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Veröffentlicht am 30.08.2025

Wie Jane Austen mich in die Graphic Novel-Falle gelockt hat

Verstand und Gefühl - die Graphic Novel nach Jane Austen
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Manchmal frage ich mich echt, warum ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, Klassiker als Graphic Novel zu lesen. Da denkste, Jane Austen, das ist bestimmt staubtrocken, und dann knallt dir dieses ...

Manchmal frage ich mich echt, warum ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, Klassiker als Graphic Novel zu lesen. Da denkste, Jane Austen, das ist bestimmt staubtrocken, und dann knallt dir dieses Buch eine Welle aus Emotionen, scharfen Dialogen und Bildern um die Ohren, die fast so dramatisch sind wie ein überkochender Topf Nudeln, den man vergessen hat.

Elinor, die Vernünftige, und Marianne, die Gefühlsrakete – ich schwöre, die beiden könnten meine Schwestern sein. Die eine mit „erstmal tief durchatmen und nachdenken“ und die andere im Modus „volle Pulle ins Chaos, wird schon irgendwie klappen“. Genau dieses Spannungsfeld macht die Story so herrlich modern. Und ja, klar, es ist England, historische Kleidung, Kutschen und viel Seufzen bei Kerzenlicht, aber trotzdem fühlt sich das Ganze so nah an wie mein letzter WhatsApp-Drama-Chat.

Was die Illustrationen betrifft: Stella Langecker hat hier wirklich Zauberei betrieben. Jede Seite ist wie ein kleines Kunstwerk, das man sich am liebsten ins Wohnzimmer hängen würde – wenn man nicht wüsste, dass es komisch wirkt, wenn die Besucher plötzlich vor Elinors ernster Miene oder Mariannes Tränchen stehen bleiben. Das Ding hat Atmosphäre, Stimmung und gleichzeitig diese gewisse Leichtigkeit, die dich durch die Seiten fliegen lässt.

Und die Neuinterpretation von Anna Opel? Hammer! Sie schafft es, den Austen-Geist zu bewahren und trotzdem die Sprache so frisch zu machen, dass ich mehrmals lachen musste. Es gibt halt nichts Besseres, als wenn ein Klassiker nicht nach Schulpflichtlektüre riecht, sondern nach einem echten Abenteuer für Herz und Kopf.

Kurz gesagt: Wer denkt, Austen sei nur was für Leute mit Spitzendeckchen und Kamillentee, sollte sich mal dieses Buch reinziehen. Danach bist du Team Vernunft oder Team Gefühl – oder, wie in meinem Fall, Team „ein bisschen beides, Hauptsache Drama“.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Wenn Drachen pupsen und Funken sprühen

Furzipups und Lulu Lavazunge (Bd. 6)
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Wenn ein Drache pupst, ist das normalerweise kein Grund für Begeisterung – außer natürlich, er heißt Furzipups. Dann wird es legendär! Und jetzt hat der knatternde kleine Held auch noch eine Schwester, ...

Wenn ein Drache pupst, ist das normalerweise kein Grund für Begeisterung – außer natürlich, er heißt Furzipups. Dann wird es legendär! Und jetzt hat der knatternde kleine Held auch noch eine Schwester, Lulu Lavazunge, die mit ihren Feuersalven das halbe Drachental in Brand steckt. Klingt spektakulär, oder? Ist es auch! Nur eben nicht für Furzipups. Denn plötzlich ist er nicht mehr der Star der Show, sondern der eifersüchtige große Bruder, der mitansehen muss, wie alle über Lulus Feuerspuckerei staunen.

Genau hier liegt die große Stärke dieser Geschichte: Kai Lüftner schafft es, auf unglaublich witzige und gleichzeitig berührende Weise ein Thema zu verpacken, das jedes Kind (und viele Erwachsene!) kennen – Eifersucht und die Suche nach den eigenen Stärken. Und wenn dann noch ein Soundbutton ins Spiel kommt, der für schallendes Gelächter sorgt, ist der Spaß komplett. Mein Neffe hat sich vor Freude kringelig gelacht und ich hab mich fast verschluckt, so oft wie wir auf diesen Knopf gedrückt haben.

