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Veröffentlicht am 25.12.2019

Ich bin nicht die Zielgruppe

Make it happen
2

Ich habe vor einigen Jahren Pam Grouts E² gelesen und fand es so mittel-gut. Es waren interessante Ansätze drin, aber eben auch jede Menge Geschwurbel. Da Make It Happen einen völlig neuen Ansatz und einen ...

Ich habe vor einigen Jahren Pam Grouts E² gelesen und fand es so mittel-gut. Es waren interessante Ansätze drin, aber eben auch jede Menge Geschwurbel. Da Make It Happen einen völlig neuen Ansatz und einen ganz anderen Blick auf das Thema verspricht, war ich sehr gespannt auf das Buch.

Leider wurde ich weder mit dem Schreibstil und dem Ton der Autorin noch mit dem Inhalt warm.

Mein größtes Problem: niemand muss für diese "Tipps" 20 Euro ausgeben!

Positiv denken, sich selbst lieben, Wünsche und Träume aufschreiben, Atemübungen, Vertrauen, Dankbarkeit (oh Gott!), bla bla. Alles schon tausend mal da gewesen.

Außerdem widerspricht sich die Autorin ständig:

Sie erklärt zu Anfang beispielsweise, dass sie sich ihre schlechten Beziehungen, beschissenen Jobs und eine ausgekugelte Schulter mit ihren negativen Gedanken selbst herbeigeführt hat, später erfährt man dann aber, dass Gedanken allein natürlich nichts verändern, sondern dass man Handeln muss (ja, ach nee... das hätte ich euch gratis erzählen können).

Beim Thema "selbst herbeigeführt" wäre ich übrigens ganz vorsichtig, denn da ist man mal ruck zuck dabei, Menschen für schlimme Situationen selbst verantwortlich zu machen: chronische Erkrankung und Gewalt in der Beziehung? Hast du dir selbst herbeigeführt, mit all deinen negativen Gedanken! Hättest du dich mal mehr angestrengt!

Die Autorin packt zwar einen kleinen Disclaimer rein und sagt, dass damit natürlich keine "Unschuldigen" gemeint sind. Als Beispiel nimmt sie Kinder, die von Missbrauch betroffen sind und sagt, dass diese natürlich nicht selbst Schuld haben. Aber gilt das nur für Kinder? Oder wer sind diese "Unschuldigen"? Wo ziehen wir die Grenze?

Ich hatte richtiges Bauchgrummeln beim Lesen.

Generell wird hier viel von "Opfer spielen" und "Opferrolle" geredet, ein Framing, dass ich überhaupt nicht mag. Es wird suggeriert, dass man unmöglich tatsächlich Opfer werden kann, sondern sich immer nur selbst in diese Position begibt (oder so tut, als wäre man dort).

Damit wird natürlich obendrauf noch in die typische Kerbe gehauen, die dieses Wort sowieso schon negativ besetzt, was ich ganz schlimm finde.

Auch die (wohl unbeabsichtigte) Respektlosigkeit der Autorin ist mir an manchen Stellen sauer aufgestoßen. Einmal sagt sie, sie wäre ja auch vor ihrer... ich nenne es mal "Erleuchtung"... nicht als "depressiver Miesepeter" durch die Welt gelaufen. Ich musste diese Stelle mehrfach lesen und konnte es trotzdem nicht glauben. Natürlich sind Menschen mit Depressionen keine "Miesepeter", sondern haben eine ernsthafte Erkrankung, die ernst genommen und behandelt gehört, schon allein weil sie unter Umständen tödlich enden kann! Als Betroffene, die leider schon allzu oft gehört hat, dass sie sich doch "nur mal zusammenreißen" muss, und "einfach mal ein bisschen fröhlicher sein" soll, hat mich das einfach besonders gestört.

Ich habe vor einer Weile mal ein Interview mit einem Psychiater gehört, der sich kritisch darüber äußerte, dass Probleme zu sehr "nach innen gekehrt" werden. Er meinte: "Ein armer Mensch wird auch nach Monaten der Therapie noch arm sein." Und dass es nicht immer so gut ist, den Patient:innen zu sagen, dass sie alleine verantwortlich sind und sich eben nur mal "was Gutes tun" sollen, weil man dann dazu neigt, gesamtgesellschaftliche Strukturen, die eben auch zu Erkrankungen führen, zu ignorieren. Beim Lesen dieses Buches musste ich immer mal wieder daran denken.

Schon alleine weil auch hier der Self-Care/Self-Love-Wahn großen Raum einnimmt.

