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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2026

Erlebnis für alle Sinne

The Artist
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Die Autorin legt mit „The Artist“ ein beeindruckendes und lebendiges Debüt vor. Der junge Journalist Joseph reist nach Südfrankreich, um dort auf den großen Künstler Édouard Tartuffe zu treffen und ein ...

Die Autorin legt mit „The Artist“ ein beeindruckendes und lebendiges Debüt vor. Der junge Journalist Joseph reist nach Südfrankreich, um dort auf den großen Künstler Édouard Tartuffe zu treffen und ein Porträt über ihn zu verfassen. Dort lernt er dessen Nichte Ettie kennen, welche sich um den Haushalt und den exzentrischen Künstler kümmert.

Alle drei Charaktere sind sehr vielschichtig gezeichnet und ihr Zusammenspiel miteinander und auch die Auseinandersetzung mit Tartuffe, seinen Eigenheiten und seinen Wutausbrüchen werden sehr intensiv und spannend erzählt. Ob der Verlust der Mutter, das „nicht gesehen werden“ oder die Auseinandersetzung mit der Kunst - Joseph und Ettie verbindet so einiges.

Neben den Schilderungen der Schrecken des ersten Weltkrieges, geht es hier auch um Rollenbilder, um Selbstbestimmung und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.

Besonders fasziniert hat mich der Schreibstil der Autorin. Sie versteht es auf eine ganz besondere Art, ihre Geschichte zu einem intensiven Erlebnis für alle Sinne zu machen. Die Beschreibung der Bilder und der Farben, die Gerüche auf dem Markt, die Geräusche beim Essen oder die der Nacht, die Haptik der Lebensmittel - all dies beschreibt sie auf eine Weise, die einem das Gefühl geben mitten drin zu sein, zu hören, zu riechen, zu sehen, zu fühlen. In dieser Intensität habe ich das zuvor noch nicht erlebt.

So ist Lucy Steeds aus meiner Sicht ein bildstarkes, poetisches Meisterwerk gelungen, das ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Süße Geschichte

Die Olchis und das Sams. Die kaputte Wunschmaschine
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In diesem wirklich schön bunt und fröhlich illustrierten Kinderbuch trifft das Sams erstmals auf die Olchis und freundet sich auch gleich mit diesen an.

Die Geschichte ist recht simpel aber reich an lustigen ...

In diesem wirklich schön bunt und fröhlich illustrierten Kinderbuch trifft das Sams erstmals auf die Olchis und freundet sich auch gleich mit diesen an.

Die Geschichte ist recht simpel aber reich an lustigen Ideen und gewohnt verrückt. Ich denke, dass sowohl Sams- als auch Olchi-Fans hier auf ihre Kosten kommen. Es wird fröhlich im Dreck gespielt, mit Feuerstühlchen geflogen, Schuhsohlen und Ofenrohre geknabbert, aber natürlich auch gereimt, gewünscht und Würstchen verzehrt.

Typografisch hätte ich mir gewünscht, dass die Reime besser vom Fließtext abgesetzt worden wären. So habe ich teilweise erst zur Hälfte der Verse gemerkt, dass hier gereimt wird. Und das ist ja immerhin eine der wichtigen Besonderheiten am Sams.

Als langjähriger Sams-Fan muss ich sagen, dass die Geschichte nicht an die ersten Bände herankommt, aber es ist dennoch ein schönes Wiedersehen und eine kurzweilige, lustige Geschichte für Kinder, die zum selberlesen oder vorlesen geeignet ist.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Berührend

Der Sommer, der uns blieb
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Der Sommer, der uns blieb ist eine leise und berührende Geschichte über drei mittlerweile erwachsene Menschen, die einst eine enge Freundschaft verbunden hat.

Das plötzliche Verschwinden einer der drei ...

Der Sommer, der uns blieb ist eine leise und berührende Geschichte über drei mittlerweile erwachsene Menschen, die einst eine enge Freundschaft verbunden hat.

