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Veröffentlicht am 21.11.2025

Itsy bitsy

Dread Wood - Tödliches Nachsitzen
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An einem Samstag haben vier zwölfjährige Schüler der Dreadwood High so richtig Pech: Sie müssen nachsitzen. Widerwillig lassen sie sich an diesem verregneten Tag von ihrem Lehrer Mister Canton durch das ...

An einem Samstag haben vier zwölfjährige Schüler der Dreadwood High so richtig Pech: Sie müssen nachsitzen. Widerwillig lassen sie sich an diesem verregneten Tag von ihrem Lehrer Mister Canton durch das große Tor führen, das hinter ihnen sofort wieder abgeschlossen wird. Als plötzlich nicht nur ihr Lehrer vor ihren Augen verschwindet und krabbelige Gruselviecher Jagd auf sie machen, müssen sie lernen zusammenzuarbeiten - oder sie werden sterben. Dabei ist es von Vorteil, dass die vier so unterschiedliche Charaktere sind: Der Einzelgänger Angelo ist ein Nerd, Callie die Revoluzzerin, Naira die Streberin und Gus der coolste Draufgänger ever.

Ich kann euch nicht sagen, wie sehr ich dieses (Hör)Buch von Anfang an geliebt habe. Der Sprecher macht einen fantastischen Job und die Autorin führt uns in ein Szenario, das man schon als Erwachsener hassen würde, geschweige denn, sie so gut schlagen könnte wie die vier. Die Kids sind trotz ihrer Fehler und Jugend hochsympathisch. Sie reflektieren und arbeiten zusammen auf Augenhöhe. Wie sie mit sowohl der tierischen als auch der menschlichen Bedrohung umgehen, ist so temporeich und einfühlsam und spannend erzählt, dass ich am liebsten auf der Stelle das zweite (Hör)Buch der Reihe haben möchte. Einen Kritikpunkt habe ich: Itsy bitsy spider muss kein Mensch übersetzen und schon gar nicht mit Imse bimse Spinne. Es ist eher ein unfreiwilliger Lacher, aber dafür ziehe ich nicht mal einen halben Punkt ab. Tolles Kinderabenteuer!

Veröffentlicht am 20.11.2025

Lost Island

The Second Death of Locke
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Vor sechzehn Jahren verschwand die Insel von Locke spurlos durch eine gewaltige Katastrophe und damit auch fast die gesamte Magie im Reich. Nur, wenn sich jetzt zwei Leute zusammentun - die Quelle und ...

Vor sechzehn Jahren verschwand die Insel von Locke spurlos durch eine gewaltige Katastrophe und damit auch fast die gesamte Magie im Reich. Nur, wenn sich jetzt zwei Leute zusammentun - die Quelle und ein Magier - kann Magie gewirkt werden. Viele Kriege zerreißen die Ländereien und jeder versucht, einen Vorteil für sich herauszuholen. Als das Gerücht umgeht, der Erbe von Locke (und damit der Magie) wäre noch am Leben, machen sich mehrere Nationen auf, sich diesen gewaltigen Vorteil zu sichern. Grey Flynn, eine Quelle, und ihr Magier und bester Freund Kier werden auf eine Selbstmordmission geschickt, mit einer kleinen Truppe diesen Erben zu finden und ins eigene Lager zu bringen. Was außer Kier und Grey niemand weiß: Sie sind die Einzigen, denen bewusst ist, dass der Erbe nicht echt ist ... und Lockes Erbe näher ist, als man denkt.

Das ist mal eine einzigartige Geschichte, wie man sie heutzutage nicht mehr oft vorgesetzt bekommt. Sie beinhaltet ein Magiesystem, das mir so noch nicht untergekommen ist und ein düsteres Militärsetting mit Blut, Kampf und Leid. Ich mochte die Charaktere sehr. Grey versucht irgendwie, unter dem Radar zu fliegen (nicht, dass es in dieser Welt eines gäbe) und Kier ist eine wunderbare green flag. Ihr Verhältnis als Friends turned Lovers war schön mitzuerleben, nicht kitschig, sondern immer von Vertrauen und Gleichberechtigung geprägt. Auch die SoldatInnen ihres Trupps war eine coole Mischung interessanter Charaktere, von denen ich jeden einzelnen mochte. Vielleicht sollten sich queerfeindliche Leute von dem Buch fernhalten, denn hier werden beiläufig und als völlig normal angenehm queere Personen vorgestellt.

Ein bisschen neigte das Buch zwischendurch zur Langatmigkeit, aber alles in allem habe ich das Lesen sehr genossen.

Veröffentlicht am 20.11.2025

MadMegs

The Morrisey Mysteries 1. Ein Mord in 3B
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Als ihr Mentor ihr mitteilt, dass sie als Künstlerin nicht genügend Talent hat, beendet Meg ihre Karriere in New York und zieht zurück nach Seattle ins Morrisey-Gebäude, wo sie bei ihrer Tante aufgewachsen ...

