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Veröffentlicht am 26.08.2025

The Irresistible Urge to Fall Asleep

The Irresistible Urge to Fall for Your Enemy - Wie man sich (nicht) in seinen Erzfeind verliebt
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Die Heilerin Aurienne gehört einem Orden an, der allen Menschen helfen will. Deshalb kann sie auch nur unschwer (zumal es mit einer fetten finanziellen Gratifikation kommt) ablehnen, als ausgerechnet Osric ...

Die Heilerin Aurienne gehört einem Orden an, der allen Menschen helfen will. Deshalb kann sie auch nur unschwer (zumal es mit einer fetten finanziellen Gratifikation kommt) ablehnen, als ausgerechnet Osric um ihre Hilfe bittet. Osric - und das ist das Problem - gehört dem Orden der Assassinen an, clasht also total mit Auriennes Überzeugungen. Außerdem hat er eine Krankheit, die unweigerlich zum Tod führt. Der Todbringer ist also dem Tode geweiht, weigert sich aber, diese Tatsache anzuerkennen und sucht in obskuren, alten Schriften nach einem Ausweg. Aurienne versucht dabei mit ihrer Magie und diversen magisch-mystischen Orden, ihn zu heilen.

Klingt das spannend? Nein? Ist es auch nicht. Leider gibt es kaum mehr als das - ein Handlungsstrang, der noch nebenbei eingeführt wurde, um eine Seuche auszulösen, fühlt sich wirklich einfach auch nur noch so an: wie nebenbei eingeführt. Die Autorin, wohl eine berühmte Fanfictionschreiberin, ergötzte sich unendlich in ewigen Schlagabtauschen ihrer Protagonisten. Das ist anfangs auch ganz nett, aber es lief nach dem immer gleichen Schema ab: Aurienne und Osric treffen an irgendeinem obskuren Ort aufeinander, wetzen ihre spitzen Zungen, meist wird es auch noch auf irgendeine Art zu sexuellen Anspielungen, die manchmal eher vorpubertäres Niveau erreichten, scheiterten an dem Heilungsprozess und gingen wieder auseinander, nur um einen Monat später wieder dasselbe von vorn zu beginnen. Es gab irgendwelche dahingeworfenen magischen und medizinischen Begriffe, die Welt war so blass, dass sie eigentlich in schwarz-weiß daherkommen müsste, aber Hauptsache, die beiden Enemies to Lovers waren auf ihrem Weg von Enemies to Lovers. Null Substanz in der Geschichte, weder was die Entwicklung der Charaktere anging noch ein nachvollziehbares Worldbuilding. Ich habe an diesem Buch etwa drei oder vier Wochen lang gelesen, weil ich immer wieder mitten im Satz eingeschlafen bin. Von daher würde Heilerin Aurienne diese Lektüre vielleicht bei Schlafproblemen empfehlen. Ich kann es jedenfalls nicht.

Veröffentlicht am 23.08.2025

Ralston Island

Death at Morning House
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Marlowe Wexler trägt einen Namen, der zu einem düsteren Privatdetektiv passen würde, ist aber eine junge Frau von etwa 17 Jahren, die unsterblich in Akilah verliebt ist. Bei ihrem ersten Date schafft sie ...

Marlowe Wexler trägt einen Namen, der zu einem düsteren Privatdetektiv passen würde, ist aber eine junge Frau von etwa 17 Jahren, die unsterblich in Akilah verliebt ist. Bei ihrem ersten Date schafft sie es, durch eine explodierende Kerze ein Haus abzufackeln. Um auf andere Gedanken zu kommen, nimmt sie einen Sommerjob auf einem riesigen Anwesen an, auf dem Führungen gegeben werden, und das mit einer tragischen Geschichte aus den 30iger Jahren dienen kann. Sie und die anderen Ferienjobber werden von Dr. Henson beaufsichtigt, die das mit dem Beaufsichtigen allerdings nicht sehr genau nimmt. Während Marlowe sich einlebt, erfährt sie von Morden in der Vergangenheit. Doch auch in jüngster Zeit gab es einen Todesfall unter ihren neuen MitbewohnerInnen - und dann verschwindet auch noch Dr. Henson, während ein gewaltiger Sturm aufzieht ...