Wie, dir geht's schlecht? Kauf doch einfach jede Menge Zeug! Duftkerzen, Badeschaum, Notizbücher, tolle Stifte, Kristalle (Levin sagt, sie hätte "fast immer einen Rosenquarz im BH"... keine Ahnung warum sie das tut, aber ich musste immerhin ein bisschen lachen), die Angebote der Autorin (siehe unten)... Kosum war ja schon immer die Lösung!

Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts per se gegen Self-Care. Mir ist klar, dass es im Kapitalismus manchmal absolut notwendig ist, sich selbst zu optimieren, gesünder zu leben und jede Menge Wege zu suchen, wie man noch besser entspannen kann. Das ist eine Überlebensstrategie.

Ich kritisiere aber das ganze System, das uns zu Kerzen/Yoga/Meditation und dem Kauf von Selbsthilfebüchern zwingt - und den Burnout am Ende eben doch nicht fernhält.

Die Autorin hat sowieso einen sehr eingeschrenkten (australischen?) Blick auf das Leben und die Welt (als sie im Kapitel zur Körperliebe schreibt, wie viele Männer sie nackt gesehen haben, entschuldigt sie sich bei ihrem Vater - und mein WTF-O-Meter schlägt aus...). Dass dauernde Body Positivity auch anstrengend sein kann und dass Selbstzweifel ohne schlechtes Gewissen ab und an möglich sein müssen, vergisst die Autorin im Kapitel über Selbstliebe.

Nach ihrer Devise sollen wir nun also für alles immer und jeder Zeit die volle Verantwortung übernehmen und dürfen keine "Ausreden" mehr finden, wie z.B. "die Trump-Regierung".

Mal ehrlich, wenn wir die Politik nicht für unsere Ausgangs- und Rahmenbedingungen verantworlich machen können, wen denn dann? Wenn ich in den USA ohne Krankenversicherung hocke (für uns Deutsche ja zum Glück undenkbar!), dann muss ich doch die Politik kritisieren können. Wozu brauchen wir denn Politiker:innen, wenn wir an diese nicht vertrauensvoll ein kleines Stück Verantwortung abgeben können? Um dann aufzustehen und laut zu werden, wenn die nicht machen was sie sollen, versteht sich.

Aber das alles ist noch nicht mal mein größtes Problem mit dem Buch. Richtig raus war ich, als dieser ganze Eso-Kram anfing, von dem ich eigentlich gehofft hatte, dass er hier nicht stattfindet.

Sternzeichen zum Beispiel. Da ist die Rede von der Sonne, die durch die Sternzeichen läuft und ja, die Autorin sagt natürlich, dass die Sonne sich eigentlich nicht bewegt, sondern ein Fixstern ist. Allerdings wird in der Astrologie nun mal alles "von der Erde aus betrachtet". Was bedeutet, dass dieser Humbug die Wissenschaft ignoriert und im Prinzip überhaupt keine Bedeutung hat. Und wieder einmal: bitte nicht falsch verstehen. Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen ihre Horoskope lesen und ihrem Sternzeichen eine große Bedeutung beimessen.

Ich habe aber was dagegen, wenn Personen daraus Geld schlagen und wenn sie Unsinn verbreiten.

Das gleiche gilt für Mondphasen und seien wir ehrlich, dabei geht es lediglich um den Schatten, den die Erde in der jeweiligen Nacht auf den Mond wirft, weil sie zwischen ihm und der Sonne steht - und dass das angeblich einen Einfluss auf uns hat. Bei Neumond soll man sich die Haare schneiden, dann wachsen sie schneller ("gern geschehen" schreibt die Autorin dazu gönnerhaft). In Wirklichkeit gibt es bei allen Menschen jeden Monat eine Phase, in der die Haare schneller wachsen. Ob der Mond da einen Einfluss drauf hat vermag ich nicht zu sagen, allerdings weiß ich, dass die Haare auch völlig ohne Schnitt einen kleinen Wachstumsschub haben, es ist also wurst, wann man sie schneiden lässt. Gern geschehen.

Eine meiner Hass-Stellen ist die über den Menstruationszyklus und der "weiblichen Energie". Abgesehen davon, dass natürlich nicht jede Frau menstruiert, war mir dieser Zweig, der sich allein auf biologische Eigenschaften bezieht und da eine Art Kult draus macht, schon immer sehr suspekt. Es werden einfach zu viele Menschen ausgeschlossen.

Außerdem wird so viel in diesem Buch zusammengewürfelt: Ayurveda, Yoga, Yin und Yang, traditionelle chinesische Medizin, Manifestation, Kristalle, Mondphasen, Meditation, Tarot...

