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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2022

Eine Erfahrung wert

Shameless Lies - Dunkles Begehren
0

In shameless lies von Lisa Rene Jones get es um die Vergangenheit. Was sie mit einem macht, wie man sich von ihr beeinflussen lässt und inwiefern man deshalb für vorgefertigte Meinungen anderer lebt.

Faith ...

In shameless lies von Lisa Rene Jones get es um die Vergangenheit. Was sie mit einem macht, wie man sich von ihr beeinflussen lässt und inwiefern man deshalb für vorgefertigte Meinungen anderer lebt.

Faith ist eigentlich Künstlerin. Doch nachdem ihre Eltern gestorben sind, nimmt sie sich der Aufgabe an, das mit Schulden belastete Weingut der Familie zu retten und wieder aufzubauen. Doch das ist nicht einfach. Die Bank stellt sich ihr beständig in den Weg und auch sonst steht Faith unter Stress, da sie durch ihre Arbeit auf dem Gut ihre Kunst vernachlässigen muss und ihr Agent ihr deshalb permanent in den Ohren liegt.
Nick ist Anwalt. Ein verdammt guter und das weiß er auch. Außerdem hat er kürzlich seinen Vater verloren und vermutet nun, dass Faith nicht nur ihn, sondern auch ihre eigene Mutter umgebracht hat, um an ein Vermögen zu kommen, das Nicks Vater Faiths Mutter hat zukommen lassen. Doch die Mission, Faith auszuspionieren und dann mit den Tatsachen zu konfrontieren scheitert in dem Moment, in dem sich die beiden zum ersten Mal gegenüberstehen. Faith wirkt so gar nicht wie eine kaltblütige Mörderin. Abgesehen davon steckt sie bis zum Hals in Schulden und scheint von dem Geld nichts zu wissen. Doch wer ist diese Frau wirklich. Sie, die so beständig um das Überleben eines Familienerbstücks kämpft, das sie in ihrer Vergangenheit eigentlich festhält und nicht weiterbringt.

Das ganze Buch scheint unter einer Art elektrischem Strom zu stehen. Alles ist sehr sinnlich, bedacht und… im weitesten Sinne mysteriös. Gute Arbeit hat die Jones bei den Konversationen geleistet. Sie legt sehr viel Unterbewusstes, subtiles in die Gespräche. Das führt dazu, dass man vielleicht den ein oder anderen Satz zweimal lesen muss, sorgt aber an anderer Stelle auch dafür, dass man die Beziehung, in der sich unsere Protagonisten gerade befinden besser versteht. Trotzdem muss man diese Art des Gesprächs mögen. Der Hauptkonsens findet halt durch die Blume zwischen den Zeilen statt.
Auch wunderschön gemacht ist das Katz- und- Maus- Spiel der beiden Protagonisten. Man kann die elektrische Spannung zwischen den beiden förmlich mit den Händen aus den Seiten nehmen. Da macht das Lesen definitiv großen Spaß.
Die Erotik wirkt in diesem Buch weniger wie ein Grund, warum das Buch geschrieben wurde, als vielmehr wie ein Stilmittel. Das hat mir sehr gut gefallen, weil ich es sonst sehr schnell sehr beliebig finde.
Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist wie schonmal erwähnt, die Art, wie Gespräche geführt werden und auch die generelle Beschreibung der Beziehung der beiden. Andauernd scheinen sie sich „zu spüren“. Sehr spirituell. Ich verstehe was gemeint sein soll, aber es wird so oft betont, dass es unwirklich wirkt. Dazu kommt noch das nicht unbedingt zufriedenstellende Ende. Das liegt vermutlich daran, dass dies erst Teil Eins einer Reihe ist, trotzdem hätte man da ein bisschen „Konsumentenfreundlicher“ sein können.

Aber alles in Allem eine schöne Leseerfahrung. Mir hat das Lesen Spaß gemacht und das ist doch eigentlich die Hauptsache. Ich mag die Art des Schreibstils, bei dem viel durch die Blume mitgeteilt wird, von daher hat mich dieser Hauptkritikpunkt nicht so sehr gestört. Mit einer Weiterempfehlung halte ich mich aber zurück, denn wie gesagt, man muss es mögen.

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Eine süße Idee

Wir am Meer
4

In „Wir am Meer“ von Nina Resinek geht es um Emanzipation. Und zwar im wörtlichen Sinne. Es geht darum, wie man sich von seinem Umfeld ablösen und seinen eigenen Weg gehen kann, auch, wenn andere das vielleicht ...