Das plötzliche Verschwinden einer der drei Freunde hat das Dreiergespann damals zerrissen und die Kluft ist tief, als sie Jahre später wieder zusammentreffen. Die Autorin lässt sich viel Zeit für ihre Geschichte und enthüllt über Rückblenden und wechselnde Perspektiven nach und nach, was damals passiert ist und wie es den drei Charakteren ergangen ist.

Mir haben die Themen Freundschaft und Vergebung sehr gut gefallen. Der Einblick in die Gedanken- und Erfahrungswelt der Personen wurde sehr gut ausgearbeitet und dadurch eine sehr berührende Geschichte erzählt. Für meinen persönlichen Geschmack hätte es noch etwas intensivere Reibungen und Spannung geben können, aber alles in allem ist das ein sehr schöner Roman, den ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Kluges Buch

Fast ein Leben
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Fast ein Leben bietet eine ganz tolle und intensive Geschichte, die, wie der Titel schon sagt, fast ein ganzes Leben umspannt.

Laure und Erika treffen in Paris aufeinander und erleben eine kurze, intensive ...

Fast ein Leben bietet eine ganz tolle und intensive Geschichte, die, wie der Titel schon sagt, fast ein ganzes Leben umspannt.

Laure und Erika treffen in Paris aufeinander und erleben eine kurze, intensive Zeit miteinander. So verschieden die beiden Frauen auch sind, fühlen sie doch eine starke Anziehung zueinander. Sie teilen das Interesse für Literatur und Kunst, zwei Themen, die sich auf eine sehr schöne und der jeweiligen Zeit entsprechende Art durch das Buch ziehen. Und sie hinterlassen Spuren in der jeweils anderen, die sie den Rest ihres Lebens begleiten und sie immer wieder zueinander führen.

Der Roman lässt uns tief in das Gefühlsleben der beiden Protagonistinnen blicken und ist dabei einfach unfassbar menschlich. Es ist kein Wohlfühlroman, in dem alles eitel Sonnenschein ist. Die Charaktere lieben und leiden, sie sind stur, eifersüchtig, stolz und egoistisch. Doch zeigen sie auch wie intensiv sie lieben, kümmern, genießen und verzeihen können. Dabei geht es durchaus auch um ernste Themen, z.B. wie es ist, ab den 1970er Jahren queer zu sein.

Das Buch ist sehr schön und klug geschrieben, lässt sich aber nicht ruckzuck runter lesen. Es ist schon eine Lektüre, die etwas Zeit braucht und sich auch Zeit nimmt, aber es lohnt sich. Ein ganz tolles Buch, das ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 21.05.2026

Sympathisch und unterhaltsam

Ein guter Blick fürs Böse
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Ein guter Blick fürs Böse ist ein sehr unterhaltsamer Krimi, der aus der Perspektive von drei starken Frauen erzählt wird. Diese drei sind vom Charakter her sehr unterschiedlich, teilen aber ein gemeinsames ...

Ein guter Blick fürs Böse ist ein sehr unterhaltsamer Krimi, der aus der Perspektive von drei starken Frauen erzählt wird. Diese drei sind vom Charakter her sehr unterschiedlich, teilen aber ein gemeinsames Schicksal und halten fest zusammen.

Das Buch zeichnet sich insbesondere durch seine zeitgeschichtliche Atmosphäre aus. Der Flair der 1960er Jahre allgemein und die Rolle der Frau im Speziellen werden sehr gut eingefangen. Auf diese Weise übt die Autorin gekonnt Gesellschaftskritik.

Die Krimihandlung überzeugt hauptsächlich durch die etwas chaotische und teils auch amateurhafte Ermittlungsarbeit der drei Damen. Insgesamt ganz gut gemacht und mit viel Charme, wenn auch nicht unbedingt unvorhersehbar.

Wer einen tiefgründigen Krimi mit gewiefter Ermittlungsarbeit und überraschenden Wendungen sucht, wird hier vielleicht nicht ganz zufrieden sein. Wer sich aber auf das Gesamtpaket mit viel Zeitkolorit und den etwas anderen Ermittlerinnen einlassen kann, wird mit diesem Buch sehr gut unterhalten.

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