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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2024

Erwartungen erfüllt

Verborgen
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"Diese alltäglichen Dinge, die ihn manchmal nervten, schienen plötzlich unwichtig."

Wer die ersten beiden Bände der Island-Krimireihe von Eva Björg Ægisdóttir gelesen hat, findet sich auch im dritten ...


"Diese alltäglichen Dinge, die ihn manchmal nervten, schienen plötzlich unwichtig."

Wer die ersten beiden Bände der Island-Krimireihe von Eva Björg Ægisdóttir gelesen hat, findet sich auch im dritten Teil "Verborgen" in Arkanes unvermittelt und schnell wieder zurecht.
Die Hauptprotagonisten sind allesamt bestens bekannt; ihr Privatleben spielt im aktuellen Serienteil diesmal eine zunehmend größere Rolle.

Das Erzähl-Tempo ist, wie aus den Vorgängern gewohnt, eher gemächlich, das Spannungsniveau bleibt dabei deutlich überschaubar. Die Geschichte war für mich von Anfang an in weiten Teilen vorhersehbar, viele unerwartete Überraschungen oder Storywendungen gibt es nicht. Und vielleicht auch gerade deshalb hat die Lektüre mich entspannt unterhalten können.

Das Buch ist größtenteils aus der Sicht der Ermittlerin, Kommissarin Elma geschrieben. In kursiver Schreibweise sind aber regelmäßig Rückblenden eingestreut, in denen das Au-pair-Mädchen Lise die Geschehnisse aus ihrer Sicht schildert. Das sorgt für viel Abwechslung ist aber gleichzeitig auch flüssig zu lesen.

Der Schreibstil der Autorin ist durchweg angenehm, sie schafft es, Akranes sehr atmosphärisch bildhaft und lebendig zu beschreiben.
Elma ist, in ihrer Rolle als Kommissarin aber auch als Privatperson, wieder sehr sympathisch charakterisiert, ihre Fähigkeit Zusammenhänge aber auch Unstimmigkeiten zu erkennen, zeichnet sie aus.

Die Anzahl an handelnden Charakteren ist stets übersichtlich, trotzdem ist das Personenregister am Ende des Buches, aufgrund der ungewohnt klingenden isländischen Namen, hilfreich.

Ich hoffe, dass auch ein vierter Teil folgen wird und ich bald wieder nach Akranes zurückkehren kann.

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Veröffentlicht am 03.03.2024

weniger spannend als erwartet

Mörderfinder – Stimme der Angst
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"Ich drücke es mal so aus: Ich denke, einer von uns beiden ist intelligenter als Sie."

Auf einer Beerdigung trifft Max Bischoff eine Frau, die seiner vor fünf Jahren ermordeten großen Liebe Jennifer ...


"Ich drücke es mal so aus: Ich denke, einer von uns beiden ist intelligenter als Sie."

Auf einer Beerdigung trifft Max Bischoff eine Frau, die seiner vor fünf Jahren ermordeten großen Liebe Jennifer zum Verwechseln ähnlich sieht. Als er sie anspricht holen ihn die Dämonen aus seiner eigenen Vergangenheit mit aller Wucht ein.

Fallanalytiker Max Bischoff ist wieder da und steckt in "Stimme der Angst" fast augenblicklich bis zum Hals in heftigen Schwierigkeiten.

Im neusten Mörderfinder treffen wir auf viele alte Bekannte: Max' Schwester Kirsten, seine Ex-Polizeikollegen Horst Böhmer und Jana Brosius, sowie auch auf die Kriminalrätin Eslem Keskin. Ebenfalls wieder mit dabei ist der auf sympathische Art und Weise etwas andere Rechtspsychologe und Schriftgutachter Dr. Marvin Wagner, der im aktuellen Mörderfinder eine sehr zentrale Rolle einnimmt.

Der Spannungsbogen ist leider nicht ganz so hoch wie in den vorherigen Serienteilen. Gleichzeitig war mir schon recht früh klar, wer bzw. was hinter den Geschehnissen steckt. Die Erzählung ist klar strukturiert, bietet aber leider keine größeren oder gar überraschenden Wendungen, sie ist durchschaubar und hat mich nicht restlos überzeugen können.
Erstaunlich: wiederholt handelt Max - für meinen Geschmack - ungewohnt und unnötig naiv und bringt sich selbst dadurch in kritische und schwierigste Situationen. Nicht glaubwürdig.

