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Veröffentlicht am 15.09.2016

Freund der Bäume

Das geheime Leben der Bäume
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Ich gebe es ja zu. Als mir meine Schwägerin das Buch in die Hand drückte "Lies mal!", dachte ich nur "Bloß nicht schon wieder so ein Esoterikkram von einem Baumumarmer". Deshalb blieb es erst mal auf dem ...

Ich gebe es ja zu. Als mir meine Schwägerin das Buch in die Hand drückte "Lies mal!", dachte ich nur "Bloß nicht schon wieder so ein Esoterikkram von einem Baumumarmer". Deshalb blieb es erst mal auf dem Sub, bis es mir irgendwann wieder in die Hände fiel. Ich las hinein ... und war extrem gefesselt. Das war kein Esoterikspinner, der da schrieb. Das war ein Mann, der wusste, wovon er sprach. Ursprünglich Förster wie überall, also einer, der den Wald nur nach wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, hat er sich irgendwann davon gelöst und bewirtschaftet jetzt einen eigenen Buchenwald in einer Art, die nicht nur "seinen" Bäumen Vorteile bringt. Dabei hat er von eben diesen Bäumen jede Menge gelernt, denn er hat angefangen zu beobachten und aufzupassen.

Zum Glück lässt er uns an seinen Beobachtungen teilhaben. Er spricht von Kommunikation unter Bäumen. Wie das, fragt sich der Laie (sprich Archer). Wenn ein Baum von einem Parasit befallen wird, gibt er das weiter. Mit Hilfe von Duftstoffen benachrichtigt er andere Bäume in seiner Umgebung, die daraufhin bittere oder gar giftige Stoffe ausscheiden und so verhindern, ebenfalls befallen zu werden. Bäume derselben Art können untereinander "befreundet" sein, Bäume derselben Art helfen einander solidarisch, wenn einer von ihnen krank ist. Dabei spielen das Wurzelsystem und Pilze entscheidende Rollen. Wohlleben erklärt auf anschauliche Art und vor allem leicht eingänglich, wie Kommunikation unter den Pflanzen funktioniert, welchen Einfluss sie auf das Ökosystem haben, was bei Monokultur passiert. Er beschreibt das Aufwachsen junger Bäume (wobei "jung" bei einem Durchschnittsalter von 400 Jahren eher relativ gemeint ist), wofür gefallene und vermodernde Baumriesen noch gut sind.

Ich habe mich von dem Autor tatsächlich überzeugen lassen, habe einen anderen Blick auf die Natur, besonders auf Wälder bekommen, in denen ich einen Großteil meiner Freizeit verbringe. Und wenn ich ab und zu winzige Nadel- oder Laubbäume tätschle und "Na, Babybaum" sage, bin ich keineswegs ein Esoterikspinner. Nur jemand, der angefangen hat, Bäume als das zu erkennen, was sie sind: Mitlebewesen auf dem einzigen Planeten, den wir haben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein gewisser Mr Sherlock Holmes

Sherlock Holmes - Eine Studie in Scharlachrot
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Wir schreiben das Jahr 1880, vielleicht auch 81. Ein junger Arzt ist soeben aus Afghanistan zurückgekehrt, verwundet, desillusioniert und auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. Da trifft es sich ...

Wir schreiben das Jahr 1880, vielleicht auch 81. Ein junger Arzt ist soeben aus Afghanistan zurückgekehrt, verwundet, desillusioniert und auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. Da trifft es sich gut, dass ein ehemaliger Kamerad von ihm einen gewissen Mr Sherlock Holmes kennt, der jemanden sucht, der sich seine große Wohnung mit ihm teilt. Und dann der Gänsehautmoment, in dem sie sich begegnen: Holmes und Watson, a match made in heaven. Wie Watson, der Arzt, schnell feststellt, ist Holmes kein gewöhnlicher Mensch. Er ist direkt bis zur Unfreundlichkeit, besitzt einen Verstand, der so scharf ist, dass er ständig gewetzt werden muss und eine Arroganz eines Gottes würdig. Andererseits nimmt er auf seine Art auch Anteil an den Menschen, beobachtet sie, analysiert sie, findet Lösungen für ihre Probleme.

