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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Gore-on-Sea

Mord in der Pension Möwennest
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1954. Dreißig Jahre lang hat Nora Breen hinter Klostermauern gelebt und jetzt ihr Dasein als Nonne aufgegeben, um in das Touristenstädtchen Gore-on-Sea zu kommen. Ihre einstige Novizin Frieda ist verschwunden ...

1954. Dreißig Jahre lang hat Nora Breen hinter Klostermauern gelebt und jetzt ihr Dasein als Nonne aufgegeben, um in das Touristenstädtchen Gore-on-Sea zu kommen. Ihre einstige Novizin Frieda ist verschwunden und sie ist fest entschlossen, nach ihr zu suchen. Sie quartiert sich in der Pension "Möwennest" ein, in der auch Frieda gewohnt hat und lernt die anderen Gäste kennen. Kurz darauf ist einer von ihnen tot. Obwohl die Polizei, besonders Inspector Hideout, der Meinung ist, es handle sich um eine natürliche Todesursache, ist Nora anderer Meinung und sie beginnt zu ermitteln. Dann stirbt ein weiterer Pensionsgast und als dann auch noch die Leiche von Frieda auftaucht, weiß Nora, dass sie die nächste sein könnte ...

Man darf nicht den Fehler machen zu denken, dass es sich hierbei um einen Cosy Crime handelt. Kidd entführt uns in eine Zeit nur wenige Jahre nach Ende des Krieges und statt eines fröhlich-heimeligen Cosy Crimes erhält man einen mehrschichtigen, melancholisch angehauchten Krimi in E-Moll. Der ist nicht ohne Witz - wie sich Nora ganz in Marlowe-Manier als Privatdetektivin sieht oder dem Stadtrüpel Prügel anbietet, ist mehr als amüsant, wenn man bedenkt, dass sie als Nonne gelebt hat. Aber ich finde den Cast ihrer anderen Bücher fast noch skurriler und die Geschichte hier ähnelt doch zu sehr einem klassischen Krimi, sodass ich dieses Buch nicht für Kidds stärkstes Werk halte. Unterhaltsam ist er jedoch allemal und wäre Kidd nicht Kidd, gäbe es bestimmt eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 23.04.2026

Limerence

Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe
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Die Gameentwicklerin Viola eines kleinen, unabhängigen Studios könnte außer sich sein vor Freude. Ein großer Spieleentwickler möchte mit ihnen zusammenarbeiten, um ihr absolutes Lieblingsspiel zu kreieren. ...

Die Gameentwicklerin Viola eines kleinen, unabhängigen Studios könnte außer sich sein vor Freude. Ein großer Spieleentwickler möchte mit ihnen zusammenarbeiten, um ihr absolutes Lieblingsspiel zu kreieren. Könnte - denn leider bedeutet das, dass sie mit einem ebenso unabhängigen Studio zusammenarbeiten müssen, mit dem sie in der Vergangenheit immer mal wieder Probleme hatte. Und Viola kennt deren Projektleiter Jesse, der sie seit Jahren äußerst seltsam behandelt, obwohl sie sich bei ihrem Kennenlernen sympathisch fanden. Um die Diskrepanzen untereinander auszuräumen, müssen die Mitarbeiter der beiden Studios zusammen ein Wochenende auf einer eingeschneiten Hütte verbringen. Ganz schnell wird es in dieser kalten Umgebung ganz heiß ...

Ausnahmsweise gibt es mal keine Protagonistin im Mint-Bereich, dafür eine kompetente Führungskraft in der Gamesentwicklung, was für mich auch völlig okay war. Und wie üblich bei Ali Hazelwood lässt es sich megaleicht lesen und hat witzige Dialoge. Allerdings ist dieses Miskommunkationsding zwischen Viola und Jesse ein bisschen arg übertrieben und wie üblich hat mich auch das Verhalten des männlichen Parts teilweise geärgert. Die Geschichte ist ein bisschen zu kurz für Tiefe, dafür gab es allerdings zu viel Spice - aber das kritisiere ich ja bei jedem Ali-Buch. Ich möchte doch einfach nur eine schöne, leichte Geschichte mit witzigen Dialogen (kriege ich ja auch!) und würde liebend gern auf diese endlosen Spicescenen verzichten (dieser Wunsch wird mir nie erfüllt). Alles in allem hat's Spaß gemacht, aber nicht vom Hocker gehauen. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Batty Hole Inn

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
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Mit fünfzehn war Sera Swan die mächtigste Hexe in England, auch wenn das Institut der Hexen das nur ungern gesehen hat, denn sie ist eine PoC. Dann starb unvermittelt ihre geliebte Großtante Yasmine und ...