Hier wird alles mitgenommen, was sich irgendwie in die Eso-Ecke stellen lässt und in Wirklichkeit gar nicht zusammengehört.

Und die "Tipps" hat man – wie oben erwähnt - alle ganz bestimmt schon mal irgendwo gelesen. Zwischen der Lebensgeschichte der Autorin und den sich wiederholenden Hinweisen finden sich dann auch mal konkrete Beispiele: Du willst einen bestimmten Job ergattern. Mantraartig wurde dir nun eingeimpft, dass du selber aktiv werden musst und dass ohne Handeln gar nichts geht. Was kannst du nun also tun, um einen Schritt auf dieses Ziel zuzugehen? Halt dich fest, die Autorin hat eine Idee, auf die du ganz sicher nicht gekommen wärst! Achtung: du suchst im Internet nach Stellenangeboten, die auf deinen Traumjob passen. Düdum Tsch.

Oder möchtest du vielleicht fünf Euro mehr in der Tasche haben? Dann denk und glaub ganz fest daran... und verzichte auf den zweiten Kaffee! Schon bist du reicher!

Auch ein Parkplatz direkt vor deiner Haustür lässt sich ohne Probleme manifestieren – wenn du bereit bist, auch mal dreißig Minuten rumzufahren und zu suchen. Eine halbe Stunde sinnloses Rumgekurve, das ist dann dein Beitrag zum Klimawandel. Im Einklang mit sich selbst, aber gegen den Planeten!

Das ganze Kapitel über Geld besagt im Kern, dass man Einnahmen und Ausgaben berechnen soll und alles andere dann dementsprechend anpasst. Auch das sollte ja eigentlich bekannt sein. (Natürlich muss man auch noch die "Geldgeschichte neu schreiben" alles mit "Gefühlen aufladen" und "ganz fest darauf vertrauen", dass das Geld kommt...)

Sorry, aber besser wird es nicht. Alles, was in diesem Buch steht, weiß man schon. Und weil sich die Autorin immer wieder auf das eigene Handeln beruft und auch von "Sperren" im eigenen Denken spricht, kann sie sich jedes mal rausreden, wenn es eben doch nicht funktioniert.

Dann wolltest du es nämlich einfach nicht richtig, hast dich nicht genug angestrengt, stehst dir selbst im Weg, verstehst es einfach nicht, hast dich verschlossen. Ziemlich praktisch. Für die Autorin. Deren Konto ist übrigens das einzige, auf dem sich Geld manifestiert, wenn man dieses Buch kauft, auch wenn sie was anderes behauptet.

Zum Abschluss möchte ich noch betonen, dass ich es überhaupt nicht schlimm finde, wenn andere das Buch mögen. Wenn sich jemand dadurch motiviert fühlt und etwas für sich mit rausnehmen kann, dann freue ich mich für diese Person. Das hier ist am Ende auch nur meine rein subjektive, persönliche Ansicht. Aber ich rate doch dazu, sich das Geld zu sparen und was Schöneres damit zu machen.


(Ich habe übrigens mal ein bisschen zur Atorin recherchiert und neben sehr viel Selbstinszenierung bietet sie unter anderem drei "Sessions" für satte 660 Dollar an, ihr eineinhalbstündiger Unterricht im Schreiben kostet 385 Dollar... außerdem kann man sich im "Lunar Lover Club" auf ihrer Website anmelden, natürlich ebenfalls gegen Geld (Halbjahres-Abo 33 Dollar pro Monat, Ganzjahre-Abo 22 - "All sales are final, no refunds are permitted") Wenn man auf "buchen" klickt, geht es ohne weitere Erklärungen zur Paypal-Zahlung.

Daraus kann man nun ableiten was man will und auch zu dem Schluss kommen, dass es völlig in Ordnung so ist. Ich bin mir da etwas unschlüssig.)

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Veröffentlicht am 29.09.2019

Falsche Erwartungen

Melmoth
2

Melmoth ist ein höchst seltsames Buch. Ich wusste zum Schluss nicht mal mehr, in welche Kindle-Sammlung ich es packen sollte, weil einfach kein Genre so richtig passen wollte.
Einen großen Teil meiner ...

Melmoth ist ein höchst seltsames Buch. Ich wusste zum Schluss nicht mal mehr, in welche Kindle-Sammlung ich es packen sollte, weil einfach kein Genre so richtig passen wollte.
Einen großen Teil meiner eher schlechteren Bewertung schreibe ich mir selbst zu, denn ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Pünktlich zum Herbst war mir nämlich nach einer Schauergeschichte mit paranormalen Einschlägen.
Bekommen habe ich allerdings eher eine Charakterstudie.

