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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2020

Ich hätte es so gerne gemocht

Das sternenlose Meer
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Selten ist mir die Bewertung eines Buches so schwer gefallen wie bei diesem hier. "Das sternenlose Meer" ist ohne Frage ein Meisterwerk: kreativ, schräg, außergewöhnlich, tiefgründig, komplex, fantasievoll, ...

Selten ist mir die Bewertung eines Buches so schwer gefallen wie bei diesem hier. "Das sternenlose Meer" ist ohne Frage ein Meisterwerk: kreativ, schräg, außergewöhnlich, tiefgründig, komplex, fantasievoll, wirr, poetisch und noch vieles vieles mehr. Ich kann mir gut vorstellen, was für ein kreativer, zeitintensiver Kraftakt es für die Autorin gewesen sein muss, dieses Buch fertigzustellen, und das hätte ich auch von Herzen gerne, in Form einer entsprechenden Sternebewertung, gewürdigt. Normalerweise liebe ich außergewöhnliche Geschichten und daher hätte ich im Leben nicht gedacht, dass mir tatsächlich mal ein Buch in die Hände fallen würde, das zu außergewöhnlich für mich ist, aber bei diesem Buch hier war es dann wohl so. Vor allen Dingen die verschachtelte Erzählweise hat es mir so schwer gemacht, dass meine Aufmerksamkeit argst in Schieflage geraten ist und ich nie wirklich in die Geschichte gefunden habe, auch wenn es schon ein paar Dinge gab, die ich mochte. Wie sehr und auf welch besondere Art und Weise dieses Buch die Literatur, die Poesie, den Genuss, das geschriebene und gesprochene Wort feiert, um ein Beispiel zu nennen. Wäre nicht diese "matrjoscka" - artige Erzählweise gewesen. Ab irgendeinem Zeitpunkt hat mich das Buch dann leider komplett verloren. Die ganzen ausführlichen Beschreibungen, die Irrungen und Wirrungen, mir war das alles zu viel, sodass in meinem Kopf eine Art Fluchtreflex ausgelöst wurde und ich mich ständig dabei erwischt habe, wie meine Gedanken beim Lesen abgedriftet sind oder ich (noch schlimmer, nahezu unverzeihlich!!) zum Handy gegriffen habe. Einzig und allein der wunderbare Protagonist Zachary Ezra Rawlins und die feine Liebesgeschichte haben es letztendlich dann doch irgendwie geschafft, mich bis zum Ende zu tragen. Hat leider nicht sollen sein, aber da ich generell sehr mag, wie Erin Morgenstern schreibt, werde ich es auf jeden Fall mit dem "Nachtzirkus" probieren. Außergewöhnliche Bücher müssen gekauft, gelesen und im besten Fall gefeiert werden, das Gewöhnliche feiern wir schon oft genug.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2020

Ein unbedingt nötiges literarisches Aufbegehren gegen den Egoismus unserer heutigen Gesellschaft

Wie die Schweine
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„Schließlich essen wir uns schon seit Anbeginn der Zeiten gegenseitig auf. Und nicht nur symbolisch, sondern wortwörtlich. Der Übergang hat uns nun die Möglichkeit beschert, nicht mehr so heuchlerisch ...

„Schließlich essen wir uns schon seit Anbeginn der Zeiten gegenseitig auf. Und nicht nur symbolisch, sondern wortwörtlich. Der Übergang hat uns nun die Möglichkeit beschert, nicht mehr so heuchlerisch zu sein.“ [S. 164]

