Ein neues Haus wird gebaut, und dort gibt es eine Menge zu tun: eine Baugrube wird ausgehoben, Beton wird gegossen, irgendwann ist der Rohbau fertig und ganz zum Schluss steht der Umzug an! Bei jedem Arbeitsschritt ...
Ein neues Haus wird gebaut, und dort gibt es eine Menge zu tun: eine Baugrube wird ausgehoben, Beton wird gegossen, irgendwann ist der Rohbau fertig und ganz zum Schluss steht der Umzug an! Bei jedem Arbeitsschritt werden verschiedene Fahrzeuge eingesetzt – und die bewegen sich durch dieses liebevoll gestaltete Bilderbuch sogar. Auf jeder Doppelseite wird ein Arbeitsschritt gezeigt und es gibt einen Fahrweg, auf dem durch die doppellagige Gestaltung der Seiten eine Scheibe mit dem jeweiligen Fahrzeug verschoben werden kann. Ein Buch, dass zum Entdecken, Mitmachen und Erzählen anregt.
Ich finde die Gestaltung gut gelungen und denke, dass „Fahr mit! Auf der Baustelle!“ immer wieder zum Ansehen und Spielen einlädt und animiert. Durch die vielfältige Gestaltung spricht es sowohl Mädchen als auch Jungen gleichermaßen an. „Am Kind“ wurde das Buch noch nicht getestet, da es ein Geschenk für meine Nichten sein wird, aber mein Mann hat getestet, alle Aufgaben mit Bravour bestanden und für gut befunden! Das Bewegen der Scheiben ist mitunter etwas fummelig, gelingt mit kleinen Kinderfingern aber sicher sehr gut.
Jan ist vollkommen konsterniert, als ihn ein Patient anspricht, Zusammenhänge der beiden Familien andeutet, ihm Unterlagen förmlich aufdrängt, Jans Mutter erwähnt und seine Verwandtschaft zum berühmten ...
Jan ist vollkommen konsterniert, als ihn ein Patient anspricht, Zusammenhänge der beiden Familien andeutet, ihm Unterlagen förmlich aufdrängt, Jans Mutter erwähnt und seine Verwandtschaft zum berühmten Maler Georg Baselitz. Nichts desto trotz gibt er diesem „komischen Kauz“ nach, macht sich auf die Spurensuche, in den Unterlagen, in Deutschbaselitz, dem Heimatort des Malers und mit vorsichtigen Fragen bei seinem Vater. Seine Mutter kann er nicht mehr fragen. Viel bringt er erst einmal nicht in Erfahrung, aber das seinem Vater das Thema unangenehm ist, wird ihm klar, und auch, dass in der Vergangenheit seiner Eltern Dinge vorgefallen sind, die er nicht weiß, ist ihm durchaus seit Jahren bewusst. Doch eine Verbindung nach Deutschbaselitz, zur Familie Kern, so der bürgerliche Name des Malers, war ihm bisher unbekannt.
Der Roman berichtet parallel über Jan, seine Familie und seine Verwunderung über die Ansprache des Patienten namens Thorsten Kern sowie über dessen Familiengeschichte, vor allem die seines Vaters, Günter Kern, dem Bruder des Malers, und deckte langsam Vorgänge der Vergangenheit auf, in Details vermutlich exemplarisch für viele Schicksale in der DDR, aber in ihrer Besonderheit dann wiederum einzigartig und individuell.
Nebenbei bemerkt, bin ich froh, diesmal tatsächlich nicht den Klappentext oder die Beschreibung vorher allzu deutlich gelesen zu haben – er hätte mir nämlich für meinen Geschmack viel zu viel verraten. Natürlich war mir irgendwie klar, dass es eine Verbindung zwischen Jans Familie und der von Torsten Kern geben MUSS, und auch, dass es selbstverständlich irgendwie mit dem politischen System der DDR und der Stasi zusammenhängt, aber en detail geahnt habe ich es nicht und es war für mich einer der sehr guten Momente im Buch als mir klar wurde, wer welche Rolle spielte und wo eine Verquickung stattgefunden hatte.
