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Veröffentlicht am 14.12.2021

Wut ist wichtig. Wut tut gut.

Wut & Böse
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Ich bin es hin und wieder - so richtig wütend. Für mich ist Wut ein Ausdruck meiner Gefühle und in gewisser Weise auch ein Befreiungsakt. Manchmal ist meine Wut auch irrational, manchmal versteife ...

Ich bin es hin und wieder - so richtig wütend. Für mich ist Wut ein Ausdruck meiner Gefühle und in gewisser Weise auch ein Befreiungsakt. Manchmal ist meine Wut auch irrational, manchmal versteife ich mich durch meine Wut auch zu sehr auf ein Thema. Meistens fühle ich mich hinterher aber besser, frei nach dem Motto "Wut tut gut". Doch was macht unsere Gesellschaft mit wütenden Frauen? Diesem Thema geht die freie Journalistin und Gründerin des "RosaMag" auf den Grund.

Zunächst einmal: Ich fand das Buch gut und inhaltlich recht interessant aufbereitet. Ciani-Sophia Hoeder geht sehr wissenschaftlich an das Thema "Wut" heran. Sie erklärt zunächst die Bedeutung von Wut. Wut ist eine (häufig heftige) Reaktion auf ein Gefühl und wird oft mit Traurigkeit verwechselt. Wie oft habe ich mir selbst schon die Frage gestellt ob ich wütend oder traurig sein soll. Ich finde die Abgrenzung gar nicht so einfach. Ciani-Sophia Hoeder beleuchtet das gesamte Spektrum von Wut anhand ihrer Ethymologie und Soziologie, deren Ausprägung in Politik und Popkultur, aber auch anhand persönlicher Erfahrungen.
Während wütende Frauen als Zicken, Feldwebel oder hysterisch abgestempelt werden, gilt Wut in männlichen Kreisen als Stärke und Durchsetzungsfähigkeit. Dieses geschlechterspezifische Bild von Wut wird vielen schon in der Wiege eingeimpft. Wütende Frauen gelten als unschicklich, es gehöre sich nicht. Oder wie oft musste ich mir schon anhören, das Leben ist zu kurz um sich zu ärgern und wütend zu sein.

Wie gesagt, Ciani-Sophia Hoeder fühlt der weiblichen Wut auf den Zahn. Sie zeigt auf welch starkes Instrument Wut sein kann und wie man durch sie Veränderungen herbeiführen kann. Dabei bringt sie wichtige Themen wie sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Rassissmus auf den Tisch.
Am besten hat mir das Generationengespräch am Ende des Buches gefallen. Hier habe ich mich am meisten wiedergefunden und es war interessant wie unterschiedlich Wut in jeder Generation wahrgenommen, akzeptiert und ausgelebt wird.

Mir hat Wut und Böse von der Thematik her sehr gut gefallen. Allerdings hatte ich einige Schwierigkeiten mit der Aufbereitung. Das fing schon beim gendern an. Ja, gendern ist nicht unwichtig - gerade bei so einem feministischen Buch wie Wut und Böse. Allerdings fand ich das ständige gendern zum Hören suboptimal und ich habe mich eher daran gestört. Für mich hat es sich wie eine Straße mit vielen Schlaglöchern angefühlt.

Zudem habe ich leider ziemlich oft den roten Faden verloren. Zu schnell springt die Autorin von einem Thema zum nächsten, ohne erkennbare Überleitungen. Ich musste das Hörbuch mehrmals zurückspulen, um den Gedankengängen noch folgen zu können.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich Wut und Böse als Hörbuch gehört habe und sich meine Kritik vorallem darauf bezieht. Hätte ich es gelesen, hätte ich die beiden angesprochenen Punkte wahrscheinlich anders wahrgenommen.

Nichts desto trotz gab es noch einen Punkt, der mir tatsächlich zu aufdringlich war: Der erhobene Zeigefinger gegen das Patriarchat und weißen Cis-Männern, die scheinbar die gesamte Schuld am System tragen. Hier hätte ich mir eine tiefgreifendere Analyse gewünscht.

