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Veröffentlicht am 25.12.2020

Und ewig grüßt die Verlorene Welt

DAS VERGESSENE TAL
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Zwei ortskundige Bergführer sollen eine Gruppe Städter an einen seit Jahrzehnten nicht mehr betretenen Ort irgendwo tief in der Wildnis bringen. Klingt nach einem einfachen Job zu einer Zeit, in der Jobs ...

Zwei ortskundige Bergführer sollen eine Gruppe Städter an einen seit Jahrzehnten nicht mehr betretenen Ort irgendwo tief in der Wildnis bringen. Klingt nach einem einfachen Job zu einer Zeit, in der Jobs nicht üppig gesät sind. Doch schon auf dem Weg dahin wird klar, dass weder die Städter noch die Einheimischen richtig wissen, auf was sie sich einlassen, und als sie den Ort tatsächlich erreichen, wird ihnen bewusst, dass kaum einer ihn wieder verlassen wird. Urtiere und -menschen spielen ein lustiges Spiel, das nur für eine Partei amüsant ist: zehn kleine Jägerlein.

Eigentlich mag ich die Idee, die alle paar Jubeljahre wieder von jemandem aufgegriffen wird, doch wie so meistens muss ich feststellen, dass Conan Doyle nicht nur ein Meister darin war, den besten Detektiv der Welt zu ersinnen, sondern auch, was die Verlorene Welt angeht. Zumindest hier hat sich der Autor keine Mühe gemacht, irgendetwas von selbständiger Originalität hinzuzufügen, sondern ganz auf das altbewährte Muster und der lustigen Dezimierung seiner Charaktere gesetzt. Um den Leser nicht zu überfordern, blieb er stur bei schablonenartigen Männern und Frauen, sodass auch dem müdesten Interessenten von vornherein klar war, wer überleben und wer als Futter für Mensch und Tier enden würde. Immerhin war es rasant geschrieben und die paar Seiten haben sich schnell lesen lassen. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.12.2020

Ein Comic ohne Bilder

Bross. Endstation Hinterhof
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Drama, Bross, Drama! Kaum hat der B(r)oss aller Detektive, der Mann, der immer im Regen steht und in die Traufe kommt, fast eigenhändig, aber zumindest wenigstens einhändig und einkeulig, beinahe ein halbes ...

Drama, Bross, Drama! Kaum hat der B(r)oss aller Detektive, der Mann, der immer im Regen steht und in die Traufe kommt, fast eigenhändig, aber zumindest wenigstens einhändig und einkeulig, beinahe ein halbes dreckiges Dutzend Mafiabosse hinter Gitter gebracht, wird er doch tatsächlich von Dezernat 12 in den Urlaub geschickt. Er! Der Mann mit Hut, er, der überall und ständig dem Verbrechen auf der Spur ist und seinen Assistenten in die Spur schickt! Doch es hilft nichts, er muss. Und so kommt, wie es kommen muss, die Rote Zora, sorry, Cora stirbt im Hinterhof und die Ehren- und Edelmänner der Stadt dürfen sich warm anziehen, denn hier kommt Bross, der Mann, der immer eiskalt badet.

Wer schon mit dieser Art Inhaltsangabe überfordert ist, mag vermutlich das Buch auch nicht besonders, denn es ist vor allem eins: absurd-komisch, voller slapstickartiger Szenen, hardboiled überkocht und verdammt noch mal - wo sind in diesem Comic eigentlich die Bilder? Wie ein Kunstschütze platziert der Autor Wörter und Sätze ins Schwarze und schießt auch mal über das Ziel hinaus - oder war das dann doch Bross? Ganz gleich, welcher von beiden schuldig ist, wer sich auf diese Lektüre einlässt, sollte über Filme wie "Die nackte Kanone" lachen können, ohne einen Keller zu besitzen.

Veröffentlicht am 25.12.2020

Biesterzähmen leicht gemacht

Die Tiermagierin – Schattentanz
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Leena ist eine Tiermagierin, die vor einiger Zeit aus ihrem Volk ausgestoßen wurde. Nur dank ihrer Tierwesen entgeht sie dem Anschlag eines Assassinen und kann diesen sogar zwingen, sie zu seinem Anführer ...

