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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2018

Kurz, aber dennoch bedeutungsschwer

Schuldfrage
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Seit einer schwerwiegenden Erfahrung aus seiner Kindheit leidet der junge Cedric an Angstzuständen, vor allem wenn die Dunkelheit über ihn hereinbricht. Nur sein Freund kann ihm dann helfen die Situation ...

Seit einer schwerwiegenden Erfahrung aus seiner Kindheit leidet der junge Cedric an Angstzuständen, vor allem wenn die Dunkelheit über ihn hereinbricht. Nur sein Freund kann ihm dann helfen die Situation zu meistern, auch wenn dieser nicht weiß woher seine Probleme kommen.

Niemals wird der Landstreicher Mika vergessen, was vor so vielen Jahren geschehen ist. Die Schuld lastet auf ihm und erscheint ihn erdrücken zu wollen. Hilfe findet er bei einer älteren Frau, die ihn in ihrem Haus duldet und unterstützt.

Alles hängt irgendwie zusammen und als Mika zufällig Cedric begegnet, stürzt seine Mauer ein, die er errichtet hat um mit der Schuld leben zu können und ihm wird seine Tat abermals bewusst...

Obwohl die Geschichte sehr kurz und strukturell einfach gehalten ist, sind mir Cedric und Mika sofort ans Herz gewachsen. Man lernt einige Seiten an ihnen kennen und kann eine Entwicklung ausmachen. Die Zerrissenheit zwischen Schuld und dem Wunsch nach Vergebung macht Mika sehr menschlich, trotz seiner Tat, und ihren Konsequenzen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Cedric tut einem einfach nur leid. Er ist ebenso gefangen zwischen seinen Gefühlen, die er nie verarbeiten konnte. Es geht hierbei um ein ernstes Thema, welches meiner Meinung nach allerdings nicht ausreichend ausgearbeitet wurde, was dem Buch aber keinen Abbruch tut. Denn trotz Kürze sind die Szenen bedeutungsschwer und bleiben im Kopf, da sie sehr emotional und authentisch geschrieben sind und einen sofort einnehmen.

Ein emotionales, bedrückendes Buch, das ein schwieriges Thema interessant und überzeugend darstellt, sofern das bei einer Kurzgeschichte möglich ist.

Veröffentlicht am 24.06.2018

Zu oberflächlich

Madness
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Die junge Alice fühlt sich von der kalten unnahbaren Verhalten ihres Vaters vor den Kopf gestoßen und versucht auf ihre eigene Art und Weise gegen ihn zu rebellieren. Eines Abends landet sie mit ihren ...

Die junge Alice fühlt sich von der kalten unnahbaren Verhalten ihres Vaters vor den Kopf gestoßen und versucht auf ihre eigene Art und Weise gegen ihn zu rebellieren. Eines Abends landet sie mit ihren Freundinnen auf einer illegalen Party und trifft dort auf einen seltsam wirkenden Hasen, der mit einer tickenden Uhr vor ihr flüchtet. Als sie ihm folgt, fällt sie versehentlich in einen großen Kaninchenbau und findet sich in einer ihr völlig fremdartigen Welt wieder. Dort trifft sie auf seltsame Geschöpfe, verliert ihr Herz und trifft auf die eine Person, nach der sie sich schon seit ihrer Kindheit sehnt.

Die Geschichte ähnelt dem Werk Alice im Wunderland, wie auch schon der Titel und der Klappentext andeuten, dennoch hat sie viele besondere Eigenheiten und innovative Ideen. Alice ist einerseits typisch Alice, andererseits besitzt sie einen eigenen Charme und sieht die Welt anders, allein schon aufgrund ihrer Rebellion gegen Autoritätspersonen. Sie wirkt wie ein Mädchen, dass sich in der heutigen Welt noch finden muss und dabei viel Neues ausprobiert, quasi wie eine typische Jugendliche. Das ändert sich jedoch als sie in das Wunderland kommt und dort auf seltsame Lebewesen stößt. Es gibt zwar die obligatorischen Wesen wie Hutmacher, Raupe und Grinsekatze, aber sie unterscheiden sich schon beträchtlich. Vor allem da das Wunderland ganz im Stil des Steampunks gestaltet ist und dadurch sehr mechanisch und technisch wirkt. Diese neuen Ideen und tollen, fantastischen Beschreibungen waren genial und konnten mich faszinieren. Auch die Story weicht ein ganzes Stück vom Original ab. Obgleich der Sprachstil sehr fantastisch und wundersam ist, konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. Zwischendurch fand ich sie langweilig und langatmig, da durch die ganzen Beschreibungen der Fortgang der Geschichte aufgehalten wurde und dadurch insgesamt nicht viel (Spannendes) geschieht. Die Charaktere waren zu oberflächlich und eintönig ausgearbeitet und eine Charakterentwicklung war kaum vorhanden. Mir fehlte da mehr Hintergrundgeschichte und allgemein mehr Handlungen, die Spannung und Interesse erzeugten. So leider nicht überzeugend, auch wenn die Hauptidee super ist!

