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Veröffentlicht am 11.04.2019

Endzeitszenario im Zeitraffer

Das Feuer der Erde
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Einleitung:

Titel: Das Feuer der Erde
Autor: Leo Aldan
erschienen: 01.03.2019, VA-Verlag
Genre: Krimi

Ohne den Hinweis von Leo Aldan wäre ich wohl nie auf dieses Buch gestoßen, weil Katastrophen ...

Einleitung:

Titel: Das Feuer der Erde
Autor: Leo Aldan
erschienen: 01.03.2019, VA-Verlag
Genre: Krimi

Ohne den Hinweis von Leo Aldan wäre ich wohl nie auf dieses Buch gestoßen, weil Katastrophen und Endzeitszenarien nicht ganz oben in meiner Beliebtheitsskala rangieren. Nachdem ich aber die Leseprobe gelesen hatte und mich an Dan Brown erinnert fühlte (den ich übrigens sehr gern lese), nahm ich das Buch zur Hand.

Handlung:

Dr. Georgina Finley ist Geologin und entdeckt auf einer Expedition in die Antarktis, dass die Erderwärmung deutlich weiter voran geschritten ist als angenommen. Wetterveränderungen werden deutlich, die Vulkane unter der Antarktis drohen bald auszubrechen, die tektonischen Platten beginnen sich zu verschieben und die Vernichtung der Menschheit steht kurz bevor. Sie sieht sich in der Pflicht, ihre Daten schnellstmöglich auszuwerten um die verbleibende Zeit berechnen zu können und die Medien und die Menschen zu informieren. Aber niemand hört ihr zu – im Gegenteil, Politiker und Industrielle wollen ihr eher den Mund verbieten um eine Panik zu vermeiden. Und ganz besonders ihr größter Gegner Jayden Turkov! Ein Kampf gegen Windmühlen beginnt. Erst als die Katastrophe(n) die Erde heimsuch(en)t sind sie bereit auf das zu hören, was Georgina zu sagen hat.

Meine Meinung:

Mir gefällt das Tempo der Story, welches von Anfang bis zum Ende nicht abnimmt. Man gewinnt ein bisschen den Eindruck, als befände man sich in einem Zeitraffer. An vielen verschiedenen Orten auf der Welt brechen gleichzeitig unterschiedliche Katastrophen aus – Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüche. Während des Lesens kam mir öfter der Gedanke, dass ich nicht wüsste, wohin ich zuerst sehen sollte. Und alles ist darauf zurück zu führen, dass die Antarktis abtaut – ausgelöst u.a. durch die Treibhausgase.
Georgina ist eine Frau, in die ich mich hineinversetzen kann. Sie weiß um die Situation, versteht sie vor allem und will im Grunde nur helfen. Aber niemand will ihre Hilfe. Vielmehr hat man das Gefühl, als würden die „hohen Herren“ sich belästigt fühlen und lieber sperren sie sie weg, als dass sie darüber nachdenken, ob etwas an dem wahr sein könnte, was sie sagt… Sie haben Angst vor einer Panik… bis es zu spät ist. Manchmal erscheint Georgina mir etwas zu wenig diplomatisch, ein bisschen zu vorschnell vielleicht, aber dies sei der Situation geschuldet, in der sie sich befindet.
Turkov ist eine Figur, die aalglatter und selbstgerechter nicht sein könnte. Einzig sein Profit zählt und dafür geht er über Leichen. Schade, dass er etwas zu kurz kommt. Es sind immer nur eingestreute kurze Szenen, in denen er auftaucht – obwohl er so viel Macht zu haben scheint.
Georgina hat Freunde, die – egal, was passiert – mit ihr durch dick und dünn gehen. Ich mag sie alle, eben weil sie absolut loyal sind und nicht fragen, ob etwas eine Aussicht hat, sondern immer irgendeinen Sinn in dem sehen, was sie tun.
Das Ende des Buches mag ich nicht. Es erscheint mir zu aufgesetzt, zu unglaubwürdig. Wäre Georgina am Ende gestorben, wäre sie als Heldin gegangen und es hätte für meine Begriffe besser gepasst, wenngleich natürlich auch immer jemand überleben muss, damit es weiter geht.

Der Schreibstil des Autors ist leicht zu lesen. Man kann sich ganz in die Geschichte fallen lassen anstatt sich auf lange Sätze und viele Fremdworte konzentrieren zu müssen. Ein schwieriges Thema in einen guten Roman zu verpacken ist sicherlich nicht einfach, aber hier ist es gelungen, selbst wenn der Ablauf einer solchen Geschichte in groben Zügen vorhersehbar ist.

Weil das Thema in der heutigen Zeit so präsent ist – es vergeht kaum ein Tag, an dem nichts in den Nachrichten über Umwelt, Erderwärmung und deren Auswirkungen zu hören ist – macht das Buch auch nachdenklich. Ich habe mich gefragt, wie weit ist es wirklich schon mit der Erde gekommen? Und können wir den Prozess, der ja völlig real in Gang gekommen ist, wirklich aufhalten oder zumindest verlangsamen?

Fazit:

Das Buch ist absolut lesenswert, spannungsgeladen und temporeich. Man kann die Leidenschaft spüren, mit der der Autor geschrieben hat. Vielleicht wirkt es an mancher Stelle etwas pathetisch, aber möglicherweise auch nur, weil das Drama Umwelt tatsächlich viel zu sehr unterschätzt wird.
Leser, die Endzeitszenarien und Romane über Katastrophen mögen, sind hier bestens beraten. Und für alle anderen gilt: einfach rein lesen, es lohnt sich auf jeden Fall!

Veröffentlicht am 07.04.2019

Krimi mit Gänsehautpotential

Der lange Atem der Vergangenheit
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Einleitung

Titel: Der lange Atem der Vergangenheit
Autor: Val McDermid
erschienen: 2015
Verlag: Droemer HC
Genre: Kriminalroman

Ich lese seit langem immer wieder Romane von Val McDermid und bin ...

Einleitung

Titel: Der lange Atem der Vergangenheit
Autor: Val McDermid
erschienen: 2015
Verlag: Droemer HC
Genre: Kriminalroman

Ich lese seit langem immer wieder Romane von Val McDermid und bin jedes Mal aufs Neue begeistert über ihre Art zu schreiben und ihr Können den Leser glauben zu lassen, all das, was sie schreibt, sei echt. Nicht zuletzt dürfte dieses Können auf ihr journalistisches Vorleben und ihre akribischen Recherchen zu ihren Themen zurück zu führen sein. Und natürlich den Umstand, dass sie tatsächlich dicht an der Wahrheit schreibt. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an das Buch.

Handlung

Auf einer verlassenen Schule in Edinburgh wird ein Skelett mit einem Einschussloch im Kopf gefunden. Wie lange es dort liegt, weiß zunächst niemand, aber auf jeden Fall ruft dies DCI Karen Pirie von der Historical Case Unit auf den Plan. Diese beginnt gemeinsam mit ihrem Kollegen Jason Murray und der Anthropologin River Wilde mittels der ausgesprochen wenigen Anhaltspunkte, die nach so langer Zeit bleiben, in der Vergangenheit zu forschen. Es dauert eine ganze Weile, bis Karen den Toten zweifelsfrei identifizieren kann um dann in dessen Vergangenheit das Motiv für den Mord zu finden.

In Den Haag am Strafgerichtshof arbeiten zeitgleich die beiden Anwälte Macanespie und Proctor an der Aufklärung diverser Morde an Kriegsverbrechern aus den Balkankriegen. Es scheinen Morde aus Rache zu sein. Sie kommen nicht recht voran bis sie einen neuen Chef bekommen, der den beiden Dampf macht und Ergebnisse sehen will.

Maggie Blake ist Professorin für Geopolitik an der Universität von Oxford, welche viele Bücher und Berichte über die Balkankriege in den 90er Jahren veröffentlicht hat. Bedingt durch erste Ermittlungsergebnisse gerät sie in das Visier von Pirie. So wird sie eine Anlaufstelle für Karen, weil sich diese dort fundiertes Hintergrundwissen erhofft. Dass der Fall sehr persönlicher Natur für Maggie werden wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Meine Meinung

Anfänglich kommen einem als Leser die Fakten, die angeboten werden, recht unsortiert vor. Aber schon ziemlich schnell wird klar, dass jedes Faktum einen bestimmten Grund hat und an einer anderen Stelle eine Frage beantworten wird.

DCI Karen Pirie hat die HCU unter sich. Mit ihrem direkten Kollegen Jason Murray arbeitet sie ständig zusammen, obwohl sie von seiner fachlichen Leistung nicht wirklich überzeugt ist. Aber einerseits ist er ein sehr williger Mitarbeiter und andererseits schafft er es gelegentlich doch, sie von sich zu überzeugen. Ich mag das Zusammenspiel der beiden, weil ihr Verhältnis tatsächlich rein dienstlich bleibt. Val McDermid schafft es hier glänzend das Chef – Mitarbeiter – Gefüge zu beschreiben ohne dabei große Worte zu verschwenden. Es fügt sich einfach ein. Pirie hat viel Erfahrung auf dem Gebiet der alten Fälle und weiß genau wo sie ansetzen muss um erfolgreich zu sein. Darüber hinaus ist sie erfahren im Führen von Verhören, sodass sie die Informationen bekommt, die sie braucht. Zu den anderen Figuren ist sie meist distanziert genug, als dass man ihr die toughe Polizistin abnimmt. Nur manchmal, ganz selten, merkt man, dass sie doch Gefühle hat.

Macanespie und Proctor machen anfänglich auf mich den Eindruck der klassischen Schreibtischhelden. Eigentlich sollen sie in den Fällen des Balkankrieges ermitteln und die Kriegsverbrecher vor den Strafgerichtshof in Den Haag bringen. In letzter Zeit wird dies allerdings allzu oft vereitelt, weil ein „Rächer“ ihnen zuvor kommt und die Verbrecher ihrer vermeintlich gerechten Strafe zuführt. Da die beiden ebenfalls wenig Mitleid mit diesen Menschen haben, sind ihre Bemühungen nicht besonders groß, den Täter aufzuspüren. Bis Wilson Cagney ihr neuer Chef wird. Dieser will endlich Ergebnisse sehen und macht dies auch sehr deutlich. Unter seiner Führung verändern sich Macanespie und Proctor. Ist Proctor anfangs eher der unterwürfige Mitarbeiter, der alle gestellten Aufgaben brav erledigt hat, ist Macanespie derjenige, der nur das Nötigste tut. Aufgrund der gebotenen Eile und des Drucks wird aus Macanespie ein wahres Energiebündel. Er will unbedingt Aufklärung schaffen - insbesondere nachdem sie auf Karen Pirie gestoßen sind. Man bekommt den Eindruck, als würde ab jetzt ein Wettlauf zwischen den Behörden stattfinden. Jeder will nicht besonders viel von seinen eigenen Ermittlungen preisgeben und braucht doch die Hilfe des Anderen. Das Zusammenspiel zwischen Karen und Macanespie ist konfliktgeladen, obwohl dieser Konflikt nie wirklich ausgetragen wird. Aber es schwelt zwischen ihnen.

Maggie erzählt im Laufe des Buches ihre ganz eigene Geschichte. Es ist die Geschichte zwischen ihr und General Dimitir – Mitja – Petrovic. Sie lernt ihn in Dubrovnik kennen und kurz danach bricht der Krieg aus. In der Geschichte innerhalb der Geschichte werden so viele Emotionen und Hintergrundwissen verarbeitet, dass sich das Geschriebene wie ein Kriegstagebuch liest. Interessant finde ich, dass die Tagebuchnotizen und die Ermittlungen von Pirie sich irgendwann treffen. Und dann ändert sich Maggies Ton plötzlich ganz gewaltig. Maggie ist generell ein emotionaler Mensch, der gut und gern in Wut ausbrechen kann, aber ebenso herzerweichend weinen kann. Maggie erschien mir anfangs als eine eher zerbrechliche Frau, im Verlauf der Handlung entwickelt sie sich jedoch zu einer starken Persönlichkeit. Ich mag solche Figuren, die sich weiter entwickeln sehr.
Mitja hat zwei Gesichter: einerseits ist er der harte, strukturierte General, andererseits der liebende Mann. Wie diese Gegensätzlichkeit aus der Sicht unterschiedlicher Personen dargestellt wird, ist beeindruckend.

Ich mag Geschichten, in denen so nach und nach die Vergangenheit ans Tageslicht kommt, bei denen man „mitraten“ kann, was als nächstes passieren wird. Val McDermid gelingt es meisterhaft mit den Fragen ihrer Leser zu spielen. Oftmals hat man das Gefühl, dass sie genau wusste, welche Fragen ich mir beinahe zwangsläufig stellen muss. (ich habe sie sogar notiert um sie nicht zu vergessen… ) Andere Fragen werden – wie absichtlich – erst sehr spät beantwortet. Hinweise auf den Täter streut sie nur spärlich ein, dennoch hat der Leser die Chance vor der letzten Seite dahinter zu kommen.
Am Ende des Buches sind alle Fragen beantwortet.

Ihr Schreibstil ist wie immer flüssig, ihre Beschreibungen der Örtlichkeiten und Menschen prägnant. War man einmal in Schottland, könnte man die Augen schließen und sähe ihr Schottland vor sich. Sie verliert sich niemals in Details und überlässt es so ihrem Leser sein eigenes Bild zu erschaffen.

Ihre Erzählung der Balkankriege wirkt absolut authentisch. Das macht das Buch einerseits glaubwürdig, andererseits jagt es einem aber auch Schauer über den Rücken, wenn man bedenkt, dass vieles von dem sie berichtet, tatsächlich so passiert ist. Sie nutzt für ihre Recherchen ihr riesiges Netzwerk und das merkt man auch. Ihre Beschreibungen über die Arbeit der Polizei und die Erzählung selbst verschaffen einem fast den Eindruck, als sei sie selbst dabei gewesen. Laut ihrer Danksagung hat eine Freundin sie mit Hintergrundinformationen über den Balkan versorgt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie die Vorlage für die Maggie Blake ist.

Fazit

Dieses Buch ist ein Muss für jeden der gute Kriminalromane liebt. Val McDermid hat mich durch die lebhafte Schilderung der Balkankriege einmal mehr beeindruckt. Sie gewährt dem Leser einen Blick hinter die Kulissen der Berichterstattung. Schon deshalb ist dieses Buch empfehlenswert. Darüber hinaus versteht sie es gekonnt bis zum Schluss Zweifel über den Täter und sein Motiv zu streuen und die Spannung dauerhaft hoch zu halten. Ich fühlte mich von der ersten bis zur letzten Seite ausgesprochen gut unterhalten. Deshalb: 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Gelungene Fortsetzung einer großen Familiengeschichte

Möge die Stunde kommen
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Einleitung:

Titel: Möge die Stunde kommen
Autor: Jeffrey Archer
erschienen: 2016
Genre: Historischer Roman
Zeitraum: 1970 - 1978

Der Prozess zum Anfang des Buches ist die perfekte Überleitung ...

Einleitung:

Titel: Möge die Stunde kommen
Autor: Jeffrey Archer
erschienen: 2016
Genre: Historischer Roman
Zeitraum: 1970 - 1978

Der Prozess zum Anfang des Buches ist die perfekte Überleitung von Band 5 zu Band 6. Als ich am Ende des 5. Teils mitten im Prozess das Buch zuklappen musste, lag nichts näher, als unbedingt den 6. Teil zu lesen. Jeffrey Archer versteht es vortrefflich an der spannendsten Stelle aufzuhören um genau dort auch wieder einzusetzen.
Meine Erwartungshaltung an den 6. Teil war entsprechend hoch.

Handlung:

Zum Auftakt steht Emma Clifton wegen des Verleumdungsprozesses, den Virginia Fenwick gegen sie angestrengt hat, wieder im Gerichtssaal. Obwohl Virginia der Meinung ist, dass sie den Prozess so gut wie gewonnen hat und sie Emma endlich den wirtschaftlichen und persönlichen „Todesstoß“ verpassen kann, gewinnt Emma den Prozess. Nach diesem Prozess nimmt sie ihren Platz als Vorstandsvorsitzende bei Barringtons wieder ein. Später wird sie auch Mitglied eines Klinikbeirates in dem sie in der Folge zur Vorsitzenden wird. Zusätzlich nimmt sie ein Engagement als Mitglied des Parteiausschusses der Torries an und wird damit zur politischen Gegnerin von Giles. Aber Margaret Thatcher ist ihre Favoritin, die sie aktiv unterstützen will.

Harry Clifton widmet sich in diesen Jahren intensiv der Schreiberei. Seine Bücher werden erfolgreich in den USA verlegt und er schafft es mit jedem Buch auf die Bestsellerlisten. Vor allem Anderen versucht er jedoch das Buch „Onkel Joe“ des russischen Autors Anatoli Babakow in den USA verlegen zu lassen. Dies erweist sich als sehr schwierig und wieder einmal hat Harry es mit den Behörden zu tun und landet sogar im russischen Gefängnis.

Giles Barringtons politische Karriere ist geprägt von Skandalen und vielen Höhen und Tiefen. Eine Zeitlang scheint es, als müsse er seine politische Karriere ganz beenden. Da er aber beliebt und ein fähiger Politiker ist, landet er trotz allem immer wieder auf den Füßen und schafft es bis zum Leader of the Lords – dem Führer des Oberhauses. Privat ist er mit der Deutschen Karin Brandt liiert, die er heiratet. Es sieht so aus, als hätte er nach 2 gescheiterten Ehen endlich die Frau gefunden, mit der er glücklich wird. Aber Karin birgt ein dunkles Geheimnis, um das Harry weiß und ihn in einen inneren Konflikt stößt.

Sebastian Clifton macht Karriere. Nachdem Samantha ihn verlassen hat, arbeitet er teilweise exzessiv im Vorstand der Farthings Bank. Sein ärgster Feind Adrian Sloane erschleicht sich den Vorstandsvorsitz, doch schon bald kann Sebastian ihn mithilfe eines fremden Geschäftsmannes – Hakim Bishara – aus dem Unternehmen drängen. Bishara und Sebastian werden nicht nur Kollegen sondern auch Freunde, die sich vielen Problemen gegenüber sehen.
Privat hat Sebastian zunächst wenig Glück. Das indische Mädchen Priya Ghuman hat es ihm angetan, doch diese soll verheiratet werden. Bei dem Versuch, sie aus Indien zurück nach England zu entführen, wird Priya erschossen. In den USA hat er seine Ex-Verlobte Samantha und ihre gemeinsame Tochter Jessica ausfindig gemacht. Nach dem Tod von Sams Ehemann schafft es Jessica mit viel Witz, Intelligenz und Charme ihre Eltern wieder zu vereinen und diese sogar zur Hochzeit zu bewegen.

Virginia Fenwick entwickelt sich nachhaltig zu einer Intrigantin, die allen, die in ihrer Nähe sind, das Leben schwer macht. Stets auf ihren eigenen Vorteil bedacht, nutzt sie jede Gelegenheit ihren ausschweifenden Lebensstil mit fremdem Geld zu finanzieren. Darüber hinaus verfolgt sie nach wie vor das Ziel Emma zu stürzen und Giles‘ Karriere zu ruinieren.

Meine Meinung:

Emma und Harry Clifton nehmen in diesem Teil des Buches deutlich weniger Platz ein, als in den 3 vorangegangenen Teilen. So manche Entwicklung in ihrem Leben wird zwar erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt. Das fand ich einige Male schade, weil ich glaube, dass dort noch mehr Geschichte hätte liegen können. Zum Beispiel wird Emma zu Giles‘ politischer Gegnerin, aber dies kommt überhaupt nicht weiter zum Tragen, obwohl hier sicherlich Interessenskonflikte zu erwarten gewesen wären.
Emma arbeitet viel und man fühlt mit ihr, aber offensichtlich hat sie endlose Energie, denn nie beklagt sie sich oder fällt aus. Aber die eigentliche Arbeit kommt in dieser Geschichte etwas kurz. Darüber hinaus hat jeder von uns auch schlechte Tage. Emma nicht! Man fühlt sich bisweilen etwas entfremdet. Bisher waren Emma und Harry die Hauptfiguren für mich, jetzt hat sich eine gewisse Distanz aufgebaut und ich hatte das Gefühl, als sollte ich an ihrem Leben nicht mehr so intensiv teilnehmen.

Über Harry erfahren wir diesmal wie er versucht das Buch „Onkel Joe“ in den USA verlegen zu lassen und mit welchen Schwierigkeiten er dabei konfrontiert wird. Allerdings erscheint mir dieser Handlungsstrang sehr weit hergeholt. Dass sich ein Mensch mit fotografischem Gedächtnis eine Liste mit Namen merken kann, ist für mich nachvollziehbar. Dass er sich ein ganzes Buch merken kann, welches er vom Autor in 3 Tagen erzählt bekam, und aus dem Kopf aufschreibt, halte ich aber doch für eher unglaubwürdig. Darüber hinaus kann ich mir nicht vorstellen, dass die Russen ihn ausgerechnet mit dem Autoren in eine Zelle setzen würden.
Kurz vor der Verleihung des Nobelpreises stirbt Babakow und bis zum Ende des Buches wird nicht klar, ob er wirklich eines natürlichen Todes gestorben ist oder ob er umgebracht wurde. Ich könnte mir letzteres gut vorstellen. Jelena Babakowa nimmt den Nobelpreis stellvertretend für ihren Mann in Empfang und Harry hält eine Rede vor dem Publikum in Gedenken an Babakow. Diese Rede brachte mir mit ihrer Gefühlsgewalt eine Gänsehaut. Sie hat mich tief berührt und der letzte Satz dieser Rede wird mir wohl im Gedächtnis bleiben: „Die Feder ist stärker als das Schwert!“ Mit diesem Satz löste Harry auch und gerade im russischen Volk etwas aus. Wo immer er hinkam hielten Menschen in stummem Protest einen Stift in Höhe. Das erinnerte mich daran, dass gerade die stummen, immer wieder kehrenden Proteste es sind, die am Ende ihr Ziel erreichen.
Trotz aller Fiktion war diese Episode spannend beschrieben und ich habe mit Harry und Anatoli mitgefiebert, ob Harry es schafft.

Über das Privatleben von Harry und Emma erfährt man bedauerlicherweise nicht mehr viel. Konflikte scheint es in ihrer Beziehung nicht zu geben und als Leser stellt man sich die Frage, ob möglicherweise für Konflikte im Privaten gar keine Zeit mehr ist.

Maisie Clifton wird 70. Diese Gelegenheit nutzt der Autor um eine Rückblende auf die ersten Teile zu schreiben. Das gefiel mir ausgesprochen gut und ich fand sie am Anfang des Buches gut platziert. Mir hat dieser Rückblick geholfen mich zu erinnern, aber ich denke, für jemanden der die ersten Teile nicht gelesen hat, reicht sie nicht aus. Ich habe mich auch gefreut, überhaupt etwas von Maisie zu lesen. Sie war in den letzten beiden Teilen überhaupt nicht mehr präsent, obwohl ich diese Figur wegen ihrer Stärke wirklich mochte. Die Geburtstagsfeier ist überaus lebendig beschrieben, sodass der Leser das Murmeln der vielen Gespräche beinahe hören kann.
Später stirbt Maisie und ich habe mit Harry geweint und getrauert. Einmal mehr hat Jeffrey Archer nicht mit Gefühl gespart. Die bedrückte Stimmung war spürbar insbesondere durch die emotionale Rede, die Harry hält. Ich habe mich am Ende des Buches gefragt, ob Jeffrey Archer während seiner Zeit als Politiker auch solche Reden gehalten hat.

Giles Barringtons Karriere erfährt durch die Veröffentlichung des Briefes, der Emma zum Freispruch verhilft, zunächst einen Knick. Dennoch muss er der Politik nicht gänzlich den Rücken kehren. Dies hätte ich auch außerordentlich bedauert, denn er ist einerseits ein Sympathieträger und andererseits wäre er für Virginia Fenwick nicht mehr angreifbar. Er ist nicht frei von Skandalen, aber seinem Ruf schadet dies nie lange. Im Gegenteil, eben diese Vorfälle machen ihn menschlich und für den Leser glaubwürdig.
Einer seiner Skandale heißt Karin Brandt, eine junge Deutsche aus der DDR, die er bei einer Reise dorthin kennen- und lieben lernt. Dass die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen, habe ich lange bezweifelt. Karin ist Stasiagentin, die auf Giles angesetzt ist. Als Karin vom MI6 enttarnt wird, wird sie als Doppelagentin angeworben. Ein interessantes Katz- und Mausspiel beginnt, welches für meine Begriffe deutlich mehr Potential gehabt hätte. Leider erfährt der Leser zu wenig darüber. Gleichzeitig vertiefen sich ihre Gefühle für Giles und ich hätte mir gewünscht, dass Giles eines Tages hinter ihr Geheimnis kommt und ihr dennoch vergibt. Insgesamt hatte ich gehofft, dass dieser Handlungsstrang intensiver würde. Mich hätten die persönlichen Konflikte interessiert, die Karin mit sich und Giles gegenüber auszustehen hatte, wie sie sich immer wieder herauswindet um nicht ertappt zu werden usw. Auch habe ich mir immer die Frage gestellt, wie Karin überhaupt zur Stasi gekommen ist. Bis zum Ende bleiben die Verstrickungen von Stasi, MI6 und dem Premierminister unklar.

Sebastian Clifton ist inzwischen zum Mann gereift, der seine ganz eigenen persönlichen und beruflichen Schlachten zu schlagen hat. War er im letzten Teil noch sehr jung und in der Rolle des Rebellen zu finden, hat er sich jetzt zum Businessman entwickelt, der hart an seiner Karriere arbeitet. Er sieht sich den gleichen Feinden wie seine Mutter gegenüber und in Hakim Bishara findet er einen vertrauenswürdigen Mitstreiter und Freund. Interessant fand ich, wie die beiden sich kennenlernten und ich habe mich gefragt, ob beide oder zumindest einer von ihnen tatsächlich so viel Menschenkenntnis haben kann, wie notwendig gewesen sein muss. Zunächst ist die Figur Hakim Bishara nur eine Nebenrolle, die sich jedoch schnell zu einer Hauptfigur entwickelt, die sicherlich auch im nächsten Teil eine Rolle spielen dürfte.
Im Privaten geht es für Sebastian drunter und drüber. Nach der Trennung von Sam war er an einer neuen Beziehung nicht interessiert – bis Priya Guhman seinen Weg kreuzt. Und weil bei den Cliftons nie etwas glatt geht, soll Priya in Indien verheiratet werden. Sebastian versucht sie in einer nervenaufreibenden Aktion nach England zurück zu entführen. Eine wirklich tolle Szene bei der man einfach nur hofft, dass sein Plan aufgehen möge. Das Tempo steigert sich teilweise ins Unerträgliche und genau in dem Moment, in dem man meint, jetzt haben sie es geschafft, kommt der große Knall. Man bedauert Sebastian und hofft, dass er sich von diesem Fehlschlag wieder erholen möge. Mit dem Schusswechsel endet diese Szene. In der nächsten Perspektive ist Sebastian wieder wohlauf und einsatzfähig. Was in der Zwischenzeit passiert, bleibt unklar.
Sebastians Tochter Jessica hat offenbar die Empathie von Maisie und die Intelligenz der Clifton-Familie geerbt, denn sie ist es, die es schafft ihre Eltern unter schwierigen Umständen wieder zu vereinen. Auch hier sind die Abfolgen spritzig, mit Wortwitz und sehr viel Charme geschrieben. Das kleine Mädchen wird zum neuen Star des Buches und man möchte noch so viel mehr über sie wissen. Hier setze ich auf Teil 7.

Jedes gute Buch braucht seine Feinde. In diesem Fall sind dies Virginia Fenwick, Adrian Sloane und Desmond Mellor. Alle drei sind daran interessiert den Cliftons und Barringtons zu schaden – egal wie. Bei jeder neuen Intrige habe ich gedacht, ihr schafft das sowieso nicht. Ich muss gestehen, dass sich so etwas wie Schadenfreude breitmachte, wann immer ihr Plan nicht aufging. Als Mellor im Gefängnis landet, habe ich gedacht „das hast Du verdient“. Die Figur der Virginia Fenwick hat sich im Laufe der Zeit auch mehr und mehr zu einer Hauptrolle entwickelt und ich vermute, dass sie auch in Teil 7 weiter ihr Unwesen treibt – gerade jetzt, da sie an allen Fronten verloren hat. Jegliche Geldquellen, auf die sie dauerhaft gesetzt hatte, sind versiegt. Ein Grund mehr, dass sie keinen Grund hat, in Teil 7 klein beizugeben.

Zum ersten Mal ist mir aufgefallen, dass Jeffrey Archer mit dem Stilmittel des offenen Endes arbeitet. In den Vorgängerromanen war dies nicht so präsent. Sowohl bei Dialogen, die mitten im Satz enden als auch in seinem Epilog. Während er bei Teil 1 bis 5 genau ein offenes Ende stehen ließ, bei dem er im nächsten Teil direkt ansetzte, hat er diesmal viele offene Enden gelassen. Ich bin sehr gespannt, wann und wie er diese vielen offenen Enden wieder aufnehmen will.

Eine Ungereimtheit, die sich aber vielleicht ebenfalls in Teil 7 klärt, ist die Frage, woher Giles plötzlich wusste, dass die Baroness Cynthia Forbes-Watson beim MI6 war. Bislang war er darüber nicht in Kenntnis und hat sich stets gefragt, welche Position sie einnimmt. Aber plötzlich im Epilog wusste er davon. Woher?

Jeffrey Archers eigene Biographie findet sich immer mal wieder in dieser Reihe. So dürfte er selbst die Vorlage für Giles Barringtons politische Karriere sein ebenso wie die für Harrys Schriftstellerei. Auch die Gefängnistagebücher aus einem früheren Teil entstammen seiner eigenen Vita. Im 6. Teil will Desmond Mellor durch Virginia Fenwick in den Adelsstand gehoben werden. Auch hier hat Archer ganz eigene Erfahrung und weiß mit Sicherheit, dass Virginia hier hätte gar nicht helfen können, selbst wenn sie es gewollt hätte. Hakim Bishara muss sich vor der Ethikkommission der Bank of England wegen Insidergeschäften verantworten. Auch diesen Vorwurf hat er selbst ertragen und vereitelt. Der Prozess gegen Emma wegen Verleumdung wird meiner Meinung nach auch auf dieses Konto gehen. Ich finde es spannend und interessant zu lesen, wie Menschen aus ihrem eigenen Leben einen solch schillernden Roman machen können. Es ist durchaus empfehlenswert sich auch einmal mit dem Menschen Jeffrey Archer zu befassen.

Fazit:

Das Buch hat mit seiner spritzigen Art meine Erwartungen erfüllt, auch wenn die Geschichte diesmal viel im Finanzwesen und in der Politik, dafür aber weniger im privaten Bereich der Familien Clifton und Barrington angesiedelt ist. Darüber hinaus findet sehr deutlich ein Generationenwechsel statt. Während der 3. bis 5. Teil von Emmas, Harry und Giles‘ Leben getragen wurden, steht diesmal eher Sebastian im Vordergrund. Die vermeintlichen Nebenfiguren nehmen mehr Platz ein, sodass sich die Geschichte aus dem Schoß der Familie nach außen verlagert.
Das Buch ist – ebenso wie seine Vorgänger - absolut lesenswert und der Schluss mit den vielen losen Enden macht Lust auf den 7. Teil. Wer die anderen Teile gelesen hat, wird dieses Buch mit ebenso viel Freude lesen. Wer die ersten Teile jedoch nicht kennt, sollte eher erst diese lesen, damit er die Zusammenhänge verstehen kann.
Da mir das eine oder andere Thema nicht ausführlich genug beschrieben ist, gibt es von mir 4 Sterne.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Zu wenig Krimi um wirklich gut zu sein

Mein ist die Rache
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Nachdem ich den 2. Teil gelesen hatte, ergab sich für mich an dessen Ende die Frage, wieso Deborah nicht Lynley sondern St James geheiratet hat, welche Vergangenheit Barbara Havers und Lynley miteinander ...

Nachdem ich den 2. Teil gelesen hatte, ergab sich für mich an dessen Ende die Frage, wieso Deborah nicht Lynley sondern St James geheiratet hat, welche Vergangenheit Barbara Havers und Lynley miteinander teilen und was es mit dem Autounfall auf sich hat, bei dem St James‘ Bein so schwer verletzt wurde. Deshalb griff ich zu Band 1 „Mein ist die Rache“ und war recht erwartungsvoll, all diese Fragen beantwortet zu bekommen.

Handlung:

Deborah kommt aus den USA nach Hause. Während ihrer Zeit dort war sie Thomas Lynley näher gekommen – so nah, dass sie sich verloben wollen. Deborahs Vater ist der Bedienstete von St James, der, nach dem Tod von Deborahs Mutter, wie ein Vaterersatz, Bruder und Onkel für Deborah war. Im Laufe der Geschichte wird allerdings klar, dass Deborah und St James deutlich mehr als nur familiäre Gefühle für einander hegen. Ein tiefer Konflikt, der aus eben diesen Gefühlen entstanden ist, verbindet und trennt die beiden gleichermaßen.
Die Verbindung zwischen Deborah und Thomas Lynley ist romantischer Natur, weshalb es nur allzu offensichtlich erscheint, dass die beiden heiraten wollen. Nicht jeder sieht dieser Verbindung jedoch wohlwollend entgegen.
Zwischen St James und Lynley schwelt aus eben diesem Grunde ein weiterer Konflikt, der aber nie wirklich ausgesprochen wird. Beide haben genug mit ihren eigenen Gefühlen dem anderen und Deborah gegenüber zu schaffen.
Zu ihrem Verlobungswochenende in Howenstow lädt Lynley neben St James auch dessen Freundin Helen sowie dessen Schwester Sidney nebst ihrem Freund Justin Brooke ein. Sein Bruder Peter und dessen Freundin Sasha kommen eher zufällig aus völlig anderen Gründen ebenfalls hinzu. Während eines relativ festen Rahmenprogramms kommt es einerseits zu offenen Konflikten und Streitigkeiten zwischen den Familienmitgliedern, die aus der Vergangenheit resultieren, und andererseits zu mehreren scheinbaren Unfällen.
Lynley ist Ermittler bei New Scotland Yard, St James labortechnischer Ermittler. Beide arbeiten seit Jahren zusammen und sind zudem die besten Freunde. Da die Verstorbenen gute Bekannte der Familie Asherton sind, ist es nur natürlich, dass Lynley und St James die Ermittlungen aufnehmen und in einem ziemlich verstrickten Fall den Täter enttarnen können.

Meinung:

Das Hauptaugenmerk des Romans liegt auf der Familie Asherton, ihren Beziehungen zueinander und deren Vergangenheit. Dem Leser wird die Familie und ihre Vergangenheit bekannt gemacht. Schnell wird klar, dass hinter der glänzenden Fassade längst nicht alles so rein ist, wie es scheint. Leider sind diese familiären Verstrickungen teilweise so verwirrend, dass es schwierig wird, der Geschichte zu folgen. Am Anfang finden sich viele Namen und kurze Handlungsstränge, die zunächst so überhaupt nicht in die Geschichte passen wollen. Es wird irgendwann schwierig, sich all das zu merken und dann wieder einzutauchen, wenn es an einem dieser Stränge weiter geht.

Für meine Begriffe kommt der erste Tod zu spät im Buch. Etwa das halbe Buch hat man gelesen, bevor es wirklich spannend zu werden scheint. Bis dahin befasst sich der Roman recht intensiv mit den unterschiedlichen Charakteren und ihren Beziehungen zueinander, aber auch hier wird oftmals nicht wirklich klar, worin die Konflikte tatsächlich bestehen. Es fiel mir schwer einen wirklich Guten oder wirklich Bösen ausfindig zu machen, denjenigen Protagonisten, mit dem ich mitfiebern wollte.
Aus diesem Grunde empfand ich das Buch anfänglich als unglaublich zäh.

Wenn eine Szene erst einmal Fahrt aufgenommen hatte, dann war sie durchaus spannend, aber viel zu schnell steckte man dann wieder in den Familienkonflikten und musste darauf warten, dass die nächste ermittelnde Szene kommt. Denn genau diese Szenen sind es ja, die einen wirklich interessieren, wenn man einen Krimi liest.

Der Schreibstil lässt sich gut lesen, die Sätze sind klar formuliert ohne große Schnörkel oder extreme Verschachtelungen. Auch verliert sich die Autorin nicht in zu vielen Details. Das England ihrer Geschichte ist gut beschrieben und sie schafft es, dem Leser ein Bild zu vermitteln, selbst wenn er selbst noch nie dort war.

Fazit:

Wer viele Hintergrundinformationen zu Thomas Lynley wünscht oder ausführliche Familiengeschichten mag, ist hier richtig. Ob diese allerdings wirklich notwendig sind, wird sich wohl erst heraus stellen, wenn man weitere Bücher aus dieser Reihe gelesen hat. Wer einen guten Krimi bevorzugt, sollte gleich bei Teil 2 anfangen.
Von meinen Fragen wurde nur eine beantwortet, nämlich die, warum Deborah St. James im Auftakt des 2. Teils heiratet. Barbara Havers taucht zwar auf, aber nur als Momentaufnahme. Ebenso wird über den Unfall, den Lynley verursacht haben soll und bei dem St James‘ Bein so schwer verletzt wurde, gar nichts berichtet.
Deshalb gibt es von mir 2 Sterne.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Gegensätzliches Ermittlerduo löst brisanten Fall

Gott schütze dieses Haus
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Eher zufällig habe ich beim Stöbern in der Onlinebibliothek den Roman „Gott schütze dieses Haus“ von Elizabeth George entdeckt und, weil er gerade verfügbar war, ausgeliehen ohne eine besonders hohe Erwartung ...

Eher zufällig habe ich beim Stöbern in der Onlinebibliothek den Roman „Gott schütze dieses Haus“ von Elizabeth George entdeckt und, weil er gerade verfügbar war, ausgeliehen ohne eine besonders hohe Erwartung daran zu knüpfen, nicht zuletzt deshalb, weil es der erste Roman von Elizabeth George war, den ich las.

Handlung:

Pater Hart bittet New Scotland Yard persönlich um Hilfe in einem Mordfall, der in einem kleinen Dorf in Yorkshire geschehen ist. Der Fall wird Inspector Lynley übertragen, der gemeinsam mit der wenig beliebten Barbara Havers ermitteln soll. Während die beiden in einem grausamen Fall von Kindesmissbrauch versuchen den Täter zu finden, lernen sie sich wie nebenbei besser kennen, was anfangs aufgrund diverser Vorurteile als unmöglich erschien.
Barbara unterstellt Lynley, er sei ein Snob und Weiberheld, der quasi schon jede Kollegin verführt hätte – außer ihr selbst natürlich. Sie fühlt sich hässlich und tut alles dafür, dass sie genau das nach außen trägt. Auch ist ein Hauch von Neid auf seine adelige Herkunft ein Grund für ihre Vorurteile gegen ihn. Immerhin entstammt sie einer völlig anderen Klasse.
Lynley hingegen weiß um Barbaras schlechten Ruf und die Tatsache, dass sie wegen persönlicher und dienstlicher Verfehlungen degradiert wurde. Und ausgerechnet er, der als einer der besten Ermittler bekannt ist, soll nun mit ihr ermitteln. Konflikte sind also vorprogrammiert.
Dennoch bringen Inspector Lynley und Sergant Havers alles Können mit, was ein gutes Ermittlerteam ausmacht. Es muss – zumindest in Barbaras Fall – nur abgefordert werden. Und Lynley scheint hier die passende Persönlichkeit zu sein.

Während der Ermittlungen stoßen Lynley und Havers auf zahlreiche Ungereimtheiten, viele Menschen, die etwas zu berichten haben, ohne dass einem sofort klar wäre, in welchem Zusammenhang die Aussagen zum Fall stehen. Überdies müssen sie sich den Anfeindungen einiger Dorfbewohner und insbesondere der ansässigen Polizei stellen, welche auch dazu führen, dass es für Lynley schwierig ist an alle Informationen und Ermittlungsberichte heran zu kommen. Schließlich ist es St. James, Lynleys bester Freund und frisch gebackener Ehemann seiner Ex-Verlobten Deborah, der ihm während seiner eigenen Flitterwochen dabei hilft, früher sichergestelltes Beweismaterial ein weiteres Mal labortechnisch zu untersuchen um zur Aufklärung des Falles beizutragen…

Bewertung:

Nachdem ich ungefähr das erste und zweite Kapitel brauchte um mich in die Welt von Lynley und Havers einzulesen, empfand ich die Protagonisten als glaubwürdig. Barbara ist mit ihrer ablehnenden Haltung zu allem zunächst überaus unsympathisch, im Verlauf der Handlung beginnt man aber zu verstehen, warum sie so denkt und handelt, wie sie es tut. Sehr langsam gewinnt sie an Sympathie oder zumindest an Verständnis.
Lynley mochte ich auf Anhieb, wenngleich er mir sehr weit weg erschien, etwas abgehoben vielleicht. Später ist es so, als würde man ihn – zusammen mit Barbara – kennen lernen.

Der Schreibstil von Elizabeth George ist angenehm zu lesen und der Handlung kann man gut folgen. Es dauert nur eine Weile bis man sich mit den vielen Nebenfiguren zurecht findet. Da der Fall in einem kleinen Dorf spielt, sind viele Dorfbewohner miteinander verwandt oder verschwägert, sodass man den Überblick über die Verwandtschaftsverhältnisse verlieren kann.
Interessant finde ich das Verhältnis zwischen den Schwestern Gillian und Roberta und ich hätte mir ein längeres Gespräch zwischen den beiden gewünscht, welches etwas mehr über ihr früheres Verhältnis zueinander und zu ihrem Vater offenbart und vielleicht auch die Frage geklärt hätte, warum Gillian Roberta nicht mitgenommen hat, da sie doch wusste, was ihr möglicher Weise bevor steht.
So grausam das Thema Kindesmissbrauch auch ist, ich finde es gut und in der Handlung nachvollziehbar beschrieben. Irgendwann, je mehr von dem ans Licht kommt, was das Opfer wirklich getan hat, kommt der Moment, in dem man beinahe froh ist, dass der Mörder es gefunden hat. Ich habe mir die Frage gestellt – auch vor dem aktuellen Hintergrund in der katholischen Kirche – ob es tatsächlich so einfach sein kann, pädophile Neigungen hinter Gottesfürchtigkeit zu verstecken.

Fazit:

Alles zusammengenommen halte ich dieses Buch für einen kurzweiligen Krimi mit einem Ermittlerduo, welches schon wegen seiner Gegensätzlichkeit für Spannung sorgen kann. Das Buch macht auf jeden Fall Lust auf den nächsten Teil.
Deshalb gibt es 4 Sterne.