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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2026

Fantastisches Abenteuer

Darkly
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„Wir können nur das Hier und Jetzt formen, entscheiden, was wir hinterlassen, welche Menschen wir in unsere Herzen schließen.“

In "Darkly" erzählt Marisha Pessl von der siebzehnjährigen Arcadia, die ...


„Wir können nur das Hier und Jetzt formen, entscheiden, was wir hinterlassen, welche Menschen wir in unsere Herzen schließen.“

In "Darkly" erzählt Marisha Pessl von der siebzehnjährigen Arcadia, die von den mysteriösen Brettspielen der legendären Spieledesignerin Louisiana Veda fasziniert ist. Als sie unerwartet einen begehrten Praktikumsplatz bei der Stiftung der verstorbenen Veda erhält, reist Arcadia gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen zu deren abgeschottetem Anwesen.

Ein fantastisches Abenteuer beginnt: Während sie versucht herauszufinden, was sich wirklich hinter den Darkly-Spielen verbirgt und warum gerade sie ausgewählt wurde, stößt Arcadia auf dunkle Geheimnisse rund um Vedas Leben und Tod. Misstrauen und Rivalität innerhalb der Gruppe wachsen, und bald wird unklar, ob sie sich noch in einem Spiel oder in echter Gefahr befinden.

„Darkly“ hebt sich schon auf den ersten Blick von vielen anderen Jugendthrillern ab. Das auffällig gestaltete Cover und die zahlreichen grafischen Elemente, Dokumente und Illustrationen im Inneren tragen stark dazu bei, dass sich die Geschichte wie ein interaktives Rätselspiel anfühlt. Die Handlung ist durchgehend recht spannend aufgebaut. Als Leser versucht man ständig, Hinweise zu deuten, Zusammenhänge zu erkennen und den Figuren einen Schritt voraus zu sein. Gerade die vielen Rätsel, Briefe und versteckten Informationen erinnern an ein Escape- oder Exit-Game und machen die Geschichte abwechslungsreich und originell. An einigen Stellen wurde es mir leider auch etwas zu komplex und stellenweise verwirrend – insbesondere dann, wenn die Spielmechanismen oder Hintergründe nicht vollständig erklärt wurden.

Mit der Protagonistin Arcadia konnte ich gut mitfühlen: Sie wirkt neugierig, mutig und zugleich glaubwürdig in ihren Zweifeln. Die Nebenfiguren hingegen bleiben etwas blass und hätten mehr Tiefe vertragen, um die Gruppendynamik noch intensiver wirken zu lassen.

Der Schreibstil von Marisha Pessl erlaubt es, den Thriller flüssig und leicht zu lesen, auch weil die insgesamt 76 Kapitel sehr kurz gehalten sind. Etwa in der Mitte des Buches wirkt die Erzählweise jedoch gelegentlich etwas holprig, was den Lesefluss kurzzeitig bremst.

Die finale Auflösung ist überraschend, wirft noch einmal neue Fragen auf und sorgt dafür, dass man das gesamte Geschehen gedanklich neu einordnet.

Insgesamt war „Darkly“ für mich ein atmosphärisch dichter, ungewöhnlich gestalteter und spannender Roman, der trotz kleiner Schwächen ein sehr intensives und originelles Leseerlebnis bietet

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Schwermütig und bedrückend

Salto
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„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich ...


„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren möchte - dessen gute Noten dafür dann aber überraschend nicht ausreichen. Sein Vater versucht, ihm durch die Finanzierung eines Medizinstudiums in Ungarn eine neue Perspektive zu bieten.
Während viele seiner Mitschüler klare Pläne haben, gerät Marko zunehmend unter Druck, eine Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Auch seine Freundin Claire ist fest entschlossen, die Kleinstadt hinter sich zu lassen. Marko hingegen verliert sich zunehmend zwischen Zukunftsängsten und Alltagsroutine und versucht verzweifelt herauszufinden, wer er eigentlich sein möchte.

Vom Schreibstil her liest sich das Buch angenehm schnell: Die Sprache ist schlicht und nah an den Gedanken der Figuren, fast wie ein innerer Monolog. Stellenweise hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um emotional stärker in die Geschichte eintauchen zu können.

Alle Hauptprotagonisten sind durchweg interessant angelegt. Besonders überzeugt hat mich dabei Markos Vater Frank: Er wirkt einerseits distanziert und oft schwer greifbar, gleichzeitig aber auf eine leise Weise sensibel. Auch Marko selbst und Claire wirken glaubwürdig, sodass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann.