Solide, aber auch vorhersehbar, schreibt Arno Strobel den inzwischen siebten Einsatz von Max Bischoff herunter. Die Geschichte nimmt mehrfach Bezug auf ältere Bände der Serie, die man zum Verständnis nicht zwingend gelesen haben muss; idealerweise sollte man den aktuellen Teil aber erst im Anschluss an die anderen Bände lesen.

Das auffallende Buchcover reiht sich nahtlos in das prägnante Design der vorherigen Bände ein und hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Fazit: Die "Stimme der Angst" erreicht nicht ganz das Spannungsniveau der vorherigen Mörderfinder-Bände, hat mich aber bestens unterhalten. Die finalen Ereignisse weisen dann sehr deutlich auf weitere, kommende Serienteile hin.

Ich bleibe dabei, wenn es mit Max weitergeht.

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Veröffentlicht am 26.02.2024

Unterhaltsame Abenteuergeschichte

Die Burg
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"Angst zwingt uns alle in die Knie, wenn sie nur groß genug ist."

Spätestens seit "chat GPT" wissen wir, wozu Künstliche Intelligenz in der Lage ist. Die fiktive KI-Software "KIsmet" im neuen Thriller ...


"Angst zwingt uns alle in die Knie, wenn sie nur groß genug ist."

Spätestens seit "chat GPT" wissen wir, wozu Künstliche Intelligenz in der Lage ist. Die fiktive KI-Software "KIsmet" im neuen Thriller von Ursula Poznanski geht hier noch einen Schritt weiter, sie generiert komplexe "Escape Room"-Szenarios und projeziert diese dann via riesiger LCD-Bildschirmwände in das unterirdische Labyrinth der Burg Greiffenau. Bevor diese revolutionäre Escape-Welt aber eröffnet werden kann, soll eine bunt gemischte Gruppe einen letzten Testlauf absolvieren.
Zu dieser Gruppe gehören Maxim Asher (hoch verschuldeter Betreiber einiger eigener Escape Rooms), Yvonne Rothe (Influenzerin), Prof. Lothar Melerski (Altertumsforscher), Emil Strauss (ein ehemaliger Olympiaschwimmer) und Petra Seifert (die Gewinnerin eines Preisrätsels).

Die Spiele können beginnen...

Doch KIsmet scheint offensichtlich seine eigenen Pläne zu verfolgen, und so geht die Generalprobe gründlich schief.

Die Geschichte wird mit extrem hohem Tempo in einer angenehm eingängigen Sprache erzählt. In insgesamt 47 überschaubar kurzen Kapiteln folgt ein Handlungs-Höhepunkt dem nächsten, so dass man tatsächlich sehr schnell durch das Buch fliegt.

Wirklich immersiv eintauchen in die Welt der Escape-Burg konnte ich leider nicht. Zu stereotyp, klischeehaft und bisweilen oberflächlich eindimensional sind die Protagonisten charakterisiert. Eine Identifikation mit den handelnden Charakteren gelingt nur schwer.

Die Lösung des finalen Rätsels folgt einer erstaunlichen und überzeugend schlüssigen Logik.
Für mich so nicht vorhersehbar, findet die Autorin tatsächlich eine für die Vorkommnisse auf der Escape-Burg nachvollziehbare und in Ansätzen glaubhafte Erklärung.

Fazit: "Die Burg" ist eine thematisch sehr aktuelle und abwechslungsreiche Abenteuergeschichte, die deutlich aufzeigt, welche Möglichkeiten und Chancen, aber auch welche enormen Gefahren und Risiken uns der Umgang und die Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz verantwortungsvoll anbietet.

Ich habe einige recht unterhaltsame Lesestunden auf der Burg Greiffenau verbracht, die mich mal wieder daran erinnert haben, nicht zu sorglos und unbedacht mit meinen privaten Daten in den sozialen Netzwerken umzugehen.

Das Internet vergisst nie...

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Veröffentlicht am 20.02.2024

Kein wirklicher Thriller

Schneesturm
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"Diese plötzliche Kehrtwende, dieses alternative Universum, war verwirrend."

Nichts wirklich Neues: Sechs Personen, wetterbedingt isoliert auf einer von der Außenwelt abgeschnittenen Insel. Schneesturm. ...