Aber neben all dem Kichern steckt eben auch eine wichtige Botschaft drin: Jeder Drache – und jeder Mensch – hat seine eigenen Talente. Es geht nicht darum, besser als jemand anderes zu sein, sondern zu entdecken, was man selbst besonders gut kann. Dass das Ganze mit solchen liebevollen Illustrationen von Wiebke Rauers und mit diesem unvergleichlichen Humor erzählt wird, macht das Buch zum echten Familienhighlight.

Kurz gesagt: Knatterdrache Furzipups liefert wieder mal ein Abenteuer, das Bauch und Herz gleichermaßen trifft. Wer Kinder im Vorlesealter hat oder selbst gerne mal kindisch lacht (hallo, das bin ich), kommt an diesem Buch nicht vorbei.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Nordischer Krimi mit Herz, Nebel und einer Leiche

Gerächt sein sollst du
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Ganz ehrlich, Idylle an der Schärenküste? Klingt erstmal nach Ferienhaus, Sauna und Rentier-Selfies. Stattdessen liegt da ein toter Teenager am Strand und plötzlich ist Schluss mit Urlaubsromantik. Und ...

Ganz ehrlich, Idylle an der Schärenküste? Klingt erstmal nach Ferienhaus, Sauna und Rentier-Selfies. Stattdessen liegt da ein toter Teenager am Strand und plötzlich ist Schluss mit Urlaubsromantik. Und genau da setzt Kaisu Tuokko an: Sie serviert keinen lauwarmen Sommerkrimi, sondern ein richtiges Brett mit Mord, dunklen Geheimnissen und einem Dorf, das auf einmal viel weniger harmlos wirkt.

Was mir richtig gefallen hat, ist der Mix aus nordischer Ruhe und knallharter Story. Eevi, die Journalistin, stolpert mitten hinein ins Drama und kriegt gleich noch ihre alte Jugendliebe Mats vor die Nase gesetzt. Das sorgt nicht nur für Kribbeln, sondern auch für ziemlich gute Dialoge. Manchmal dachte ich: Leute, klärt erstmal den Mord, bevor ihr Herzchen in die Luft malt! Aber das macht es menschlich – und menschlich heißt in Krimis meistens spannend.

Die Atmosphäre ist ein Traum. Oder besser gesagt: ein Albtraum. Nebel, Meer, kleine Stadt, in der jeder jeden kennt – nur eben nicht den Mörder. Tuokko versteht es, diese Enge so zu beschreiben, dass man beim Lesen fast selbst das Gefühl hat, gleich beim Bäcker gefragt zu werden, wo man gestern Abend war.

Warum „nur“ vier Sterne? Ganz einfach: Manchmal zieht es sich. Ein bisschen weniger Wiederholung in den Beschreibungen und die Story hätte noch mehr Punch gehabt. Und ich hätte mir gewünscht, dass die Auflösung am Ende ein bisschen wilder knallt. So bleibt’s eher ein „Aha“ statt ein „WTF?!“. Trotzdem: spannend, atmosphärisch, mit einer Prise Nostalgie und ordentlich Herzblut.

Unterm Strich: Wer auf nordische Krimis mit düsterem Setting steht, bekommt hier einen richtig guten Fang. Kein Möwen-Geplapper, sondern echtes Kopfkino mit Schockmomenten.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Wenn Bakterien die besseren Netzwerker sind

Survival of the Nettest
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Wer denkt, dass die Natur nur aus Fressen und Gefressenwerden besteht, sollte mal Dirk Brockmann eine Chance geben. Der Typ serviert uns in „Survival of the Nettest“ eine ziemlich wilde Tour durch Bakterien, ...

Wer denkt, dass die Natur nur aus Fressen und Gefressenwerden besteht, sollte mal Dirk Brockmann eine Chance geben. Der Typ serviert uns in „Survival of the Nettest“ eine ziemlich wilde Tour durch Bakterien, Viren, Pilze und sonstige schräge Mitbewohner, die seit Jahrmilliarden nichts anderes machen, als Deals auszuhandeln. Klingt nach einer Wirtschaftssimulation mit Schleim, ist aber faszinierender als jede Netflix-Doku.
Ständig dieses Gegeneinander, Survival of the Fittest und so – aber Brockmann dreht den Spieß um: Ohne Kooperation läuft gar nichts. Kein Baum, keine Mücke, nicht mal wir selbst wären hier ohne Symbiosen und clevere Team-Ups. Er macht aus trockener Biologie ein Feuerwerk aus Anekdoten, kuriosen Beispielen und manchmal so abgedrehten Bildern, dass ich mich gefragt habe, ob Bakterien nicht längst den besseren PR-Berater haben als wir Menschen.

