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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2025

Der Preis des Glücks

All Better Now
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Die Menschheit kämpft mit einer neuen Variation des Corona Virus genannt Crown Royale. 96 Prozent überleben die Erkrankung mit einer geänderten Sicht auf die Welt. Die Genesenen sind empathisch, positiv ...

Die Menschheit kämpft mit einer neuen Variation des Corona Virus genannt Crown Royale. 96 Prozent überleben die Erkrankung mit einer geänderten Sicht auf die Welt. Die Genesenen sind empathisch, positiv eingestellt und hilfsbereit. Eigentlich eine gute Entwicklung, könnte man meinen, doch wirtschaftlich gesehen ist diese Entwicklung eine Katastrophe. Wirtschaftsbosse und Regierungen versuchen an der alten Weltordnung festzuhalten und sehen die Genesenen als Bedrohung.

Im Zentrum des Geschehens stehen drei Hauptcharaktere: Rón, der als Sohn eines Milliardärs durch die Krankheit von seiner Depression geheilt wurde, die obdachlose Mariel, deren Mutter an Crown Royale gestorben ist und die sich gerne anstecken möchte. Ihnen gegenüber steht die hochintelligente aber wenig empathische Morgan, Erbin eines Vermögens, die den Auftrag erhalten hat, die Pandemie um jeden Preis aufzuhalten.

In einem leicht zu lesenden Schreibstil und in kurzen Kapiteln wird die Handlung aus unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. Dadurch erhält der Leser einen guten Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge und Motive. Anfangs ist es ein Kampf zwischen Gut und Böse, die Charaktere entsprechen den dazugehörigen Klischees. Doch im Laufe der Geschichtete wird die Sichtweise immer tiefgründiger, an manchen Stellen auch philosophisch, die Seiten von Gut und Böse sind nicht mehr so eindeutig.

"All better now" ist ein Buch, das mich fasziniert und zum Nachdenken anregt. Die zahlreichen Charaktere sind sehr unterschiedlich und bleiben distanziert, da durch die kurzen Abschnitte die Aufmerksamkeit immer wieder schnell zu einem andere Handlungsstrang springen muss. Doch das stört beim Lesen nicht, denn ich kann trotzdem die Motive der einzelnen Personen nachvollziehen. Jeder Charakter hat seinen Part im Buch, so dass man nicht nur mit einer Person mitleidet. Meiner Meinung nach ist das auch so gewollt.

Als Kritikpunkt sehe ich, dass mir manche Stellen etwas zu langatmig erscheinen, wodurch die Spannung gemindert wird.

FAZIT: Ein lesenswertes Buch mit gesellschaftskritischen Anklängen, dass an manchen Stellen spannender sein könnte.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Krimi mit philosophischen Ansätzen

Ein stilles Mädchen
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Der Kriminalroman "Ein stilles Mädchen" von Karin Fossum beschreibt die 7tägige Suche nach der 6jährigen Kandis, die spurlos aus ihrem Elternhaus verschwunden ist. Der alleinerziehende Vater hat schon ...

Der Kriminalroman "Ein stilles Mädchen" von Karin Fossum beschreibt die 7tägige Suche nach der 6jährigen Kandis, die spurlos aus ihrem Elternhaus verschwunden ist. Der alleinerziehende Vater hat schon viele Schicksalsschläge verkraften müssen und macht den Eindruck, als könne er nicht mehr viel ertragen. Kommissar Eddie Feber und seine Kollegin übernehmen den Fall und stoßen schnell auf Ungereimtheiten.

Der Schreibstil ist von Anfang an ungewöhnlich. Die Handlung entwickelt sich langsam und still, passend zum Titel. Damit hebt sich dieses Buch von anderen Krimis ab. Die Atmosphäre ist düster, deprimierend und beängstigend. Geschrieben wird aus mehreren Perspektiven, unter anderem auch aus der Perspektive von Kandis. Auf diese Weise weiß der Leser mehr als die ermittelnden Beamten.

Als sehr ungewöhnlich empfand ich die Dialoge, vor allem auch die Dialoge zwischen Kandis und ihrem Entführer, die sehr tiefgründig und philosophisch sind. In der Situation erscheinen mir diese jedoch unpassend, obwohl mit die tiefsinnigen Gedanken durchaus gefallen. Dadurch werden viele Passagen aber auch sehr langatmig.

So tiefgründig die Dialoge auch sind, so wenig kann ich mich leider mit den Charakteren identifizieren, sie bleiben mir irgendwie distanziert, oberflächlich und fremd.

