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Veröffentlicht am 12.08.2022

Verflixt und zugehext!

Fairy Tale Camp 1: Das märchenhafte Internat
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Marie Brunner ist zwölf und das typische, ganz normale Mädchen. Am letzten Tag vor den großen Ferien passiert ihr bei der Vertretungslehrerin ein Missgeschick - doch anstatt bestraft zu werden, wird sie ...

Marie Brunner ist zwölf und das typische, ganz normale Mädchen. Am letzten Tag vor den großen Ferien passiert ihr bei der Vertretungslehrerin ein Missgeschick - doch anstatt bestraft zu werden, wird sie in ein Sommercamp eingeladen. Als sie in Schloss Fairy Tale eintrifft, glaubt Marie noch, dass sie wegen ihres Zeichentalents eingeladen wurde, doch schnell wird sie eines Besseren belehrt: Sie und die anderen Jugendlichen sind alles Nachfahren von Märchenfiguren, die hier unter anderem lernen, ihre magischen Fähigkeiten zu beherrschen. Bald findet sie Freunde: den bösen Wolf Will, Jake mit seinen besonderen Haaren, Ro und andere. Doch auch Widersacher lassen nicht lange auf sich warten und Marie rutscht in das Abenteuer ihres Lebens.

Das ist eine schöne, kurzweilige Geschichte, die ich gern gehört habe. Die Sprecherin passt gut zu der jugendlichen Heldin und hatte hörbar Spaß bei der Sache. Es gab nette Einfälle und Ideen und mir gefiel, dass Wert auf Freundschaft und Zusammenhalt gelegt wurde. Was mir weniger gefiel, waren ein paar logische Sachen. Jemand wird eines Verbrechens beschuldigt und dieser Jemand erhält keine Verteidigung oder es wird nicht einmal versucht, ihm das Verbrechen nachzuweisen, er wird gleich einfach mal des Camps verwiesen. Ich denke mir, angenommen, er hätte das Verbrechen wirklich begangen, wäre er aber gut weggekommen. Allgemein scheint hier nicht viel Wert darauf gelegt zu werden, Dingen auf den Grund zu gehen. Oh, jemand hat Jolanda ihre Magie geraubt? Na ja. Pech. Dann ist sie halt für immer eine Nachtigall. Als Maries Mutter verschwand, schien auch nicht die Polizei eingeschaltet worden zu sein; klar, passiert ja ständig, dass Mütter vom Erdboden verschwinden. Dazu kommt, dass nicht ein einziges Mal irgendwas Vernünftiges gegessen wird in der Geschichte. Rein theoretisch müssten die alle mit ihren zwölf Jahren schon kurz vor Herzverfettung stehen und rollen statt laufen. Aber okay, ist halt ein Märchen und als solches war es nett und ich würde mir auch gern die Fortsetzung anhören.

Veröffentlicht am 04.08.2022

Giftmischerin

Die versteckte Apotheke
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London 1791: Es gibt eine verborgene Apotheke, heißt es. In denen wird Frauen geholfen, die Probleme mit Männern haben. Gewalttätige Ehemänner, Brüder, Arbeitgeber - die dann plötzlich und unerwartet sterben. ...

London 1791: Es gibt eine verborgene Apotheke, heißt es. In denen wird Frauen geholfen, die Probleme mit Männern haben. Gewalttätige Ehemänner, Brüder, Arbeitgeber - die dann plötzlich und unerwartet sterben. Die Apothekerin Nella mischt ihnen Gift zusammen, für jeden Anlass das richtige. Sie tut das nur für Frauen, denn auch sie wurde einst von einem Mann betrogen und hintergangen. Eines Tages betritt die zwölfjährige Eliza ihr geheimes Hinterzimmer, im Auftrag ihrer Herrin, die ihren Mann tot sehen möchte. Durch unvorhergesehene Ereignisse wird plötzlich aus der Rächerin der Frauen die Gejagte der Männer.

London, Gegenwart: Die frisch aus Ohio eingetroffene Caroline will ihren untreuen Mann vergessen und die Stadt genießen. Bei einer Mudlarkingtour findet sie ein altes Fläschchen und kommt einem 200 Jahre altem Geheimnis auf die Spur.

