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Veröffentlicht am 15.09.2016

Moral und Motiv

Bevor ich verschwinde
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Hunter Forbes ist ein ziemlich normaler achtzehnjähriger amerikanischer Junge. Er spielt Baseball, hat relativ gute Noten, steht kurz vor dem Abschluss, hat einen besten Freund und eine hübsche Freundin. ...

Hunter Forbes ist ein ziemlich normaler achtzehnjähriger amerikanischer Junge. Er spielt Baseball, hat relativ gute Noten, steht kurz vor dem Abschluss, hat einen besten Freund und eine hübsche Freundin. Ein Sportstipendium für eine Universität winkt ihm auch noch. Das einzige Problem, das er hat, sind seine Eltern, mit denen er ziemlich viel streitet. Er hat das Gefühl, dass seine Mutter zu wenig hinter ihm steht und sein Vater ihn nur beachtet, wenn er Scheiße baut - also tut er das gelegentlich. Als es wieder einmal zu einem Mordsstreit kommt und sich außerdem seine Freundin von ihm trennen möchte, ist er verzweifelt. Und plötzlich verschwunden. Die Polizei glaubt die meiste Zeit, dass er von sich aus abgehauen ist, doch Caleb, sein bester Freund, und sein Vater Paul denken nicht daran, sich mit dieser Erklärung zufrieden zu geben. Sie sind sich sicher, dass ein Verbrechen passiert sein muss.

Ich hatte anfangs ein wenig Schwierigkeiten, in das Buch reinzukommen. Hunter empfand ich als meistens unsympathisch und egoistisch, alles in seinem Leben drehte sich nur um ihn. Später wurde mir klar, dass wir fast alle mit 18 so waren, und es gelang mir besser, mich in ihn einzufühlen. Die Geschichte entwickelt sich allmählich zu einem beklemmenden Kammerspiel, das droht, hoffnungslos zu enden - wenn da nicht Caleb wäre. Dieser Junge ist einfach der beste Freund, den man sich vorstellen kann, und wenn es Hunter geschafft hat, so einen Jungen zum Freund zu haben, dachte ich, muss er eigentlich auch ziemlich schwer in Ordnung sein. Mir gefiel zum Schluss nicht die Entscheidung seines Vaters - sie ist verständlich, aber rechtlich oder moralisch einwandfrei bestimmt nicht. Trotzdem eine interessante Story mit interessanten Protagonisten, die jeder ein eigenes Motiv verfolgten. Just like the real life.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Hölle liegt im Meer

Hell-Go-Land
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Hell-go-land haben die Engländer diesen Felsen im Meer genannt, als sie anfingen, ihn im II. Weltkrieg zu bombadieren. Geht zur Hölle, haben sie gesagt, und sie hatten immerhin ihr Ziel für ein paar Jahrzehnte ...

Hell-go-land haben die Engländer diesen Felsen im Meer genannt, als sie anfingen, ihn im II. Weltkrieg zu bombadieren. Geht zur Hölle, haben sie gesagt, und sie hatten immerhin ihr Ziel für ein paar Jahrzehnte geschafft, die Insel war unbewohnbar. Doch mittlerweile gibt es wieder 1000 bis 1500 Einwohner, von den Touristen im Sommer gar nicht zu reden. Hier ist Anna Krüger aufgewachsen, und sie ging fort, als ihr etwas Furchtbares passierte. Heute, als Polizistin, kehrt sie zurück - nur um mit einem makabren Päckchen begrüßt zu werden: Wer schickt ihr einen menschlichen Daumen? Und warum? Während die Winterstürme es unmöglich machen, vom Festland die Kripo mit anständiger Ausrüstung zu schicken, müssen Anna und ihre beiden neuen Kollegen einen Wettlauf gegen die Zeit starten, denn irgendwo wird ein Mensch gefoltert und nach Ablauf von elf Tagen wird dieser Mensch tot sein. Doch Anna hat nicht nur mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen, sondern auch mit Migräne und Grippe, nicht die besten Voraussetzungen für eine Ermittlung.