In „Wir am Meer“ von Nina Resinek geht es um Emanzipation. Und zwar im wörtlichen Sinne. Es geht darum, wie man sich von seinem Umfeld ablösen und seinen eigenen Weg gehen kann, auch, wenn andere das vielleicht nicht so sehen.

Anna ist Literaturstudentin und hat zwei große Lieben. Das Lesen und die Stadt New York. Als ihre Schwester ihr verkündet, dass sie gemeinsam mit ein paar weiteren freunden der Familie auf einen Urlaub auf den Hamptons eingeladen sind, und zwar von Annas Lieblingsautor schlechthin, geht für sie gleichermaßen ein Traum wie Albtraum in Erfüllung. Doch tatsächlich entpuppt sich Killian als ein relativ geringer Problemfaktor. Stattdessen ist ihr Urlaub voller kleiner Reibereien, sowie größeren Krisen. Alle scheinen sich plötzlich miteinander zu streiten. Doch über all dem Chaos vergisst Anna keinesfalls ihre eigentliche Mission. Killians Geheimnis ergründen. Warum sitzt er immer als stiller Beobachter da, was schreibt er in sein Notizbuch, und vor Allem: Wer ist die große Liebe, die ihm eine Schreibblockade verpasst hat?

Resinek wartet mit viel Witz und Ironie auf. Der Schreibstil ist wunderbar lustig, man kann sich wirklich in Anna hineinversetzen und fängt an zu denken, wie sie. Spannend erzählt ist es auch. Man fiebert bis zum Ende hin mit und nimmt auch an den „kleineren“ Problemen großen Anteil. Leider sind die Charaktere, abgesehen von den üblichen Verdächtigen, relativ unspannend und platonisch gehalten. Mir fehlt ein klein wenig mehr Tiefe.
An Thematik hat das Buch jedoch viel zu bieten. Anna ist ein Beispiel dafür, wie es ist, wenn man in einem bestimmten Status innerhalb der Familie feststeckt und sich aus selbigen herausarbeiten muss. Sie wird von ihrer Schwester manchmal regelrecht bevormundet und muss erst noch herausfinden, wie sie sich von ihr lösen kann. Auch Erziehungsstile sind ein Thema. Genauso wie Ehekrisen- Management. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass diese beiden Themen etwas größer behandelt worden wären oder dass eines rausfliegt. Denn ich kann verstehen, dass in der Handlung und im Buch selbst nicht genug Platz war, um all diese Themen zur Genüge zu behandeln. Aber sie nur so nebenher laufen zu lassen ist meiner Meinung nach auch nicht die adäquateste Lösung. Da besteht also noch Luft nach oben.
Aber um nicht päpstlicher zu sein, als der Papst selbst: Alles in Allem empfinde ich das Buch als sehr gelungen. Das Lesen hat großen Spaß gemacht und ich fand die Idee sehr gut. Klassisch romantisch und sehr witzig. Wer ein bisschen träumen und sich aus seinem Alltag hinaus flüchten will, macht mit diesem Buch nichts falsch.

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Veröffentlicht am 14.05.2022

Dieses Buch macht etwas mit einem

Remember when Dreams were born
1

In “remember when dreams were born” von Anne Goldberg geht es um das Verarbeiten traumatischer Erlebnisse und um das wieder zueinander finden nach schlimmen Zeiten.
Margaret, Maggie war tot. Nur ganz kurz ...

In “remember when dreams were born” von Anne Goldberg geht es um das Verarbeiten traumatischer Erlebnisse und um das wieder zueinander finden nach schlimmen Zeiten.
Margaret, Maggie war tot. Nur ganz kurz und auch nicht unwiderruflich, aber so ein Schock löst einiges aus. Nicht nur bei ihr, auch bei ihrem Umfeld. Maggie weilt wieder unter den Lebenden, hat aber mit einer ordentlichen Portion Beeinträchtigung zu kämpfen. Ihre Hüfte und ihr Hirn wurden zerschmettert und nun muss sie sich erstmal wieder rehabilitieren. Richtig gehen und denken lernen. Das Problem: Keiner scheint ihr zuzutrauen, sich alleine zurechtzufinden. Und das nervt. Dazu kommt noch, dass sie sich manchmal selbst nicht ganz trauen kann. Teilweise kann sie die richtigen Worte nicht finden, ihre Emotionen geraten in regelmäßigen Abständen außer Kontrolle und normal laufen wird sie vermutlich erst in einer Ewigkeit wieder können. Alles in Allem ist Maggies Situation also verbesserungswürdig. Und genau diese Verbesserung scheint plötzlich in ihr Leben zu treten, als sie eines Abend Tom kennenlernt. In einem Pub, in den sie anfänglich gar nicht gehen wollte. Und Tom ist in genau einer Hinsicht erfrischend anders als der Rest. Er behandelt Maggie wie jemand selbstständiges und gibt ihr damit das Gefühl von Normalität zurück. Das Tom, der vermutlich letzte Gentleman der Welt, sein ganz eigenes Päckchen mit sich herumzutragen hat, wird erst ein bisschen später klar. Maggie wird in eine emotionale Achterbahn geworfen und kommt am Ende an einer ganz anderen Stelle heraus, als sie eingestiegen ist.

