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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2025

Spionagethriller mit und ohne Zoë Boehm

Down Cemetery Road
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„Down Cemetery Road“ ist das erste Buch einer vierteiligen Krimireihe des britischen Autors Mick Herron, die bereits zwischen 2003 und 2009 herausgegeben wurde. Die deutsche Übersetzung erscheint nun anlässlich ...

„Down Cemetery Road“ ist das erste Buch einer vierteiligen Krimireihe des britischen Autors Mick Herron, die bereits zwischen 2003 und 2009 herausgegeben wurde. Die deutsche Übersetzung erscheint nun anlässlich der von Apple TV+ 2025 veröffentlichten Verfilmung.

Das Cover ist typisch für den Diogenes Verlag: Die blasse Fotografie über Oxford passt zum Ort der Handlung, ist aber nicht unbedingt spektakulär.

Das Vorwort von Emma Thompson, die in der Serie die Figur Zoë Boehm verkörpert, schraubt die Erwartungen hoch. Wurden diese Erwartungen erfüllt? Zum größten Teil.

Sarah Tucker ist eine gelangweilte Hausfrau. Bei einer Explosion eines Wohnhauses in der Nachbarschaft überlebt nur die 4jährige Dinah, die aber spurlos verschwindet. Sarah setzt alles daran, das Mädchen zu finden und engagiert dafür sogar den Privatermittler Joe. Mit ihren Nachforschungen zieht sie allerdings die Aufmerksamkeit des Geheimdienstes auf sich, der sehr daran interessiert ist, die Spuren einer verdeckten Operation zu verwischen. Schon bald gerät Sarahs heile Welt aus den Fugen.

Der Schreibstil gefällt mir von Anfang an sehr gut. Vor allem die amüsanten Dialoge und der schwarze Humor sind hier hervorzuheben und machen das Buch von der ersten Seite an zu einem Lesevergnügen.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und tiefgründig. Sarahs fast zwanghafter Fokus auf ein Mädchen, das sie eigentlich gar nicht persönlich kennt, ist zunächst schwer nachzuvollziehen, doch im Laufe der Geschichte wird dies in Rückblicken schon eher verständlich.

Die Spannung nimmt kontinuierlich zu. In der Mitte des Romans kommt es dann zu einem Plot Twist, den ich so nicht erwartet hätte. Ab da überschlagen sich die Ereignisse und ich habe das Buch kaum noch aus den Händen legen können.

Der einzige Kritikpunkt ist der Untertitel des Buches, der für mich irreführend ist (Zoë Boehm ermittelt in Oxford). Es wird suggeriert, dass Zoë Boehm der Hauptcharakter der Handlung sei. Eventuell ist sie das auch in den folgenden restlichen Büchern der Reihe und in der Verfilmung, die ich bewusst noch nicht gesehen habe. Doch hier taucht sie bis zu Seite 450 nur zwei Mal kurz auf. In den letzten 100 Seiten ist sie präsenter, aber trotzdem ist der Fokus mehr auf Sarah als auf Zoë.

FAZIT: Ein lesenswert spannender Spionagethriller mit schwarzem Humor, in dem Zoë Boehm eher in den Hintergrund rückt.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Der Preis des Glücks

All Better Now
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Die Menschheit kämpft mit einer neuen Variation des Corona Virus genannt Crown Royale. 96 Prozent überleben die Erkrankung mit einer geänderten Sicht auf die Welt. Die Genesenen sind empathisch, positiv ...

Die Menschheit kämpft mit einer neuen Variation des Corona Virus genannt Crown Royale. 96 Prozent überleben die Erkrankung mit einer geänderten Sicht auf die Welt. Die Genesenen sind empathisch, positiv eingestellt und hilfsbereit. Eigentlich eine gute Entwicklung, könnte man meinen, doch wirtschaftlich gesehen ist diese Entwicklung eine Katastrophe. Wirtschaftsbosse und Regierungen versuchen an der alten Weltordnung festzuhalten und sehen die Genesenen als Bedrohung.

Im Zentrum des Geschehens stehen drei Hauptcharaktere: Rón, der als Sohn eines Milliardärs durch die Krankheit von seiner Depression geheilt wurde, die obdachlose Mariel, deren Mutter an Crown Royale gestorben ist und die sich gerne anstecken möchte. Ihnen gegenüber steht die hochintelligente aber wenig empathische Morgan, Erbin eines Vermögens, die den Auftrag erhalten hat, die Pandemie um jeden Preis aufzuhalten.