Leena ist eine Tiermagierin, die vor einiger Zeit aus ihrem Volk ausgestoßen wurde. Nur dank ihrer Tierwesen entgeht sie dem Anschlag eines Assassinen und kann diesen sogar zwingen, sie zu seinem Anführer und damit quasi in die Höhle des Löwen zu bringen. Noc, der Boss der Assassinen ist zu gleichen Teilen genervt und beeindruckt von der Frau, die da so um ihr Leben feilscht. Er lässt sich auf einen Deal mit ihr ein, wohl wissend, dass er seinen Teil des Deals nicht einhalten kann, denn einer von ihnen beiden muss sterben, so ist das Gesetz. Doch je länger Noc, seine engsten Vertrauten und Leena unterwegs sind, desto mehr kommen sich der Assassine und die Tiermagierin näher.

Die Autorin hat mit diesem Buch sehr, sehr viel richtig gemacht, aber zumindest für mich gab es auch einige Aufreger. Erst einmal: Der Schreibstil ist wirklich mega, auch wenn das Lektorat gepennt hat, einige Wiederholungen nicht gestrichen zu haben (Lieblingsformulierung: "hätte schwören können"). Auch die Idee der ganzen Geschichte hat mir gut gefallen, Leena und ihre Gefährten waren schön ausgearbeitet. Womit ich von Anfang an Probleme hatte, war, die Assassinen als Sympathieträger zu sehen. Wer für Geld tötet, egal wen, ist für mich nur schwer zu akzeptieren. Das hätte ich um des Lesespaßes willen noch gut hinnehmen können, aber wer mir wirklich ernsthaft aufstieß, war Noc, der ach-so-tolle-Anführer der Assassinen. Ich kann nicht sagen, wie oft mich der dazu gebracht hat, selbst zum Assassinen zu werden, sogar ganz ohne Bezahlung.

Erstens ist er aus Gründen, die ich hier nicht nennen möchte (Spoilergefahr) schon so alt, dass er - laut eigener Aussage - schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat (und nein, damit sind nicht nur so zwei oder maximal drei gemeint). Dennoch ist er scheinbar unfähig, seine Libido in Check zu halten, obwohl und Achtung, jetzt kommt's: Er weiß, dass (auch aus Gründen) jeder, mit dem er etwas intimer wird in Körper und Geist sterben wird. Nicht er. Sein Loveinterest, wohlgemerkt. Aber anstatt das zum Beispiel mal wenigstens mit seinen Leuten und Gefährten ordentlich zu kommunizieren, stößt er sie permanent weg und behandelt sie wie ein typischer Collegeprotagonist aus typischen New-Adult-Büchern. Was allerdings auch niemanden so richtig stört, weil er so megamegamegaheiß ist und auch nicht aussieht wie seine paar hundert Jahre oder wie alt er ist, sondern vielleicht wie Anfang zwanzig. So benimmt er sich auch übrigens. Er denkt grundsätzlich mit dem Gehirn zwischen seinen Beinen anstatt dem im Kopf und, wenn man es nüchtern betrachtet, als Anführer der Assassinen nicht tragbar. Interessiert aber trotzdem keinen, weil er ja so heiß ist.

Über Noc könnte ich daher noch genauso viele wutentbrannte Pamphlete schreiben, wie das Buch lang ist, aber das spare ich mir dann doch. Wenn man diesen Typen mal wegdenkt, hat der Rest eigentlich echt Spaß gemacht zu lesen und ich bin auch direkt interessiert, den nächsten Band zu lesen, was mich in eine moralische Zwickmühle bringt. Inkonsequent vergebe ich daher 3,5/5 Punkten allein für den Lesespaß und die Tierwesen.

Veröffentlicht am 20.12.2020

Mein lieber Fuchs

Post mortem
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1878: Clarence Fox ist der Inhaber eines Fotostudios. Eines Tages betritt eine aufstrebende junge Sängerin seinen Laden, um ein Bewerbungsfoto machen zu lassen. Während Clarence alles vorbereitet, bekommt ...

