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Veröffentlicht am 02.12.2024

Morde & Motive

May Morrigans mysteriöse Morde
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May Morrigan ist eine pensionierte Buchhändlerin und lebt in einem großen Herrenhaus, zusammen mit ihrem ebenso älteren und besten Freund Fletcher und zwei Dackeln. Sie ist eine freundliche, alte Dame, ...

May Morrigan ist eine pensionierte Buchhändlerin und lebt in einem großen Herrenhaus, zusammen mit ihrem ebenso älteren und besten Freund Fletcher und zwei Dackeln. Sie ist eine freundliche, alte Dame, die nur manchmal das Bedürfnis empfindet, Leute aus dem Weg zu räumen, die ihr auf irgendeine Art und Weise auf die Tränensäcke gehen. Das tut sie meistens auf eine unauffällige Weise. Als sie eines Tages erfährt, dass sich in ihrem Revier ein Serienkiller herumtreibt, beschließt sie gemeinsam mit Fletcher und einer bunten Truppe anderer Personen, diesem das Handwerk zu legen.

Ich sag's, wie es ist: Die ersten zwei Drittel des Buches waren höchst amüsant, weil sie so extrem überspitzt gezeichnet waren, dass man sie nicht ernst nehmen konnte, dabei aber auch zeitgenössische Dinge wie die Probleme queerer Leute ansprachen. Auch, wie sich alle zusammenfanden, die den Killer stoppen wollten, war schon interessant gemacht. Leider kam dann das letzte Drittel und ja. Hier hat die Autorin das ganze Buch aber ordentlich mit dem Motorrad an die Wand gefahren. Dabei kritisiere ich gar nicht, dass May in Triple-X-Manier bei Wind und Wetter mit dem Bike durch die Weltgeschichte tobt; das vermögen fitte ältere Leute ohne weiteres. Was mich gestört hat, war die absolute Unlogik, mit der alles aufgelöst wurde. May weiß plötzlich Dinge, von denen vorher nie die Rede war, die Motive des (anderen) Killers stand auf so wackligen Füßen, dass sie nicht nachvollziehbar waren, und der Schluss war so hektisch und unbefriedigend abgehandelt, dass der Lesespaß gänzlich verpuffte. Schade. Viel Potenzial verschenkt. 2.5/5 Punkten.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 30.11.2024

Double Trouble

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Amy Wheeler arbeitet als Bodyguard für eine große englische Agentur. Eigentlich ist ihr derzeitiger Job auf einer netten einsamen amerikanischen Insel leicht - oder wäre es zumindest, wenn nicht ausgerechnet ...

Amy Wheeler arbeitet als Bodyguard für eine große englische Agentur. Eigentlich ist ihr derzeitiger Job auf einer netten einsamen amerikanischen Insel leicht - oder wäre es zumindest, wenn nicht ausgerechnet der Koch versuchen würde, sie umzubringen. Dabei sollte Amy eigentlich Rosie beschützen, eine berühmte und sehr reiche Autorin, die es sich mit einem russischen Magnaten verscherzt hat. Zur gleichen Zeit werden auf Jeff, den Chef der Agentur, Mordanschläge verübt. Kann es sein, dass das alles mit einem Geldwäscher zu tun hat, der Influencer ausnutzt und dann umbringt? Amy kann nur einem Menschen vertrauen - Steve, ihrem Schwiegervater. Und dass sich Rosie ihr einfach anschließt, ist wohl Schicksal ...

Ich gebe zu, ich habe auf den ersten paar Seiten ein paar Einstiegsprobleme mit dem Buch gehabt, aber das gab sich schnell. Osman ist ein begnadeter Erzähler, der weder sich noch seine Charaktere wirklich ernst nimmt - abgesehen natürlich von Trouble, dem Kater. Auch hier geht er seine Vorliebe für älteres Personal nach: Sowohl Rosie als auch Steve (Steve/Stephen scheint ein Favorit von ihm zu sein) gehören einem Semester an, das sonst nur wenig Beachtung in Büchern findet, ähnlich auch andere Charaktere des Buches. Wie üblich lebt das Buch von den kurzen Kapiteln, dem augenzwinkernden Schreibstil, den schrägen Figuren und einer ungebremsten Fabulierlust. Obwohl ich mich auf einen nächsten Fall des Donnerstagmordclubs freue, werde ich auch gern die nächsten Abenteuer der WfM-Agentur weiterverfolgen. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.11.2024

Rettet den Krötor!

Akademie Splitterstern 1: Akademie Splitterstern
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Wenn der Zauberadept Ribisel nervös ist, ploppen Frösche rings um ihn herum auf. Und leider ist Ribisel ein unsicherer Junge, der sehr oft nervös ist. Und noch leiderer wird er zusammen mit den Akademieschülern ...