Für mich war Wut und Böse eine interessante Erfahrung, die mir einige neue Erkenntnisse gebracht hat und auf jeden Fall zum Nachdenken anregt.

Fazit:

Wut ist wichtig, Wut tut gut!

Ciani-Sophia Hoeder schreibt über weibliche Wut als ausdrucksstarkes Instrument und warum es wichtig ist Wut zuzulassen. Sie geht sehr wissenschaftlich an das Thema heran, spricht aber auch über persönliche Erfahrungen und sie setzt Wut in Kontext mit sexueller Belästigung, Diskriminierung und Rassissmus.

Leider war mit der Aufbau etwas zu wirr, sodass ich beim Hören wiederholt den roten Faden verloren habe. Ich kann das Buch aber trotzdem all jenen empfehlen, die sich mit dem Thema "Frauen und Wut" auseinandersetzen möchten, würde allerdings eher zur Printausgabe greifen.

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Veröffentlicht am 11.12.2021

Was die Puppen erzählen

Das Flüstern der Puppen (Thriller)
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Das schaurige Cover hat es mir angetan und mich zu Das Flüstern der Puppen aus der Feder von Gunnar Schwarz greifen lassen. Mein Gespür hat mich mich getäuscht. Das Buch hat sich als absoluter ...

Das schaurige Cover hat es mir angetan und mich zu Das Flüstern der Puppen aus der Feder von Gunnar Schwarz greifen lassen. Mein Gespür hat mich mich getäuscht. Das Buch hat sich als absoluter Pageturner entpuppt - im wahrsten Sinne des Wortes. 

Gleich nachdem Lena Freyenberg ihren neuen Job bei der Mordkommission an der Seite von Hennning Gerlach antritt, wird die junge Ermittlerin mit einem besonders grausamen Mordfall konfrontiert, der alsbald eine ganze Mordserie nach sich zieht. Das Unheimliche ist, dass der Mörder an jedem Tatort eine bizarr entstellte Puppe hinterlässt. Welche Botschaft steckt hinter dem Wahnsinn und in welcher Verbindung stehen die Opfer? Das müsst ihr selber herausfinden. 

Gunnar Schwarz hat bei mir mit seinem Puppenmörder-Fall den richtigen Nerv getroffen. Eine unheimliche, leicht gruselige Atmosphäre, unvorhersehbare Wendungen, die den Spannungsgrad konstant auf hohem Level halten und ein Ermittlerduo, das im Laufe der Mörderjagd auch mit seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen hat - so mag ich das. Schnell war ich im Sog der Ermittlungen gefangen und habe begonnen eigene Theorien aufzustellen. Einmal mit dem Buch angefangen,  war es mir kaum mehr möglich es aus der Hand zu legen. 

Während der Druck von oben, endlich einen Mörder zu präsentieren, immer mehr steigt, sehen sich Lena und Henning auch mir einem Maulwurf in den eigenen Reihen konfrontiert, der die Ermittlungen zu behindern scheint. Bald ist nicht mehr klar, wem man überhaupt noch vertrauen kann. Wer ist der Verräter, der Lenas und Hennings Karrieren und die Ermittlungen bedroht? Der cholerische Chef des Dezernates, der eigenbrötlerische IT-Spezialist oder doch der grantelnde und alle Theorien zu nichte machende Kollege von Lena und Henning? Jeder scheint irgendwie verdächtig. Gunnar Schwarz versteht es wirklich meisterhaft falsche Fährten zu legen und uns an der Nase herum zu führen.

Das Rezept ist zwar nicht neu, aber die Zutaten waren rundum stimmig und ich habe mich von Anfang bis Ende bestens unterhalten gefühlt. Am Ende hat der ohnehin schon rasante Thriller nochmals ordentlich an Tempo zugelegt und mein Nervenkostüm ziemlich beansprucht.  