So ist es kein Wunder, dass er gelegentlich als Berater für die Polizei dient, und wenig später lernt Watson, der nun mit Holmes zusammenzieht, zwei ganz besondere Exemplare der Londoner Polizei kennen. Den mittlerweile berühmten Inspektor Lestrade und den nicht ganz so bekannten Inspektor Gregson. Diese haben einen besonders schwierigen Fall zu knacken, den Mord an einem Amerikaner und dessen Sekretär. Holmes Ermittlungen leiten ihn natürlich in völlig andere Richtungen als die der Polizisten ...

Ja, ich mag die "richtigen" Kurzgeschichten noch einen Tick lieber als die Romane. Trotzdem ist die Studie in Scharlachrot Pflichtlektüre, denn hier lernen sich nicht nur Watson und Holmes kennen, man lernt auch von Anfang an etwas aus ihrem Leben, was in den Kurzgeschichten ja höchstens mal angeschnitten wird. Hier bildet sich das Verständnis für Holmes heraus, der so außergewöhnliche Fähigkeiten und Wissen hat, aber andererseits in Bereichen, die ihn nicht interessieren oder die er für irrelevant hält, absolut unter dem Allgemeinverständnis liegt. Holmes ist keine Puppe: Obwohl sich für ihn alles um Logik dreht, ist er durchaus zu Wärme und Verständnis fähig. Und Watson ist sein perfekter Gegenpart. Kein dicklicher Dummkopf, als der meistens in den Filmen dargestellt wird, sondern ein Mann aus Fleisch und Blut mit einem normalen Verständnis für das Leben und das Denken.

Habe ich es schon erwähnt? A match made in heaven.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Höllenhund aus dem Moor

Sherlock Holmes und der Hund von Baskerville
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Okay, ich denke, diese Geschichte kennt prinzipiell jeder, selbst Lese- und Holmesmuffel, denn die ist bestimmt öfter verfilmt worden als jeder andere Klassiker. Ich benutze absichtlich das Wort Klassiker, ...

Okay, ich denke, diese Geschichte kennt prinzipiell jeder, selbst Lese- und Holmesmuffel, denn die ist bestimmt öfter verfilmt worden als jeder andere Klassiker. Ich benutze absichtlich das Wort Klassiker, denn zu denen gehört dieses Buch zweifelsfrei.
Trotzdem fasse ich noch mal kurz zusammen:
Sir Henry, der junge Erbe von Baskerville Hall, hat nicht nur ein Problem. Zum einen verschwinden immer wieder Sachen von ihm, obwohl er gerade erst aus Amerika eingetroffen ist, und dann ist da noch die Legende von dem Höllenhund, der bis jetzt noch jeden seiner Vorfahren geholt hat. Kein Wunder, ist doch sein Onkel unter mysteriösen Umständen gestorben und Zeugen schwören Stein auf Bein, dass sie neben der Leiche des Lords riesige Pfotenabdrücke gefunden hätten. Holmes behauptet, keine Zeit für diesen Fall zu haben und schickt seinen treuen Freund und Mitstreiter mit dem jungen Sir Henry mit, um auf ihn aufzupassen und ihm regelmäßig Bericht zu erstatten. So ist Watson tatsächlich auf sich allein gestellt, und er kommt dabei dem Geheimnis des Haushälterehepaars von Baskerville Hall auf die Spur und erlebt im Moor seltsame Begegnungen und unangenehme Überraschungen.