So schön immer Morde, voraussichtliche Morde oder Verbrechen allgemein auf einem abgeschiedenen Fleck sind, es gibt meistens ein Problem: die Verdächtigen sind überschaubar. So auch hier und einem erfahrenen Krimileser ist sehr schnell klar, wer hinter der ganzen Sache steckt. Zu eindeutig ist das Verhalten des Täters, zu speziell sind die Dinge, die eben nur er tun kann. Da nützt es auch nichts, einen Nebenstrang mit einer neugierigen Putzfrau zu entwerfen, die einem Verbrechen auf der Spur zu sein scheint (wobei mir diese Nebenhandlung meistens sogar interessanter vorkam als der eigentliche Fall). Als eher störend empfand ich auch die ständigen "mysteriösen" Andeutungen, was Anna damals passiert ist (wiederum: einem erfahrenen Krimileser ist das sofort klar) und ihr ewiger Kampf mit der Migräne nervt irgendwann einfach nur noch. Gut gefiel mir der Schreibstil und die Idee an sich, doch die Umsetzung war teilweise zu langgezogen und offensichtlich.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Mann, der verschwindet

Vierundzwanzig Stunden
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Als Arthur Costello als einziges Erbe seines vermögenden Vaters den heruntergekommenen Leuchtturm erhält, ahnt er nicht, dass sich im Inneren eben jenes Gebäudes ein Geheimnis verbirgt. Ein Geheimnis, ...

Als Arthur Costello als einziges Erbe seines vermögenden Vaters den heruntergekommenen Leuchtturm erhält, ahnt er nicht, dass sich im Inneren eben jenes Gebäudes ein Geheimnis verbirgt. Ein Geheimnis, das ihn dazu zwingen wird, die nächsten vierundzwanzig Jahre in jeweils vierundzwanzig Stunden abzuhandeln. Er wird seinen Großvater aus der Psychiatrie befreien, eine Frau kennen- und liebenlernen, sich ständig in neuen und manchmal gefährlichen Situationen wiederfinden und am Ende ... wird er am Ende alles gewinnen oder alles verlieren?

Eigentlich eine spannende Sache. Für jedes Jahr seines Lebens stehen ihm nur genau vierundzwanzig Stunden zur Verfügung (außer den letzten paar, aber darauf gehe ich jetzt nicht ein). Was macht man also in diesen vierundzwanzig Stunden? Versucht man, das ganze Leben zu packen und so viel wie möglich draus zu machen? Dass Arthur zunächst verwirrt ist, ist logisch. Und dass er Antworten sucht und das manchmal auch den ganzen Tag dauert, genauso. Aber später, so fand ich, hat er viel Zeit verschwendet mit sinnlosen Eifersüchteleien und einer Art, die ihn ziemlich unsympathisch machte. Irgendwie dachte er die meiste Zeit wirklich immer nur an sich. Ja, er hat's schwer, aber dass es eigentlich seine Familie viel schwerer hat, weil die das ganze Jahr erleben, während er immer nur einen Tag hat ... Das finde ich viel schwerer. Zwischendurch wird der Roman interessant, denn Musso hat viel Zeitgeschichte verpackt, aber auch da hätte man viel mehr draus machen können meiner Meinung nach. Stattdessen wiederholt er sich zu viel, verbringt viel Zeit damit, Essen zu beschreiben oder seinen Protagonisten in immer wieder ähnliche Situationen zu verfrachten. Das hat zwischendurch gelangweilt, und um ehrlich zu sein, das Ende hat mich enttäuscht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

The Big Friendly Giant with the Big Friendly Heart

BFG. Big Friendly Giant
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That's creepy: In the witching hour little orphan Sophie discovers a giant creature who is ... yeah, what DOES he do? Fact is, he is snatching Sophie and runs off a long, long time to the land of giants. ...