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits ist, dass mir etwas die Emotionen in Bezug auf Lena und Henning gefehlt haben. Ich mochte beide zwar von Anfang an sehr gerne, allerdings war da - zumindest bis zur Hälfte des Buches - so eine gewisse Distanz und Nüchternheit, mit der mir die beiden begegnet sind. Im großen Finale war diese Barriere aber dann wie weg gefegt. 

Ich freue mich jedenfalls schon wenn es wieder heißt "Lenna und Henning ermitteln". Und natürlich gibt's auch eine Empfehlung für alle die gerne "deutsche" Thriller im Stil von Catherine Shepherd lesen.


Fazit

Eine grausame Mordserie, entstellte Puppen, ein einnehmendes Ermittlerduo mit Ecken und Kanten und ein Verräter in den eigenen Reihen - brisante Zutaten für einen mitreißenden Thriller, den ich unglaublich gerne gelesen habe.

Gunnar Schwarz hat seinem temporeichen Thriller eine schaurige Atmosphäre verpasst und mich mehrmals an der Nase herum geführt. Pageturner-Garantie!

Absolute Empfehlung für Fans deutscher Thriller im Stil von Catherine Shepherd! 


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Veröffentlicht am 08.12.2021

Erkenntnisse eines Lebens

Die Begegnung. Eine Geschichte über den Weg zum selbstbestimmten Leben
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Als ich Die Begegnung zu lesen begonnen habe, habe ich mich auf ein kleines Experiment eingelassen. Ich habe mich wieder einmal aus meiner Komfortzone herausbewegt - mit Erfolg! Mir hat Jochen ...

Als ich Die Begegnung zu lesen begonnen habe, habe ich mich auf ein kleines Experiment eingelassen. Ich habe mich wieder einmal aus meiner Komfortzone herausbewegt - mit Erfolg! Mir hat Jochen Schweizers "Lebensgeschichte" unglaublich gut gefallen. Die Begegnung hat sich überraschend flüssig lesen lassen, war sehr einnehmend, spannend erzählt und wirkt definitiv nach. 

Norwegen: In einer stürmischen Nacht treffen zwei Männer in einer einsamen Hütte im Wald aufeinander. Hakon, der bereits am Ende seines Lebens angekommen ist und der junge Sverir, der auf der Flucht vor seiner Vergangenheit nicht weiß wie es weitergehen soll. Die beiden Männer kommen ins Gespräch. Sverir berichtet von seiner tristen Kindheit und Jugend, dass er von zu Hause ausgerissen ist, weil ihn ohnehin niemand haben will. Und so beginnt der weit über 90-jährige Hakon seine Lebensgeschichte, die von Abenteuer, Mut, Zielstrebigkeit, Erfolg aber auch von schlimmen Schicksalsschlägen, Verlust, Trauer und Einsamkeit gezeichnet ist, zu erzählen.

"Da lag ein Mann mitten in der Unendlichkeit des Meeres friedlich schlafend auf einem Kajak und neben ihm lag regungslos ein weißer Wal."

(Zitat aus Die Begegnung, Seite 113)

Die Begegnung ist ein sehr tiefgründiger und schicksalshafter Roman. Jochen Schweizer lässt uns auf ruhige Art und Weise und ohne belehrend zu wirken an seinen Erfahrungen und Erkenntnissen seines Lebens teilhaben.

"Du bist nicht gescheitert ... du bist nur in einer neuen Situation. In Wahrheit gibt es kein Scheitern, sondern nur neue Situationen, die man als Herausforderung begreifen kann und auch muss, um am Ende an ihnen zu wachsen."