Veröffentlicht am 22.06.2018

Trotz der emotionalen Thematik nicht überzeugend

For Good
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Charlie hat eine der schlimmsten Erfahrungen gemacht, die ein Mensch machen kann. Sie hat einen geliebten Menschen aus ihrem Leben verloren, der ihr mehr bedeutete als sonst jemand. Nun muss sie mit den ...

Charlie hat eine der schlimmsten Erfahrungen gemacht, die ein Mensch machen kann. Sie hat einen geliebten Menschen aus ihrem Leben verloren, der ihr mehr bedeutete als sonst jemand. Nun muss sie mit den Folgen des plötzlichen Todes lernen das Leben wieder neu zu entdecken. Doch das misslingt ihr, da sie jede Sekunde in ihrer Trauer versinkt, bis die Trauer sie erdrückt und sie daraufhin eine schwere und gefährliche Entscheidung trifft.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird die aktuelle Situation von Charlie dargestellt und als Leser bekommt man intensiv mit wie sie sich fühlt, was sie denkt und wie stark sie darunter leidet. Im zweiten Teil wird die Geschichte von Charlie und Ben erzählt, vom Kennenlernen bis zu dem unglücklichen Geschehnis, dass alles für immer verändern wird und so plötzlich und brutal in ihre alltägliches Leben einbricht, dass man es kaum fassen kann. Obwohl mir solche Geschichten meistens zusagen und mich emotional berühren und überzeugen, war dies hier leider nicht so. Irgendwann hat mich Charlie nur noch genervt, weil ihre Gedanken ununterbrochen um Charlie kreisen, als gäbe es nichts und niemand anderen mehr. Einerseits verständlich, aber es wiederholte sich so oft, dass ich die Passagen als langweilig und unnötig empfunden habe. Mit der Vergangenheit von Charlie und Ben war es andersherum. Das Kennenlernen empfand ich als sehr öde und langweilig, aber nach und nach konnten mich eben diese Situationen total einnehmen und zum Schluss konnte ich dann auch mitfühlen und Charlies Verlust teilweise nachempfinden. Davor war das Buch leider gar nicht mein Fall und ich bin enttäuscht davon, da ich mir viel mehr erhofft hatte.

Veröffentlicht am 22.06.2018

Was für eine atemberaubende Geschichte!

Spiegelbrüder
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Tiefgründig, ernst, zerstörerisch

Wie oft kann jemand gebrochen werden, bis er ganz zerbricht?

Die beiden eineiigen Zwillinge Léan und Jaron werden seit dem Tod ihrer Mutter von einem Kinderheim ins ...

Tiefgründig, ernst, zerstörerisch

Wie oft kann jemand gebrochen werden, bis er ganz zerbricht?

Die beiden eineiigen Zwillinge Léan und Jaron werden seit dem Tod ihrer Mutter von einem Kinderheim ins nächste geschoben, bis der renommierter Psychologe Vincent Bennett auf die beiden aufmerksam wird und seine Experimente an ihnen durchführt. Nach anfänglicher Begeisterung der Jungs wendet sich der Charakter Bennetts und einer von ihnen entkommt nur knapp dem Tod, nach tagelanger Folterungen, die keiner bemerkt. Schwer traumatisiert werden die Jungen in das St. James Parish nach Louisiana gebracht, dessen Leiter Reverend Blake Bennett der Bruder des Psychologen ist und versucht wiedergutzumachen, was sein Bruder ihnen antat. Doch das soll noch nicht das Ende des Albtraums für die Jungs sein, denn es kommt noch schlimmer und langsam verlieren sie sich gegenseitig Stück für Stück.

Das Buch ist einfach nur wow! Ich war sofort gefesselt und gebannt und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Jede Seite, jede Zeile ist so intensiv und erschafft einen Sog, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Die Hintergründe der auf den ersten Blick recht überschaubaren Geschichte werden noch so komplex und stark miteinander verkettet, dass man es kaum glauben will was für Abgründe sich in diesen Hintergründen auftun und was sich für folgenschwere Ereignisse aus der Vergangenheit für die Zukunft ergeben. Ein übernatürlicher Hauch liegt über allem, besonders die Beziehung der Bruder und Leáns Visionen bringen das Ungewisse in die Geschichte und dadurch einen Hauch von Schicksal. Das hat mir sehr zugesagt und am Ende kann man diese Visionen auch einer Person zuordnen. Anfangs fiel es mir schwer mit den ganzen Charakteren zurechtzukommen, da doch viele auf einmal erschienen und die Bennetts mit ihren Nachnamen ein Chaos in meinem Kopf angestellt hat,der nach und nach aber verschwunden ist, wenn man einen Überblick über alle erhalten hat. Neben dem Sog und der Tiefgründigkeit hinter der gesamten komplexen Geschichte, spielen tiefgreifende und auch zerstörerische Gefühle eine besondere Rolle, vor allem Schuld wird hier groß geschrieben und schwingt oft mit. In den Ecken verstecken sich noch so viele Geheimnisse die man einerseits ergründen möchte, andererseits aber nicht weiß wie schlimm die Offenbarung sein wird. Es ist oft ein Hin und Her zwischen zarten, liebevollen Gefühlen, Gedanken, Handlungen und brutalen, alles zerstörende Taten. Die Sprache ist in gewisser Weise wild,oft rau, hart und schonungslos. Man stößt sich schnell an ihr, weil sie besonders ist und bedeutungsschwer. Es tauchen viele vulgäre Bezeichnungen auf, vor allem in Bezug zu Sexuellem. Das tut der Geschichte allerdings keinen Abbruch, sondern lässt sie authentisch wirken.

Eine emotionale Achterbahnfahrt par excellence mit harten, brutalen, zerreißenden Szenen, schonungslosen Charakteren und einer unbezwingbaren Bruderbeziehung, die allem trotzen wird.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Sehr ausdrucksstark

milk and honey - milch und honig
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Rupi Kaur entführt den Leser in zahlreiche Gedichte zu den Themen Schmerz, Liebe, Zerbrechen und Heilen, die in dieser Reihenfolge durchaus Sinn machen und dessen Zusammenhänge sich wie ein roter Faden ...

Rupi Kaur entführt den Leser in zahlreiche Gedichte zu den Themen Schmerz, Liebe, Zerbrechen und Heilen, die in dieser Reihenfolge durchaus Sinn machen und dessen Zusammenhänge sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Die Gedichte sind wie kleine Geschichten, die einerseits traurige, enttäuschende und schmerzvolle Themen ansprechen, die jedoch nicht weniger wahr oder unaufrichtig scheinen, da sie, wie ich zumindest den Eindruck habe, aus (einigen) Erfahrungen der jungen Autorin stammen und dadurch absolut authentisch, überzeugend und ergreifend sind. Andererseits werden ebenso positive Gefühle wie Hoffnung, Loslösung von den schmerzlichen Erfahrungen und die Selbstfindung und Unabhängigkeit beschrieben, die Mut geben und Freiheit und Unbeschwertheit vermitteln.

Die Sprache bringt die zu erzählenden Inhalte direkt auf den Punkt mit klaren und schonungslosen Ausdrücken, die bedeutungsschwer in Erinnerung bleiben und sich gerne immer wieder lesen lassen. Für die Aufrichtigkeit,die Ehrlichkeit und das Teilen ihrer Gedanken und Gefühle, die ihr möglicherweise schwer auf dem Herzen lagen, danke ich der Autorin.