Als ihr Mentor ihr mitteilt, dass sie als Künstlerin nicht genügend Talent hat, beendet Meg ihre Karriere in New York und zieht zurück nach Seattle ins Morrisey-Gebäude, wo sie bei ihrer Tante aufgewachsen ist und jetzt in deren Wohnung leben kann. Schon seit frühester Kindheit kann Meg Geister sehen und mit ihnen reden und wird von Ripley, einer Geisterfrau, begleitet. Im Morrisey fühlt sie sich gleich wieder heimisch, auch weil Laurie, ihr Kindheitsfreund, noch immer dort lebt. Doch dann geschieht ein Mord und plötzlich sieht sich Meg nicht nur mit Geistern, ihrer langanhaltenden Liebe zu Laurie und einer gescheiterten Karriere konfrontiert, sondern will auch um jeden Preis diesen Mord lösen ...

Ein cosy crime mit einem Hauch von Fantasy und Spuk: Diese Prämisse gefiel mir sehr gut. Allerdings muss ich sagen, dass ich anfangs ein bisschen Probleme hatte reinzukommen. Die Reaktionen aller Beteiligten waren immer extrem überzogen. Es wurde bei den nichtigsten Anlässen nach Luft geschnappt, die Augen aufgerissen oder anderweitig überreagiert und das machte mir den Einstieg schwer. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt (oder es kam nicht mehr derart geballt vor) und ich konnte die Geschichte mehr genießen. Es wurden viele falsche Fährten gelegt und auch die erwähnten Geister spielten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Schluss jedoch hatte mich dann wieder ein wenig enttäuscht - die Lösung fand ich eher unkreativ und es gab ein paar unlogische Dinge. Was mich auch gestört hat, waren die zunehmenden Rechtschreibfehler, die man so nicht unbedingt bei einem großen Verlag erwartet. Alles in allem war es ein netter Einstieg in die Morrisey Mysteries, der jedoch auch noch ordentlich Luft nach oben hat.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Die Wiese

Maulwurfstadt
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Kuhlmann ist ein außergewöhnlicher Illustrator, den ich über seine Mäusegeschichten kennengelernt habe. Das schicke ich vorneweg, denn im Gegensatz zu sonst fange ich nicht mit einer Zusammenfassung der ...

Kuhlmann ist ein außergewöhnlicher Illustrator, den ich über seine Mäusegeschichten kennengelernt habe. Das schicke ich vorneweg, denn im Gegensatz zu sonst fange ich nicht mit einer Zusammenfassung der Geschichte an. Ich erzähle euch, was man sieht: Bilder. Einzigartige Illustrationen, die schaffen, was eine KI nie könnte, nämlich eine Geschichte (fast) ohne Worte zu erzählen. Wie üblich gibt es schon im Innenbereich des Covers Bilder der Maulwürfe zu sehen, aus der Geschichte von Moletown. Man sieht dickbäuchige Honoratioren, das berühmte Bild der Arbeiter auf einem Balken in der Höhe eines Skyscrapers in New York, nur eben mit Maulwurfarbeitern, Lok, Auto, Fernsehen, Polizei.

Und alles beginnt mit einer wunderschönen grünen Wiese, auf der sich ein Maulwurf ansiedelt. Diese Wiese ist so wunderschön, dass bald andere folgen. Sie alle arbeiten untertage und sie bohren und buddeln und bauen in einem dunklen Meer aus Grau. Auch die Technik ist dunkel und grau das Gefühl ist dunkel und grau. Von Seite zu Seite sieht man die Entwicklung von Moletown und dann - auf der letzten Seite - erkennt man, dass von der wunderschönen Wiese nichts mehr übrig geblieben ist bis auf ein winzig kleines Stück, das abgesperrt ("geschützt") wurde.

Eine Analogie, die so wortlos vonstatten geht, wie man sich beim Zuklappen des Buches fühlt.

Veröffentlicht am 28.10.2025

Neun Musen

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
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Liv hat in letzter Zeit viel Pech gehabt. Ihr Internetwebtoon läuft nicht richtig und dann wird sie auch noch von der Uni geworfen. Da kommt ihr die gewonnene Freikarte für einen Autorenwettbewerb ganz ...

Liv hat in letzter Zeit viel Pech gehabt. Ihr Internetwebtoon läuft nicht richtig und dann wird sie auch noch von der Uni geworfen. Da kommt ihr die gewonnene Freikarte für einen Autorenwettbewerb ganz richtig. Es geht ihr gar nicht darum zu gewinnen, aber sie erhofft sich ordentlich Werbung für ihren Webtoon. Schon auf dem Hinflug nach Korfu trifft sie auf Flame, den geheimnisvollen jungen Mann, der unter Radar bleiben möchte. Als der Wettbewerb losgeht, stellen die Teilnehmenden schnell fest, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht - und dass sie direkt in einen gefährlichen, magischen Wettbewerb gelandet sind, den nur einer von ihnen gewinnen kann.

Ich habe an dieser Geschichte tatsächlich um einiges mehr Spaß gehabt als an dem 1. Band der Romeo-and-Juliet-Society. Das liegt daran, dass Liv einfach viel schlagfertiger und durch die Situationskomik witziger ist. Und ich mag auch fast alle Charaktere, die ich mögen soll, das ist schon mal viel wert. Die Geschichte selbst ist originell und kurzweilig und wartet mit einer interessanten Grundidee auf. Was mich tatsächlich gestört hat, sind die spicy Szenen und diese quasi Instalove. Ich bin mir nicht sicher, ob man mit achtzehn schon echt so scharf auf jemanden ist, dass man alles um sich herum vergisst, selbst Todesgefahr. Alles in allem habe ich jedenfalls Spaß gehabt und möchte wissen, wie es weitergeht.