Im Verlauf der Handlung hat mich die Geschichte dann zunehmend weniger gepackt. Irgendetwas fehlt – und insgesamt bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Hinzu kommt die ungeheuer schwere, melancholische, stellenweise fast schon trostlose und deprimierende Grundstimmung. Diese zieht sich durch große Teile des Buches und kann den Leser regelrecht mit nach unten ziehen – zurück bleibt ein Gefühl von Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber ziemlich bedrückend und macht das Buch alles andere als zu einer leichten Lektüre.
Da ist es mir sogar schwergefallen, wirklich Freude am Lesen zu entwickeln.

Letztendlich ist „Salto“ für mich ein
Roman mit guten Ansätzen, der aber konsequent auf Melancholie setzt – und mich dabei leider mehr runtergezogen als berührt hat. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das mich aber deutlich weniger begeistert hat als "Klapper".

Augen zu.
Eine Sekunde warten.
...

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Enttäuschend

39 Grad Mord
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"Würden Kriminelle immer klug handeln, wären die Gefängnisse der Welt leer."

Der Kriminalroman "39 Grad Mord" von Jenny Lund Madsen erzählt von der dänischen Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, die ...


"Würden Kriminelle immer klug handeln, wären die Gefängnisse der Welt leer."

Der Kriminalroman "39 Grad Mord" von Jenny Lund Madsen erzählt von der dänischen Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, die nach Sizilien reist, um ihre Schreibblockade zu überwinden und an ihrem neuen Kriminalroman zu arbeiten. Doch der Aufenthalt nimmt eine unerwartete Wendung: Statt Inspiration findet sie eines Morgens in einer Villa eine ermordete Frau. Hannah gerät schnell selbst in den Fokus der Ermittlungen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt sie auf eigene Faust nach der Wahrheit zu suchen.

Dieser Kriminalroman konnte mich leider so gar nicht überzeugen.
Die Grundidee – ein Mordfall in sommerlicher Atmosphäre auf Sizilien – hätte eigentlich viel Potenzial für einen spannenden Krimi geboten. In der Umsetzung bleibt die Geschichte jedoch überraschend flach und nimmt kaum richtig Fahrt auf.

Ein großes Problem ist die Hauptfigur Hannah. Statt mit ihr mitzufiebern, empfand ich sie über weite Strecken eher als anstrengend nervig und völlig unsympathisch. Ihre Vorgehensweise bei den Ermittlungen wirkt oft absolut überzogen und wenig authentisch, sodass ich mich zu keiner Zeit mit ihr identifizieren konnte. Auch ihr ständig betonter Alkoholkonsum trägt nicht dazu bei, die Figur sympathischer oder glaubwürdiger wirken zu lassen.

Hinzu kommt, dass auch alle weiteren Protagonisten recht blass bleiben und die Handlung gleichzeitig viel zu viele abgedroschene Klischees bedient.
So entsteht keinerlei Spannung, und die Handlung wirkt unglaubwürdig konstruiert.

Selbst das italienische Setting konnte für mich keine besondere Atmosphäre erzeugen – das typische Lebensgefühl, das man von einem sommerlichen Krimi auf Sizilien erwarten könnte, habe ich leider komplett vermisst.

Insgesamt bleibt das Gefühl zurück, dass aus der Idee deutlich mehr hätte gemacht werden können. Dieser Krimi ist weder besonders spannend noch unterhaltsam – und deshalb auch kein Buch, das ich als leichte Sommerlektüre empfehlen würde.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Komplexer und spannender Serienauftakt

Moorland. Die Zwillinge
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„Spuren findest du nicht nur auf dem Boden. Du musst sie auch in den Gedanken der Menschen suchen.“

Der Thriller "Moorland - Die Zwillinge" von Andreas Winkelmann erzählt vom Verschwinden der 18-jährigen ...


„Spuren findest du nicht nur auf dem Boden. Du musst sie auch in den Gedanken der Menschen suchen.“

Der Thriller "Moorland - Die Zwillinge" von Andreas Winkelmann erzählt vom Verschwinden der 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana in einer einsamen Moorlandschaft. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, bis Kommissarin Malia Gold Hinweise findet, die darauf hindeuten, dass zumindest eine der Schwestern noch leben könnte. Ihre Ermittlungen lassen sie tief in ein undurchsichtiges Geflecht aus Geheimnissen und verdrängten Wahrheiten innerhalb der dörflichen Gemeinschaft in Moorbach eintauchen. Schließlich zeigt sich, dass das Moor nicht nur ein aktueller Tatort, sondern auch der Schlüssel zu einem lange verborgenen Verbrechen ist.

Die Geschichte verlangt anfangs etwas mehr Aufmerksamkeit, weil zunächst doch sehr zahlreiche Figuren und deren Beziehungen zueinander eingeführt werden.
Sobald man sich jedoch innerhalb des Dorfes zurechtfindet, entfalten gerade diese verdeckten Konflikte ihren ganz eigenen Reiz.

Das Miträtseln macht großen Spaß.