Die Geschichte beginnt mit Helen, die von ihrem Bekannten Karel eines Abends (und unter ziemlich merkwürdigen Umständen) die Memoiren eines verstorbenen Mannes in die Hand gedrückt bekommt.
Auf den handbeschriebenen Seiten begegnet ihr Melmoth, eine Frau, die dazu verdammt ist auf ewig auf Erden zu wandern und die Menschen zu beobachten. Helen fühlt sich unbehaglich und hat schon bald das Gefühl, verfolgt zu werden.
So weit klingt es ja erstmal spannend und grade die erste Hälfte hatte durchaus ein paar leicht schaurige Szenen - deren Stimmung allerdings durch den Schreibstil immer wieder ausgehebelt wurde.
Und der war generell mein größtes Problem an Melmoth:
Zum einen werden wir als Leserinnen immer wieder direkt angesprochen.

"Sehen Sie hin!"
"Wenn sie jetzt nach links gucken, können sie einen Schatten hinter Helen entdecken."
"Nun sind Sie überrascht, was?"

Das mag ein Stilmittel sein, gefällt mir persönlich aber einfach nicht. Mit solchen Sätzen kann man mich (eine eigentlich sehr leicht erschreck- und gruselbare Person) ruck zuck aus der Szene reißen... und schon ist die ganze schöne Unbehaglichkeit dahin.

Helen wird uns als erster Fixpunkt präsentiert, es geht aber noch um zig weitere Personen. Die lernen wir entweder direkt durch Helen oder in den ellenlangen Manuskripten, Briefen und Aufzeichnungen kennen, die sie liest.
Und hier wurde mir zu viel zusammengeschmissen.
Das aktuelle Prag, die Nazizeit, der Schlaganfall einer Frau, die daraufhin von ihrem Mann verlassen wird (übrigens einer der wenigen realistischen Aspekte der Story, es gibt erschreckende Zahlen dazu, wie häufig Frauen von ihren Männern bei Krankheit oder gar Pflegebedürftigkeit verlassen werden, während das umgekehrt höchst selten der Fall ist), prekäre Lebenssituationen in Mali etc.
Mit Melmoth hat das alles grade ab der zweiten Hälfte nur noch am Rande zu tun - und leider war mir dieses Potpourri an Lebensgeschichten auch noch zu langweilig.
Generell waren mir die Charaktere zu seltsam. Bestimmte Handlungen oder Gespräche konnte ich nicht nachvollziehen.
Ich meine, welche Frau nimmt eine Person, die sie grade auf der Straße kennengelernt hat, mit zu ihrer kranken und um Hilfe bittenden Freundin? Die es vielleicht nicht mal geschafft hat, sich richtig anzuziehen und so nicht gesehen werden möchte?
Aber hier in dieser Geschichte ist das alles kein Problem, denn die vollkommen Fremde ist nicht nur willkommen, sondern wird auch gleich als private Krankenschwester eingestellt.
Die Bindungen bzw. Freundschaften der Frauen haben mir ja eigentlich ganz gut gefallen, aber irgendwie waren alle immer so gemein zueinander. So viele unnötige Spitzen und Sprüche... Ehrlichkeit wird leider nur allzu oft als Entschuldigung für Unhöflichkeit vorgeschoben.

Gleich am Anfang werden wir übrigens mit Helens mysteriöser Vergangenheit gelockt. Sie verweigert sich selbst jeglichen Komfort und kasteit sich, weil sie irgendeine große Schuld auf sich geladen hat. Das wird so aufgebauscht, dass ich da sonst was erwartet habe und die Auflösung war dann... sagen wir mal "unterwältigend".
Das Ende war mir dann echt viel, viiiiieeeel zu weit hergeholt.
Und das sogar für mich, die ja eigentliche eine unrealistische Geistergeschichte erwartet hatte.
Echt schade, ich hatte mich auf das Buch gefreut.

Veröffentlicht am 19.09.2020

Die dunklen Pfade

Die dunklen Pfade der Magie
1

Csorwe ist noch ein Kind und dient im Haus der Stille, als sie als "erwählte Braut" dem Unaussprechlichen geopfert werden soll. Zu ihrem Glück gibt es aber grade einen Gast, der sie am Schrein abfängt ...

