Wenn Angst lauter wird als Vernunft
Mal ehrlich: Es gibt Bücher, die liest man und denkt sich nur „joa, interessant“. Und dann gibt es Bücher wie Kein anderes Land, die einmal tief ins Gehirn greifen, die Gedanken durchschütteln und am Ende ...
Mal ehrlich: Es gibt Bücher, die liest man und denkt sich nur „joa, interessant“. Und dann gibt es Bücher wie Kein anderes Land, die einmal tief ins Gehirn greifen, die Gedanken durchschütteln und am Ende leise fragen: „Na, bist du jetzt wach, mein Freund?“ Genau so fühlt sich das hier an.
Sarah Levy nimmt mich mit nach Tel Aviv, mitten in ein Leben, das eigentlich funktionieren sollte – Familie, Alltag, Pläne. Und dann? Boom. Sirenen. Hamas-Angriffe. Schutzräume statt Spielplatz, Angst statt Morgenroutine. Während mein Kaffee hier gemütlich durch die Maschine läuft, rennt sie mit Kind im Arm in den Bunker. Das zieht rein.
Was mich echt beeindruckt hat: Levy legt kein politisches Manifest hin und hält auch keine Vorträge. Stattdessen zeigt sie, wie es ist, zwischen Fronten zu stehen. Freunde, die plötzlich Uniform tragen. Nachbarn, die fragen, ob man „noch loyal“ ist. Menschen, die aufhören zu denken und nur noch brüllen. Das ist nicht Hollywood-Drama – das ist Alltag, nur halt mit Bombenalarm statt Baustellenlärm.
Und dann flieht sie nach Frankfurt. Zurück „nach Hause“. Spoiler: Heimat ist’s nicht mehr. Fremd im eigenen Ursprung – dieser Schmerz brennt leiser, aber nicht weniger.
Ein paar Stellen ziehen sich, weil’s sehr persönlich wird. Aber ganz ehrlich: Wenn Krieg, Identität und Zukunft eines Kindes auf der Kippe stehen, darf’s auch mal wehtun.
4,5 Sterne von mir. Nicht perfekt glatt, aber dafür real. Und wichtig. Hat mir Erinnerungen zurückgeholt, die ich gar nicht selbst erlebt habe – und das können nicht viele Bücher.