(Zitat aus Die Begegnung, Seite 119)

Während der Anfang des Buches noch dem "verlorenen" Sverir gewidmet ist, ist es in den weiteren Abschnitten Hakon, von dessen Lebensweisheiten wir einen Gewinn ziehen können. Mich hat Hakons bewegtes Leben zutiefst beeindruckt. Es ist ein Leben voller Abenteuer, unzähliger Chancen und schwieriger Entscheidungen, die er treffen musste. Ich habe mit Hakon auf seinen Reisen und Expeditionen mitgefiebert, gehofft und gebangt. Ich war aber auch unglaublich beeindruckt von seinem Durchhaltevermögen und Zielsetzungen. Es ist zwar kein perfektes und fehlerfreies, dafür aber ein selbstbestimmtes Leben, auf welches Hakon zurückblickt. Ein Leben auf das er mit Stolz zurück blicken kann.

Zwischen Hakons Erzählungen sind kleine Kapitel, sogenannte Zwischenspiele, eingestreut, in denen Hakon und Sverir sich gemeinsam austauschen und reflektieren. Diese Abschnitte haben ein wenig das Tempo der Geschichte gedrosselt. Es waren genau diese kleinen Atempausen, die mich nachdenklich gestimmt haben und in denen auch ich Parallelen gezogen habe und über die Bestimmung meines Lebens nachgedacht habe.

Das Ende des Buches war einerseits erfüllend, andererseits schwermütig. Doch so wie Sverir hatte auch ich am Schluss das Gefühl wichtige Erkenntnisse dazu gewonnen zu haben.

Fazit:

Jochen Schweizer hat mich sehr beeindruckt. Die Begegnung ist ein sehr philosophisches und tiefgründiges Buch, das eine mitreißende Lebensgeschichte erzählt. Es geht um die Suche nach dem Sinn des Lebens, darum ein selbstbestimmtes Leben zu führen und seine Ziele mit Leidenschaft zu verfolgen.

Ich kann das Buch all jenen weiterempfehlen, die sich gerne von intensiven Lebenserfahrungen inspirieren lassen.

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Veröffentlicht am 07.12.2021

Überzogen und schwarzhumorig, den Blick auf den dramatischen Hintergrund aber nicht verlierend

Barbara stirbt nicht
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Wenn Rentner Walter Schmid frühmorgens das Bett verlässt, duftet das Haus normalerweise nach Kaffee. Doch an diesem einen schicksalsträchtigen Morgen riecht Herr Schmid nichts, was bedeutet, ...

Wenn Rentner Walter Schmid frühmorgens das Bett verlässt, duftet das Haus normalerweise nach Kaffee. Doch an diesem einen schicksalsträchtigen Morgen riecht Herr Schmid nichts, was bedeutet, dass Barbara etwas zugestoßen sein muss. Barbara, Herrn Schmids Ehefrau ist auf dem Weg ins Badezimmer zusammengebrochen und fortan ans Bett gefesselt. Sie ist zu schwach um aufzustehen, schläft fast durchgehend und mag auch nichts mehr essen. Nun ist es an Herrn Schmid, der noch nie in seinem Leben Kaffee gekocht oder eine Tütensuppe zubereitet hat, sich um Barbara, den Haushalt und die Einkäufe zu kümmern.

Alina Bronsky hat mit Barbara stirbt nicht ein urkomisches, schwarzhumoriges, bitterböses aber auch zutiefst emotionales Portrait einer Ehe gezeichnet, die sich über die Jahre in Routinen festgefahren hat.

"Ich mische mich nicht in Barbaras Angelegenheiten ein und sie sich nicht in meine. ... Aber wenn sie mal nicht da ist? Oder nicht kann? ...Warum sollte sie nicht da sein?"
(Zitat aus Barbara stirbt nicht)

Alina Bronsky ist die allwissende Erzählerin, wobei es Herr Schmid ist, der im Fokus steht. So orientiert sich auch der Schreibstil an Herrn Schmid. Prägnant und auf den Punkt gebracht mit wenig Raum für Emotionen. Für mich absolut perfekt und passend.