Csorwe ist noch ein Kind und dient im Haus der Stille, als sie als "erwählte Braut" dem Unaussprechlichen geopfert werden soll. Zu ihrem Glück gibt es aber grade einen Gast, der sie am Schrein abfängt und ihr neue Möglichkeiten aufzeigt. Belthandros Sethennai nimmt sie mit, bildet sie aus und schenkt ihr einen Platz an seiner Seite.

Jahre später - Csorwe ist erwachsen geworden - landet sie gemeinsam mit Talasseres Charossa (einem gutaussehenden und leicht arroganten Adligen) an einem trostlosen Ort und lernt dort die Magierin Shuthmili kennen. Aber eigentlich sind sie auf der Suche nach dem Reliquiar, das Belthandros so dringend haben möchte - und sie sollen es vor Oranna finden, der ehemaligen Bibliothekarin des Hauses der Stille, die dem Unaussprechlichen dient...

Die dunklen Pfade der Magie steht schon sehr lange auf meiner Wunschliste und ich wurde nicht enttäuscht. Wir haben hier eine sehr unkonventionelle und kreative Fantasy-Story mit Sci-Fi Einschlägen. Es gibt mehrere Welten, die alle durch eine Art Labyrinth verbunden sind. Das Fortbewegungsmittel sind fliegende Schiffe, mit denen man durch schimmernde Tore ins Labyrinth und durch weitere Tore wieder in eine neue Welt hinaus segelt. Jede hat ihr eigenes Volk, eigene Götter, eigene Sitten. Manche sind bereits verfallen, einsam, unbewohnbar und werden nach und nach vom Labyrinth verschluckt.

Das Konzept von Magie ist auch sehr interessant. Das Anrufen geschieht durch einen Gott oder eine Göttin und zehrt die Sterblichen ganz schön aus. Potenziell gefährlich ist das alles natürlich auch.

Hauptsächlich lebt die Geschichte aber von ihren tollen Charakteren, allen voran natürlich die pflichtbewusste Csorwe, die zu einer Art Orcvolk mit Hauern gehört und der schöne Tal, der einem spitzohrigen Elfenvolk angehört und so viel mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick scheint. Die beiden haben sowas wie eine Wettkampf-Hass-Beziehung, es gibt aber durchaus auch einen Funken Zuneigung. In jeder 0815 Story wären sie ein Paar geworden, aber nicht hier.

Viele der Figuren sind queer und zumindest nicht auf ein Geschlecht festgelegt. Tal ist unglücklich in Belthandros verliebt, Csorwe verguckt sich in Shuthmili. Das ist in dieser Welt vollkommen normal, niemand redet da groß drüber, es passiert einfach ganz natürlich. Es gibt keine Diskriminierung (aber natürlich Ungerechtigkeiten).

Die Liebe nimmt auch gar nicht so viel Platz ein. Mein Kindle zeigte mir 63 Prozent, als Csorwe das erste mal vorsichtig darüber nachdenkt, dass sie Shuthmili ja ziemlich hübsch und interessant findet. Danach kommen diese Gedanken öfter und es gibt auch ein paar ganz kurze, romantische Momente der beiden. Hauptsächlich geht es aber um die Jagd nach dem Reliquiar und deren Folgen.

Wer sich dennoch daran stört... naja, ich meine, es gibt buchstäblich Millionen von anderen Geschichten mit reinen Hetero-Konstellationen, in denen LGBTs nicht mal erwähnt werden. Lasst uns den Schnipsel Freude und Representation und lest dann die. ;)

Das Buch hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich bin froh, dass sich da grade in der Fantasy/Sci-Fi langsam was tut und es nicht mehr immer die selben öden Geschichten sind, die wir vorgesetzt bekommen.

Ich ziehe trotz meiner Begeisterung einen Stern ab, weil ich noch ein kleines bisschen Kritik habe: der Schreibstil ist ein wenig unterkühlt und die Story könnte an manchen Stellen etwas spannender/rasanter sein. Die Namen sind alle recht kompliziert und die ersten Seiten des Buches bestehen erstmal aus Erklärungen dazu, wie man welche Buchstabenkombi ausspricht. Habe ich mir natürlich nicht gemerkt, aber man gewöhnt sich dran und es stört dann auch nicht mehr.

Ebenfalls ein kleines Manko, aber wohl der Übersetzung geschuldet: es gibt Personen, die völlig geschlechtslos auftreten und man hat sich im Deutschen leider für männliche Pronomen entschieden. Einmal Neopronomen in die Suchmaschine gehauen und schon weiß man, dass es auch bei uns anders geht. Vertane Chance, schade.