1878: Clarence Fox ist der Inhaber eines Fotostudios. Eines Tages betritt eine aufstrebende junge Sängerin seinen Laden, um ein Bewerbungsfoto machen zu lassen. Während Clarence alles vorbereitet, bekommt die junge Dame erst einen Anfall und stirbt dann, bevor er seine Frau Mabel erreichen kann. Diese macht der plötzliche Tod der Sängerin misstrauisch. Als ehemalige Krankenschwester im Krimkrieg wird sie stutzig, als sie einen seltsamen Ausschlag entdeckt. Ist die junge Frau möglicherweise vergiftet worden? Erst gegen den Willen ihres Mannes, dann mit seiner Hilfe ermitteln die beiden älteren Herrschaften und stoßen bald auf Neid, Missgunst, unerwiderte Liebe und Rache.

Man muss der Autorin zugutehalten, dass sie wirklich sehr schön die damaligen Verhältnisse recherchiert hat und einen in das viktorianische Zeitalter mitnimmt. Mir ist natürlich auch klar, dass es damals keine der heutigen Methoden gab, den Tod von jemandem zu ermitteln. Mabel konnte nicht mal eben einen Facebookaufruf machen oder sich anderer Mittel bedienen, die heutzutage üblich sind. Von daher habe ich auch keinen Actionreißer erwartet. Aber ein bisschen spannender hätte es dann doch zugehen dürfen, irgendwie hat das Conan Doyle ja damals mit seinen Krimis auch geschafft. Mir war der Fall selbst zu banal und dass seine Lösung fast nur auf Zufall und Glück beruhte, machte das Ganze nicht fesselnder. Ich weiß nicht, ob es mit Mabel und Clarence noch weitere Fälle geben wird, aber ich hoffe in dem Fall, dass es dann nicht nur ein spannendes Bild des Zeitgeschehens geben wird, sondern auch einen Fall, der diesen Namen verdient.

Veröffentlicht am 11.12.2020

Die Hütte im Wald

Elchtage
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Johanna ist dreizehn und gerade in die siebte Klasse gekommen. Sie ist nicht die Beliebteste in der Schule, aber das war für sie immer okay, denn sie hatte ihre beste Freundin Sandra an ihrer Seite. Mit ...

Johanna ist dreizehn und gerade in die siebte Klasse gekommen. Sie ist nicht die Beliebteste in der Schule, aber das war für sie immer okay, denn sie hatte ihre beste Freundin Sandra an ihrer Seite. Mit ihr konnte sie sich immer unterhalten und nach der Schule in den Wald zu ihrer Hütte gehen. Doch seit diesem Jahr ist alles anders - Sandra ist anders. Sie möchte unbedingt dazugehören, hält sich immer bei der Clique der nervigen In-Mädchen auf. Johanna verbringt jetzt die Zeit in der Hütte allein - bis sie eines Tages auf Elche stößt. Doch die Elche sind in Gefahr, und dann sind da auch noch neue Freunde und neue Erfahrungen.

Ich mochte dieses Mädchen und ihre trockene Art zu erzählen. Johanna ist für ihr Alter ziemlich cool. Sie interessiert sich noch nicht für Jungs und ist vollkommen zufrieden, im Wald herumzustreichen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Probleme der Jugendlichen in dem Alter konnte ich sehr gut nachvollziehen. Womit ich im Endeffekt recht unzufrieden war, ist nicht die Geschichte an sich, sondern dass es zum Schluss kein wirkliches Ergebnis gab - weder was die Elche anging noch die Konsequenzen für die Jäger oder auch irgendwas in Bezug auf Johannas Eltern, die fleißig jagen gehen oder irgendetwas. So was finde ich, gerade in Jugendbüchern, eher subotimal. Klar, die Leser können sich jetzt selbst Gedanken machen, was weiter passieren könnte, aber vermutlich wird man resignieren und sagen: Alles bleibt, wie es ist. Und das gefällt mir nicht so richtig, wobei ich ansonsten wirklich Spaß beim Lesen hatte.