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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ponyduft, Ferienkribbeln und ein kleines Geheimnis

Ponystarke Ferien. Ein Pferdetraum wird wahr (Band 1)
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Sommerluft, Ponyduft und dieses kribbelige Gefühl, wenn Ferien plötzlich nach Abenteuer schmecken. Genau so hat sich Ponystarke Ferien für mich angefühlt. Zusammen mit meiner Nichte habe ich Tonis Reise ...

Sommerluft, Ponyduft und dieses kribbelige Gefühl, wenn Ferien plötzlich nach Abenteuer schmecken. Genau so hat sich Ponystarke Ferien für mich angefühlt. Zusammen mit meiner Nichte habe ich Tonis Reise nach Dänemark entdeckt und wir waren sofort mittendrin auf Nessis Ponyhof, zwischen Reitstunden, Ausritten, Stallgeruch und ganz viel Herzklopfen.

Toni und Merle haben uns direkt abgeholt. Ihre Freundschaft fühlt sich warm, lebendig und ehrlich an, und gerade dieses gemeinsame Staunen über die Ponys macht die Geschichte so schön greifbar. Meine Nichte war natürlich sofort bei den Pferden, ich eher bei den kleinen Zwischentönen, bei Unsicherheiten, Zickereien und diesem Mut, den Toni Stück für Stück entwickelt.

Besonders schön fand ich, dass die Geschichte nicht nur süß und pferdelieb ist, sondern auch ein kleines Geheimnis mitbringt. Die verschwundenen Ponys, die Sache mit der Schattenhexe und Emilias verdächtiges Verhalten sorgen für Spannung, ohne zu düster zu werden. Genau richtig für junge Pferdefans, die beim Lesen miträtseln möchten.

Die Illustrationen passen wunderbar zur Geschichte und machen den Ponyhof noch lebendiger. Für uns war es ein richtig schönes gemeinsames Leseabenteuer, voller Feriengefühl, Freundschaft und Ponyglück. Ein Buch, das nach Heu, Sonne und Kinderlachen schmeckt.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Wenn Liebe klingt wie eine Warnung

Das Phantom der Oper
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Manchmal reicht ein Opernhaus, ein paar knarzende Gänge und eine Maske, damit der Kopf direkt Kerzen anzündet und dramatische Musik einspielt. Das Phantom der Oper ist genau so ein Buch: düster, elegant, ...

Manchmal reicht ein Opernhaus, ein paar knarzende Gänge und eine Maske, damit der Kopf direkt Kerzen anzündet und dramatische Musik einspielt. Das Phantom der Oper ist genau so ein Buch: düster, elegant, tragisch und stellenweise herrlich übertrieben. Aber auf diese gute Art, bei der man denkt: Ja gut, normal ist hier keiner mehr, aber langweilig wird es definitiv nicht.

Christine steht zwischen Bewunderung, Angst, Glanz und diesem sehr unguten Gefühl, dass hinter der schönen Stimme im Dunkeln vielleicht doch mehr Wahnsinn lauert als Romantik. Das Phantom selbst ist keine Figur, die man einfach nur mögen oder hassen kann. Er ist faszinierend, verletzlich, manipulativ, gefährlich und traurig zugleich. Ein wandelnder roter Vorhang voller Drama, Einsamkeit und Kontrollverlust.

Besonders stark ist diese Atmosphäre der Pariser Oper. Man hört fast das Rascheln der Kostüme, riecht den Staub hinter der Bühne und wartet die ganze Zeit darauf, dass irgendwo eine Falltür aufgeht. Die Geschichte hat diesen alten Schauerroman Charme, der nicht hetzt, sondern langsam die Finger um den Nacken legt.

Die Schmuckausgabe von Coppenrath setzt dem Ganzen dann noch die goldene Krone auf. Goldfolie, Illustrationen, Extras zwischen den Seiten, Leseband, alles schreit: Stell mich sichtbar ins Regal, ich bin kein Taschenbuch für die dunkle Ecke.

Für mich ist das ein Klassiker, der Herz, Wahnsinn und Gänsehaut ziemlich edel miteinander verheiratet. Nicht perfekt glatt, aber genau deshalb so reizvoll. Dunkel, schön, tragisch und ein bisschen besessen. So muss Operndrama aussehen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Wenn die Welt plötzlich hinter Glas liegt

Die Glasglocke
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Unter dieser Glasglocke wird die Luft dünn, leise und erschreckend klar. Sylvia Plath zieht mich in Esthers Welt, als würde ich durch eine glänzende Scheibe schauen und dabei merken, dass auch mein eigener ...

Unter dieser Glasglocke wird die Luft dünn, leise und erschreckend klar. Sylvia Plath zieht mich in Esthers Welt, als würde ich durch eine glänzende Scheibe schauen und dabei merken, dass auch mein eigener Atem plötzlich schwerer wird.

Diese Geschichte hat mich nicht einfach unterhalten, sie hat mich umhüllt. New York, die Magazine, die Kleider, die Dinner und die flirrende Erwartung an eine glänzende Zukunft wirken zuerst fast verführerisch. Doch darunter bröckelt etwas. Esther verliert nicht laut den Halt, sondern schleichend, in Gedanken, Bildern und Momenten, die immer kälter werden.