In einem leicht zu lesenden Schreibstil und in kurzen Kapiteln wird die Handlung aus unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. Dadurch erhält der Leser einen guten Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge und Motive. Anfangs ist es ein Kampf zwischen Gut und Böse, die Charaktere entsprechen den dazugehörigen Klischees. Doch im Laufe der Geschichtete wird die Sichtweise immer tiefgründiger, an manchen Stellen auch philosophisch, die Seiten von Gut und Böse sind nicht mehr so eindeutig.

"All better now" ist ein Buch, das mich fasziniert und zum Nachdenken anregt. Die zahlreichen Charaktere sind sehr unterschiedlich und bleiben distanziert, da durch die kurzen Abschnitte die Aufmerksamkeit immer wieder schnell zu einem andere Handlungsstrang springen muss. Doch das stört beim Lesen nicht, denn ich kann trotzdem die Motive der einzelnen Personen nachvollziehen. Jeder Charakter hat seinen Part im Buch, so dass man nicht nur mit einer Person mitleidet. Meiner Meinung nach ist das auch so gewollt.

Als Kritikpunkt sehe ich, dass mir manche Stellen etwas zu langatmig erscheinen, wodurch die Spannung gemindert wird.

FAZIT: Ein lesenswertes Buch mit gesellschaftskritischen Anklängen, dass an manchen Stellen spannender sein könnte.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Krimi mit philosophischen Ansätzen

Ein stilles Mädchen
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Der Kriminalroman "Ein stilles Mädchen" von Karin Fossum beschreibt die 7tägige Suche nach der 6jährigen Kandis, die spurlos aus ihrem Elternhaus verschwunden ist. Der alleinerziehende Vater hat schon ...

Der Kriminalroman "Ein stilles Mädchen" von Karin Fossum beschreibt die 7tägige Suche nach der 6jährigen Kandis, die spurlos aus ihrem Elternhaus verschwunden ist. Der alleinerziehende Vater hat schon viele Schicksalsschläge verkraften müssen und macht den Eindruck, als könne er nicht mehr viel ertragen. Kommissar Eddie Feber und seine Kollegin übernehmen den Fall und stoßen schnell auf Ungereimtheiten.

Der Schreibstil ist von Anfang an ungewöhnlich. Die Handlung entwickelt sich langsam und still, passend zum Titel. Damit hebt sich dieses Buch von anderen Krimis ab. Die Atmosphäre ist düster, deprimierend und beängstigend. Geschrieben wird aus mehreren Perspektiven, unter anderem auch aus der Perspektive von Kandis. Auf diese Weise weiß der Leser mehr als die ermittelnden Beamten.

Als sehr ungewöhnlich empfand ich die Dialoge, vor allem auch die Dialoge zwischen Kandis und ihrem Entführer, die sehr tiefgründig und philosophisch sind. In der Situation erscheinen mir diese jedoch unpassend, obwohl mit die tiefsinnigen Gedanken durchaus gefallen. Dadurch werden viele Passagen aber auch sehr langatmig.

So tiefgründig die Dialoge auch sind, so wenig kann ich mich leider mit den Charakteren identifizieren, sie bleiben mir irgendwie distanziert, oberflächlich und fremd.

Die Auflösung des Falls ist nicht voraussehbar und lässt mich sprachlos und betroffen zurück. Dieser Krimi zeigt die Abgründe der menschlichen Seele und hat mich nachhaltig beeindruckt.

FAZIT: "Ein stilles Mädchen" ist ein Krimi mit einer sehr ruhigen und langsam entwickelnden Handlung. Durchaus lesenswert. Wer allerdings Spannung wie in einem Thriller erwartet, wird hier enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Unfreiwillige Seelenverwandtschaft

Soulmates and Other Ways to Die
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Durch eine Mutation hat jeder Mensch einen genetisch festgelegten Seelenverwandten mit dem Nachteil, sollte einer der beiden sterben, der andere ebenfalls nicht überlebt. Als Milo und Zoe herausfinden, ...