Wenn der Zauberadept Ribisel nervös ist, ploppen Frösche rings um ihn herum auf. Und leider ist Ribisel ein unsicherer Junge, der sehr oft nervös ist. Und noch leiderer wird er zusammen mit den Akademieschülern Erika (Barbarin), Garek (Wächter) und Fenja (Schurkin) zum Rektor von Splitterstern zitiert. Wenn das kein Grund zum Nervössein ist, dann ... ups. Plopp. Aus dem Rektor wird ein Krötor. Und es gibt nur eine Chance, ihn wieder von seinem krötigen Dasein zurückzuverwandeln, wenn die vier eine Quest unternehmen. Zusammen mit dem knochigen Schädel Denny, dem feigen Federbären Zuckerschnabel und dem verfressenen Pigasus müssen sie sich ins Knochenmoor wagen und die Schlangenkrone finden. Ein Kinderspiel, wenn es dort nicht vor lauter Fallen und tödlichen Gefahren wimmeln würde ...

Kann es etwas Cooleres geben als einen Kinderbuchautor, der auch noch illustrieren kann? Kann es. Nämlich einen Kinderbuchautoren, der eine richtig schöne Geschichte erzählen kann über Freundschaft, Zusammenhalt, Ausgrenzung, Verrat und Vertrauen, über Abenteuer, über witzige Tierwesen, über das Hinauswachsen angesichts von Gefahren - und das Ganze mit wunderbaren Illustrationen versieht. Mein Vorlesekind und ich haben jede Seite genossen, weil man immer wieder innehalten und die Bilder betrachten, sich Gedanken übers Aufleveln der Adepten und über die Motive gewisser Personen grübeln kann. Akademie Splitterstern mag nur die zweitbeste HeldInnenschule der Splitterlande sein (und unter uns, bei einigen ihrer fragwürdigen pädagogischen Methoden haben sie es nicht anders verdient, als hinter irgendeiner anderen Schule zu stehen), aber eines ist sie gewiss: erstklassige Unterhaltung für groß und klein.

Veröffentlicht am 16.11.2024

Most wanted

Einer kriegt sie alle
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Tommy - mehr als den Vornamen erfahren wir nie, wobei es kein Problem wäre, mehr herauszufinden, vorausgesetzt, die Angaben über ihn stimmen - ist ein Zielfahnder. Das heißt, er sucht Kriminelle, die sich ...

Tommy - mehr als den Vornamen erfahren wir nie, wobei es kein Problem wäre, mehr herauszufinden, vorausgesetzt, die Angaben über ihn stimmen - ist ein Zielfahnder. Das heißt, er sucht Kriminelle, die sich abgesetzt haben, ihrer Strafe entgehen wollen oder nicht gefunden werden, weil die Justiz nicht weiß, wo sie sich aufhalten. Tommy fahndet daher nicht nur in Wien oder Österreich, wo er herkommt, sondern weltweit. Dabei lässt er sich nicht immer nur von modernster Technik leiten, sondern auch von seinen Instinkten.

Manche der Kriminellen sind die most wanted ihrer Zeit und ob Tommy wirklich alle kriegt, weiß ich nicht. Zumindest behauptet das der Autor, aber der behauptet auch, dass eine österreichische Sondereinheit ihre scharfen Hunde wirft: 25 - 30 Kg Lebendgewicht Hund - wer's glaubt? In sechzehn Geschichten berichtet er über Tommy und seine Jagd. Auf Mörder und Mörderinnen, Bankräuber, Kriegsverbrecher. Und ganz ehrlich: Eigentlich sind diese Geschichten ziemlich cool. Eigentlich. Denn plaudern kann er, der Herr Autor. Allerdings kann er auch oft extrem rassistisch und diskriminierend sein, und das ist dann wiederum sehr, sehr uncool. Keine Ahnung, warum da das Lektorat nicht mal mit der Faust auf den Tisch gehauen hat (oder hat es und die schlimmsten Sachen sind schon draußen?). Wer weiß. Bei diesem Buch handelt es sich jedenfalls nicht um ein Sachbuch in dem Sinne, dass tatsächlich akribisch von der Arbeit von Zielfahndern berichtet wird. Ich denke jedenfalls, es gibt mehr als Telefonüberwachung oder das Bemerken von offenen Fenstern. Die Geschichten sind kurzweilig und interessant, und wer über Rassismus und Diskriminierung hinwegsehen kann oder sie überhaupt nicht bemerkt, wird seine reine Freude an Tommy, Andy, Claudia und fliegenden Hunden haben.

Veröffentlicht am 10.11.2024

Superheldin

Amanda Black – Die Mission beginnt
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Amanda Black ist zwölf Jahre alt und muss das Erbe der Blacks retten, wie sie übrigens nicht müde wird zu betonen. Dazu muss sie in eine Art Fort Knox einbrechen und einen Schlüssel aus einem Safe stehlen ...

Amanda Black ist zwölf Jahre alt und muss das Erbe der Blacks retten, wie sie übrigens nicht müde wird zu betonen. Dazu muss sie in eine Art Fort Knox einbrechen und einen Schlüssel aus einem Safe stehlen und sich hinterher lediglich 180 Meter in die Tiefe abseilen. Ein Kinderspiel, da sie soeben festgestellt hat, dass sie quasi über Nacht Superkräfte bekommen hat. Aber von vorn: Amanda und ihre Großtante Paula leben unter ärmlichsten Verhältnissen, als ihr zu ihrem12. Geburtstag ein Brief zugestellt wird, der es ihr ermöglicht, ihr Erbe am anderen Ende der Stadt zu beziehen, die Villa Black. Endlich rückt auch ihre Großtante damit heraus, dass sie von Leuten abstammt, die Artefakte stehlen, um die Menschheit zu schützen.

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich dieses (Hör)Buch verärgert hat. Selten habe ich etwas Unlogischeres gehört, das mir dazu auch noch mit unendlichen Wiederholungen und ständigen Foreshadowing präsentiert wurde. Stellt euch vor, ihr stammt von reichen Leuten ab, wachst aber in größter Armut auf, sodass ihr euch kaum die Miete oder auch nur ein Essen abseits von einem Kohlkopf leisten könnt. Und plötzlich sagt eure Erziehungsberechtigte: Oh, klar. Auf der anderen Seite der Stadt steht deine coole Villa. Aber wenn du sie beziehst, lebst du extreeeeeem gefährlich!

Und du fragst: Wieso?

Tante: Ach, das sage ich dir nicht. Aber bist du sicher, dass du da einziehen willst?

Okay, ihr zieht da jetzt ein. Tante sagt: Btw, jetzt sind extreeeeem gefährliche Leute hinter dir her. Bei Gelegenheit werde ich dich mal ausbilden. Die Ausbildung fängt jetzt an: Finde heraus, in was ich dich eigentlich ausbilde. Und was dein Erbe ist. Ach, und überhaupt: Ich erzähle dir mal gar nichts.

Nach etwa zwei Stunden und einem neuen besten Freund, den du gleich innerhalb der ersten dreizehn Sekunden an der neuen Schule gefunden hast, nachdem du übrigens in deiner alten Heimat noch nie Freunde hattest (kein Wunder, du hast es ja nicht mal geschafft, dem netten Mädchen, das dir half, einen Namen zu geben und hast sie immer nur als Nachbarin bezeichnet), eröffnet dir Großtante Paula, dass die Villa nicht mehr zu halten ist, es sei denn, du findest den Schlüssel zum Geldtresor von Dagobert Duck, der sich irgendwo im Haus befindet. Also der Geldschrank, nicht der Schlüssel. Eben hast du allerdings noch einen Fuhrpark gefunden, in dem dutzende Supercars und sogar ein oder zwei kleine Helicopter stehen. Aber nein, ihr habt kein Geld, um die Villa zu halten. Man kann nicht irgendwie mal so ein oder zwei Autos/Flugzeuge verkaufen?

Über den krassen Heist, den Amanda dann veranstaltet und all die Zufälle, die es ihr ermöglichen, ihn durchzuführen, möchte ich gar nicht mehr reden. Selbst mein nicht mal zehnjähriges Vorlesekind fand großen Spaß an der ach-so-coolen Amanda und ihrer Großtante, die lieber seelenruhig zuschaut, wie ihre Großnichte stirbt, als ihr auch nur mal IRGENDETWAS zu erzählen. Welchen Schutz soll es bieten, ein Mädchen im Dunkeln zu lassen, wenn es eh gefährdet ist? Oder sie nicht mal annähernd auszubilden in was auch immer? Und warum hat die Schurkin den Schlüssel nicht genutzt, um in das leerstehende Haus einzusteigen und sich alles zu holen, was da zu finden ist? Dieses Buch ist eine Aneinanderreihung völlig absurder und unlogischer Dinge und mir könnte nicht egaler sein, wie die Reihe weitergeht.

Das ist Schlimme ist, dass die Sprecherin tatsächlich mega gut ist und das anstrengende Benehmen von Amanda damit perfekt rüberbrachte. Wozu überhaupt Eric eine eigene Sichtweise erhalten hat, blieb bis zum Schluss rätselhaft. Die trug eigentlich nichts zum Vorantreiben der Handlung bei und der Sprecher hatte bei den drei Kapiteln oder wie oft er überhaupt ran durfte, keine Chance, sich irgendwie hervorzutun. Dank der Sprecherin bekommt das Buch noch äußerst großzügig bemessene 2.5/5 Punkten.