Was bleibt hängen? Für mich kommt Raumfahrer nicht an Rietzschels ersten Roman heran. Ich mag den Schreibstil, aber der Plot blieb mir hier zu blass. Eindrucksvoll ist die Leere, die der Autor schafft zu vermitteln. Egal, ob das Krankenhaus, in dem Jan (noch) arbeitet, die sich verändernden Wohnsiedlungen oder die Menschen selbst. Er vermittelt ein Gefühl des Vakuums, der immer noch post-Wende-Ära, der immer noch überstrahlenden Vergangenheit eines totalitären Regimes mit für Außenstehenden nicht nachzuvollziehenden Mechanismen. Dinge, die in den Menschen, die sie erlebt haben – und sei sogar nur mittelbar, z.B. durch Eltern und deren Schicksal, für immer zementiert bleiben werden. Dauerhafter als jedes Bauwerk es war. Mit langen Schatten, die bis heute geworfen werden können. Diese Vermittlung von Leere, Luftleere, die den Menschen umgibt – eben den Raumfahrer - ist in meinen Augen das Stärkste an diesem Roman.
Walk wollte Polizist werden seit er als Jugendlicher in seiner Heimatstadt Cape Haven in Kalifornien bei einer Suche nach einem vermissten Kind dabei war. Heute sorgt er im ruhigen Umfeld der Provinz unaufgeregt ...
Walk wollte Polizist werden seit er als Jugendlicher in seiner Heimatstadt Cape Haven in Kalifornien bei einer Suche nach einem vermissten Kind dabei war. Heute sorgt er im ruhigen Umfeld der Provinz unaufgeregt für Ordnung, falls es denn überhaupt zu einem Zwischenfall kommen sollte. Leider zu häufig muss er zu einem Einsatz bei Star Radley eilen. Die Schwester des damals vermissten Kindes kommt einfach mit ihrem Leben nicht zurecht, Leidtragende sind häufig ihre beiden Kinder Robin und Duchess. Duchess hält die Familie so gut es geht am Laufen, sorgt mit ihren dreizehn Jahren für den Haushalt, das Frühstück für den kleinen Bruder, den Notruf, wenn es mal wieder nötig ist. Der Schicksalsschlag damals hat Cape Haven nachhaltig geprägt und die Familie Radley für immer gezeichnet. Als Walks bester Freund aus Kindertagen, Vincent King, nach Jahrzehnten wieder auftaucht, wird dies abermals zu neuen Verwicklungen, Komplikationen und Ereignissen führen, die Duchess nun schlussendlich auch überfordern müssen, alles was sie bisher ganz gut hinbekommt, gerät ins Wanken und fliegt ihr irgendwann buchstäblich um die Ohren.
Wenn man liest und urteilt, und mit Duchess mitfühlt und manchmal auch ihre Entscheidungen und Handlungen verurteilt, dann vergisst man ganz leicht eine Tatsache: Duchess ist selbst ein Kind, gerade mal ein Teenager. Sie tut nur keine Kinder-Dinge, ihr Leben ist nicht das normale, sorglose einer Jugendlichen, was ja mitunter schon schwierig und verwirrend genug sein kann. Sie ist viel zu erwachsen, hat viel zu viel Erfahrung in der Abwicklung von Dingen, die sie gar nicht kennen sollte. Sie reagiert hochemotional und absolut – wie ein Teenie, aber mit anderen Mitteln, anderen Entscheidungen, weil das Schicksal sie dazu bringt. Das kann den Leser sehr mitnehmen und sehr berühren und macht für mich die Qualität der Erzählung aus. Duchess beginnt ihr Leben nicht erst, sie wurde nicht geboren und entwickelt sich weiter und weiter und wird irgendwann als Erwachsene einmal einen Erfahrungsschatz besitzen, Dinge erlebt haben, die sie das Leben einordnen lassen. Sie ist schon da, wie mit dem Katapult nach oben geschossen, sitzt sie auf einem Berg, auf ihrem „Hier“ und die Frage ist, ob es von diesem „Hier“, ihrer Lebensrealität, eine Option gibt „bis zum Anfang“ zu gehen. All das Erlebte, Erlittene noch einmal auf 0 zu setzen. Das Ende legt nahe, dass Duchess sich dieser Sache bewusst ist. Wie sie damit umgehen wird, ist selbstverständlich spekulativ, doch hat sie es geschafft, genug Empathie beim Leser zu wecken, ihr einen Rückweg zu wünschen.