Ich mochte die Story von Marlowe, die zwar manchmal recht tolpatschig ist, aber doch irgendwie doch ziemlich cool. Was auch cool ist, dass hier quasi drei verschiedene Verbrechen miteinander verwoben werden. Wobei ganz zu Anfang, bei den Zeitungsausschnitten, mit den Daten der Todesfälle geschlampt wurde, das hat mich anfangs sehr irritiert. Weiß nicht, ob das ein Fehler durch die Übersetzung ist oder schon im Original vorkommt. Sobald die Story, nach einem etwas zähen Einstieg, Fahrt aufnimmt, breitet sich das gesamte dramatische Geschehen recht logisch aus, vielleicht ein bisschen bis auf den Schluss. Ist es wirklich logisch, dass alle Marlowe glauben, obwohl sich die anderen schon so lange kennen? So oder so, es war eine kurzweilige, interessante Geschichte, die mir gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 23.08.2025

Waisenmädchen

Mika Mysteries - Der Ruf des Nachtraben
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Winter 1880: Mika ist zwölf und damit eines der älteren Kinder im Waisenhaus und für viele Dinge dort verantwortlich. Eines Nachts klopft eine dunkle Person und drückt ihr ein Baby in die Hand, nur um ...

Winter 1880: Mika ist zwölf und damit eines der älteren Kinder im Waisenhaus und für viele Dinge dort verantwortlich. Eines Nachts klopft eine dunkle Person und drückt ihr ein Baby in die Hand, nur um sofort wieder zu verschwinden. Kurze Zeit später geschieht unweit ein Mord. Hängen die beiden Ereignisse zusammen? Als der ermittelnde Kommissar Hoff auftaucht, scheint er davon auszugehen. Außerdem bemerkt er Mikas scharfen Verstand und ihre außergewöhnliche Beobachtungsgabe und bringt sie dazu, ihn bei seinen Nachforschungen zu unterstützen. Schnell geraten beide in tödliche Gefahr, denn nicht nur ein Serienmörder geht um, viel schlimmer ist, dass sich die Politik einmischt ...

Mit diesem ersten Band ist Rundberg gleich ein großer Wurf gelungen. Wie wunderbar es ihm gelingt, nicht nur geschichtliche Ereignisse in Szene zu setzen, den furchtbar kalten Winter fühlbar zu machen und das Leben der Waisenkinder bildhaft zu gestalten! Dazu hat er mit Mika eine wirklich sympathische und clevere Titelheldin entworfen, bei der es Spaß macht, ihren Abenteuern zu folgen. Mit Hoff haben wir den denkbar größten Kontrast zu diesem Waisenmädchen, die aber erstaunlich gut miteinander harmonieren. Der Fall ist wirklich hervorragend aufgebaut mit Wendungen, die man nicht kommen sieht und einer teilweise gruseligen Atmosphäre, von der sich so mancher Thriller/Horrorautor eine Scheibe abschneiden könnte. Alles in allem: ein echtes Lesehighlight!

Veröffentlicht am 19.08.2025

Warum eigentlich nicht Heiress of Storms?

Heir of Storms
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An dem Tag, als Blaze geboren wurde, vernichtete eine Sturmflut das halbe Land und sie wird deshalb von allen gehasst, denn man erkannte sie als Regensingerin. In einer Welt, in der viele Leute Wasser, ...

An dem Tag, als Blaze geboren wurde, vernichtete eine Sturmflut das halbe Land und sie wird deshalb von allen gehasst, denn man erkannte sie als Regensingerin. In einer Welt, in der viele Leute Wasser, Luft, Feuer und Erde beherrschen, hat sie etwas Unverzeihliches getan, obwohl sie nur ein Säugling war. Siebzehn Jahre hat sie deshalb in einem goldenen Käfig gelebt, bis zu dem Tag, als sie als Erbin ausgewählt wird und dazu verpflichtet ist, um die Krone der Wassermagier zu kämpfen. Zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Finn reist sie in den Palast des Kaisers, um sich dort gefährlichen Prüfungen zu stellen und trifft dabei nicht nur auf Konkurrenten, sondern auch tödlichen Geheimnissen.