Die Auflösung des Falls ist nicht voraussehbar und lässt mich sprachlos und betroffen zurück. Dieser Krimi zeigt die Abgründe der menschlichen Seele und hat mich nachhaltig beeindruckt.

FAZIT: "Ein stilles Mädchen" ist ein Krimi mit einer sehr ruhigen und langsam entwickelnden Handlung. Durchaus lesenswert. Wer allerdings Spannung wie in einem Thriller erwartet, wird hier enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Unfreiwillige Seelenverwandtschaft

Soulmates and Other Ways to Die
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Durch eine Mutation hat jeder Mensch einen genetisch festgelegten Seelenverwandten mit dem Nachteil, sollte einer der beiden sterben, der andere ebenfalls nicht überlebt. Als Milo und Zoe herausfinden, ...

Durch eine Mutation hat jeder Mensch einen genetisch festgelegten Seelenverwandten mit dem Nachteil, sollte einer der beiden sterben, der andere ebenfalls nicht überlebt. Als Milo und Zoe herausfinden, dass sie sogenannte KinTwins sind, ist die Begeisterung darüber nicht sonderlich groß. Während Zoe versucht, alle zu kontrollieren und jederzeit auf die drohende Katastrophe vorbereitet zu sein, liebt Milo den Nervenkitzel. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach einem Heilmittel.

Das Cover ist farbig gestaltet und erinnert an eine Cartoonzeichnung. Es ist auffällig und passt gut zu einem Buch für Jugendliche.
Die Grundidee des Buches ist kreativ und hat mich gleich angesprochen, etwas Vergleichbares habe ich bisher nicht gelesen.
Der Schreibstil ist einfach, leicht und schnell zu lesen. Anfangs sind einige Passagen durchaus humorvoll, was aber im Laufe des Buches nachlässt. Die erste Szene wirft den Leser sofort in das Geschehen und baut Spannung auf, die aber leider nicht gehalten wird. Insgesamt empfinde ich die Handlung eher als oberflächlich und voraussehbar, wodurch viel von der Spannung verloren geht.

Die zwei Hauptcharaktere sind sympathisch und es ist interessant zu sehen, wie sie sich im Laufe des Buches weiterentwickeln und gegenseitig annähern.

FAZIT: Das Buch ist unterhaltsam und einfach zu lesen. Inhaltlich passt es zum angegeben Lesealter von 14 Jahren. Die Spannung hält sich jedoch in Grenzen.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Zwischen Science-Fiction und Kriminalroman

Das Ganymed-Fragment
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Schon der Klappentext und der erste Blick auf das Cover haben mich davon überzeugt, dass dieses Buch genau das versprach, was mein Leserherz begehrt: Ein klassischer Science-Fiction-Roman, der auf fremdend ...

Schon der Klappentext und der erste Blick auf das Cover haben mich davon überzeugt, dass dieses Buch genau das versprach, was mein Leserherz begehrt: Ein klassischer Science-Fiction-Roman, der auf fremdend Welten spielt und die Hoffnung auf eine Begegnung mit außeririschem Leben schürt. Zwar fiel die direkte Konfrontation mit Aliens aus, doch tat dies der Faszination keinen Abbruch. Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt.

Die Welt, in die der Leser hier eintaucht, ist eine düstere, erbarmungslose und unwirtliche. Das Leben wird von Großkonzernen beherrscht, die einen undurchsichtigen Vorfall auf dem Mond Ganymed zu vertuschen suchen. In der dortigen Bergbaukolonie der Lunaris Industrial Group kam ein Mitarbeiter unter mysteriösen Umständen ums Leben. Um die Angelegenheit aufzuklären und die drohende Vertuschung zu vereiteln, wird der Ermittler Alan Bishop nach Ganymed entsandt.

Der Hauptcharakter, Alan Bishop, erweist sich als authentisch und bemerkenswert facettenreich. Anfangs erweckt er den Anschein eines zynischen und abgewrackten Ermittlers, von seinem Vorgesetzen als loyal aber charakterlich schwierig beschrieben. Doch im Verlauf der Handlung durchläuft er eine bemerkenswerte Entwicklung und wurde mir immer sympathischer. Er wuchs mir zusehends ans Herz und es fiel mir leicht, mich in ihn hineinzuversetzen.