Zugegeben, wäre ich noch regelmäßige Fleischkonsumentin, hätte ich mich mit diesem Buch nicht auseinandergesetzt. Essen bedeutet nicht nur Nahrung, sondern eben auch Genuss, und mit dem Genuss haben viele von uns ein sehr spezielles, komplexes aber eben auch fragwürdiges Verhältnis, was wir aber aller Widrigkeiten zum Trotz nicht so einfach aufzugeben bereit sind. Da rollen wir uns lieber den steinigen ausgetretenen Pfad der Ignoranz hinauf, anstatt das zu hinterfragen, was sich direkt vor unseren Augen oder eben in unseren Körpern abspielt.
Aber genau das lässt „Wie die Schweine“ nicht zu: Ignoranz. Agustina Bazterrica holt den literarischen Spiegel und Vorschlaghammer raus, und haut dem Leser ihre Wahrheiten ins Gesicht, immer und immer wieder, bis man am Ende mit offenem Mund dasitzt und sich am liebsten mit einer Kuscheldecke in irgendeiner sicheren Ecke seines Zimmers einrollen und leise „Alle meine Entchen“ vor sich hinsummen möchte. Das Buch ist unbequem, anstrengend und emotional herausfordernd, und das ist auch gut so. Was den Inhalt angeht, sagt der Klappentext eigentlich alles, was man wissen muss. Für mich ein sehr mutiges Gedankenexperiment, und aktueller denn je.
„Wie die Schweine“ ist eine Dystopie durch und durch. Voller Hoffnungslosigkeit, schrecklicher Taten, Gedanken und Fakten, Düsternis und Verzweiflung. Bazterrica`s Schreibstil ist von einer schonungslosen Poesie, die ich in der Form noch in keinem anderen Buch gelesen habe. Kritisch und klug führt sie dem Leser menschengemachte Grausamkeiten vor Augen und lässt dabei nichts aus. Das Schlachten, das Töten, das Fressen, und das gefressen werden. „Wie die Schweine“ rüttelt auf, macht fassungslos und wütend und ist ein unbedingt nötiges literarisches Aufbegehren gegen den Egoismus unserer heutigen Gesellschaft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 28.05.2020

Solider SciFi-Roman, der sich wunderbar für Einsteiger in das Genre eignet.

Zweite Heimat – Die Reise der Celeste
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Der Klappentext von Madeleine Puljics SciFi-Werk hat mich von Anfang an neugierig gemacht: Die Menschheit hat vor den Mars zu kolonisieren, muss sich aber vorab dem Urteil einer höher entwickelten Spezies ...

Der Klappentext von Madeleine Puljics SciFi-Werk hat mich von Anfang an neugierig gemacht: Die Menschheit hat vor den Mars zu kolonisieren, muss sich aber vorab dem Urteil einer höher entwickelten Spezies stellen. Liest sich ungewöhnlich, und das allein reicht meist schon aus, um mich zu ködern.
Da ich kaum Bücher dieser Art lese, habe ich mir Anfangs etwas Sorgen gemacht, ob ich der Geschichte folgen kann, aber Puljic macht es dem Leser sehr leicht. Technische Details sind gut verständlich und die einzelnen Abläufe nicht zu ausschweifend erklärt. Man merkt, dass die Autorin sich in diesem Genre sehr zu Hause fühlt. Der Schreibstil ist locker, der Plot gut durchdacht und alles in allem hat mir das Bucht gut gefallen, auch wenn der Geschichte die ein oder andere Ecke oder Kante und einige Seiten mehr gutgetan hätten.
Es wird zwar beschrieben, was für Auswirkungen die ständige Beobachtung durch die Außerirdischen auf den Gemütszustand und das Verhalten der Kolonialisten hat, aber das Gefühl bleibt immer irgendwo zwischen den Zeilen hängen und kam nicht richtig bei mir an.
Von den E`Kturi geht oberflächlich betrachtet auch erstmal keine direkte Bedrohung aus, sodass sich kaum Spannung aufbaut, auch wenn den Leser die ein oder andere Wendung erwartet, denen mir insgesamt aber das Unerwartete fehlte und die viel zu schnell abgehandelt wurden.
Auch die Außerirdischen an sich fand ich relativ unspektakulär, auch wenn ich mir vorstellen kann, wie schwer es sein muss, etwas Neues und möglicherweise noch nie Dagewesenes zu erschaffen. Die Gruppe um den Kommandanten Alvar Lajunen fand ich wiederrum sehr stark. Es hat Spaß gemacht seinen strategisch klugen Gedankengängen zu folgen und seine ruhige und besonnene Art stellt einen spannenden Kontrast zu den anderen Kolonialisten dar.
Ich habe Puljic`s Perry Rhodan Romane nicht gelesen, aber gerade bei Alvar ist ihre Erfahrung im SciFi Bereich deutlich spürbar.
In der Summe ist „Zweite Heimat – Die Reise der Celeste“ ein solider SciFi Roman, der sich wunderbar für Einsteiger in das Genre eignet, erfahrene SciFi-Leser werden sich für das Buch aber wahrscheinlich weniger begeistern können.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.05.2020