Wenn ich das Buch in einem Wort beschreiben müsste, wäre es das Wort „intense!“. Für alle englisch- unbegabten: die Übersetzung ist „intensiv“. Aber die englische Aussprache hat in meinen Augen deutlich mehr Wucht. Das Buch ist großartig. Der Schreibstil ist wunderschön, romantisch, aber nicht zu kitschig. Und doch auf eine Art so zuckersüß, dass man sich im Lesesessel grinsend zusammenkrümelt und denkt „Ach Mensch, wie ist das knuffig!“. Die subtile Art Goldbergs, den roten Faden in Gespräche zu spinnen, finde ich bemerkenswert.
Die Charaktere sind unfassbar tiefgründig beschrieben. Durch die Probleme der Figuren und die dadurch entstehende dramaturgische Tiefe sind sie auf sehr klassische, aber auch sehr wirksame Weise interessant gemacht. Jeder Protagonist hat sein Problem, erlebt einen Bruch und erfährt eine Reise. Klassisch, zeitlos, großartig.
Außerdem: Man liest weiter, weil man einfach Zeit mit den Charakteren verbringen will. DA ist kein großes Drama, welches die Geschichte vorantreibt. Der Spannungsaufbau ist sehr subtil und wie es scheint, gar nicht der Hauptgrund, warum die Geschichte weitergeht. Abgesehen davon, dass man im ersten Augenblick denkt, dass es sehr schnell geht für reale Verhältnisse (das löst sich aber im Laufe der Geschichte noch auf, versprochen 😊), ist es unfassbar realistisch dargestellt. Man hat das Gefühl, man schaut Maggie und Tom beim Leben zu und das gefällt mir. Es bringt Ruhe ins Lesen. Und es wirkt nicht so träumerisch romantisch (und damit unrealistisch und nur in einer Geschichte möglich). Das Buch ist nicht gut zum „heile Welt flüchten“, dafür aber, um das Innerste einer Person zu verstehen.
Dieses Buch macht etwas mit einem. Das Lesen ist ein Abenteuer und man liebt und fürchtet es zugleich. Auch wenn man seine Nase nicht drinne hat, begleitet einen die Geschichte durch den Tag. Das habe ich selten bei einem anderen Buch als denen vom Fantasy Genre erlebt.
Aber man muss sagen: Die Geschichte ist hart. Definitive Trigger Warnung. Es geht um Selbstmord und posttraumatische Belastung. Zwar schön verpackt mit Romantik und einer ordentlichen Portion Witz, aber trotzdem. Wer Probleme mit so etwas hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er dieses Buch liest. Auch wenn ich (ACHTUNG SPOILER) versichern kann, dass alles gut wird. Aber auf der anderen Seite ist es ja auch „nur“ der Auftakt zu einer Reihe. Wer weiß, vielleicht kommen die richtig großen Probleme erst noch.

Alles in Allem kann ich aber sagen: DEFINITIVE LESEEMPFEHLUNG!!. Ich habe das Buch geliebt und kann es jedem ans Herz legen, der sich gerne mit etwas schwierigeren Geschichten (auch psychologischer Natur) auseinandersetzt. In diesem Buch lernt man etwas über sich selbst. Wer sich dem gewachsen fühlt wird mit diesem Buch großen Spaß haben. Alle anderen werden sich einfach über die romantische Geschichte freuen.

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Veröffentlicht am 29.04.2022

Wunder wunderschön

Modehaus Haynbach – Momente des Glücks
2

In dem Roman „Modehaus Haynbach“ von Elaine Winter geht es um das Loslassen und um das Verwirklichen seiner Träume, egal wie alt man ist. Außerdem habe jeder es verdient und die Chance, sein Glück zu finden.
1959. ...

