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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Nicht wirklich fesselnd

Strandopfer
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"Manchmal ist das Meer nicht das Kälteste."

Die BKA-Ermittlerin Lena Schulte wird an die deutsch-polnische Ostseeküste gerufen, nachdem ein Tourist tot am Strand von Świnoujście aufgefunden wurde. Zunächst ...

"Manchmal ist das Meer nicht das Kälteste."

Die BKA-Ermittlerin Lena Schulte wird an die deutsch-polnische Ostseeküste gerufen, nachdem ein Tourist tot am Strand von Świnoujście aufgefunden wurde. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Badeunfall hin, doch ein Bernstein im Mund des Opfers macht den Fall verdächtig. Gleichzeitig verschwindet die zehnjährige Luisa, die mit dem Toten in Verbindung steht. Als dann noch eine weitere Leiche auftaucht, beginnt für Lena und ihren polnischen Kollegen Adam Krawczyk ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit.

Klingt spannend? Ist es aber leider nicht wirklich.

Frank Goldammers „Strandopfer“ startet zunächst mit einer durchaus interessanten Ausgangslage, verliert jedoch schnell an Tempo, weil sich die Ermittlungen über weite Strecken im Kreis drehen und viele Szenen unnötig in die Länge gezogen wirken. Immer wieder werden dieselben Fragen an dieselben Personen gestellt, ohne dass die Geschichte spürbar vorankommt.
Hinzu kommt ein Schreibstil, der auf mich teilweise recht holprig wirkte – manche Formulierungen und eigenwilligen Satzkonstruktionen bremsten meinen Lesefluss immer wieder aus.

Auch mit den Figuren wurde ich nicht warm: Sowohl Lena als auch Adam blieben für mich distanziert und wenig sympathisch, wodurch es schwerfiel, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Lena wirkte auf mich häufig anstrengend und unsympathisch, während Adam permanent bemüht scheint, sich beweisen zu müssen.

Die Auflösung war am Ende zwar noch einigermaßen solide, das Motiv blieb für mich jedoch nur bedingt nachvollziehbar.

Fehlende Spannung, sich im Kreis drehende Ermittlungen, schwache Figuren: Insgesamt hinterlässt der Roman bei mir den Eindruck eines zähen Reihenauftakts, der wenig Lust auf eine Fortsetzung macht.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Jäger und Gejagte

Nebelbeute
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"Die Unruhe in seinem Kopf war zu groß, seit Tagen schon, und er wusste nicht, warum."

Mila Weiss begibt sich allein in ein abgelegenes Bergdorf, um einen gesuchten Kindesentführer aufzuspüren. Ein inszenierter ...


"Die Unruhe in seinem Kopf war zu groß, seit Tagen schon, und er wusste nicht, warum."

Mila Weiss begibt sich allein in ein abgelegenes Bergdorf, um einen gesuchten Kindesentführer aufzuspüren. Ein inszenierter Mord kurz nach ihrer Ankunft macht deutlich, dass der Täter sie bereits erwartet hat und sie nun gezielt herausfordert. Schließlich verschwindet Mila spurlos und gerät selbst in Gefahr. Die Gruppe 4 unter der Leitung von Jakob Krogh übernimmt die Suche und trifft auf eine von Angst und Schweigen geprägte Dorfgemeinschaft.

Mit "Nebelbeute" setzt Benjamin Cors seine Thriller-Reihe um die Gruppe 4 überzeugend mit dem nun dritten Band fort. Für mich war es ein starkes Wiedersehen mit Mila Weiss und Jakob Krogh – allerdings sollte man unbedingt die vorherigen Bände kennen, um die Hintergründe vollständig zu verstehen.

Die Handlung ist in drei Abschnitte gegliedert, die geschickt zwischen Milas Alleingang, der Suche nach ihr und der finalen Auflösung übergehen.

Besonders hervorzuheben ist das Setting: Das abgeschottete Bergdorf mit seiner misstrauischen Gemeinschaft, dichtem Nebel und winterlicher Kälte erzeugt eine beklemmende, fast greifbare Atmosphäre.

Die Spannung bleibt durchgehend hoch, mit vielen Wendungen und falschen Fährten, die einen immer wieder in die Irre führen – selbst wenn man glaubt, den Täter bereits durchschaut zu haben. Der Schreibstil ist direkt, intensiv und teilweise ziemlich hart, was den Thriller stellenweise auch brutal macht. Gerade die Mischung aus psychologischem Druck, düsterer Stimmung und einem konsequenten Spannungsaufbau hat das Buch für mich zu einem echten Pageturner gemacht. Die Auflösung ist stimmig und überraschend, auch wenn sich gegen Ende leichte Vorahnungen einstellen.

