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Veröffentlicht am 07.02.2024

Infamous

Murder in the Family
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Infamous ist eine berühmte True-Crime-Serie in England, in der vor laufender Kamera Cold Cases wieder neu aufgenommen und unter besten Umständen gelöst werden. Diese Show verspricht noch einen Extraknaller. ...

Infamous ist eine berühmte True-Crime-Serie in England, in der vor laufender Kamera Cold Cases wieder neu aufgenommen und unter besten Umständen gelöst werden. Diese Show verspricht noch einen Extraknaller. Der Regisseur Guy Howard möchte den Fall seines ermordeten Stiefvaters aufnehmen. Dafür werden sechs Experten aus der Strafverfolgung bzw. Journalismus eingeladen. Ein Ex-Cop aus New York, ein ehemaliger Londoner Kriminalbeamter, ein Staranwalt, ein Journalist, eine Psychologin und ein Forensiker machen sich daran, den Fall zu lösen, während eine ganze Nation zuschaut und in Foren aufgeregt darüber diskutiert. Doch immer mehr verdichtet sich die Vermutung, dass ihnen der Mörder näher ist als erwartet ...

Tatsächlich haben wir hier ein sehr cooles Konzept vorliegen. Es gibt Zeitungsausschnitte, Fotos, Mitschnitte von Anrufen, Scriptanweisungen zu den Drehtagen, Forenbeiträge und die Unterhaltungen lesen sich, als würde man wirklich als Zuschauer dabei sein. Die unterschiedlichen Arten von Experten lassen sich sehr gut auseinanderhalten. Allerdings das herausfordernde "Können Sie den Fall vor den Experten lösen", das im Klappentext provoziert, ist meiner Meinung nach nicht haltbar, weil einige der Experten einiges aus ihrem privaten Umfeld zurückhalten. Vermutungen sind einfach, selbst in die richtige Richtung, aber beweisbar ist für die Lesenden nichts. Womit auch weder die Autorin noch das Lektorat immer unbedingt klargekommen sind, sind gewisse Jahreszahlen oder das Alter. Anfangs dachte ich noch, das gehöre zum Spiel, weil einige vielleicht lügen, aber dem ist nicht so. Der Journalist, der gerade mal 40 oder 41 ist, veröffentlicht schon seit über 30 Jahren in verschiedenen Zeitschriften, eine Verdächtige, die 1983 geboren ist, ist 1984 Kindermädchen. Okay? Manche sind halt einfach schneller als andere ... oder jemand kommt gern mit Zahlen durcheinander.

Das verpasst der Lesefreude keinen Dämpfer und wer nicht wirklich selbst mitraten möchte, hat sicher Spaß beim Lesen. Was mich im Endeffekt mehr gestört hat, war die Tatsache, dass der Produzent und das Team scheinbar ohnehin von Anfang schon den Fall geklärt hatten, weil sie immer wieder mit neuen plötzlich herausgefundenen Details herausrückten, und der Schluss. Die letzten beiden Seiten waren wirklich, wirklich ein bisschen arg dick aufgetragen.

Veröffentlicht am 03.02.2024

Granite Creek

Der flüsternde Abgrund
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Seit 30 Jahren war Callum nicht mehr in seiner Heimatstadt Granite Creek, einer kleinen Ortschaft im Norden Australiens. Bei einem Unfall verlor er sein linkes Bein und braucht seitdem eine Prothese. Denkbar ...

Seit 30 Jahren war Callum nicht mehr in seiner Heimatstadt Granite Creek, einer kleinen Ortschaft im Norden Australiens. Bei einem Unfall verlor er sein linkes Bein und braucht seitdem eine Prothese. Denkbar schlechte Voraussetzungen also, um ausgerechnet in der Regenzeit zurückzukehren, um bei der Suche nach einem Vermissten zu helfen. Doch es handelt sich um den Sohn seiner ersten großen Liebe - und Callum vermutet, es könnte sein Sohn sein. Als der Vermisste schließlich ausgerechnet tot zwischen den Felsen gefunden wird, die einer regionalen Legende nach Kinder anziehen, damit sie in den Tod stürzen, versucht Callum herauszufinden, was ihm passiert ist. Dabei findet er nicht nur die Todesumstände heraus, sondern deckt auch ein oder zwei Geheimnisse aus den letzten dreißig Jahren auf.

Ich habe das Buch nicht ungern gelesen. Es ist gut geschrieben und natürlich hat es durch Australien einen gewissen Exotikfaktor. Das, was Callum herausfindet, ist auch interessant. Was mich jedoch gestört hat, waren zum einen, dass Callum immer wieder Sachverhalte den Lesenden vorenthielt - und das geht einfach nicht, wenn es aus seiner Sicht geschrieben ist. Lesende wissen bei personellen Erzählern immer genauso viel wie der Protagonist. Zum anderen die Sichtweise: Wenn es in die Vergangenheit ging, wurde immer in die Ich-Erzählung gewechselt. Zum Schluss gab es auch absolut keine logische Erklärung für das geheimnisvolle Flüstern des Abgrunds, dem scheinbar nur Kinder erliegen. Irgendwie enttäuscht mich so was. Trotzdem, wie schon erwähnt: Ich habe Callums struggle nicht ungern verfolgt. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 01.02.2024

One Shot

Stunde um Stunde
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Tilly Delaney ist ein kleines Kind, das vor zwei Jahren spurlos verschwand. Ihre Eltern sind wütend, weil sie glauben, dass bei der Untersuchung geschlampt wurde. Aus diesem Grund besetzen sie das kriminaltechnische ...

Tilly Delaney ist ein kleines Kind, das vor zwei Jahren spurlos verschwand. Ihre Eltern sind wütend, weil sie glauben, dass bei der Untersuchung geschlampt wurde. Aus diesem Grund besetzen sie das kriminaltechnische Labor von Los Angeles, nehmen Geiseln und stellen ein Ultimatum: Innerhalb von 24 Stunden soll ihr Kind gefunden werden. Solange nichts passiert, werden sie alle zwei Stunden eine der dort lagernden One Shots vernichten: Beweismaterial in Fällen, in denen es nur diese eine mikroskopisch kleine Spur gibt.

Charlie Hoskins hat fünf Jahre undercover bei den Death Machines, einer tödlich-brutalen Bikergang gearbeitet, bis er aufflog und beinahe starb. Seine Spuren sind ebenfalls One Shots und er wird alles tun, um zu verhindern, dass diese in Rauch aufgehen. Lynette Lamb flog ebenfalls - an ihrem ersten Tag als Polizistin. Nur gemeinsam können sie den Fall lösen und die Beweise retten ...

Abgesehen von der Hades-Trilogie finde ich alle Bücher von Fox einfach mega. Die Frau hat immer richtig krasse Ideen, einen Schreibstil, der durch die Seiten fliegen lässt, unerwartete Handlungen und skurriles Personal. Auch hier beweist sie das immer wieder. Jedes Mal, wenn man denkt, man hat den Plot durchschaut, gibt es eine Wendung, die alles auf den Kopf stellt. Trotz aller Ernsthaftigkeit blitzt auch genügend Humor durch, um die Sache aufzulockern. Und auch, wenn manche Sachen - besonders Verletzungen - total übertrieben sind, macht es einfach nur Spaß, Hoskins und Lambs bei der Spurensuche zu folgen. Ich hoffe, die beiden bekommen noch mindestens zwei weitere Bücher spendiert. Sie sind würdige Nachfolger von Concaffey und Pharrell. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 29.01.2024

KIsmet

Die Burg
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Maxim Ascher ist nicht glücklich. Er betreibt kleine Escape Rooms und ausgerechnet er wurde von Milliardär Nevio eingeladen, dessen buchstäblich millionenschweres Projekt zu begutachten. Dabei handelt ...

Maxim Ascher ist nicht glücklich. Er betreibt kleine Escape Rooms und ausgerechnet er wurde von Milliardär Nevio eingeladen, dessen buchstäblich millionenschweres Projekt zu begutachten. Dabei handelt es sich um die modernste Art von Escape Rooms, die man für Geld kaufen kann: eine sanierte, mittelalterliche Burg, in der KIs sämtliche Szenarien, die angegeben werden, steuert. Zusammen mit anderen, ihm unbekannten Personen soll Ascher also seine professionelle Meinung zum Gelingen abgeben. Doch bei ihrem Testlauf in den unterirdischen Gängen der Burg geht alles schief und plötzlich müssen sie sich Gefahren stellen, die ihr Leben bedrohen - oder sogar nehmen.

Der KI-Thriller »Die Burg« von Bestseller-Autorin Ursula Poznanski kombiniert Mittelalter-Atmosphäre mit einem top-aktuellen KI-Szenario - so wird das Buch angepriesen und das stimmt auch. Dabei hatte ich oft das Empfinden, dass es sich die Autorin recht leicht gemacht hat, indem sie einfach zwei ihrer Bücher (Saeculum und Erebos) kombiniert und mit anderen bzw. erwachsenen Personen kombiniert hat. Das mag auf den ersten Blick recht aktuell und neuartig wirken, ist es aber nicht. Für die Lesenden spielt es im Endeffekt keine Rolle, ob die Gefahren menschen- oder KIgemacht sind, das Hirn unterscheidet in potenziellen Gefahrensituationen auch nicht zwischen wahr oder unwahr. Sobald also die ersten Schock- oder Schreckelemente hinter den Burgtestern und damit LeserInnen liegt, ist es weniger spannend als erwartet. Durch die routinierte Schreibweise kommt jetzt auch nicht gerade Langeweile auf, aber beängstigend war es auch nicht mehr. Dazu kommt, dass man bei gewissen Sachen die Stirn runzelt. Besonders was Höhen angeht, hat die Autorin nur wenig Ahnung, WIE hoch tatsächlich 10 oder 12 Meter sind, besonders wenn man zum Beispiel auf Knochen fällt. Dass dabei "nur" der Arm gebrochen wurde und es jemand überlebt, dem ein Knochen durch den Oberschenkel ragt, in dem es von lebenswichtigen Blutgefäßen nur so wimmelt ... sagen wir so: der Bodycount hätte auf jeden Fall höher sein müssen, als er dann tatsächlich war.

Äußerst schwachbrüstig, weil generisch und klischeehaft, fand ich auch die Personenzeichnung sämtlicher Beteiligten. Das ging so weit, dass mir alle dermaßen egal waren, dass ich nicht mal mehr mitgefiebert hätte, wäre es tatsächlich zu echtem Horror in dem Buch gekommen. Ich denke, das ist ein Buch, das mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Veröffentlicht am 26.01.2024

Vertraue niemandem!

Thieves’ Gambit
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Rosalyn Quest, genannt Ross, kennt zwei Leben: das von Luxus und das von Diebstahl. Sie entstammt einer legendären Diebesfamilie und wurde von frühester Kindheit darauf trainiert, Dinge zu entwenden. Deshalb ...

Rosalyn Quest, genannt Ross, kennt zwei Leben: das von Luxus und das von Diebstahl. Sie entstammt einer legendären Diebesfamilie und wurde von frühester Kindheit darauf trainiert, Dinge zu entwenden. Deshalb wird sie auch zum Thieves' Gambit eingeladen, einem gefährlichen Spiel der besten Diebe der Welt, das dem Gewinner alles verspricht, was er möchte. Ross, die endlich auch ein drittes Leben kennenlernen möchte, nämlich ein selbstbestimmtes, hat keine Lust teilzunehmen. Doch dann wird ihre Mutter entführt und Ross hat keine andere Wahl, als sich auf das Gambit einzulassen. Und bei so vielen talentierten Dieben muss sie nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf ihr Herz aufpassen, das gestohlen werden könnte ...

Zum Glück nimmt die Liebesgeschichte hier keinen großartig schnulzigen Teil ein. Ross ist eine sehr coole Protagonistin, die sich auch von charmanten Herzensbrechern nicht (lange) von ihrem eigenen Ziel abbringen lässt. Und obwohl die anderen Charaktere recht stereotyp sind, macht das Zusammenspiel der Jungs und Mädchen großen Spaß, ebenso wie die gestellten Aufgaben und die actionreichen Szenen. Dabei wird auch nicht mit Übertreibung gegeizt, aber das ist eines der wenigen Bücher, wo mich so was nicht groß stört, denn dieses Buch ist einfach rasant, fesselnd und so unterhaltsam konzipiert, dass ich da drüber hinweg sehe. Allerdings ist die Werbung für das Buch etwas irreführend. Mit Battle Royal hat das nichts zu tun. Es wird niemand (absichtlich) getötet, auch wenn die Aufgaben immer gefährlicher werden und sich die Jugendlichen unglaubliche Schlagabtausche liefern. Dieses Buch lässt sich mega lesen und ich hätte jetzt gern Teil 2, bitte, danke. 4.5/5 Punkten.