Mit fünfzehn war Sera Swan die mächtigste Hexe in England, auch wenn das Institut der Hexen das nur ungern gesehen hat, denn sie ist eine PoC. Dann starb unvermittelt ihre geliebte Großtante Yasmine und Sera holte sie mit all ihrer Macht zurück - nur dass sie dabei ihre Magie verlor. Mittlerweile führt Sera zusammen mit ihrer Tante eine Pension, die nur von Leuten gefunden wird, die dringend einen Platz brauchen und anständig sind. Einige von ihnen sind Dauergäste, beinahe Familienmitglieder. Noch immer versucht Sera, mithilfe eines Zauberspruchs ihre Magie wiederzuerlangen, und möglicherweise ist der mürrische Historiker Luke, der sich aufopferungsvoll um seine kleine, autistische Schwester kümmert, ihre letzte Chance darauf - und ganz sicher darauf, ihr Herz zu verlieren.

Das Buch ist cosy Fantasy, von jeder liebevoll gezeichneten Person bis hin zum untoten Gockelzombie Roo-Roo. Das heißt, es gibt wenig Action und auch die gefährlichen Szenen enden eher nicht schweißtreibend und fingernägelkauend. Dafür gibt es viel Liebe, Freundschaft und found family, sehr viele Blaubeerpfannkuchen und einem Schurken um des Schurkenseinswillen. Das kann zwischendurch ein bisschen langatmig werden, auch wiederholen sich einige Sachen. Ich weiß, dass Luke erst durch die Wiederholungen draufkommt, aber irgendwann ist wirklich mal gut. Alles in allem ist es eine nette Lektüre für scheußliche, verregnete Apriltage mit einer heißen Tasse Tee (und gerne auch Blaubeerpfannkuchen). 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.04.2026

Transparent

Please unfollow
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Die 17jährige Sherry hat ein Haus angezündet, landete im Jugendknast und kommt jetzt in ein Camp für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Eigentlich jedoch ist sie ein Internetstar. Sie ...

Die 17jährige Sherry hat ein Haus angezündet, landete im Jugendknast und kommt jetzt in ein Camp für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Eigentlich jedoch ist sie ein Internetstar. Sie heißt Shezerade Weiß und ihre Eltern haben ihr Leben seit ihrer Adoption als Kleinkind auf Youtube gestreamt. Millionen Follower hat der Account ihrer Eltern, die sich nie um die Privatsphäre ihrer Tochter gekümmert haben. Sherry hat endlich das Gefühl, nicht ständig beobachtet zu werden und sie verliebt sich sogar. Doch dann stellt sich heraus, dass alle Jugendlichen wussten, wer sie ist und sie fühlt sich betrogen und verraten - wieder einmal ...

Wow, ein krasses Buch über ein krasses Thema, das mir so nicht bekannt war. Es gruselt mich davor, auch nur darüber nachzudenken, was Eltern ihren Kindern um des Fames und des Geldes willen antun, ganz besonders, wenn man bedenkt, wie weit entwickelt AI ist und was daraus bereits gemacht werden kann. Wie man solchen Accounts auch noch folgen und feiern kann, verstehe ich überhaupt nicht und ich finde es echt wichtig, über solche Themen zu sprechen. Das Buch war sehr flüssig und trotz des ernsten Themas locker und humorvoll geschrieben. Vielleicht waren die Jugendlichen in dem Camp ein bisschen ZU wholesome, aber das ist Meckern auf hohem Niveau und wird allen guttun, die bei dem, was sie hier lesen, ein Auffangnetz brauchen. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Bramble Estate

Catch Your Death
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Devi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter, als sie nicht nur vom Schneesturm überrascht wird, sondern ihr Auto auch noch den Geist aufgibt. Auf den letzten Metern rollt sie auf einem großen Anwesen aus ...

Devi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter, als sie nicht nur vom Schneesturm überrascht wird, sondern ihr Auto auch noch den Geist aufgibt. Auf den letzten Metern rollt sie auf einem großen Anwesen aus und bittet um Hilfe. Die reiche Hausbesitzerin Emily Vanforte bietet ihr an, aufgrund des Sturms hier zu übernachten. Genau wie Devi sind auch die jungen Frauen Lizzi und Janey hier gestrandet. Schnell merken sie, dass die Atmosphäre in dem Haus unter den Bewohnern vergiftet ist - bis es dann Emily Vanforte auch tatsächlich ist und beim Familienessen, bei dem sie düstere Geheimnisse offenbaren wollte, stirbt. Eingeschneit und von möglichen Mördern bedroht, versuchen die Mädchen, den Fall zu lösen.

Anfangs hatte ich ein paar Probleme, die Erzählstimmen von Devi, Lizzi und Janey auseinanderzuhalten. Das hat sich nach einiger Zeit gegeben, auch wenn mir manche Sachen ein wenig übertrieben vorkamen. Im Laufe des Buches stellt sich heraus, warum das so wirkt. Auf ein paar Sachen bin ich vor der Lösung gekommen, von denen mir ein Teil zu zeitig präsentiert wurde. Anderes hat mich überraschen können, auch wenn ich mir ein paar Geheimgänge weniger gewünscht hätte. Immerhin konnte damit eine recht schaurige Atmosphäre geschaffen werden, als die drei auf Spurensuche gehen. Alles in allem hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen, aber es war doch ein recht solider Jugendthriller.