That's creepy: In the witching hour little orphan Sophie discovers a giant creature who is ... yeah, what DOES he do? Fact is, he is snatching Sophie and runs off a long, long time to the land of giants. And there? Is he eating little Sophie and enjoying his tasty meal? No. That would be really creepy. That is what all the other giants do. And these guys are really giants. Fifty and more feet tall and bloody murderous. They are mocking the BFG because he is the smallest of them, the only one who isn't eating "human beans" and the one that is blowing nice dreams to sleeping children (and now you know what he did when little Sophie saw him the first time. Pay attention there will be a test afterwards ;D).
As Sophie learns that the other giants are eating children every night she knows that the BFG and herself have to stop them! And so they are planning a masterplan, if you will. Involved gets the Queen of England, the heads of Army and Airforce, a lot of soldiers, and, of course, Sophie and the BFG.

I really, really did like this little story. Sophie was the most likeable little girl you could imagine and the BFG was simply great (no punch intented). His kind of speaking is comparable with the house elves of Harry Potter but with more wittiness and neologism. And you can find a moral without a raised finger. The writing style is very child-friendly and the illustrations are more than suitable. They say a really good children's story is one who is loved by adults, too. So, this is one of them, the story of a little friendly girl with a big heart and a not so big giant with an even bigger heart.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Misdirections

Inspector Swanson und der Magische Zirkel
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Chief Inspector Donald Swanson hat frei. Und weil das so selten vorkommt, hat seine Frau vorgeschlagen, mit ihm ins Adelphi Theater zu gehen, wo die berühmtesten Zauberkünstler ihrer Zeit auftreten. Doch ...

Chief Inspector Donald Swanson hat frei. Und weil das so selten vorkommt, hat seine Frau vorgeschlagen, mit ihm ins Adelphi Theater zu gehen, wo die berühmtesten Zauberkünstler ihrer Zeit auftreten. Doch genau zu dem Zeitpunkt, als die beiden die Vorstellung des Great van Dyke - die berühmte Wasserfolter - genießen, geht etwas gewaltig schief. In letzter Sekunde kann Swanson den Zauberkünstler retten und bemerkt, dass jemand die Wasserfolter manipuliert hat: eindeutig ein Mordanschlag. Doch dabei bleibt es nicht und plötzlich haben Swanson und seine Leute nicht nur einen Mordversuch, sondern auch noch einen Mord am Hals. Doch unter Illusionisten ist nichts, wie es scheint, und wenn es so ist, dann ist es trotzdem ganz anders ...

Mich hat das Buch von Anfang an fesseln und reinziehen können. Man taucht einfach und mühelos in das Ende des 19. Jahrhunderts ein, die leichte und flüssige Schreibweise Marleys macht es leicht. Genauso mühelos gelingt es, sich in die Kreise der doch recht exzentrischen Magier und Illusionisten einführen zu lassen; man bekommt Einblicke ins Theaterleben. Auf der anderen Seite die Ermittler, die sympathisch und meistens kompetent daherkommen. Der Fall selbst ist spannend. Obwohl man alle Informationen zugespielt bekommt, geschieht das so geschickt, dass man sich die meiste Zeit auf dem Holzweg befindet - Marley kann das Credo der Illusionisten - Misdirection - sehr gut umsetzen. Ab und zu lässt er berühmte Leute wie Houdini, Oscar Wilde oder Edith Cavell auftreten, ohne ihr Cameo zu übertreiben. Wenn mich überhaupt etwas gestört hat, dann vielleicht, dass Swanson manchmal mit erhobenem Zeigefinger vor seinem Sergeant etwas vorführte, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Mir hat das Buch Spaß gemacht und es bekommt eine absolute Empfehlung von mir. Und als Randnotiz, auch wenn das nicht in die Bewertung mit einfließt: Das Cover und der rotumrandete Schnitt sind mindestens genauso great wie der Zauberkünstler van Dyke.