Wenn die Vergangenheit anklopft, wird es dunkel
Home Before DarkHome Before Dark klingt nach genau diesem Thriller, bei dem man sich beim Lesen irgendwann fragt, ob das Knacken im Haus gerade wirklich da war oder ob das Buch einem einfach nur erfolgreich ins Hirn gekrochen ...
Home Before Dark klingt nach genau diesem Thriller, bei dem man sich beim Lesen irgendwann fragt, ob das Knacken im Haus gerade wirklich da war oder ob das Buch einem einfach nur erfolgreich ins Hirn gekrochen ist.
Eva Björg Ægisdóttir setzt nicht auf lautes Blutbad und wildes Herumgeballer, sondern auf diese fiese, kalte Spannung, die langsam unter die Haut wandert. Island, ein verschwundenes Mädchen, eine Schwester voller Schuld und zehn Jahre Schweigen. Ganz ehrlich, das ist schon eine Kombi, bei der mein innerer Ermittler sofort die Kaffeetasse abstellt und sagt: Gut, jetzt wird es unangenehm.
Besonders stark wirkt für mich Marsi. Diese Mischung aus Scham, Angst und dem Gefühl, den eigenen Erinnerungen nicht komplett trauen zu können, macht die Geschichte richtig schön ungemütlich. Nicht gemütlich im Sinne von Kuscheldecke, sondern eher im Sinne von: Warum lese ich das eigentlich nachts, ich Trottel?
Der Fall rund um Stina hat dieses klassische Nordic Noir Gefühl: düster, ruhig, menschlich kaputt und voller unausgesprochener Dinge. Genau das mag ich. Es muss nicht jede Seite explodieren. Manchmal reicht ein Brief aus der Vergangenheit und plötzlich sitzt man da wie bei einem Familiengeheimnis, das keiner öffnen wollte.
Für mich ist Home Before Dark ein atmosphärischer, psychologisch dichter Thriller mit Kälte im Nacken und ordentlich Herzklopfen zwischen den Zeilen. Kein reiner Actionkracher, sondern eher ein langsam brennendes Feuer. Und ja, solche Bücher können gefährlich sein. Plötzlich ist es viel zu spät, der Kaffee kalt und man denkt: Nur noch ein Kapitel. Klassische Lüge.