Wichtiges Thema, packend erzählt

Der Funke des Lebens
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„Gesetze sind schwarz und weiß. Das Leben von Frauen besteht aus tausend Grautönen.“ - Jodi Picoult

"Der Funke des Lebens" hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht und beeindruckt. Zum einen hatte ich ...

„Gesetze sind schwarz und weiß. Das Leben von Frauen besteht aus tausend Grautönen.“ - Jodi Picoult

"Der Funke des Lebens" hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht und beeindruckt. Zum einen hatte ich nicht erwartet, dass hier das Thema Abtreibung thematisiert wird, denn der Klappentext ließ mich etwas ganz anderes vermuten. Auch die gewählte Erzählweise kam unerwartet, denn der Plot umfasst lediglich einen Zeitraum von nur einem Tag und wird zudem auch noch rückwärts erzählt. Man weiß als Leser somit von vorneherein, was am Ende der Geschichte passieren wird. Wie Jodi Picoult es trotzdem schafft, die Spannung aufrecht zu erhalten und innerhalb der Kapitel, die jeweils eine Stunde besagten Tages beschreiben, nicht zu viel zu den vorhergegangenen Geschehnissen zu verraten, zeigt ihr großes schriftstellerisches Können.

„Wenn du deine und ich meine Geschichte anderen Menschen erzählen würden, sähen selbst die härtesten Abtreibungsgegner meine als eine Tragödie an. Deine ist ein Verbrechen.
Der Logik nach bist du als Minderjährige nicht einwilligungsfähig, weil dir die geistige Kapazität dazu fehlt. Aber in deinem Fall wird dem Fötus der Schutz zugestanden, den du nicht bekommst, als wären seine Rechte mehr wert als deine.“ [S.129]

In der Geschichte tauchen neben dem Geiselnehmer, dem Polizeiunterhändler Hugh McElroy und dessen Tochter Wren, weitere Figuren auf, die sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme, aus den unterschiedlichsten Gründen, in der Frauenklinik und der näheren erzählerischen Umgebung aufhalten. Und obwohl die Figuren einander nicht gleichen und von unterschiedlichen Motivationen, Ansichten, Gedanken und Gefühlen getrieben werden, schafft Jodi Picoult es auf beeindruckende Weise, sich in alle hineinzuversetzen und bei dem Leser ein Grundverständnis für die verschiedenen Einzelschicksale zu erzeugen.
Mehr allerdings auch nicht, denn aufgrund der Vielzahl an Charakteren und der Erzählweise fiel es mir zunehmend schwerer mitzufühlen. Auch wenn Gegenteiliges kaum der Grundgedanke der Autorin gewesen sein mag, denn in erster Linie geht es wohl darum, gewisse Zustände aufzuzeigen, aufzuklären, wachzurütteln, Denkanstöße zu liefern und zum disskutieren anzuregen. Dabei hebt Picoult gekonnt den literarischen Zeigefinger, ohne ihn auf jemand bestimmten zu richten.

