Ein fesselndes Krimidebüt, das unter die Haut geht
Mord in eiskalter NachtDie bekannte Fernsehmoderatorin Kira Westerlund wird nach einer rauschenden Party ermordet in ihrem eigenen Ehebett aufgefunden, geknebelt und mit einer Plastiktüte erstickt. Die Kriminalkommissarin Leena ...
Die bekannte Fernsehmoderatorin Kira Westerlund wird nach einer rauschenden Party ermordet in ihrem eigenen Ehebett aufgefunden, geknebelt und mit einer Plastiktüte erstickt. Die Kriminalkommissarin Leena Victor wird zunächst von den Ermittlungen ausgeschlossen, da sie selbst unter den Gästen der Feier war und als befangen gilt. Trotzdem beginnt sie, auf eigene Faust zu ermitteln.
Dies ist der Reihenauftakt zu der neuen Krimireihe rund um die Kriminalhauptkommissarin Leena Victor, die in Helsinki ermittelt. Band zwei "Tod in heller Sommernacht" erscheint Ende Juli 2026.
"Mord in eiskalter Nacht" hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Im Mittelpunkt stehen Mika Levin, Kira Westerlund, Lilli Rosengard, Leena Victor und Leenas Schwester Hanna. Allesamt Figuren, die durch ihre Tiefe und Menschlichkeit überzeugen. Jede von ihnen trägt ihr eigenes Päckchen, was sie umso greifbarer macht. Besonders die Beziehung zwischen Leena und ihrer Schwester Hanna hat mich berührt, zwei Frauen, die trotz harter Kindheit und unterschiedlicher Persönlichkeiten ein enges Band verbindet.
Leena Victor, die als Kriminalkommissarin ermittelt, kämpft nicht nur gegen äußere Widrigkeiten, sondern auch mit den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit. Ihr Vater, selbst Polizist und Alkoholiker, soll Selbstmord begangen haben, doch Leena glaubt nicht daran. Lilli Rosengard wiederum, die an Bulimie leidet und mit ihrer schwierigen Lebenssituation kämpft, ist eine Figur, die einem sehr nahegeht. Und auch das Opfer, die Fernsehmoderatorin Kira Westerlund, wird so eindringlich geschildert, dass man ihre letzten Tage fast miterlebt. Hanna letztlich, eine erfolgreiche Schauspielerin, kämpft für die Wahrheit.
Besonders beeindruckt hat mich, dass der Kriminalroman nicht nur spannend erzählt ist, sondern auch gesellschaftskritische Themen anspricht. Tabus wie Essstörungen, Alkoholismus, Suizid, familiäre Traumata, Machtmissbrauch oder der Druck durch öffentliche Erwartung werden realistisch und sensibel behandelt, ohne den Lesefluss zu bremsen. Dadurch gewinnt der Krimi eine Tiefe, die ihn von vielen anderen unterscheidet.
Auch wenn die Ermittlungen erst nach dem Prolog einsetzen und zunächst die letzten Tage des Opfers geschildert werden, mindert das die Spannung in keiner Weise. Im Gegenteil, die Atmosphäre wird dichter und intensiver, sodass man regelrecht in die Geschichte hineingezogen wird. Der Schreibstil von Lisa Sarah Brandstäter ist angenehm, flüssig und gleichzeitig fesselnd. Man vergisst beim Lesen völlig die Zeit.
Fazit: Ein starkes und zugleich sensibles Debüt, das nicht nur Spannung, sondern auch gesellschaftliche Relevanz bietet. "Mord in eiskalter Nacht" hat mich vollkommen überzeugt, und ich freue mich schon jetzt auf weitere Bücher von Lisa Sarah Brandstäter. Das war definitiv ein Lesehighlight.