Eigentlich war die Geschichte ganz nett geschrieben. Wenn man auf eine gemächliche Erzählweise steht und vor allem nicht viel hinterfragt. Blaze und Finn sind Zwillinge aus dem Feuerhaus, aber allen ist bei ihrer Geburt sofort klar, dieser krasse Sturm kann nur von ihr kommen? Die Logik entgeht mir. Klar, später gab's manchmal etwas Nieselregen von ihr, aber von Anfang an eines von zwei Babys eines Sturmes zu bezichtigen? Hm. Die Prüfungen waren auch eher ... nun. Wie soll ich es sagen? Bei Wish oder Temu bestellt. Es war jetzt nicht so, als würden da alle um ihr Leben kämpfen. Natürlich gab es auch die typischen fiesen Zicken, die einfach nur fies waren, weil sie es konnten. Es gab zwei Prinzen, die um Blazes Aufmerksamkeit buhlten, obwohl sich Blaze maximal dadurch auszeichnete, dass sie etwas langweilig und nett war. (Immerhin!) Auch war schon von vornherein klar, bei wem es sich um den alten Mann in der Bibliothek handelte und dass der fiese Erdspalter nicht so fies war wie behauptet. Überhaupt kam ich mir beim Lesen des Buches vor, als hätte hier jemand unheimlich viele Versatzstücke gerade beliebter Bücher aneinandergereiht, ohne sich groß Mühe für Originalität zu geben. Das Einzige, das man als original ansehen konnte, war die Art, wie die Dienstboten ihre Herrschaften behandeln durften. Ansonsten bot das Buch nicht viel Neues und ich bin mir nicht sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 17.08.2025

True Crime

Nothing more to tell
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Nach vier Jahren weit weg von ihrer Heimat kehrt Brynn für das letzte Schuljahr zurück in ihre Stadt und die alte Schule. Dort begegnet sie auch Tripp wieder, ihrem ehemaligen besten Freund, der damals ...

Nach vier Jahren weit weg von ihrer Heimat kehrt Brynn für das letzte Schuljahr zurück in ihre Stadt und die alte Schule. Dort begegnet sie auch Tripp wieder, ihrem ehemaligen besten Freund, der damals BS über sie erzählt und sie damit schwer gekränkt hatte. Ebendieser Tripp war auch dabei gewesen, als Brynns Lieblingslehrer tot aufgefunden wurde. Heute ist er der beste Freund der anderen beiden Schüler, die den Lehrer fanden, und gehört damit zur beliebtesten Clique. Brynn, die Journalistin werden möchte, gelingt es, einen Praktikantenjob bei einer True-Crime-Firma ergattert, möchte, dass der Tod ihres Lehrers geklärt wird, und dabei findet sie einiges über Leute heraus, von denen sie dachte, sie würde sie kennen ...

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie McManus es schafft, ihre Geschichten irgendwie im Umfeld von Schulen spielen zu lassen, aber dabei doch immer wieder auch neue Geschichten zu erzählen und frische Charaktere zu kreieren. Auch hier gelingt es ihr wieder, falsche Fährten zu legen und das Umfeld spannend zu gestalten. Ich hätte zwar Tripp nicht halb so schnell verziehen, wie es Brynn getan hat und ich hätte mich zumindest ihm gegenüber auch nicht schuldig gefühlt, ihm nichts von dem True Crime Konzept zu erzählen, aber gut, das ist wohl so ein bisschen dem Jugendbuch geschuldet. Wie Brynn den Spuren gefolgt ist und was sich herausgestellt hat, war schon echt cool. 4.5/5 Punkten.