Die Dialoge sind flüssig und ungekünstelt, was dem Lesefluss ungemein zugutekommt. Die meisterhaft gezeichnete Kulisse ist präzise und bildhaft, so dass die kalte, lebensfeindliche Ödnis Ganymeds unmittelbar vor meinem inneren Auge entsteht - wahrlich kein Ort, an dem ich verweilen wollte. Interessant ist auch, dass neue technologische Innovationen wie KI-gesteuerte Systeme und implantierte Chips in die Handlung mit einfließen, diese skizzieren eine beunruhigende Vision einer nicht allzu fernen Zukunft.

Die fesselnde Handlung ist eine gelungene Kombination aus den beiden Genres Science-Fiction und Krimimalroman. Der Leser wird aktiv in die Ermittlungen einbezogen, kann miträtseln und hoffen, dass Bishop den Täter entlarvt, bevor die drohende Katastrophe ihren Lauf nimmt.

FAZIT: Eine meisterhafte Fusion zweier Genres. Wer sowohl die Welt des Science-Fiction als auch die Spannung eines Kriminalfalls schätzt, wird hier zweifellos auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Zwischen Hoffnung und Schrecken

Elf ist eine gerade Zahl
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Katjas 14jährige Tochter Paula ist zum zweiten Mal an Krebs erkrankt. Das Buch schildert sehr einfühlsam und direkt wie Katja mit der Situation um geht. Mit einer fantasievollen Geschichte versucht sie, ...

Katjas 14jährige Tochter Paula ist zum zweiten Mal an Krebs erkrankt. Das Buch schildert sehr einfühlsam und direkt wie Katja mit der Situation um geht. Mit einer fantasievollen Geschichte versucht sie, ihre Tochter durch die schwere Zeit zu bringen.


Das Cover und der Titel sind mir sofort aufgefallen. Zunächst suggeriert beides einen humorvoller Inhalt. Doch beim Lesen habe ich schnell gemerkt, das dies nicht der Fall ist. Das Buch ist keine leichte Kost und gerade als Mutter einer ungefähr gleichaltrigen Tochter, kann ich mich sehr gut in Katja hineinversetzen. Sie schwankt zwischen der Hoffnung, dass alles gut geht, und der harten Realität, dass ihre Tochter vielleicht bald nicht mehr an ihrer Seite sein wird. Schon alleine bei diesem Gedanken läuft es mir kalt den Rücken runter. Ich kann mitfühlen, wie unaushaltbar diese Situation ist. Dazu kommt, dass sie als Alleinerziehende diese Last hauptsächlich alleine tragen muss. Ihr Vater, die beste Freundin und auch Paulas Vater versuchen sie teilweise zu unterstützen, doch manchmal ist diese Hilfe auch sehr widersprüchlich. So bekommt sie den Rat, sich auch um sich selbst zu kümmern, von anderer Seite hört sie aber dann den Vorwurf, egoistisch zu sein. Manche Dialoge machen mich wütend, da auch ich den Eindruck habe, dass Katja teilweise alleine gelassen wird. Die Schilderungen und Situationen fühlen sich sehr authentisch an.

Auch das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist gespannt. Paula ist dem Alter entsprechend in der Pubertät und hätte alleine schon damit genug zu tun. Sie zieht sich zurück und doch benötigt sie gerade in dieser Situation die Liebe ihrer Mutter. Katja fühlt sich hilflos. Ihr Gefühlschaos ist sehr sensibel und einfühlsam beschrieben. Mir gefällt es sehr gut, dass die Handlung hauptsächlich aus dem Blickwindel der Mutter erzählt. Um wieder Kontakt zu ihrer Tochter zu finden, fängt Katja an, ihr eine fantasievolle Geschichte über Mut und Stärke zu erzählen.

Allerdings ist mir persönlich die Fantasiegeschichte zu depressiv und bedrohlich. Ich verstehe schon, dass die Erzählung die momentane Situation widerspiegeln soll, doch ich weiß nicht, ob sie wirklich hilfreich ist. Sie nimmt auch einen sehr großen Teil des Buches ein und ist an manchen Stellen zu langatmig geraten. Ich hätte sie mir etwas kürzer gewünscht, etwas weniger aufwühlend und positiver von der Grundstimmung her. Eigentlich besteht das Buch aus zwei Teilen, die Fantasiegeschichte könnte auch für sich alleine stehen.

FAZIT: "11 ist eine gerade Zahl" ist ein sehr realistischer, einfühlsamer und aufwühlender Roman mit ein paar langatmigen Passagen. Lesenswert aber schwere Kost !

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