Watson mal auf sich gestellt, kann das gutgehen? Auf jeden Fall. Watson ist nicht der dickliche, unbeholfene, dümmliche Sidekick von Holmes, als der er so oft in Filmen dargestellt wird. Er war im Afghanistankrieg und bei allen gefährlichen Situationen ist er ein Mann, der die Nerven behält. Natürlich zieht er andere Schlüsse aus seinen Beobachtungen als Holmes, aber das sind genau die Schlüsse, die jeder normale Mensch ziehen würde. Und natürlich lässt Holmes ihn auch nicht zu lange im Stich.
Immer wieder schön, dieses Buch zu lesen, selbst beim dutzendsten Mal: großes Kino in Buchform.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Pate der Psychopathen

Hades
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Erst mal vorneweg: Dieses Buch hätte tatsächlich ein ganz großer Wurf werden können. Alles Notwendige war vorhanden. Eine ziemlich ungewöhnliche Story, ein Kriminalfall, der ebenfalls noch nicht tausende ...

Erst mal vorneweg: Dieses Buch hätte tatsächlich ein ganz großer Wurf werden können. Alles Notwendige war vorhanden. Eine ziemlich ungewöhnliche Story, ein Kriminalfall, der ebenfalls noch nicht tausende Mal ausgelutscht wurde, allein das australische Flair, ein charismatischer Pate von Sydney und zwei Psychopathen, die ausgerechnet bei der Polizei arbeiten sowie der gute Schreibstil der Autorin. Ich werde später darauf eingehen, warum all das dann ärgerlicherweise für nur 3/3,5 Punkte reichte.

Frank Bennett ist neu auf dem Revier und der Mordkommission. Bevor er seine neue Partnerin, Eden Archer (nein, die ist nicht mit mir verwandt ;D) und ihren Bruder Eric kennenlernen kann, werden sie zu einem Fall gerufen, der erschreckender kaum sein könnte. Auf dem Grunde des Meeres werden Kisten über Kisten mit Leichen gefunden, jeder wurde Organe entnommen. Ein Serienkiller treibt in Sydney in sein Unwesen, und er hält sich für Gott. Er entscheidet, wer lebt und wer überleben darf. Er verfügt über medizinische Kenntnisse und es gibt genügend Verzweifelte, die auf Organspenden warten und nicht warten, woher die Spende kommt. Gleichzeitig kommt Bennett auch dem Geheimnis seiner neuen Partnerin auf die Spur, und das wird genauso gefährlich für ihn wie die Jagd nach dem Killer.

Das hat mich schon in der Leseprobe und vom Schreibstil her begeistert. Bennett und seine Kollegen sind nicht gerade Sympathieträger, aber was soll's. Ein krasser Kriminalfall (in dem gleich noch einer steckt) reicht eigentlich. Doch es gibt viel zu viele Ungereimtheiten, über die ich nicht hinwegsehen konnte. Eden und Eric waren dabei die größten Schwachpunkte, obwohl sie doch die Story tragen sollten. Als Untertitel steht: Als Killer wird man nicht geboren. Man wird dazu gemacht. Ja, schöner Spruch, doch auf diese beiden trifft das schon mal nicht zu. Wer aufmerksam liest, der sieht sofort, dass die beiden von Anfang an nicht ganz astrein sind. Da kann das Trauma ihrer Kindheit nichts dafür. Dann geht's weiter. Sie bekommen erst eine schulische Ausbildung, als sie 11 bzw. 13 sind. Egal, die sind so hochintelligent, dass sie trotzdem nicht nur hinterherkommen, sondern alle überfliegen. Mit 14 kann Eden schon irgendwelche medizinisch-chemisch-biologischen Fachbücher auf Fehler korrigieren, muss sich aber ein Dutzend Jahre später von einem Arzt erklären lassen, wie eine Transplantion funktioniert.