Barbara stirbt nicht als Hörbuch zu hören, hat sich für mich als Genuss herausgestellt. Thomas Anzenhofers Lesung ist einfach genial. Seine Interpretation von Herrn Schmid ist ganz großes Kino. Er trifft genau den richtigen Ton. Ich hatte beim Hören tatsächlich das Gefühl, als ob Herr Schmid neben mir stehen würde. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte noch nie eine perfektere Lesung gehört zu haben.

Walter, im Buch "nur" als Herr Schmid bezeichnet, hat sich mit seiner unsympathischen, ruppigen Art und seiner kleinkarierten Denkweise in mein Herz geschlichen. Er ist ein Grantler und Nörgler durch und durch. Zu seinen erwachsenen Kindern hat er keinen sehr guten Draht. Sohn Sebastian ist in seinen Augen mit der falschen Frau verheiratet und Tochter Susanne lebt seltsamerweise seit Jahren mit ihrer besten Freundin zusammen. Außerdem verurteilt er so ziemlich alles Nicht-Deutsche, wenngleich selbst Barbara osteuropäische Wurzeln hat und einer Einwandererfamilie entstammt.

"Ich hab heute diese Dicke im Wald gesehen. Deine Freundin. Die Russin. ...Sie spricht so schlimm Deutsch, deine Freundin. ... Stell dir vor, ich wäre nicht so streng gewesen, was wären wir jetzt? ... Wir wären hier Russen, Barbara. Und unsere Kinder wären Russen. Hättest dir deinen deutschen Pass auf die Stirn kleben können –hätte nichts geholfen."
(Zitat aus Barbara stirbt nicht)

Herr Schmid ist ein Mann der alten Schule. Seit über 50 Jahren mit seiner Barbara verheiratet, hat er noch nie! einen Finger im Haushalt gekrümmt. Widerwillig und weil es sein muss, tritt er aus seiner Komfortzone heraus, lernt mit Hilfe des polnischen Fernsehkochs Medinski und der dicken Verkäuferin in der Bäckerei zu kochen und backen. Während sich Herr Schmid um seine Frau kümmert, kommen Freunde und Bekannte zu Besuch, um Barbara noch ein letztes Mal zu sehen. Doch je mehr Menschen kommen, umso mehr verschließt Herr Schmid die Augen vor der Wahrheit. Denn Barbara stirbt nicht. Sie muss sich nur ein bisschen ausruhen und was essen.

Trotz aller Leichtigkeit, mit welcher Alina Bronsky die Geschichte erzählt, ist die Tragik allgegenwärtig. Ich habe Barbara stirbt nicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehört und Herrn Schmids unfreiwilligen Wandel vom chauvinistischem Eigenbrötler zum hilfsbereiten und liebevollen Ehemann unglaublich gern verfolgt. Wobei man auch sagen muss, dass Herr Schmid kein schlechter Mensch ist. Es ist eher so, dass er seine Gefühle nicht heraus lassen kann, diese tief im Herzen unter Verschluss hält. Und er kann bis zum Schluss nicht komplett aus seiner Haut heraus. Herr Schmid ist eben wie er ist, aber er lernt langsam mit der neuen Situation umzugehen.

Einzig das Ende kam für mich etwas zu plötzlich. Ich war einfach noch nicht bereit diese humorvolle und zwischen den Zeilen wunderbar warmherzige Geschichte loszulassen.

Für mich ist Barbara stirbt nicht ein unerwartetes Jahreshighlight und Walter Schmid ein Protagonist, der mich so schnell nicht mehr loslassen wird. Absolute Empfehlung!

Fazit:

Derb, schwarzhumorig, bitterböse, humorvoll, aber auch zutiefst emotional! Der Spagat zwischen Witz und Traurigkeit ist Alina Bronsky mehr als geglückt. Walter Schmid, der im Haushalt sein Leben lang keinen Finger krumm gemacht hat, muss sich plötzlich um seine pflegebedürftige Ehefrau Barbara kümmern.

Die Lesung von Thomas Anzenhofer, der den ruppigen Ton und den nüchternen Charakter von Herrn Schmid auf den Ton genau trifft, ist einfach nur genial.