Das klingt doch alles eigentlich richtig mega, oder? Was soll da schon schiefgehen? Kleiner Spoiler: alles. Es fängt schon damit an, dass Caroline einfach eine extrem nervige Protagonistin ist, die mir quasi vom ersten Auftritt an so sehr auf den Zeiger ging, dass ich sie in die Themse schubsen wollte. Eine Frau, die nur am Selbstbemitleiden war und ohne Mann aufgeschmissen. Und sie war einfach nur dumm. Schon allein, wie sie die Apotheke aufgespürt hat, war einfach nur an den Haaren herbeigezogen.

Anfangs mochte ich den Vergangenheitsstrang eigentlich noch ganz gern. Nicht, dass ich gutheißen konnte, was Nella da trieb, da sie ja nie einen Beweis dafür hatte, was ihr erzählt wurde, aber trotzdem war es interessant. Aber dann begann so viel unlogischer Schwachsinn, dass einem schwindlig werden konnte. O-Ton Nella: Ich schütze die Frauen, die die Männer umbringen, indem ich ... sie in einem Buch vermerke? Mit Namen, Anschrift und allen Daten, die zur Überführung nützlich sind? Das war das erste Mal, dass ich mir nur an den Kopf fassen/wahlweise meinen Kopf gegen etwas Hartes rammen wollte.

Dann wollte uns die Autorin weismachen, dass ein zwölfjähriges Bauernmädchen nicht weiß, was die Periode ist? Da kam ich mir ja gar nicht verar...t vor. Dann begann das Victim-Shaming. Nella sagt zu Eliza, es ist egal, in welches Fläschchen sie das Gift abfüllt. Dann ist es plötzlich ein Fläschchen, mit dem man das Gift zur Apotheke zurückverfolgen kann, aber plötzlich ist Eliza diejenige, die einen Fehler gemacht hat? Sind hier alle verrückt geworden? Wenn Nella zu dumm ist, nur ungekennzeichnete Gefäße zu verwenden, dann soll sie doch bitte nicht dem Mädchen die Schuld geben.

Es gab da so den einen oder anderen Bock, der in dieser Hinsicht geschossen wurde. Ich fand auch das Lektorat relativ mies. Die Charaktere - allen voran Caroline - benahmen sich immer furchtbar theatralisch. Da wurde bei wirklich alltäglichen Dingen nach Luft geschnappt, die Augen aufgerissen, die Hand an die bebende Brust gepresst, dass man als geneigter Leser nur noch Abstand von dieser hysterischen Frau halten wollte. Außerdem kamen so Sachen vor wie "Ich wurde weiß wie die Wand". Oh, ja. Klar. Das sieht man ja so gut als Erzähler. Wahrscheinlich narzisstisch veranlagt, sodass sie dauernd einen Spiegel vor ihr Gesicht hält. Wie man sehen kann, hat mich dieses Buch also nur marginal beeindruckt, und eine Empfehlung kann ich echt nicht aussprechen.

Veröffentlicht am 01.08.2022

Abraa! Abraa!

A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia
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Ein zweites Mal versammeln wir uns um den unbekannten Erzähler, der uns an der Geschichte von Malik und Karina teilhaben lässt. Nur dass jetzt die Verhältnisse umgekehrt sind: Während Karina alles verloren ...

Ein zweites Mal versammeln wir uns um den unbekannten Erzähler, der uns an der Geschichte von Malik und Karina teilhaben lässt. Nur dass jetzt die Verhältnisse umgekehrt sind: Während Karina alles verloren hat und Persona non grata ist, ist Malik derjenige, der das Recht hat, im Palast zu sein. Zum ersten Mal fühlt er sich wirklich zugehörig. Doch mit der Magie in Sonande ist etwas arg verkehrt. Während Karina durch eine uralte Macht versucht, sich ihr Recht zurückzuholen, weiß Malik, dass er nur mit ihr zusammen die Welt, wie er sie kennt, retten kann.

Was mir hier gut gefallen hat, ist, dass es kein Schwarz und Weiß gibt. Keiner handelt hier aus rein bösen oder guten Gründen, jeder ist der Meinung, das, was er tut, sei für die richtige Sache. Auch die Handlung hat mich hier im zweiten Band mehr fesseln können, auch wenn ich immer noch finde, dass abgesehen von einigen Wörtern das Ganze auch sonstwo in einer Fantasiewelt spielen könnte. Ich hätte mir einfach mehr richtiges "Lokalkolorit" gewünscht. Richtig cool fand ich jedoch das Ende und den Epilog - der hat für mich noch mal so viel rausgerissen, weil es eben kein Kitsch und mega happy war. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 30.07.2022

Dünne Luft

Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod
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Die recht unbekannte Journalistin Cecily Wong hat den Coup ihres Lebens gelandet: Der berühmte Bergsteiger Charles McVeigh will ihr ein Exklusivinterview geben, allerdings nur, wenn sie ihn auf den letzten ...