Ansonsten war es aber eine große Lesefreude und ich will mehr!

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Veröffentlicht am 22.08.2020

Raum der Angst

Raum der Angst
1

Hannah wird nach ihrer Schicht in einer Bar entführt. Eine Gruppe junger Erwachsener denkt, sie nehmen an einem Uni-Experiment teil, in Wirklichkeit wurden auch sie entführt. Derweil ermittelt die Polizei.

Escape ...

Hannah wird nach ihrer Schicht in einer Bar entführt. Eine Gruppe junger Erwachsener denkt, sie nehmen an einem Uni-Experiment teil, in Wirklichkeit wurden auch sie entführt. Derweil ermittelt die Polizei.

Escape Rooms sind richtig guter Thriller-Stoff und ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut. Leider war es mein persönlicher Flop des Jahres (bisher... ein paar Monate haben wir ja noch, aber ich hoffe auf keinen Weiteren).

Das Buch war einfach überhaupt nicht meins, angefangen bei den klischeehaften und unausgereiften Charakteren, über den simplen und leicht hölzernen Schreibstil (mit den teils seltsamen/unglaubwürdigen Gesprächen), bis hin zur Auflösung am Ende, die mich einfach nicht abgeholt hat. Ich weiß, viele finden das Buch super spannend und es sei euch gegönnt, ich freue mich für euch. Leider kam davon aber bei mir nichts auf. Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich.

Ich glaube, das größe Problem hatte ich mit diesem konstanten "Männer gegen Frauen" Ding, die ganzen Seitenhiebe gegen Gleichberechtigung, damit, dass so gut wie jeder männliche Charakter ein Sexist ist, der Frauen entweder runterputzt oder angeiert. Ich meine, klar kann man einen misogynen Charakter schreiben, ist ja auch aus der Realität gegriffen. Aber dann sollte es auch eine Stimme geben, die dagegen hält. Und es sollte nicht jeder Typ super unangenehm sein. Ständig wird den Frauen der Mund verboten (und sie fügen sich meistens)... sie heulen rum, werden als nervig und "hysterisch" beschrieben (ja, das Wort wird wirklich benutzt) und natürlich als "Mädchen" bezeichnet. Und klar, manche der Männer machen "nur" Sprüche, ist doch nur Spaß, hihi, wenn sie sich dadurch ärgern lässt, hat er es genau richtig gemacht, zwinkizwonki. 🙄

Natürlich kriegen auch die Herren ihr Klischeefest. Sie sind ständig mit ihren Machtspielchen beschäftigt, wer ist der Leitwolf, der "Alpha", jeder will es besser können und wissen. Oh und Männer sind natürlich alle große Kinder. Wenn dem wirklich so wäre (Spoiler: ich glaube das nicht), dann sollten wir uns überlegen, ob wir sie ernsthaft in die Politik lassen wollen.

Ich musste das Buch aus all den Gründen immer wieder weglegen und habe währenddessen zwei andere gelesen, die ich nicht aus der Hand legen konnte und am Stück verschlungen habe. Gar kein gutes Zeichen. Zwischendrin bin ich auch immer wieder in den Schnelllesemodus geswitcht, weil ich so gelangweilt war. Ich bin enttäuscht und echt ein bisschen traurig, weil ich so gespannt drauf war. Aber manchmal ist es so.

(Das ist wie immer nur meine ganz persönliche und rein subjektive Meinung. Ich kritisiere hier natürlich nur das Werk, nicht den Autor persönlich, den ich ja auch gar nicht kenne.)

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Veröffentlicht am 31.01.2020

Wohlfühl-Ich, aber zu welchem Preis?

Wohlfühlgewicht
1

Oh man. Ich weiß auch nicht... irgendwie hatte ich in letzter Zeit kein Händchen für Rezensionsexemplare. Naja, Ehrlichkeit ist wichtig und darum bewerte ich Bücher auch so, wie ich sie empfinde.


Bei ...

Oh man. Ich weiß auch nicht... irgendwie hatte ich in letzter Zeit kein Händchen für Rezensionsexemplare. Naja, Ehrlichkeit ist wichtig und darum bewerte ich Bücher auch so, wie ich sie empfinde.


Bei Wohlfühlgewicht von Mareike Awe handelt es sich um eine (mit viel gutem Willen) 200 Seiten Klappbroschur, die satte 18€ kostet. Das Buch verspricht viel: endlich raus aus der Diät-Falle, essen wann und was man möchte und dabei trotzdem natürlich schlank (und gesünder) sein!

