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Veröffentlicht am 28.06.2021

Nice to have

Wild Irish - Cillian
2

Zum Inhalt: Delaney hat alles verloren, was ihr in ihrem Leben wichtig war. Ihr Job gekündigt, den
Verlobten beim Techtelmechtel mit einer anderen erwischt und die Schwester verloren. An
Mukoviszidose. ...

Zum Inhalt: Delaney hat alles verloren, was ihr in ihrem Leben wichtig war. Ihr Job gekündigt, den
Verlobten beim Techtelmechtel mit einer anderen erwischt und die Schwester verloren. An
Mukoviszidose. Alles was ihr noch bleibt ist eine Liste mit Abenteuern, die ihre Schwester
aufgeschrieben hat. Ihr zu Ehren reist Delaney nach Irland, um die Liste abzuarbeiten. Doch schon
kurz nach ihrer Ankunft trifft sie wortwörtlich auf Cillian. Ein mürrischer, zugegebenermaßen wirklich
heißer Rockstar der Band „Wild IrIsh“. Davon allerdings weiß Delaney noch nichts. Sie ist lediglich
dankbar über das Dach über dem Kopf, dass Cillian ihr nach dem „Fast-Unfall“ widerstrebend
anbietet. Trotz dessen, dass die beiden nicht unterschiedlicher sein könnten und Cillian sich
beständig hinter unfreundlichen Mauern versteckt, um auch ja nu niemanden sehen zu lassen, wie
sehr er in seiner Vergangenheit verletzt wurde, fällt es den Beiden zunehmend schwerer, die
Gedanken und Finger voneinander zu lassen. Wie lange schaffen sie das wohl? Und dann ist da ja
auch noch diese Liste…
Viele, teilweise sehr klischeehafte und vorhersehbare Wendungen sind ein großes Markenzeichen
dieser Geschichte. Doch auf eine Weise geschrieben, die es einem ermöglicht bereits nach zwei
Sätzen vollständig in der Geschichte zu versinken. Der Schreibstil ist große Klasse, die Konversationen
nachvollziehbar und die Beschreibungen bildlich. Geschrieben wird abwechselnd aus den
Perspektiven von Delaney und Cillian. Das macht es einfach, beide Seiten zu verstehen und die
Problematiken aus beiden Vergangenheiten aufzufassen. Die Ich-Perspektive macht alles sehr
persönlich und ehrlich.
Ich muss sagen, dass es mir manchmal ein bisschen zu drüber war. Ich begann die Seite zu lesen und
dachte mir: „Ja kann man machen, ist logisch, warum nicht.“ Doch dann ging es weiter und
irgendwann wurde es unrealistisch. Dann dachte ich mir: „Ja komm, das auch noch und das auch
noch. Hier wird aber auch nichts ausgelassen.“ Es ist mitunter sehr kitschig und wirklich klischeehaft.
Aber wer auf sowas steht, kommt in diesem Buch voll auf seine Kosten. Dazu kommt noch die
wahnsinnig gute Erzählweise.
Fazit: Wer auf das Genre steht, wem Romantik und Kitsch (Und ein heißer Rockstar) nichts
ausmachen, für den kann ich eine DEVINITIVE Leseempfehlung aussprechen. Und auch so ist es eine
Leseerfahrung, die man mal gemacht haben muss. Um in dieses Genre reinzulesen gibt es definitiv
schlechtere Beispiele. Mir gefällt das Buch wirklich gut und ich kann in jedem Satz mit den
Protagonisten mitfiebern. Ein Nice to have in jedem Fall, auch wenn es keinen tiefen tieferen,
philosophischen Sinn hinter der Geschichte hat. Aber Bücher dürfen ja auch mal nur gefallen und
nicht auch noch herausfordern

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 09.05.2021

Eine Erfahrung wert

More than Love – Was dein Blick mir sagt
1

Josh, Mia und Ben waren seit ihrer Kindheit ein Herz und eine Seele. Besonders Mia und Josh hatten eine innige Beziehung. Doch eine Reihe unglücklicher Ereignisse führten zu einer schmerzlichen Trennung ...

Josh, Mia und Ben waren seit ihrer Kindheit ein Herz und eine Seele. Besonders Mia und Josh hatten eine innige Beziehung. Doch eine Reihe unglücklicher Ereignisse führten zu einer schmerzlichen Trennung der Beiden und 10 Jahre später dazu, dass Josh planlos vor dem Standesamt steht, um Mia die Hochzeit mit seinem ehemaligen besten Freund Ben auszureden. Muss er aber gar nicht, denn 10 Minuten vor der Trauung kommt selbige tränenüberströmt herausgerannt.
Josh nutzt seine Chance und redet mit ihr. Die beiden kommen sich wieder näher, aber kann die Zukunft verdecken, was die Vergangenheit angerichtet hat? Kann es Heilung geben für Wunden, die seit 10 Jahren schmerzen?