In dem Roman „Modehaus Haynbach“ von Elaine Winter geht es um das Loslassen und um das Verwirklichen seiner Träume, egal wie alt man ist. Außerdem habe jeder es verdient und die Chance, sein Glück zu finden.
1959. Gigi lebt ein Leben, wie viele es sich mal wünschen würden. Sie ist Mannequin und Muse eines bekannten französischen Modeschöpfers. Außerdem ist sie unsterblich in selbigen verliebt. Doch nachdem sie es endlich geschafft hat und denkt, sie hätte ihn für sich gewonnen, eröffnet er ihr, dass er sich niemals auf etwas Festes einlassen könnte. Mit keiner Frau, auch nicht mit ihr. Vollkommen aufgelöst flieht Gigi nach München, wo ihre beste Freundin gemeinsam mit ihrer Schwester ein Modehaus leitet. Dort gelingt es Gigi, wieder zu sich zu finden. Gemeinsam mit ihren Freundinnen stellt sie sich den Abenteuern des täglichen Lebens. Jede der drei Freundinnen hat ihr Päckchen zu tragen und sie lösen die Probleme gemeinsam. Viktoria kämpft um den Erhalt ihres Modehauses, während Mabelle sich familiären Problemen stellen muss. Und Gigi kämpft gegen die Liebe. Zuerst ist da der gutaussehende, sensible Leo Fürst; seines Zeichens bekannter Schauspieler und ein wenig feige, was die Liebe angeht. Was Gigi aber überhaupt nicht gebrauchen kann, ist ein Mann, der sich wieder nicht entscheiden kann, was er denn nun genau empfindet. Und auf der anderen Seite gibt es da den reichen, sehr bestimmten und offenkundig sehr an ihr interessierten italienischen Stoffhändler Matteo Esposito. Als dieser Gigi einen Antrag macht sollte die Sache eigentlich klar sein. Doch irgendwie fühlt es sich falsch an, das perfekte Leben in Italien anzunehmen und dafür Leo Fürst vollkommen zu vergessen. Wie soll sie sich entscheiden?

Was soll ich sagen? Ich finde das Buch großartig. Die Tatsache, dass es sich bei diesem Buch schon um Buch vier der Reihe handelt, spricht eigentlich schon für sich, aber hier trotzdem nochmal ein paar Gründe, warum es sich absolut lohnt, das Buch bzw. die Reihe zu lesen:
Erstens: Der Schreibstil ist wunderschön. Absolut passend für die Zeit (das Wort „Mannequin“ kannte ich vorher noch gar nicht), auch gegendert wurde nicht, was man ja beim aktuellen Trend durchaus erwarten könnte. Aber hier finde ich, dass es auch nicht passen würde. Wir befinden uns nunmal in einer Zeit, in der der Feminismus noch in den Kinderschuhen steckte und in der es einfach gang und gäbe war, die männliche Bezeichnung für was auch Immer zu benutzen. Mich stört es nicht. Außerdem schreibt Elaine Winter wunderbar flüssig, romantisch und trotzdem realistisch. Mir macht das Lesen allein deshalb spaß, weil ich zu hundert Prozent in eine andere Welt entführt werde, die aber nicht zu sehr in Klischees abdriftet.
Auch die Charakterverteilung ist gut gelungen. Es geht zwar hauptsächlich um die Protagonistinnen Viktoria, Mabelle und Gigi, doch auch die Nebenfiguren, die Ehemänner und Kinder sind ausgearbeitet (was daran liegen könnte, dass sie seit drei Büchern etablierte Charaktere sind) und absolut realistisch dargestellt. Sie werden gezeigt als ein großer und wichtiger Teil der Leben unserer Hauptfiguren. Das macht es auch jüngeren Lesern (oder Leserinnen 😉) einfach, dem Geschehen zu folgen; weil es auch um die Kinder geht. Einfach rundum gut gelungen.
Die Geschichte selbst ist für mich auch schön nachzuverfolgen. Realistisch und doch zu Träumen schön, da wurde genau die richtige Mischung gefunden.

Es gäbe noch ein paar mehr Sachen zu sagen, aber es läuft im Prinzip alles auf dasselbe hinaus. Ich mag dieses Buch und würde es absolut weiterempfehlen. Für alle, die es historisch, romantisch, federleicht und ein bisschen verträumt mögen ist das Buch genau das Richtige.