Fazit: ein mitreißender und bewegender Roman über ein starkes Mädchen, eine tragische Familiengeschichte, eine große Liebe, viele Geheimnisse und Schicksale. Fast könnte dies auch die Schilderung eines kitschigen Liebes- oder Familienromanes sein, aber weit gefehlt, es ist viel mehr Entwicklungsroman als dies, Soziogramm einer Kleinstadt – wer sich darauf einlassen möchte, wird einen tollen Roman lesen.
Ein Fall, der Fariza Marie Nasri hart anpackt: ein verschwundenes junges Mädchen, nach einem Wochenende im Haus des Lebenspartners ihrer Mutter fehlt von Finja jede Spur. Besagter Freund ist ihr nicht ...
Ein Fall, der Fariza Marie Nasri hart anpackt: ein verschwundenes junges Mädchen, nach einem Wochenende im Haus des Lebenspartners ihrer Mutter fehlt von Finja jede Spur. Besagter Freund ist ihr nicht geheuer, sie spürt das irgendetwas nicht stimmt, forscht nach, stößt auf einen Zwischenfall in einem Lokal mit einer Frau und gräbt immer tiefer und tiefer in Abgründe. Dabei gerät sie so tief, dass sie sich fast selbst verliert, mindestens taumelt und schwankt, in ihrer nach wie vor unsicheren Position bei der Kriminalpolizei München nach ihrem Exil in der bayrischen Provinz. Dann trifft sie noch ein persönlicher Schlag und plötzlich kämpft sie an drei Fronten: einem unter unklaren Umständen verschwundenes Mädchen, eine Frau mit einem dunklen Geheimnis und eine Freundin, der Schreckliches zugestoßen ist, und die eventuell auch mit einigem hinter dem Berg gehalten hat. Fariza wühlt sich durch den Sumpf fremder und eigener Angst, gefühlt immer am Rande des Abgrundes, in der Gefahr abzurutschen und sich selbst zu verlieren, ihren Beruf gar nicht mehr richtig ausfüllen zu können.
So entsteht nicht nur ein Kriminalfall, in dem die Ermittlung nicht im Vordergrund steht, sondern auch ein psychologisch hoch interessantes Porträt und ein ganz anderes Leseereignis. Ein Roman von Friedlich Ani ist eben nicht einfach nur ein Krimi, nicht nur seichte Unterhaltungsliteratur. Es ist ein Spannungsroman mit literarischen Qualitäten, die man dem Genre eigentlich (warum eigentlich genau?) abspricht, als könnten Spannung oder Brutalität oder Grausamkeit nicht auch mit Anspruch gepaart sein. Weit gefehlt, wie „Letzte Ehre“ wieder beweist. Das Thema ist grauenvoll, psychologisch mitreißend und gekonnt aufbereitet, so dass einem beim Lesen der Atem stockt. Opfer und Ermittler ziehen den Leser in einen Bann, von dem man sich am liebsten schnell lösen möchte. Man spürt jeden inneren Kampf – und das Aufgeben, die Kapitulation, die Niederlage, Abscheu und Ekel. Es bleiben sehr realitätsnah nur Verlierer. Das Ende bringt nochmals einen vollkommen unerwarteten Showdown, der dringend der Aufklärung bedarf… ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung!