„Dieser ganze legale Schutz, den ihr für die Ungeborenen einfordert. Toll. Gebt ihn ihnen. Aber nur, wenn ihr eine Möglichkeit findet, mir diesen Schutz nicht wegzunehmen.“ [S.177]

Das Thema "Abtreibung" ist heikel und von einer Komplexität, die ich nicht erwartet hätte, was daran liegen mag, dass in Europa anders mit diesem Thema umgegangen wird als es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten der Fall ist.
Ein packender, wichtiger und vor allen Dingen kluger Roman, der mich emotional zwar nicht ganz erreicht, in mir drin aber definitiv einiges bewegt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 01.07.2019

Starker Schluss, der Rest war mir zu oberflächlich und zu sehr in die Länge gezogen. Zwei Teile hätte es für mich nicht gebraucht...

Falling Fast
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Die Geschichte um Hailee und Chase hat mich leider ziemlich schnell verloren. Die Leseprobe hat mir, Dank des lockeren Schreibstils der Autorin, gut gefallen, sodass ich mich sehr auf "Falling Fast" gefreut ...

Die Geschichte um Hailee und Chase hat mich leider ziemlich schnell verloren. Die Leseprobe hat mir, Dank des lockeren Schreibstils der Autorin, gut gefallen, sodass ich mich sehr auf "Falling Fast" gefreut habe und am liebsten sofort weitergelesen hätte.
Hailee mochte ich auf Anhieb und bei Chase fand ich es sehr angenehm, es ausnahmsweise mal nicht mit einem "Bad Boy" zu tun zu haben. Der Fokus war mir allerdings zu sehr auf die Beiden gerichtet. Sicher, es ist ihre Geschichte, aber mir persönlich fehlt einfach etwas, wenn die Nebenfiguren leblos durch die Seiten huschen; mal hier, mal da auftauchen, sonst aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Ganz ähnlich ging es mir mit dem Setting, der Stadt Fairwood in Virginia, die ebenso leblos bleibt wie die Einwohner. Und auch die Liebesgeschichte an sich hat mich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr wirklich interessiert, einfach weil es ihr an Besonderheit fehlt und unspektakulär runtererzählt wurde. Ab und an war ich dann sogar schlichtweg gelangweilt, weil zudem auch noch langatmige Passagen dazu kamen, die nur den Zweck zu haben schienen, das Buch unnötig in die Länge zu ziehen. Ich denke, dass die Geschichte besser funktioniert hätte, wenn es kein Zweiteiler wäre, so fehlte es neben allem anderen auch an dem richtigen Timing.
Abgesehen davon mangelt es in meinen Augen an nötigen "Twists". Der Grund für Hailee`s Aufenthalt wird sehr schnell abgehandelt und alle Widerstände mit denen Hailee sich konfrontiert sieht, lösen sich ohne große Mühen in Wohlgefallen auf, einfach weil z.B. die Nebencharaktere zufällig genau das mitbringen, was Hailee braucht.
Auch die Charakterausarbeitung von Hailee und Chase war mir stellenweise nicht stimmig genug, vor allen Dingen bei Hailee, die so gar nicht mit der Person zusammenpasst, die sie am Ende des Buches darstellen soll. Ich hoffe, das wird im Folgeband besser gelöst. Die Erklärung für ihr Verhalten reicht so jedenfalls nicht aus und ehrlich gesagt halte ich es, im Hinblick auf Betroffene, sogar für gefährlich, diese "Message" so stehen zu lassen. Mutig sein ist eine wunderbare Sache aber nicht so!
Auf die Art bekommt die Geschichte zum Ende hin aber natürlich die in meinen Augen dringend notwendigen Ecken und Kanten und daher werde ich "Flying High" eventuell die Chance geben, mich doch noch zum Fan dieser Dilogie zu machen. Am Schreibstil hat es jedenfalls nicht gelegen.