolge die Krimis schon von Anfang an und kann euch die Krimis nur wärmstens empfehlen.
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Darum geht’s: Ein mörderischer Segeltörn auf der Flensburger Förde. Bei einem Firmenevent geht die Bankerin Saskia Niekamp über Bord. Ihre Leiche wird kurz darauf an der dänischen Küste angespült.
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Dauerregen und Starkwind. Das ist die Atmosphäre, die die Leser*innen hier empfängt. Sofort ist man hautnah dabei. Das maritime Flair bleibt im Roman erhalten - auch, wenn es vom Wasser runter geht und sich das Wetter wieder beruhigt. Der Grenzfall führt die Ermittler Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg wieder zusammen. Beide begegnen sich nach traumatischen Ereignissen in Band 4 zunächst distanziert. Aber schnell fluppt die deutsch-dänische Kooperation wieder wie gewohnt. Wie bereits in den vorangegangenen Büchern liegt auch hier wieder ein Fokus auf dem zwischenmenschlichen Miteinander und landestypischen Eigenheiten. Die Figuren werden erneut ein Stückchen weiterentwickelt. Der Kriminalfall ist gewohnt klassisch angelegt. Die Tote entpuppt sich als nicht ganz so nett und harmlos wie gedacht. Es gibt viele Verdächtige. Und ein ähnlich gelagerten 20 Jahre alter Cold Case feuert die Ermittlungen zusätzlich an.
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Auf den neuen NORDLICHT-Fall hatte ich mich schon lange gefreut. Einmal mehr bin ich nicht enttäuscht worden. Die Charaktere haben nach wie vor Potenzial. In Band 5 werden weitere interessante Entwicklungen antizipiert. Natürlich möchte ich wissen, was Anette Hinrichs mit Ihren Protagonisten weiter vorhat. Auch der Fall war wieder dankend zu verfolgen und hat eigene Spekulationen befeuert.
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Fazit: Die NORDLICHT-Reihe ist eine große Empfehlung von mir für alle Krimifans. Tolle Ermittler. Spannende Ermittlungen. Außerdem mag ich Anette Hinrichs flüssigen und sehr anschaulichen Schreibstil. Wenn das Level so bleibt, wie bisher, freue ich mich noch auf viele weitere Fälle mit Boisen & Nyborg.

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