Fazit: wie schon bei „All die unbewohnten Zimmer“ kann ich sagen, dass man vielleicht wissen sollte, mit welcher Art Buch man es hier zu tun bekommt. Wer gerne Krimis nach Schema F liest, für wen die kulinarischen Ergüsse der Ermittle das Salz in der Suppe sind und ein möglichst immer gleich verlaufender Spannungsbogen aus Fall – Ermittlung – Krise – Auflösung wichtig ist, dazu noch ein möglichst harmonisches Privatleben und ein krimimäßiges Happy-End, der wird auch hier eventuell nicht glücklich. Mag man Krimis, die aus dem Rahmen fallen – auf jeden Fall. Mag man eigentlich gar nicht so wirklich Krimis, dann liest man hier einen anspruchsvollen Roman, der eben im Umfeld der Kriminalpolizei spielt und es passt.
Die Schilderung eines grauenvollen Missbrauchs bildet den Auftakt zum neuen Fall in Leon Ritters Wahlheimat Le Lavandou. 25 Jahre nach diesen Ereignissen taucht plötzlich eine Kinderleiche am Strand auf, ...
Die Schilderung eines grauenvollen Missbrauchs bildet den Auftakt zum neuen Fall in Leon Ritters Wahlheimat Le Lavandou. 25 Jahre nach diesen Ereignissen taucht plötzlich eine Kinderleiche am Strand auf, und der Rechtsmediziner ist sich sicher, der Mörder ist kein Spontantäter, hat nicht zum ersten Mal ein Verbrechen begangen. Er folgt dem kleinen Wasserlauf und einem Schildkrötenei in ein Sumpfgebiet und fördert – mal in Zusammenarbeit mit der Polizei, mal im Alleingang einiges zu Tage. Als plötzlich mehrere gutsituierte Herren ebenfalls tot aufgefunden werden, ist ein Zusammenhang lange Zeit nicht klar ersichtlich, aber Ritter spürt, dass mehr hinter allem stecken muss. Mehr hinter den Mimosen im Mund der Opfer, mehr hinter einem kleinen gepflegten Grab eines Jungen, mehr hinter den Vorgängen in einem ehemaligen Kinderheim der katholischen Kirche…
Bereits zum siebten Mal lässt Autor Remy Eyssen seinen Rechtsmediziner Leon Ritter den Unterschied bei den Ermittlungen der provenzalischen Kriminalpolizei ausmachen. Mit seinem Gespür für Details und seiner Akribie, manchmal auch mit seiner Neigung sich über Hierarchien und Anweisungen hinweg zu setzen, gibt er auch im aktuellen Band der Reihe wieder entscheidende Hinweise zum Fall und erzwingt durch seine eigenständigen Aktionen ein Ergebnis herbei. Ob das nun sehr realistisch ist, oder nicht eigentlich ein wenig beleidigend für die Kriminalkommissare, deren eigentlicher Job das wäre – es ist in jedem Fall für den Leser angemessen spannend und unterhaltsam.
Ich finde, oft muss es doch gar nicht mehr sein: verlässliche Unterhaltung mit einem Krimi, einer Krimireihe, die einem über die Jahre ans Herz gewachsen ist, die gleichbleibende Qualität liefert. Stimmt die nicht, ist es natürlich müßig, aber dieses Gefühl habe ich bei der Lavandou-Reihe nicht. Weder habe ich das Gefühl zum wiederholten Male dasselbe Buch gelesen zu haben, noch sind die Fälle zu schematisch oder zu einfach. Ein bisschen Schauder ist schon auch immer dabei und am Ende löst sich natürlich alles eindeutig auf. Auf der anderen Seite reibe ich mich aber auch nicht an den Figuren oder erlebe ein Lesehighlight sondergleichen – ich lese einfach einen recht guten Krimi. Für mich passt das soweit.