"Nebelbeute" ist ein fesselnder Thriller, der mich mit viel psychologischer Tiefe, komplexen Charakteren und einer spannungsgeladenen Handlung in den Bann gezogen hat. Benjamin Cors ist es erneut gelungen, eine zunehmend düstere Atmosphäre zu erschaffen, in der die Ermittler nicht nur gegen einen skrupellosen Mörder, sondern auch gegen ihre eigenen inneren Dämonen kämpfen.

Insgesamt ein unheimlich packender und dichter Thriller, der sich seine 5 von 5 Sternen redlich verdient

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Fantastisches Abenteuer

Darkly
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„Wir können nur das Hier und Jetzt formen, entscheiden, was wir hinterlassen, welche Menschen wir in unsere Herzen schließen.“

In "Darkly" erzählt Marisha Pessl von der siebzehnjährigen Arcadia, die ...


„Wir können nur das Hier und Jetzt formen, entscheiden, was wir hinterlassen, welche Menschen wir in unsere Herzen schließen.“

In "Darkly" erzählt Marisha Pessl von der siebzehnjährigen Arcadia, die von den mysteriösen Brettspielen der legendären Spieledesignerin Louisiana Veda fasziniert ist. Als sie unerwartet einen begehrten Praktikumsplatz bei der Stiftung der verstorbenen Veda erhält, reist Arcadia gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen zu deren abgeschottetem Anwesen.

Ein fantastisches Abenteuer beginnt: Während sie versucht herauszufinden, was sich wirklich hinter den Darkly-Spielen verbirgt und warum gerade sie ausgewählt wurde, stößt Arcadia auf dunkle Geheimnisse rund um Vedas Leben und Tod. Misstrauen und Rivalität innerhalb der Gruppe wachsen, und bald wird unklar, ob sie sich noch in einem Spiel oder in echter Gefahr befinden.

„Darkly“ hebt sich schon auf den ersten Blick von vielen anderen Jugendthrillern ab. Das auffällig gestaltete Cover und die zahlreichen grafischen Elemente, Dokumente und Illustrationen im Inneren tragen stark dazu bei, dass sich die Geschichte wie ein interaktives Rätselspiel anfühlt. Die Handlung ist durchgehend recht spannend aufgebaut. Als Leser versucht man ständig, Hinweise zu deuten, Zusammenhänge zu erkennen und den Figuren einen Schritt voraus zu sein. Gerade die vielen Rätsel, Briefe und versteckten Informationen erinnern an ein Escape- oder Exit-Game und machen die Geschichte abwechslungsreich und originell. An einigen Stellen wurde es mir leider auch etwas zu komplex und stellenweise verwirrend – insbesondere dann, wenn die Spielmechanismen oder Hintergründe nicht vollständig erklärt wurden.

Mit der Protagonistin Arcadia konnte ich gut mitfühlen: Sie wirkt neugierig, mutig und zugleich glaubwürdig in ihren Zweifeln. Die Nebenfiguren hingegen bleiben etwas blass und hätten mehr Tiefe vertragen, um die Gruppendynamik noch intensiver wirken zu lassen.

Der Schreibstil von Marisha Pessl erlaubt es, den Thriller flüssig und leicht zu lesen, auch weil die insgesamt 76 Kapitel sehr kurz gehalten sind. Etwa in der Mitte des Buches wirkt die Erzählweise jedoch gelegentlich etwas holprig, was den Lesefluss kurzzeitig bremst.

Die finale Auflösung ist überraschend, wirft noch einmal neue Fragen auf und sorgt dafür, dass man das gesamte Geschehen gedanklich neu einordnet.

Insgesamt war „Darkly“ für mich ein atmosphärisch dichter, ungewöhnlich gestalteter und spannender Roman, der trotz kleiner Schwächen ein sehr intensives und originelles Leseerlebnis bietet

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Schwermütig und bedrückend

Salto
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„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich ...