Durch eine Mutation hat jeder Mensch einen genetisch festgelegten Seelenverwandten mit dem Nachteil, sollte einer der beiden sterben, der andere ebenfalls nicht überlebt. Als Milo und Zoe herausfinden, dass sie sogenannte KinTwins sind, ist die Begeisterung darüber nicht sonderlich groß. Während Zoe versucht, alle zu kontrollieren und jederzeit auf die drohende Katastrophe vorbereitet zu sein, liebt Milo den Nervenkitzel. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach einem Heilmittel.

Das Cover ist farbig gestaltet und erinnert an eine Cartoonzeichnung. Es ist auffällig und passt gut zu einem Buch für Jugendliche.
Die Grundidee des Buches ist kreativ und hat mich gleich angesprochen, etwas Vergleichbares habe ich bisher nicht gelesen.
Der Schreibstil ist einfach, leicht und schnell zu lesen. Anfangs sind einige Passagen durchaus humorvoll, was aber im Laufe des Buches nachlässt. Die erste Szene wirft den Leser sofort in das Geschehen und baut Spannung auf, die aber leider nicht gehalten wird. Insgesamt empfinde ich die Handlung eher als oberflächlich und voraussehbar, wodurch viel von der Spannung verloren geht.

Die zwei Hauptcharaktere sind sympathisch und es ist interessant zu sehen, wie sie sich im Laufe des Buches weiterentwickeln und gegenseitig annähern.

FAZIT: Das Buch ist unterhaltsam und einfach zu lesen. Inhaltlich passt es zum angegeben Lesealter von 14 Jahren. Die Spannung hält sich jedoch in Grenzen.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Zwischen Science-Fiction und Kriminalroman

Das Ganymed-Fragment
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Schon der Klappentext und der erste Blick auf das Cover haben mich davon überzeugt, dass dieses Buch genau das versprach, was mein Leserherz begehrt: Ein klassischer Science-Fiction-Roman, der auf fremdend ...

Schon der Klappentext und der erste Blick auf das Cover haben mich davon überzeugt, dass dieses Buch genau das versprach, was mein Leserherz begehrt: Ein klassischer Science-Fiction-Roman, der auf fremdend Welten spielt und die Hoffnung auf eine Begegnung mit außeririschem Leben schürt. Zwar fiel die direkte Konfrontation mit Aliens aus, doch tat dies der Faszination keinen Abbruch. Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt.

Die Welt, in die der Leser hier eintaucht, ist eine düstere, erbarmungslose und unwirtliche. Das Leben wird von Großkonzernen beherrscht, die einen undurchsichtigen Vorfall auf dem Mond Ganymed zu vertuschen suchen. In der dortigen Bergbaukolonie der Lunaris Industrial Group kam ein Mitarbeiter unter mysteriösen Umständen ums Leben. Um die Angelegenheit aufzuklären und die drohende Vertuschung zu vereiteln, wird der Ermittler Alan Bishop nach Ganymed entsandt.

Der Hauptcharakter, Alan Bishop, erweist sich als authentisch und bemerkenswert facettenreich. Anfangs erweckt er den Anschein eines zynischen und abgewrackten Ermittlers, von seinem Vorgesetzen als loyal aber charakterlich schwierig beschrieben. Doch im Verlauf der Handlung durchläuft er eine bemerkenswerte Entwicklung und wurde mir immer sympathischer. Er wuchs mir zusehends ans Herz und es fiel mir leicht, mich in ihn hineinzuversetzen.

Die Dialoge sind flüssig und ungekünstelt, was dem Lesefluss ungemein zugutekommt. Die meisterhaft gezeichnete Kulisse ist präzise und bildhaft, so dass die kalte, lebensfeindliche Ödnis Ganymeds unmittelbar vor meinem inneren Auge entsteht - wahrlich kein Ort, an dem ich verweilen wollte. Interessant ist auch, dass neue technologische Innovationen wie KI-gesteuerte Systeme und implantierte Chips in die Handlung mit einfließen, diese skizzieren eine beunruhigende Vision einer nicht allzu fernen Zukunft.

Die fesselnde Handlung ist eine gelungene Kombination aus den beiden Genres Science-Fiction und Krimimalroman. Der Leser wird aktiv in die Ermittlungen einbezogen, kann miträtseln und hoffen, dass Bishop den Täter entlarvt, bevor die drohende Katastrophe ihren Lauf nimmt.

FAZIT: Eine meisterhafte Fusion zweier Genres. Wer sowohl die Welt des Science-Fiction als auch die Spannung eines Kriminalfalls schätzt, wird hier zweifellos auf seine Kosten kommen.

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