Für mich ist Barbara stirbt nicht ein unerwartetes Lesehighlight und bekommt eine absolute Empfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 05.12.2021

Liebe Jane!

Von ganzem Herzen ...
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Liebste Jane,

Wie gerne würde ich dir persönlich für dein literarisches Erbe danken. Für deine höchst unterhaltsamen und romantischen Geschichten von starken und selbstbestimmten Frauen, die ...

Liebste Jane,

Wie gerne würde ich dir persönlich für dein literarisches Erbe danken. Für deine höchst unterhaltsamen und romantischen Geschichten von starken und selbstbestimmten Frauen, die ermutigen für seine Ideale einzustehen.

Dein unverkennbarer Humor und deine Spitzzüngigkeit überdauern die Zeit und machen jedes deiner Werke zu etwas ganz Besonderem. Dein Charme und Esprit ist auch in jeder Zeile zu spüren, die du in den Briefen an deine geliebte Schwester Cassandra geschrieben hast. Danke, dass du uns in dieser Form an deinem Alltag teilhaben lässt und uns intime Einblicke in dein Privatleben gewährst.

Von ganzem Herzen,
Deine J.

💜💜💜💜💜

Nie habe ich mich Jane Austen näher gefühlt als beim Lesen dieser sehr persönlichen Biografie. Die Briefe, welche Jane uns hinterlassen hat, zeugen nicht nur von ihrem literarischen Geschick und ihrer Scharfsinnigkeit, sondern geben uns auch einen sehr lebhaften Einblick in die Regency-Zeit.

Gegliedert in die verschiedenen Lebens- und Schaffensphasen von Jane Austen, beginnend mit ihrem 20. Lebensjahr, erfahren wir durch die von Penelope Hughes-Hallett getroffene Briefauswahl viel Persönliches von Jane. Die meisten der Briefe sind an Janes ältere Schwester Cassandra gerichtet, mit der sie ein innige Beziehung und Freundschaft über Distanz geführt hat. Ich habe mich beim Lesen der Briefe wie bei einem Teekränzchen mit einer guten Freundin gefühlt. Denn es sind viele ganz alltägliche Dinge, die Jane zu berichten hatte. Jane erzählt welche Bälle und Teegesellschaften sie besucht hat, wie es um die Familie und den Haushalt bestellt ist, über Kutschfahrten und Ausflüge zu den Brüdern und die neuesten Trends zu Stoffen und Kleidern. 

Ergänzt werden die Briefe durch Kommentare und erklärende Erläuterungen der Autorin Penelope Hughes-Hallett, sowie durch zahlreiche wunderschöne Illustrationen, Fotos, Portraits, Landschaftszeichnungen und Auszügen aus Janes Werken. So habe ich einen allumfassenden Eindruck von der damaligen Zeit, aber auch den Inspirationsquellen der Autorin erhalten. 

Von mir als großem Fan von Jane Austen gibt's eine absolute Leseempfehlung. Zudem ist das Buch unglaublich bezaubernd gestaltet und ein richtiges Schmuckstück im Bücherregal. Solltet ihr auf der Suche nach einem besonderen Geschenk sein, kann ich diese tolle Schmuckausgabe von ganzem Herzen empfehlen.


Fazit:

Von ganzem Herzen ist eine ganz außergewöhnliche und besondere Biografie der weltberühmten Autorin.  Durch Briefe an Bekannte und Verwandte, zumeist aber an ihre Schwester Cassandra, lässt uns Jane Austen an ihrem Leben, ihrem Alltag und ihrer Gefühlswelt teilhaben.  Ausgeschmückt ist das Ganze mit zahlreichen Bildern der Zeit sowie Zitaten und Auszügen aus den Werken der Autorin. Ich bin begeistert und kann die wunderschöne Schmuckausgabe aus dem wbg Theiss Verlag vorallem Fans der Aurorin wärmstens empfehlen.  



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