"Diese plötzliche Kehrtwende, dieses alternative Universum, war verwirrend."

Nichts wirklich Neues: Sechs Personen, wetterbedingt isoliert auf einer von der Außenwelt abgeschnittenen Insel. Schneesturm. Stromausfall. Finsternis. Es geschieht ein Mord, und die Mörderin bzw. der Mörder muss noch auf der Insel Inishmore sein.

Irgendwie kommt mir diese Geschichte zu bekannt vor, wie schon unzählige Male mit anderen Personen an anderen Orten erzählt.

Als Thriller und "pulsierender Bestseller" auf dem Buchcover angekündigt, kommt die Erzählung aber eigentlich nur langsam und eher langatmig voran.
Die teilweise sehr hölzern ablaufenden Dialoge wirken wenig lebensecht.
Und so bleiben letztendlich auch die handelnden Charaktere durchweg sehr blass, eine Identifikation mit ihnen und ihrer Geschichte fällt schwer.

Für einen guten Thriller fehlt es der Erzählung "Schneesturm" von Tríona Walsh eindeutig sowohl an Spannung als auch an unerwarteten und dramatischen Storywendungen.

Der finale Showdown ist leider mehr als unrealistisch, fast schon absurd und unbeholfen plump. Zu plötzlich passen alle Puzzleteilchen ineinander und alle Zweifel und Nebel lösen sich in nahezu wundersamer, allwissender Weise auf. Plötzlich kennt jemand alle Antworten!

Fazit: Leider, vor allem angesichts der immensen Vielfalt an Alternativen im Thriller-Genre, nicht wirklich fesselnd und teilweise unglaubwürdig

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Schonungslos authentisch

Mühlensommer
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"So riecht es wirklich nur hier. Eine Mischung aus Apfel, Erde, Gras und Mist."

Eine warmherzige Erzählung vom Leben und Erwachsenwerden auf dem Land. Eine Reise in die Zeit der Bluna-Brause, von Sunkist-Pyramiden, ...


"So riecht es wirklich nur hier. Eine Mischung aus Apfel, Erde, Gras und Mist."

Eine warmherzige Erzählung vom Leben und Erwachsenwerden auf dem Land. Eine Reise in die Zeit der Bluna-Brause, von Sunkist-Pyramiden, und Klosterfrau Melissengeist. In eine Vergangenheit, als es im Winter noch ausreichend kalt war und es lang anhaltend Schnee zum Schlittenfahren gab. Dann aber auch unerträglich heisse Sommer mit Schulbussen ohne Klimaanlage, hitzefrei und nicht enden wollenden Nachmittagen im Freibad.

Das Leben auf dem Mühlenhof war für Maria als Kind und Jugendliche nur selten entspannt und angenehm. Hier gab es immer viel zu tun: die Schweine im Stall müssen regelmäßig versorgt werden, und auch bei der Hopfen-Ernte ist jeder auf dem Hof eingebunden.

Nach vielen langen Jahren kehrt Maria, die inzwischen mit ihrer Werbeagentur sehr erfolgreich ist, einem Hilferuf ihrer Mutter folgend, aus der Stadt auf den Mühlenhof zurück.

Eine sentimentale Reise in ihre eigene Vergangenheit der 70er/80er Jahre beginnt.

Mit viel Feingefühl erzählt die Autorin Martina Bogdahn in ihrem Roman "Mühlensommer" einerseits von den schönen und idyllischen Momenten, auf der anderen Seite aber auch ganz unverblümt von den beschwerlichen und oft gnadenlos rauhen Seiten des Landlebens. Dabei sind Erzählweise und Sprache stets angenehm lebendig und authentisch, sodass man sich sehr schnell mit der sympathischen Hauptprotagonistin anfreunden kann.
Trotz aller Entbehrungen, die das Leben auf dem Land mit sich bringt, blickt Maria zufrieden auf eine glückliche und durch die Familie geprägte Kindheit zurück

Leider endet der Roman ziemlich abrupt und überraschend: man hat das Gefühl, dass doch eigentlich noch gar nicht alles erzählt sein kann.
Viele Erzählfäden bleiben somit offen und lassen Platz für die eigene Fantasie.

"Manchmal beginnt die Ewigkeit sofort",
...und Apfelkuchen mit Sahne geht schließlich immer!

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