Man könnte fast alle der Rückblicke auf solche Sachen auseinandernehmen. Damit endet es aber nicht. Auch die Polizei scheint nur zu schludern. Eric steht mit brennender Zigarette über einer Grube mit einer Leiche und ascht da hinein. Ahhhh! Kontaminierung eines Tat/Fundorts? Klingelt da was? Eine Zeugin darf stundenlang mit einem Polizisten am Tatort rumlungern und zuschauen, wie Leichen geborgen werden. Ist das in Australien so üblich? Ich glaube nicht. Der Killer wird als auffällig gutaussehender, charismatischer 2-Meter-Mann beschrieben, aber keiner kommt auf die Idee, die Bevölkerung darüber zu informieren bzw. aus der Bevölkerung kommen dahingehend keine Hinweise? Logisch? Eher nicht. Eine Überwachung geht schief, weil Polizisten ihren Platz verlassen. Kriminalisten gehen in eine Kirche, in der sich der Killer aufhält, obwohl draußen ein Haufen Uniformierte rumlungern.

Ich könnte stundenlang das Buch so auseinandernehmen, weil mich das alles so geärgert hat. Es hätte so extrem gut werden können, aber da haben so viele Leute geschlafen bei der Überarbeitung. Es spricht immerhin für die gute Schreibe und die Grundidee, dass es immer noch so viele Punkte werden, wie ich vergebe.

Veröffentlicht am 15.09.2016

The Sixth Sense

Monday Club
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Ich sehe tote Menschen ... Kommt euch bekannt vor? Macht nichts, so was kommt in den besten Familien vor. Wortwörtlich. Denn Faye gehört eindeutig zu den besten Familien in Bluehaven, was sie nicht davor ...

Ich sehe tote Menschen ... Kommt euch bekannt vor? Macht nichts, so was kommt in den besten Familien vor. Wortwörtlich. Denn Faye gehört eindeutig zu den besten Familien in Bluehaven, was sie nicht davor bewahrt, unter extremer Schlaflosigkeit zu leiden und etwas, das ihre Tante Liz und der Umbridge-Klon (sorry, kleiner Insider!) Erica Myers als psychologische Epilepsie bezeichnen. Sie soll sich von Myers behandeln lassen und auch von Liz, der Ärztin, weiterhin Medikamente bekommen. Doch Faye schläft nicht mehr, sie hat die Medis abgesetzt und ein belauschtes Gespräch haben ihr mitgeteilt, dass sie ihr ganzes Leben lang - wenn schon nicht betrogen - so doch im Dunkeln gehalten wurde. Und dass sie das wertvollste Gut des Monday Clubs ist. Doch Faye möchte kein Gut sein, sie möchte ihr Leben selbst in die Hand nehmen und so wendet sie sich an ihre Freunde Ginger, Josh, Caleb und den neu dazugekommenen und immer noch ein wenig undurchschaubaren Luke. Doch ihre Suche nach Wahrheit schreckt irgendjemanden auf, der nicht einmal vor Mord zurückweicht: Plötzlich gibt es in Bluehaven schneller Tote, als man bis drei zählen kann und Faye gerät in immer größere Gefahr.

Wie man an der Bewertung sieht, hat mir der zweite Teil besser gefallen als der erste. Er war kein Lückenfüller, wie das so gern bei Trilogien gemacht wird, sondern er trieb die Handlung und damit auch die Spannung ordentlich voran. Faye wird langsam ein wenig entscheidungsfreudiger, auch wenn sie immer noch (und wieder) von extremen Anfällen der Unsicherheit und Ohnmacht gepackt wird. Ich sehe sie jedoch auf einem guten Weg zu einer echt starken Heldin. Noch immer bekomme ich weder Josh noch Caleb richtig zu fassen, aber ich mag die Freundschaft, welche diese vier (fünf) Jugendlichen verbindet. Manche Entscheidungen fand ich nicht ganz nachvollziehbar, doch das mag subjektiv sein. Immerhin endet das Buch mit dem größten Cliffhanger der Weltgeschichte, was gleichzeitig grausam wie genial ist und mich wünschen lässt, den dritten Band jetzt und sofort lesen zu können.

Zusammengefasst: Krystyna Kuhn is back!