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Kann man machen, muss man aber nicht

Privileged - Class of Royals
4

In dem Buch „Privileged – Class of Royals” von Carrie Aarons geht es ums Erwachsenwerden und um das Loslassen der Vergangenheit.
Nora ist ein junges Mädchen, das mit der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ...

In dem Buch „Privileged – Class of Royals” von Carrie Aarons geht es ums Erwachsenwerden und um das Loslassen der Vergangenheit.
Nora ist ein junges Mädchen, das mit der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bisher nicht viel am Hut hatte. Doch ihre Mutter verliebt sich in den britischen Thronfolger und so wird Nora gezwungen von Pennsylvania nach London zu ziehen, um dort ihr letztes High- School Jahr auf einer Eliteschule für die Upper Class der Londoner Gesellschafft zu beenden. Dort trifft sie auf Asher, einen unglaublich gutaussehenden aber unglaublich unfreundlichen Mitschüler. Er scheint ein großes Interesse an ihr zu haben und nach einigem Hin und Her beginnt Nora, sich auf ihn einzulassen. Damit einhergehend lernt sie auch das Leben an der Spitze der Gesellschafft kennen. Wochenendausflüge nach Paris, staatliche Empfänge, Opernbesuche, Bälle. Dies alles wird nun Teil ihres Lebens. Was sie nicht weiß: Asher möchte die Beziehung zu Nora nutzen um ihrem zukünftigen Stiefvater, dem Thronerben Englands, das Leben zur Hölle zu machen. Er will sich rechen für etwas, dass ihm in seiner Kindheit angetan wurde. Doch womit Asher nicht rechnet, sind die Gefühle, die plötzlich im Innern seines Herzens für die unschuldige Amerikanerin entstehen und die er nie für möglich gehalten hätte.

Fangen wir mit etwas positivem an. Der Schreibstil ist meiner Meinung nach phänomenal. Wunderschön bildreich beschrieben, ausgetüftelte Dialoge (jedenfalls meistens) und ein Auge für´s Detail. Aarons kann, wenn sie will, sehr romantisch und sensibel schreiben, sodass man die Worte regelrecht verschluckt und sie hat die Gabe, einem während des Lesens Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Außerdem schafft sie es mittels ihres Stils die unterschiedlichen Erzählperspektiven klar voneinander zu differenzieren. Asher ist ein weitestgehend sexistisch- und chauvinistisch denkender Charakter, jedenfalls zu Beginn und ich muss sagen, manchmal wirkt das Geschriebene dann eher abstoßend und macht keinen großen Spaß beim Lesen. Im ersten Moment hält man das für mangelndes Können, doch dann wird einem bewusst, wie gut es Aarons tatsächlich geschafft hat, die Denkweise von Asher in den Wörtern herauszukristallisieren.