Ich hatte mich im Vorfeld schon ein kleines bisschen mit intuitivem Essen beschäftigt und stehe dem Thema eigentlich eher positiv gegenüber. Grundsätzlich ist es wohl immer gut, auf den eigenen Körper zu hören und seinem Hungergefühl wieder zu vertrauen.

Dazu gibt es auch ein paar gute Ansätze im Buch, die ich gern loben möchte und für die ich auch den zweiten Stern vergebe. So werden zum Beispiel (hormonelle) Vorgänge im Körper anschaulich und einfach erklärt. Wir erfahren, warum Diäten nicht funktionieren können, was dabei passiert und weshalb man so häufig unter Heißhungerattacken leidet, wenn man verzichtet und sich enschränkt.

Außerdem gibt es hilfreiche Infos zum Thema Hunger. Welche verschiedenen Arten gibt es da und wie äußern sich diese? Auf welchen Hunger sollte man hören und dann etwas essen, welchen dagegen auf andere Weise angehen? Auch hier sind die Erklärungen verständlich und gut.

Als Beispiel für intuitives Essverhalten werden immer wieder Kinder erwähnt und Awe plädiert dafür, sie einfach essen zu lassen, bis sie satt sind und zu nichts zu zwingen. Da gehe ich komplett mit.


Das war es dann aber leider auch schon und ich komme zur Kritik.

Zum einen steckt im Buch ein gutes Stück Klassismus. So heißt es zum Beispiel in Kapitel 3:

"Essen ist jederzeit verfügbar, wenn du es dir erlaubst."

Das stimmt natürlich so nicht und als Person, die auch schon Zeiten durch hat, in denen das Geld am Ende des Monats so knapp war, dass ich einige Tage lang nichts mehr im Kühlschrank hatte, sehe ich sowas immer kritisch. Auch in Deutschland gibt es eine Menge Krankheit und Armut. Aber gut, lesen wird drüber weg und gehen davon aus, dass sich das Buch eher an Mittelstand bis reich richtet (was natürlich schade ist, weil ja auch arme Menschen ein Recht auf ein gesundes Wohlfühl-Ich haben sollten... aber das ist nur meine Meinung und natürlich ist mir klar, dass die Autorin niemandem einen vollen Kühlschrank zaubern kann. Aber ein paar Worte dazu wären nett gewesen, ich komme auf Finanzielles auch nochmal zurück).

Ein weiterer Punkt ist der Zeitfaktor. So soll man natürlich essen, wenn man Hunger hat. Da aber eben sehr viele Menschen berufstätig sind und nicht alle in irgendeinem Büro sitzen, wo sie sich ihre Zeit einteilen können, ist das oft schwer möglich. Wer im sozialen Bereich, im Einzelhandel, in der Produktion, im Handwerk, im Labor etc. arbeitet, muss sich sehr wahrscheinlich an vorgegebene Pausenzeiten halten. Isst man dann nichts, weil man eigentlich noch satt ist, hat man vielleicht eine Stunde später Hunger, aber keine Möglichkeit mehr, etwas zu essen. Das gleiche gilt für die mentalen Übungen. Die meisten soll man täglich machen, einige sogar anfangs jede Stunde. Nun stelle man sich eine Friseurin vor, die ihre Kundin mitten im Schnitt sitzen lässt, weil die Stunde rum ist und sie nun erstmal ihre Übungen machen muss. Oder die Kassiererin schließt plötzlich die Augen, um zu ihrem Wohlfühl-Ich zu kommen - und die Schlange an der Kasse wird immer länger. Für viele Menschen ist das Durchführen so einfach nicht möglich.

Ich persönlich habe sowieso keinen Zugang zu diesen Übungen. Einige haben einen eindeutig esoterischen Touch, mit Ansätzen aus der Manifestations-Lehre (von der ich nicht viel halte) und dem "Gesetz der Anziehung", andere sind einfach nur albern. (Bitte dran denken, dass es sich hier bei allem um meine perönliche und natürlich rein subjektive Meinung handelt! Es geht mir hier nicht darum, Menschen ihre positiven Erfahrungen und Erfolge abzusprechen. Vielleicht funktioniert es für einige und dann freut mich das natürlich für diese Personen.)

Im Buch nimmt das Diät-Ich der Autorin sehr viel Raum ein. Es geht immer und immer wieder um ihr (ehemaliges) gestörtes Essverhalten, um Einschränkungen und Fressattacken, gefolgt von Heulkrämpfen und Minderwertigkeitsgefühlen. Jede Menge Drama, mit dem ich mich nicht identifizieren konnte. Hinzu kommt der ständige Versuch, Nähe zu den Leserinnen aufzubauen:

"Wenn du ein bisschen so bist wie ich..."