Die recht unbekannte Journalistin Cecily Wong hat den Coup ihres Lebens gelandet: Der berühmte Bergsteiger Charles McVeigh will ihr ein Exklusivinterview geben, allerdings nur, wenn sie ihn auf den letzten der 14 Achttausender begleitet, den er "clean" - also ohne Sauerstoff und Hilfsmittel - besteigen will. Cecily ist zwar schon Bergsteigen gewesen, aber eher für ihr Scheitern bekannt und eigentlich nicht dafür geeignet, die Todeszone über 7000 Meter zu betreten. Doch es ist ihre einzige und letzte Chance, aus ihrem Leben etwas zu machen, und sie ergreift sie. Was ihr nicht bewusst ist: In der Todeszone wartet ein Killer und nicht nur der Berg verlangt alles und mehr von ihr ab.

Völlig überraschend hat mich dieses Buch sofort in seinen Bann gezogen. Dabei spielte gar nicht mal so die Möglichkeit eines Mörders am Berg die Rolle, sondern tatsächlich der Berg selbst. Die Autorin ist Bergsteigerin und weiß, wovon sie schreibt, und das tut sie auf eine dermaßen fesselnde Art und Weise, dass ich manchmal genauso atemlos war wie Cecily und ihre Gefährten, denen die Luft immer dünner wurde. Mich faszinierte daher nicht nur, dass es auf über 7000 Metern zu Morden kam, sondern schon die Tatsache, dass es tatsächlich Leute gibt, die es auf sich nehmen, dorthin zu gehen und was sie bereit sind, dafür zu opfern. Keine Ahnung, was das über mich aussagt, aber ich habe tatsächlich Lust bekommen, da mitzumachen. Eine starke Lektüre!

Veröffentlicht am 27.07.2022

Mit Charme und Katze

Pfeil im Aug'
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Ronja Bellingrodt hat im Bayerischen Wald ein Anwesen geerbt und nichts Besseres zu tun gehabt, als darauf einen Bogenparcours zu bauen. Das ist so lange cool, bis sie und ihre mit ihr Gassi gehende Katze ...

Ronja Bellingrodt hat im Bayerischen Wald ein Anwesen geerbt und nichts Besseres zu tun gehabt, als darauf einen Bogenparcours zu bauen. Das ist so lange cool, bis sie und ihre mit ihr Gassi gehende Katze eines Tages über ihren Nachbarn Anton stolpern, der ziemlich tot und mit einem Pfeil im Auge da herumliegt. Das macht sich für in Bayern lebende junge Preußin so gar nicht gut im Lebenslauf. Als dann auch noch ein Kommissar auftaucht, der sie verdächtigt, bleibt Ronja nichts anderes übrig, als sich selbst auf Tätersuche zu machen. Dabei wird sie von einer skurrilen Dorfgemeinschaft und ihrer maulenden (oder mauzenden?) Katze tatkräftig unterstützt - obwohl die Dörfler eigentlich auch nichts dagegen gehabt hätten, wenn sie Anton ... na ja. Das mit dem Pfeil im Auge halt.

Seit den letzten Eberhofer-Krimis bin ich eigentlich so ziemlich raus aus Bayern-Regionalkrimis, um ehrlich zu sein. Aber hier haben mich schon das witzige Bild mit der Katze und der Klappentext gereizt: Wann gab es schon jemals einen Cosy Crime mit Bogen, Charme und Katze? Und ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Hier bekommt man einen so kurzweiligen, witzigen und auch dank der Katze namens Katze (Kitten) niedlichen Krimi vorgesetzt, der mit Lokalkolorit punktet und Dialekt verwendet, der zu "Regional" passt, nicht zu viel ist und dennoch die Eigenheiten der Charaktere unterstreicht. Ich wurde tatsächlich von Seite eins an abgeholt und habe mich bis zum Schluss prächtig amüsiert.