Besonders berührt hat mich, wie ehrlich dieser Roman psychische Dunkelheit beschreibt. Nicht übertrieben, nicht ausgeschmückt, sondern beklemmend nah. Es ist, als würde Plath Worte für ein Gefühl finden, das kaum greifbar ist. Genau darin liegt für mich die große Kraft dieses Buches.

Die Illustrationen von Beya Rebaï machen diese Ausgabe noch intensiver. Sie wirken nicht wie Schmuck am Rand, sondern wie ein stilles Echo der Geschichte. Zart, kunstvoll und zugleich voller Schwere.

Die Glasglocke ist kein bequemes Buch, aber ein wichtiges. Eines, das kratzt, bleibt und lange nach dem Lesen noch leise im Raum steht. Schön, traurig, klug und erschütternd zeitlos.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Wenn aus kleinen Samen großes Staunen wird

Benny und der grüne Daumen
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Manchmal braucht es gar kein lautes Kinderbuch mit Glitzer, Krach und zehn Plot-Twists pro Seite. Manchmal reicht ein Junge, ein bisschen Erde, ein paar Samen und diese wunderbare Frage: Was passiert denn ...

Manchmal braucht es gar kein lautes Kinderbuch mit Glitzer, Krach und zehn Plot-Twists pro Seite. Manchmal reicht ein Junge, ein bisschen Erde, ein paar Samen und diese wunderbare Frage: Was passiert denn jetzt eigentlich, wenn man das da einpflanzt?

Benny und der grüne Daumen habe ich meiner Nichte ganz gemütlich auf der Couch vorgelesen, und genau dafür ist dieses Buch wie gemacht. Kein hektisches Durchblättern, kein wildes Überfordern, sondern dieses ruhige Staunen, bei dem man selbst wieder kurz denkt: Stimmt, so ein Bohnenkern ist eigentlich schon ein kleines Wunder mit Tarnkappe.

Besonders schön fand ich, wie spielerisch das Buch Wissen vermittelt. Da wird nicht mit erhobenem Zeigefinger erklärt, sondern neugierig gefragt, ausprobiert und beobachtet. Was wächst? Was wächst nicht? Warum brauchen Pflanzen Licht und Wasser? Und zack, sitzt man da mit einem Kind neben sich und merkt, wie aus einem einfachen Bilderbuch plötzlich ein kleines Naturabenteuer wird.

Tomi Ungerers Illustrationen geben dem Ganzen diesen herrlich charmanten, leicht altmodischen Zauber. Nicht glattgebügelt, nicht künstlich süß, sondern mit Charakter. Genau mein Ding. Da steckt Leben drin, kleine Schrulligkeit und ganz viel Herz.

Für ganz kleine Kinder ist manches vielleicht noch erklärungsbedürftig, aber gerade das fand ich schön. Es entstehen Gespräche. Meine Nichte hatte Fragen, ich hatte Antworten oder tat zumindest sehr überzeugend so, als hätte ich welche. Kaffee für mich, Pflanzenwissen für sie, Couchglück für uns beide.

Benny und der grüne Daumen ist ein liebevolles, kluges Kinderbuch für kleine Naturentdecker und große Vorlesemenschen. Ein Buch, das Lust macht, danach wirklich etwas einzupflanzen. Und wenn ein Kinderbuch das schafft, hat es seinen grünen Daumen absolut verdient.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Geschichte plötzlich die Maske fallen lässt

Schneider / Schwerte
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Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern ...

Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern eher ein Gang in einen Keller, in dem jemand viel zu lange das Licht ausgelassen hat.

Angelina Pils nimmt sich Hans Ernst Schneider vor, später bekannt als Hans Schwerte, und legt Schicht für Schicht frei, wie aus einem SS-Offizier ein angesehener Hochschulmensch, Rektor und Vorzeigedemokrat werden konnte. Und ganz ehrlich, beim Lesen sitzt man da teilweise mit hochgezogener Augenbraue und denkt: Das kann doch nicht einfach so funktioniert haben. Tja. Offenbar konnte es das doch.

Besonders stark ist, dass das Buch nicht nur auf diese eine Person starrt. Es geht nicht bloß um einen Mann mit falschem Namen, sondern um ein ganzes System aus Wegsehen, Mitmachen, Anpassen und sehr bequemer Erinnerungslücke. Genau da wird es spannend und auch ziemlich bitter.

Der Stil ist sachlich, aber nicht trocken wie alter Zwieback. Man merkt die wissenschaftliche Tiefe, trotzdem bleibt der Stoff greifbar. Natürlich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet. Man muss schon dabei bleiben. Aber wer sich für Nachkriegsgeschichte, Erinnerungskultur und diese seltsamen Brüche in der Bundesrepublik interessiert, bekommt hier richtig viel Futter.

Für mich ist Schneider / Schwerte ein starkes, wichtiges und ziemlich nachhallendes Sachbuch. Nicht gemütlich, nicht leicht, aber genau deshalb lesenswert. Geschichte klopft hier nicht höflich an, sie tritt eher mit schmutzigen Schuhen in den Raum.

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