"Vermutlich kennst du das..."

"Sicherlich hast du auch schon mal..."

"Vielleicht bist du mir ähnlich..."

Zieht bei mir leider einfach nicht, sorry.

All die neuen Regeln führten bei mir außerdem dazu, dass ich mir viel mehr Gedanken um Essen, mein Gewicht und meinen Körper gemacht habe, als jemals zuvor. Wohl habe ich mich dabei nicht gefühlt und das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Ich bin in der priviligierten Postion, nicht übergewichtig zu sein und hatte mir eigentlich nur ein etwas besseres Essverhalten erhofft, vor allem, dass ich weniger schlinge. Dazu habe ich hier aber nur den Tipp "iss langsamer" bekommen und ja, no shit, Sherlock.

Im Vorfeld hieß es, dass durchaus auch Untergewicht angesprochen wird. Da mir Stress und Ärger oft den Appetit verhageln, war ich sehr gespannt darauf zu erfahren, was man dagegen intuitiv tun könnte. Leider kam das Thema dann aber nur in einem Nebensatz vor, nach dem Motto "wenn du untergewichtig bist, wirst du mit intuitivem Essen natürlich ein bisschen zunehmen". Ansonsten dreht sich alles ausschließlich ums Abnehmen, sich zu dick fühlen, Fressanfälle etc.

Dabei wird Body Positivity ganz groß geschrieben. Liebe dich uneingeschränkt und zu jeder Zeit selbst! Der Körper ist dein größtes Geschenk, er darf dir nicht egal sein und du musst ihn die ganze Zeit ehren. Und kauf dir was Schönes für dein Wohlbefinden... Wenn ich ehrlich bin, stresst mich diese ständige Selbstliebe ziemlich. Mein Körper ist mein Körper, ich bin mit ihm zufrieden, denke aber den Großteil des Tages überhaupt nicht über ihn nach. Ich habe ja auch noch ein bisschen was anderes zu tun und stecke meine Energie lieber in soziale Kontakte, in mein Schaffen und ins Lernen. Außerdem darf es ruhig auch mal einen Tag geben, an dem man sich – ganz ohne schlechtes Gewissen – unwohl fühlen darf.

Mein größtes Problem ist die dicke Marketingmaschine, die hier eigentlich angekurbelt wird. Das Programm der Autorin wird sehr oft erwähnt, am Ende wird sogar empfohlen, das doch am besten zu buchen, denn grade anfangs bräuchte man ja noch Hilfe und mentales Coaching. Bei den Preisen bin ich fast hinten übergekippt. So etwas könnte ich mir nie leisten. Als ich dann die überteuerten und auch in meinen Augen oft sinnlosen Produkte (etwa ein Armband, dessen Farben den Hunger symbolisieren und das man zu Rate ziehen soll, bevor man isst... oder ein "Feinschmecker-Löffel"?) entdeckt habe, wurde ich etwas stutzig. Dann bin ich auf das Event der Autorin gestoßen, dessen Tickets bei über hundert Euro losgehen (da wird einem allerdings nicht sehr viel geboten) und beim "VIP" Ticket enden, das fast doppelt so viel wie meine Monatsmiete kostet. Das finde ich vor allem deshalb so blöd, weil im Buch immer wieder betont wird, dass Awe einfach nur helfen will und es als ihre große Mission sieht, so vielen Menschen wie möglich zu einem glücklichen "Wohlfühl-Ich" zu bringen. Das gilt dann wohl nur, wenn man die nötige Kohle dazu hat. Noch merkwürdiger wird es, wenn man das Kapitel über Körperbilder liest, in dem die Autorin kritisiert, dass die Diät- und Schönheitsindustrie den Frauen nur das Geld aus der Tasche zieht und mit ihren Ängsten und Unsicherheiten Kasse macht. Dabei ist die Wellness-, Wohlfühl- und Self-Care-Industrie das gleiche in grün! Kapitalismus halt.

Ich nehme für mich die paar Infos über Hunger mit und versuche, ein bisschen langsamer zu essen und auf meine körperlichen Bedürfnisse zu achten. Ansonsten war das Buch leider eher eine Nullnummer. Ich freue mich für alle, denen es hilft, rate aber dennoch, ein bisschen vorsichtig zu sein und genau zu überlegen, wofür man sein Geld ausgibt.

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