Doch das war es dann leider auch schon fast wieder mit dem Positiven. Denn so schön der Schreibstil sein kann, so unlogisch erscheinen mir einige der Situationen und Handlungen. Die Geschichte enthält einige Logiklücken die die sie nicht durchdacht wirken lassen. Das ganze Gebilde erscheint mir manchmal um eine Idee, bzw. einen Charakter herumgebildet und das stört mich. Da sind zum Einen, die ganz klaren logischen Fragen, wie es zum Beispiel sein kann, dass Nora sehr schlau sein soll und bei mehreren Universitäten in ganz Amerika eingeladen worden sei und wir an anderer Stelle erfahren, dass sie ihren Heimatort so gut wie nie verlassen hatte und sich überdies mit Medienrummel nicht auskennt oder sich wohlfühlt. Oder auch die Tatsache, dass sie praktischerweise zum richtigen Zeitpunkt sportlich wird, was vorher nie erwähnt wurde. Mir stellt sich auch die Frage, wie die Kinder, obwohl noch minderjährig, einfach so alleine über das Wochenende in ein anderes Land fliegen dürfen und sich dann mehrere Wochen lang nicht blicken lassen, weil sie mit einer Eroberung auf den Bahamas (oder sonstwo) sind. Abgesehen davon, dass sie Schule haben, sind die Kinder ja auch mögliche Angriffsflächen für politische oder sonstwie geartete Gegner der Eltern. Es wäre ein leichtes, so über die Kinder an die Eltern heranzukommen und niemand würde dieses Risiko eingehen. Mal ganz von dem Presserummel abgesehen, der nicht wenigen Eltern ordentlich im Ansehen schaden kann. Das sind nur einige Beispiele, leider.
Dazu kommen die Charaktere. Abgesehen von Nora, unserer Protagonistin, wirken alle (inklusive Asher, der den männlichen Protagonisten darstellt) hohl und nicht durchdacht. Da drängt sich wieder der Gedanke der Inszenierung um nur eine Idee oder einen Charakter auf. Nora lernt neue „Freunde“ kennen, aber die sind alle gleich. Sie haben keine Persönlichkeit, man erfährt nichts. Sehr schade, wie ich finde, vor allem, weil bereits Fortsetzungen zu dem Buch existieren, in denen es um Teile der Freunde geht. Mit Asher verhält es sich fast noch schlimmer. Sein Verhalten wirkt nicht richtig durchdacht und seine Handlungsmotive sind erst nicht richtig ausgeführt und werden einem dann auf eine oberflächliche Art und Weise immer und immer wieder aufgetischt. Wir erfahren nicht, wie die Prozesse in ihm stattfinden, dürfen nicht mit ihm mitdenken und herausfinden. Er hat immer schon gedacht und erzählt uns dann das Resultat. Und das ist von Klischees behangen und oberflächlich. Asher wirkt als Person klischeehaft und hohl. Außerdem ist sofort klar, dass er sein Verhalten Nora gegenüber nicht durchhalten kann. Doch auch an dieser Stelle, die einen ganz zentralen Aspekt der Geschichte darstellen sollte, wurde an Feinheiten gespart. Wir bekommen seinen Zwiespalt nicht mit, jedenfalls nicht ausreichend. Dazu kommt noch, dass der große Höhepunkt, das Ausspielen von Nora gegen ihren Stiefvater, vieeel zu kurz war. Nicht richtig be- und ausgeschrieben. Da hat Aarons an anderer Stelle deutlich bessere Schreibarbeit geleistet und gezeigt, dass sie es doch eigentlich kann. Also warum spart sie an dieser Stelle, diesem Wendepunkt der Geschichte, dem Höhepunkt der Dramatik plötzlich an Worten und Genauigkeit? Um dann noch eins draufzusetzen, wird die Auflösung, die Aussöhnung und das Verständnis für die Vergebung seitens Nora (denn ganz ehrlich, das Buch würde nicht existieren, wenn Nora Asher am Ende nicht all seine Taten verzeiht und sie glücklich miteinander werden) durch das Verrückt werden von Ashers Vater hervorgerufen. Ein sehr sehr stumpfes Mittel, wie ich finde. Asher sei eigentlich nicht so ein schlechter Mensch, er wurde von seinem Vater nur so erzogen. Dann wird sein Vater plötzlich verrückt und Asher begreift, wie falsch sein Handeln ist. Muss ich noch weiter ausführen, warum ich dieses Mittel stumpf finde? Ich habe mich im Laufe der Geschichte schon gefragt, wie die Autorin es schaffen will bei all den schlimmen Dingen, die Asher Nora antut, am Ende wieder Verständnis und Sympathie für Asher hervorzurufen. Sie hätte lieber die Intensität der „Gräueltaten“ etwas kleiner halten sollen und die Vergebung damit nicht so schwierig verständlich. Aber so musste ja etwas Dramatisches passieren, damit Nora nicht mehr sauer auf ihn ist. Wie passend, dass Ashers Vater diesen Moment wählt, um sich in all seiner Verrücktheit zu zeigen. Und wie überaus praktisch, dass der Weg der Selbsterkenntnis bei Asher offenbar sehr kurz war und überdies durch kein wirklich einschneidendes Erlebnis bei ihm hervorgerufen werden musste. Jedenfalls konnte man den Augenöffner in der Geschichte nicht ganz nachvollziehen. Eine weitere Situation, in der ich mir mehr Details und mehr Tiefe gewünscht hätte.

So, also so viel dazu. Man verstehe mich nicht falsch, das Buch ist nicht direkt schlecht. Die Idee ist gut und Nora ist als Charakter interessant. Aber dem Buch fehlt es an Realismus, Detailtreue an den richtigen Stellen und an Raffinesse. Die vielen Klischees könnte man vielleicht noch mit dem Genre erklären. Schließlich steht und fällt ein guter Bad Boy Roman mit ein paar guten Klischees. Aber leider könnte ich aus dem Stehgreif ein paar Bücher mit ähnlichem Thema nennen, die diese ganzen Ecken und Kanten nicht haben.
Mein persönliches Fazit also: Kann man machen, muss man aber nicht.

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