Zwischen Safran, Straßenprotesten und Herzklopfen
Im Herzen der KatzeNachtgedanken, Instagram-Scrollen und plötzlich knallt dir die Realität mitten ins Gesicht – so startet Jina Khayyer in Im Herzen der Katze und das Ding hat mich sofort gepackt. Da sitzt man da, denkt ...
Nachtgedanken, Instagram-Scrollen und plötzlich knallt dir die Realität mitten ins Gesicht – so startet Jina Khayyer in Im Herzen der Katze und das Ding hat mich sofort gepackt. Da sitzt man da, denkt an nichts Böses, und plötzlich stolpert man in eine Mischung aus Familiengeschichte, politischem Brennglas und poetischem Fiebertraum. Das liest sich wie eine Erinnerung, die man nie selbst hatte, die sich aber trotzdem in die eigene Haut brennt.
Die Autorin zieht einen zwischen Südfrankreich und Iran hin und her, und ich schwöre, manchmal hatte ich das Gefühl, mit ihr im Taxi zu hocken oder am Esstisch der Tanten zu sitzen. Diese Bilder sind so plastisch, dass du fast den Duft von Safran und gegrilltem Fleisch in der Nase hast. Und dann wieder dieser Cut – Proteste, Straßendemonstrationen, die Gewalt der Sittenpolizei. Zack, Herzklopfen, Schweißhände. Es ist diese Spannung zwischen Wärme und Bedrohung, die den Text so krass lebendig macht.
Humor blitzt immer wieder durch, manchmal still, manchmal bissig, als wollte Khayyer sagen: „Ja, das Leben ist ernst, aber wer den Witz darin nicht sieht, hat schon verloren.“ Und genau das rettet einen beim Lesen, weil die Schwere sonst wie Blei auf die Brust drückt.
Was mich echt beeindruckt hat: Sie stellt große Fragen – Zugehörigkeit, Freiheit, Mut – ohne dass man sich belehrt fühlt. Stattdessen wird man reingezogen, denkt mit, fühlt mit, stolpert mit. Am Ende sitzt man da, schließt das Buch und weiß: Dieses Herz der Katze schlägt auch in mir nach. Keine Ahnung, wie sie das macht, aber es ist verdammt große Kunst.
Fazit: Politisch, persönlich, poetisch – und trotzdem so nahbar, dass man beim Lesen eher einen Roadtrip mit einer Freundin als eine schwere Lektüre erlebt. Für mich ganz klar: fünf Sterne und ein dickes „Wow“.