„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren möchte - dessen gute Noten dafür dann aber überraschend nicht ausreichen. Sein Vater versucht, ihm durch die Finanzierung eines Medizinstudiums in Ungarn eine neue Perspektive zu bieten.
Während viele seiner Mitschüler klare Pläne haben, gerät Marko zunehmend unter Druck, eine Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Auch seine Freundin Claire ist fest entschlossen, die Kleinstadt hinter sich zu lassen. Marko hingegen verliert sich zunehmend zwischen Zukunftsängsten und Alltagsroutine und versucht verzweifelt herauszufinden, wer er eigentlich sein möchte.

Vom Schreibstil her liest sich das Buch angenehm schnell: Die Sprache ist schlicht und nah an den Gedanken der Figuren, fast wie ein innerer Monolog. Stellenweise hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um emotional stärker in die Geschichte eintauchen zu können.

Alle Hauptprotagonisten sind durchweg interessant angelegt. Besonders überzeugt hat mich dabei Markos Vater Frank: Er wirkt einerseits distanziert und oft schwer greifbar, gleichzeitig aber auf eine leise Weise sensibel. Auch Marko selbst und Claire wirken glaubwürdig, sodass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann.

Im Verlauf der Handlung hat mich die Geschichte dann zunehmend weniger gepackt. Irgendetwas fehlt – und insgesamt bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Hinzu kommt die ungeheuer schwere, melancholische, stellenweise fast schon trostlose und deprimierende Grundstimmung. Diese zieht sich durch große Teile des Buches und kann den Leser regelrecht mit nach unten ziehen – zurück bleibt ein Gefühl von Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber ziemlich bedrückend und macht das Buch alles andere als zu einer leichten Lektüre.
Da ist es mir sogar schwergefallen, wirklich Freude am Lesen zu entwickeln.

Letztendlich ist „Salto“ für mich ein
Roman mit guten Ansätzen, der aber konsequent auf Melancholie setzt – und mich dabei leider mehr runtergezogen als berührt hat. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das mich aber deutlich weniger begeistert hat als "Klapper".

Augen zu.
Eine Sekunde warten.
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Veröffentlicht am 09.03.2026

Enttäuschend

39 Grad Mord
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"Würden Kriminelle immer klug handeln, wären die Gefängnisse der Welt leer."

Der Kriminalroman "39 Grad Mord" von Jenny Lund Madsen erzählt von der dänischen Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, die ...


"Würden Kriminelle immer klug handeln, wären die Gefängnisse der Welt leer."

Der Kriminalroman "39 Grad Mord" von Jenny Lund Madsen erzählt von der dänischen Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, die nach Sizilien reist, um ihre Schreibblockade zu überwinden und an ihrem neuen Kriminalroman zu arbeiten. Doch der Aufenthalt nimmt eine unerwartete Wendung: Statt Inspiration findet sie eines Morgens in einer Villa eine ermordete Frau. Hannah gerät schnell selbst in den Fokus der Ermittlungen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt sie auf eigene Faust nach der Wahrheit zu suchen.

Dieser Kriminalroman konnte mich leider so gar nicht überzeugen.
Die Grundidee – ein Mordfall in sommerlicher Atmosphäre auf Sizilien – hätte eigentlich viel Potenzial für einen spannenden Krimi geboten. In der Umsetzung bleibt die Geschichte jedoch überraschend flach und nimmt kaum richtig Fahrt auf.

Ein großes Problem ist die Hauptfigur Hannah. Statt mit ihr mitzufiebern, empfand ich sie über weite Strecken eher als anstrengend nervig und völlig unsympathisch. Ihre Vorgehensweise bei den Ermittlungen wirkt oft absolut überzogen und wenig authentisch, sodass ich mich zu keiner Zeit mit ihr identifizieren konnte. Auch ihr ständig betonter Alkoholkonsum trägt nicht dazu bei, die Figur sympathischer oder glaubwürdiger wirken zu lassen.

Hinzu kommt, dass auch alle weiteren Protagonisten recht blass bleiben und die Handlung gleichzeitig viel zu viele abgedroschene Klischees bedient.
So entsteht keinerlei Spannung, und die Handlung wirkt unglaubwürdig konstruiert.

Selbst das italienische Setting konnte für mich keine besondere Atmosphäre erzeugen – das typische Lebensgefühl, das man von einem sommerlichen Krimi auf Sizilien erwarten könnte, habe ich leider komplett vermisst.

Insgesamt bleibt das Gefühl zurück, dass aus der Idee deutlich mehr hätte gemacht werden können. Dieser Krimi ist weder besonders spannend noch unterhaltsam – und deshalb auch kein Buch, das ich als leichte Sommerlektüre empfehlen würde.

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