Natürlich ist das Ganze kein Party-Roman. Manche Kapitel sind richtig wissenschaftlich, und da merkt man, dass Brockmann eben Forscher ist und nicht Stand-up-Comedian. Aber hey, man muss auch mal die Stirn runzeln dürfen, während man gleichzeitig über „nette Viren“ lacht. Ich schwöre, ich habe nach der Lektüre ernsthaft mein Frühstücksjoghurt mit völlig neuen Augen angesehen.

Was hängen bleibt? Kooperation ist das Ding. Wettbewerb bringt Evolution weiter, ja. Aber die richtig großen Knaller – Photosynthese, Nervensysteme, Kommunikation über Arten hinweg – sind das Ergebnis von Miteinander. Und Brockmann schafft es, diesen Gedanken nicht nur auf Biologie zu beschränken, sondern ganz sanft Richtung Gesellschaft zu schubsen.

Fazit: Ein Buch, das klug ist, Spaß macht und immer wieder kleine Mindblows liefert. Vier Sterne von mir, weil es trotz aller Leichtigkeit manchmal ein bisschen zu sehr ins Fachliche abtaucht. Aber definitiv eine dieser Lektüren, nach der man die Welt mit frisch polierten Augen sieht.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Mehr als nur ein Kalender – Coelho serviert pures Kopfkino

Licht – Buch-Kalender 2026
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Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt sich: Na super, noch so ein Kalender, bei dem man nach drei Wochen wieder vergisst, dass er überhaupt existiert. Und dann kommt Paulo Coelho mit diesem Teil ...

Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt sich: Na super, noch so ein Kalender, bei dem man nach drei Wochen wieder vergisst, dass er überhaupt existiert. Und dann kommt Paulo Coelho mit diesem Teil um die Ecke – und haut mir quasi das Licht um die Ohren. Dieses Ding ist kein Kalender im üblichen Sinn, sondern eher eine Mischung aus Lebensfunke, Gedanken-Feuerwerk und spirituellem Espresso-Shot.

Jeden Tag eine neue Seite, die einem nicht nur das Datum verrät, sondern auch so kleine Botschaften fallen lässt, die direkt ins Gehirn segeln. Und ich schwöre, manchmal sitzt man da, liest einen Satz, und plötzlich wird aus einem grauen Dienstag ein ziemlich heller Tag. Nicht kitschig, nicht überzuckert, sondern mit dieser typischen Coelho-Mischung: weise, ein bisschen geheimnisvoll und trotzdem so, dass es nachwirkt.

Der Typ versteht es einfach, banale Momente so zu verpacken, dass sie plötzlich glitzern. Da hockt man morgens mit seinem Kaffee, noch halb im Zombie-Modus, und zack – haut er einem einen Gedanken hin, der sich anfühlt wie ein kleiner Reset-Knopf fürs Hirn. Manchmal leicht, manchmal schwerer verdaulich, aber immer so, dass man danach irgendwie klarer sieht.

Besonders stark finde ich, dass das Ganze nicht einfach stumpf runterbetet, wie man gefälligst positiv zu denken hat. Es ist eher so, als würde ein guter Kumpel neben dir sitzen, dir auf die Schulter klopfen und sagen: „Hey, mach mal die Augen auf, da draußen wartet mehr.“ Und genau das ist das Licht, von dem Coelho hier redet – dieses Wachrütteln, dass das Leben kein grauer Einheitsbrei sein muss.

Kurzum: Ein Kalender, der keiner ist, ein Buch, das mehr als nur Seiten hat, und ein Begleiter, der dich durch 2026 trägt wie ein verdammt guter Freund. Und das alles verpackt in einer Form, die man einfach gern in die Hand nimmt. Für mich die perfekte Kombi aus Inspiration, Spaß und stillen Momenten – und ehrlich, was will man mehr?

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