Die Spannung entwickelt sich langsam, aber stetig und kontrolliert. Sehr kurze Leseabschnitte, sowie zahlreiche Perspektivwechsel und die nur wenige Tage umspannende Handlung sorgen für ein hohes Tempo und das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein. Verdächtige gibt es viele, und jede neue Enthüllung verschiebt die eigene Einschätzung erneut. Besonders gelungen finde ich, dass der Thriller ohne übertriebene Brutalität auskommt und stattdessen psychologische Spannung in den Vordergrund stellt. Die überraschende, zugleich aber stimmige Auflösung rundet das Gesamtbild perfekt ab.

Ein ungewöhnlich (fast) unblutiger, aber atmosphärisch dichter und durchweg fesselnd geschriebener Thriller, der mich nach kurzer Eingewöhnung nicht mehr losgelassen hat.

Schön, dass es sich um einen Serienauftakt handelt: Ich bin schon jetzt sehr gespannt, mehr über Malia und ihre Mutter Ruth zu erfahren.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Waldmeister im Kopf

Restsommer
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„Mit dem Tod kenne ich mich aus, aber vom Leben habe ich keine Ahnung.“

Der Roman „Restsommer“ spielt nicht in der Gegenwart, und tatsächlich musste ich zunächst rätseln, in welcher Zeit er wohl handeln ...


„Mit dem Tod kenne ich mich aus, aber vom Leben habe ich keine Ahnung.“

Der Roman „Restsommer“ spielt nicht in der Gegenwart, und tatsächlich musste ich zunächst rätseln, in welcher Zeit er wohl handeln könnte. Es gibt nur einige vage Andeutungen: ein Endspiel Deutschland gegen Brasilien, der Film Terminator 3 scheint aktuell zu sein, als Handy ist ein Blackberry ganz weit vorne, und ICQ ist offensichtlich als Social-Media-Plattform total angesagt.
Mit diesen Informationen lässt sich der Zeitraum der Handlung grob eingrenzen – offenbar befinden wir uns Anfang der 2000er-Jahre.
So wird dann auch manche nicht ganz zeitgemäß erscheinende Einstellung eher verständlich. Vielleicht wollte die Autorin die Zeitebene ja ganz bewusst nicht frühzeitig klären. Mir persönlich hätte eine frühere Einordnung den Einstieg und die Orientierung jedoch immens erleichtert.

Worum geht es?

Der 16-jährige Dominik wächst bei seinem alleinerziehenden Vater auf, der ein Bestattungsinstitut führt, das Dominik später übernehmen soll. Sein Leben verändert sich abrupt, als er den sehr selbstbewussten Mitschüler Biff kennenlernt. Durch die Freundschaft und die intensiven Gefühle für Biff beginnt Dominik, sein bisheriges Leben und die Erwartungen seines Vaters zu hinterfragen. Der Sommer wird für ihn zu einer Zeit der Selbstfindung, in der er seinen eigenen Weg und seine Identität entdecken muss.

„Restsommer“ erzählt eindringlich vom Erwachsenwerden, von Erwartungen und von dem schwierigen Prozess, den eigenen Weg zu finden. Besonders gelungen ist dabei die ruhige und unaufgeregte Art, mit der Dominiks Entwicklung geschildert wird. Seine Gedanken und Gefühle wirken durchgehend authentisch und nachvollziehbar. Seine Unsicherheit, seine Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben und sein innerer Konflikt sind glaubwürdig dargestellt. Er steht zwischen der Erwartung, den Weg seines Vaters fortzuführen, und dem Wunsch, sich davon zu lösen und eigene Entscheidungen zu treffen. Diese Zerrissenheit belastet nicht nur sein Verhältnis zu seinem Vater, sondern immer stärker auch seine Beziehungen zu seinen Freunden.
Kea von Garnier hat eine unglaublich empathische Art, mit ihren Figuren mitzufühlen.

Vom Gefühl her hat mich „Restsommer“ stark an Coming-of-Age-Romane wie „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf und „Klapper“ von Kurt Prödel erinnert. Wie in diesen Büchern geht es weniger um eine äußere Handlung als um innere Veränderung. Man kommt den Figuren sehr nahe und fühlt sich stellenweise an die eigene Jugend erinnert.
Der Schreibstil ist klar, flüssig und zugleich stimmungsvoll. Die Geschichte wirkt nie zu konstruiert.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass manche Entwicklungen wohl bewusst offen bleiben; hier hätte ich mir stellenweise mehr Klarheit und auch mehr Konsequenz gewünscht.

„Restsommer“ ist ein  eindringlicher und authentischer Roman über das Erwachsenwerden und den Mut, einen eigenen Weg zu suchen.

Leseempfehlung: ein toller Debütroman von Kea von Garnier.

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