„More than love – was dein Blick mir sagt” von Nicole Knoblauch handelt von einer tragischen Jugendliebe, die kein gutes Ende fand. Und von einem kleinen Hoffnungsschimmer, der sich 10 Jahre später auftut.
Die Hauptprotagonisten sind Mia, Josh und Ben, drei Freunde aus Kindheitstagen. Der Leser begleitet die drei ein kurzes Stück während ihrer Kindheit und ihrer Jugend. Die meiste Zeit jedoch verbringt man damit ihren Erwachsenen-Ichs beim Flicken ihrer Beziehungen zuzuschauen und mitzufiebern.
Der Roman hält einige Überraschungen bereit. Er ist tiefgründiger als erwartet und an einigen Stellen realistischer, als man ihn gerne haben möchte. Das Buch nimmt einige wirklich unerwartete Wendungen an. Dabei wirkt es so realistisch, als würde man danebenstehen. Die Autorin, Nicole Knoblauch, hat einen flüssigen Schreibstil und einen tollen Sinn für realistische Szenenumsetzung.
Das Buch hat wirklich Substanz. Liest man die Leseprobe denkt man, bei „More than Love“ handle es sich um eine vergleichsweise normale, kitschige, romantische Geschichte, mit Happy End und Wohlfühlfaktor 10, zum aus der Welt flüchten. Dem ist nicht so. Wobei nicht gesagt ist, dass es kein Happy End gibt (oder vielleicht doch? 😉) Knoblauch verarbeitet das Thema Drogensucht und bringt einen in vielen Szenen zum Nachdenken. Viel Substanz, eingebettet in eine realistisch gestaltete Geschichte. Daraus ergibt sich aber auch eine kleine Warnung. Wer auf der Suche nach einem Buch ist, mit dem man alles Schwierige vergessen kann, das einen nicht zum Nachdenken bringt, das einen einfach aufs Sofa fesselt und träumen lässt, der sollte sich vielleicht für ein anderes Buch entscheiden. Denn Wie gesagt, Knoblauch verarbeitet in ihrem Roman wirklich schwere Themen; Drogenkonsum ist nur eines davon. Es geht um Probleme aus der Vergangenheit, Gedanken an die Zukunft, Mutterschaft und Freundschaft. Es geht darum, wie man es auf die Reihe bekommen kann aus einer tragischen Vergangenheit eine glückliche Zukunft zu spinnen. Zusammen mit viel Witz und Humor, Alpakas und Star Wars und einem guten Sinn für realistische Dialoge nimmt sich Knoblauch dieser Herausforderung an und erschafft eine Welt, in der Tränen so natürlich sind wie Gelächter; in der schwere Entscheidungen auf dem Tagesprogramm stehen und in der man sich nicht immer für den leichteren Weg entscheiden kann.
Besonders gefallen hat mir die Reise, die man mit Mia, Josh, Ben und den anderen macht. In vielen Büchern ist es so, dass die Handlung sich innerhalb einer oder einiger weniger Wochen abspielt. Manchmal sind Flashbacks eingebunden, die das Verhalten in der Gegenwart erklären aber auch die spielen sich zumeist in einem kleinen zeitlichen Rahmen ab. In Knoblauchs Buch liest man nicht nur aus Sicht beider Protagonisten (Mia und Josh), sondern man liest auch in vielen unterschiedlichen Zeiten. Mal als beide 6 Jahre alt sind, dann Teenager und schließlich in der heutigen Zeit, 10 Jahre später, aus Sicht von zwei Erwachsenen Menschen. Und gerade dieser Strang zieht sich über mehrere Monate. Wir erleben also eine richtige Geschichte, nicht nur eine Momentaufnahme und das gefällt mir wirklich sehr. Außerdem gelingt es Knoblauch die Mentalität der beiden Charaktere sehr gut zu definieren. Besonders durch die verschiedenen Alter. Wenn man das Kapitel der 6-jährigen Mia liest, verwandelt man sich selbst in ein Kind, die Perspektive ist also unfassbar gut gelungen. Genauso verhält es sich in ihren Teenager-tagen und als Erwachsene.
Und doch muss ich sagen: Es ist kein vollkommenes Meisterwerk. Die Geschichte ist zwar gut erzählt, der Schreibstil flüssig und die Handlung authentisch. Aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas. Natürlich ist es kein schlechtes Buch in dem Sinne, aber mir persönlich fehlt es dann doch noch etwas an Raffinesse. An manchen Stellen wirkt das Geschriebene ein wenig plump und aufgesetzt. Die Gespräche herbeigeführt und an den falschen Stellen (zu) romantisch. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und erhebt keinen Anspruch darauf, geteilt zu werden. Der eigene Eindruck zählt und es gibt viele Leute, die Knoblauchs Werk als sehr gut gelungen empfinden.

FAZIT: Ich würde das Buch nicht kaufen, da es meinem persönlichen Leseanspruch nicht genügt und ich teilweise das Gefühl hatte, nicht zur Zielgruppe zu gehören (Ich bin noch nicht erwachsen in dem Sinne, sondern noch mehr eine jugendliche Person). Für Leute, die aber schon ein paar mehr Dinge in ihrem Leben erlebt haben und die eventuell auch schon einmal mit Drogensucht, Co-Abhängigkeit, schwierigen vergangenen Liebesgeschichten oder alleiniger Mutterschaft zu kämpfen hatten, könnte dieses Buch jedoch mehr ansprechen als mich.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl