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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.11.2020

Erfrischend komisch und schräg und dabei unglaublich bildgewaltig!

60 Kilo Sonnenschein
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„60 Kilo Sonnenschein“ von Hallgrimur Helgason ist im Jahr 2020 im Tropen Verlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 576 Seiten. Das Buch wurde ausgezeichnet mit dem isländischen Literaturpreis ...

„60 Kilo Sonnenschein“ von Hallgrimur Helgason ist im Jahr 2020 im Tropen Verlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 576 Seiten. Das Buch wurde ausgezeichnet mit dem isländischen Literaturpreis für den besten Roman des Jahres.

Im Zentrum der Geschichte steht zunächst die Person Eilifur. Dieser hat eine Familie mit zwei Kindern zu versorgen und lebt in äußerst ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Hütte in einsamen Island zur Zeit des Überganges vom 19. auf das 20. Jahrhundert. Um seiner Familie eine Freude zu Weihnachten zu machen, möchte er etwas Weizen besorgen. Nach seiner Rückkehr findet er jedoch nur noch seinen Sohn Gestur lebend vor. Der Leser darf nun das weitere Leben des Gestur mitverfolgen und lernt vielfältige teilweise sehr skurrile Personen kennen, die alle im kargen Island leben und den schwierigen Umständen dort trotzen.

Halligrimur Helgason erzählt die Geschichte von Eilifur und Gestur in einem langsamen Tempo mit einem ganz eigenen Humor, teilweise etwas derb, manchmal auch etwas auf die Spitze getrieben, aber auch ganz zart und feinfühlig und vor allem bildgewaltig. Mir persönlich hat dies sehr gut gefallen und ich habe die Geschichte gerne gelesen. Oft habe ich mich selbst beim Schmunzeln ertappt.
Sehr fasziniert hat es mich, wie der Autor es schafft, den Leser in die naturgewaltige Welt Islands zur damaligen Zeit eintauchen zu lassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2020

Ein Buch mit vielen wichtigen Botschaften, das leider erst in der zweiten Hälfte so richtig in Fahrt kommt

Liane und das Land der Geschichten
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Liane liebt Geschichten und Bücher über alles, ihren Namen jedoch nicht, denn wegen diesem wird sie oft von ihren Mitschülern aufgezogen. Aufgrund dieser Hänseleien zieht sie sich gerne in die Schulbücherei ...

Liane liebt Geschichten und Bücher über alles, ihren Namen jedoch nicht, denn wegen diesem wird sie oft von ihren Mitschülern aufgezogen. Aufgrund dieser Hänseleien zieht sie sich gerne in die Schulbücherei zurück und steckt ihre Nase oft tief in die spannenden Bücher. Eines Tages macht sie dort die Entdeckung eines achten Kontinentes und plötzlich tauchen dann auch noch zwei hilfesuchende Kinder dieses Kontinentes auf, die sie mitnehmen auf eine spannende und fantastische Reise. Aber mehr wird nicht verraten!

Mit ihrem Kinderbuchdebüt „Liane und das Land der Geschichten – Ein Buch über die Magie des Lebens“ ist Elif Shafak ein lesenswertes Abenteuer mit vielen wichtigen Botschaften gelungen, das im Verlag arsEdition erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 160 Seiten umfasst.

Bereits das kunterbunte und liebevoll gestaltete Cover ist ein echter Eyecatcher. Es lädt absolut zum Lesen und Träumen ein. Dafür benötigt man dann jedoch vor allem in der ersten Hälfte des Buches einen langen Atem. Viele Passagen ziehen sich in meinen Augen sehr lange durch viele Ausführungen hin und lassen einen Lesefluss zunächst nicht richtig aufkommen. Zudem wirkt die Atmosphäre anfangs sehr traurig und belastend, da Liane eine schwierige Zeit durchmacht. Sie wird gemobbt, ist oft alleine und einsam. Umso besser wird dann jedoch die zweite Hälfte des Buches. Hier wird es spannend, die Seiten fliegen nur so dahin und jetzt kommt richtige Lesefreude auf.
Manchmal hat man aufgrund des poetischen Schreibstils auch das Gefühl, man würde sich in einem echten Märchen befinden.

Sehr gefallen haben mir die vielen Botschaften, die in diesem Buch stecken. Neben der Wichtigkeit von Büchern, des Lesens und der Phantasie werden Themen wie Glück, Zufriedenheit, aber auch Ausgegrenztsein und Einsamkeit thematisiert.

Fazit: Ein Buch, das viele tolle Botschaften vermittelt, wenn man sich durch den langatmigen Anfang kämpft, das zum Nachdenken einlädt und dann leider viel zu schnell endet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2020

Schonungslos, ehrlich, schockierend, berührend

Wie ich verschwand
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„Wie ich verschwand: Mein Weg aus der Magersucht“ von Laura Jungk ist im August 2020 im Ullstein Verlag erschienen und umfasst in der Taschenbuchausgabe 432 Seiten.
Die Autorin schildert hier ihre persönliche ...

„Wie ich verschwand: Mein Weg aus der Magersucht“ von Laura Jungk ist im August 2020 im Ullstein Verlag erschienen und umfasst in der Taschenbuchausgabe 432 Seiten.
Die Autorin schildert hier ihre persönliche Geschichte um das Thema der Magersucht. Bereits mit 13 Jahren begann diese Essstörung. Laura Jungk wog an ihrem Tiefpunkt lediglich 39 Kilogramm, litt an Depressionen und Zwängen, verletzte sich selbst und ihr Umfeld musste mehr oder weniger ohnmächtig zusehen. Nach der langen Abwärtsspirale fand Laura dann wieder den Mut, sich auf einen sehr steinigen Weg nach oben zu begeben und das Schöne in der Welt zu entdecken.

Laura Jungk gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren ehrlichen, flüssig zu lesenden und ruhigen Schreibstil in den Bann zu ziehen. Sie hat mich ab der ersten Seite sehr berührt. Laura Jungk erzählt ihre Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen und verheimlicht nichts. Sie lässt den Leser in ihre Gedanken und ihr Leben, das so sehr von der Magersucht beherrscht wird, eintauchen und schafft in meinen Augen so ein gewisses Verständnis für die Krankheit. Sie sensibilisiert mit ihrer persönlichen Geschichte und ruft auf, hinzusehen, zuzuhören und nicht aufzugeben. Am Ende des Buches gibt sie wertvolle Ratschläge für Betroffene, gibt Beratungsadressen und weitere Hintergründe für die Krankheit an.
Ich bewundere ihren persönlichen Kampf, ihren Mut und ihre Kraft und hoffe sehr, dass sie weiterhin ihren Weg gehen wird.

Fazit: Mich hat diese sehr persönliche Erzählung unwahrscheinlich beeindruckt und dies von der ersten Seite an. Die Gedanken und Ausführungen von Laura Jungk haben mich gepackt und machen den Roman so ehrlich und fesselnd.
Ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2020

Fantasievoll, spannend und sehr atmosphärisch

Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende
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„Brombeerfuchs – Das Geheimnis von Weltende“ ist das wunderbare Fantasy-Jugend-Debüt von Kathrin Tordasi. Das Buch umfasst in der gebundenen Ausgabe 375 Seiten und ist im Verlag Sauerländer im September ...

„Brombeerfuchs – Das Geheimnis von Weltende“ ist das wunderbare Fantasy-Jugend-Debüt von Kathrin Tordasi. Das Buch umfasst in der gebundenen Ausgabe 375 Seiten und ist im Verlag Sauerländer im September 2020 erschienen.

Eigentlich hätte es für Portia, die Urlaub bei ihren Tanten Bramble und Rose in Wales macht, werden können, doch da hat niemand mit dem listigen Robin Goodfellow und dem Finden eines Schlüssels in eine andere Welt gerechnet. Wo befindet sich das passende Türschloss, was genau verbirgt sich hinter der Tür, sollte die Türe überhaupt geöffnet werden? Ein spannendes Abenteuer beginnt.

Das Buch „Brombeerfuchs – Das Geheimnis von Weltende“ liest sich sehr flüssig und sehr atmosphärisch. Kathrin Tordasi schreibt mitreisend, spannend, detailverliebt und versetzt den Leser mit den ersten Seiten in eine wunderbare Welt, die etwas an die irische Feenmythologie angelehnt ist. Die Autorin kann ganz leise und vorsichtig schreiben und dann wird es auf einmal düster und spannend und das hat mir so richtig gut gefallen. Ich konnte mir alles gut vorstellen: ich war im Cottage bei Bramble und Rose dabei, im Niemandsland mit Portia und Goodfellow, konnte das Feenland, so wunderschön beschrieben, vor meinem inneren Auge entstehen lassen, stand vor der Feenkönigin Titania, habe mitgefiebert als der Nebel aufzog, die Stimmung dunkel wurde und das Jagdhorn ertönte.
Die vorkommenden Charaktere im Buch sind toll ausgedacht und werden prima beschrieben. Ich habe Robin Goodfellow, Ben, Portia, Rose, Bramble und all die anderen in mein Herz geschlossen. Gerne hätte ich persönlich noch etwas mehr über Portia und auch Ben in der realen Welt erfahren. Aber vielleicht kommt dies ja auch noch in einem weiteren Band. Ich denke, dass die Geschichte bis jetzt auch gute Anknüpfungspunkte für weitere Abenteuer hätte. Ich würde mich jedenfalls sehr über eine Fortsetzung freuen.

Das Cover ist übrigens ein echter Hingucker. Ich mag die Farbgestaltung und das Schimmern der Schrift, genauso wie den gezeichneten Fuchs, bei dem man nicht weiß, ob er in einen See blickt oder eine andere Welt. Einfach traumhaft!
Geeignet ist das Buch für Leser ab 10 Jahren.

Fazit: Dieses Buch wird jeder junge Fantasy-Fan richtig gerne lesen. Es bietet auf den rund 400 Seiten eine wunderbare Atmosphäre, ganz viel Spannung und man möchte es einfach nicht mehr aus der Hand legen bis es gelesen ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2020

Eine berührende, ehrliche und eindringliche Hommage an einen Vater

Sterben im Sommer
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Mit ihrem Buch „Sterben im Sommer“, das 2020 im S.Fischer Verlag erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten umfasst, ist Zsuzsa Bánk eine feinfühlige und ehrliche, auf ihren Erinnerungen beruhende ...

Mit ihrem Buch „Sterben im Sommer“, das 2020 im S.Fischer Verlag erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten umfasst, ist Zsuzsa Bánk eine feinfühlige und ehrliche, auf ihren Erinnerungen beruhende Hommage an ihren Vater gelungen.

Die Autorin Zsuzsa Bánk erzählt als Ich-Erzählerin von ihrem Vater, der aufgrund einer Krebserkrankung im Sommer 2018 stirbt. Der Vater möchte ein letztes Mal einen Sommer in Ungarn am Balaton verbringen, jedoch geht es ihm dort kurz nach der Ankunft schlechter als erhofft. Es beginnt eine Odyssee durch viele Krankenhäuser, bevor er letzlich in einem solchen verstirbt. Die Autorin berichtet von ihrer Zeit am Krankenbett, von ihren Hoffnungen, Ängsten, dem Verdrängen der Wahrheit, ihrer großen Liebe zu ihrem Vater, ihren Erinnerungen, all ihren Emotionen und vielem mehr. Sie lässt den Leser teilhaben an ihrem Trauerprozess, an der Organisation der Trauerfeier und an der Zeit im ersten Jahr nach dem Tod, aber eben auch am Leben ihres geliebten Vaters.

Zsuzsa Bánk gelingt es in ihrem Buch den Leser durch ihren poetischen, feinfühligen und dabei so schonungslos ehrlichen und offenen Schreibstil in den Bann zu ziehen und, wie in meinem Fall, ihn mitten ins Herz zu treffen. Ich fühlte ab der ersten Seite mit und konnte mich gut in die Ich-Erzählerin hineinversetzen und deren Gefühle und Gedanken nachvollziehen und teilen.
Zsuzska Bánk setzt sich so ehrlich mit der Frage auseinander, was denn mit uns Menschen passiert, wenn ein geliebter Mensch stirbt, welche Prozesse wir hier durchlaufen, welche Gedanken dabei aufkommen, welche Hoffnungen und Ängste wir haben, die „Wahrheit“ verändern wollen oder verdrängen und mit welcher Heftigkeit die Traurigkeit und Verzweiflung ausbricht und sich der Dankbarkeit „unterordnet“.

Fazit: Ein sprachlich wunderbarer, authentischer, feinfühliger und sehr lesenswerter Roman, der nicht nur an der Oberfläche bleibt. Man merkt dem Buch an, dass es mit ganz viel Herzblut verfasst worden ist.
Es war für mich ein wirkliches Erlebnis, dieses Buch zu lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere