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Bianste

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2017

Moderne Archäologie

Die Stadt des Affengottes
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Douglas Preston nimmt die Leser mit ins Innere des südamerikanischen Dschungels, in ein unerforschtes Gebiet, von dem wir wenig wissen – umso mehr Gerückte um eine große, sehr alte, ehemals sehr reiche ...

Douglas Preston nimmt die Leser mit ins Innere des südamerikanischen Dschungels, in ein unerforschtes Gebiet, von dem wir wenig wissen – umso mehr Gerückte um eine große, sehr alte, ehemals sehr reiche Stadt ranken sich um dieses Gebiet.
Doch bevor es ihm gelingt, dieses Gebiet zu betreten, sind zahlreiche Vorbereitungen zu absolvieren. Einerseits bietet der Autor eine engagierte Darstellung aller bisherigen Versuche, dieses Gebiet zu bereisen, andererseits beschreibt er die Kartierung des Geländes mit hochmodernen Flugzeugkameras ausführlich.
Die Reise in den Dschungel selbst, die Begegnung mit den Gefahren und die tatsächlich gewonnenen Erkenntnisse machen nur einen kleinen Teil des Buches aus. Der letzte Abschnitt widmet sich unter anderem den Nachwirkungen dieser archäologischen Reise für den Autor selbst.
Das Buch liest sich interessant, da der Autor es versteht, sehr präzise zu formulieren und den Lesefluss ansprechend zu gestalten. Leider sind viel zu viele Daten und Fakten verarbeitet worden. In Erinnerung bleibt selbstverständlich ein allgemeiner Eindruck, die einzelnen Stationen bleiben jedoch nicht im Gedächtnis. Einige Szenen im Urwald sind sehr plastisch und auch die sind bleibend.
Begeistert haben mich die heutigen technischen Möglichkeiten und auch einige der Figuren, die ich beim Lesen etwas näher kennenlernen durfte.
Da es sich hier um ein Sachbuch handelt, mögen andere größeres Interesse an den Details haben, für mich wären ein paar weniger mehr gewesen.

Veröffentlicht am 18.09.2017

Tiefschürfend

Die Geschichte der getrennten Wege
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Der dritte Teil der Saga um die Leben von Lila und Elena in Italien behandelt die Erwachsenenjahre der beiden. Lila hat ihren Sohn mitgenommen und muss sich durchschlagen. Elena hat einen recht erfolgreichen ...

Der dritte Teil der Saga um die Leben von Lila und Elena in Italien behandelt die Erwachsenenjahre der beiden. Lila hat ihren Sohn mitgenommen und muss sich durchschlagen. Elena hat einen recht erfolgreichen Roman geschrieben, arbeitet auch für die Zeitung, lässt sich aber immer mehr in den Haushalt zurück treiben.
Im Mittelpunkt stehen daneben aber auch die gesellschaftlichen, sozialpolitischen Umbrüche der 60er Jahre. Viele Figuren, die den Lesern bereits in den ersten Bänden begegnet sind, tauchen auch jetzt auf, haben sich auf verschiedene Seiten geschlagen.
So entsteht ein umfassendes Bild der politischen und sozialen Lage.
Das Verhältnis zwischen Lila und Elena ist sehr abgekühlt und es bleibt abzuwarten, ob und wie sich das noch einmal ändern wird.
Das Grandiose an diesen Romane ist jedoch, dass es der Autorin gelingt, über ganz private Einzelschicksale den Wandel, die Entwicklung in einer Zeit des Umbruchs auf einer sehr breiten Basis darzustellen. Das Persönliche ist zugleich immer auch politisch und gesellschaftlich relevant.
Sehr ansprechend ist auch die Sprache, Elenas Sprache, die aus ihrer Sicht schildert, wie die Dinge laufen, wo etwas falsch läuft und wer wem hinterherläuft.
Insgesamt ist es ein großes Vergnügen, den dritten Band zu lesen. Erwartungsvoll sehe ich dem vierten und letzten Teil entgegen, der hoffentlich die in Band ganz zu Anfang aufgeworfene Frage nach dem Verbleib von Lila aufklären wird. Beide sind mir ans Herz gewachsen.

Veröffentlicht am 15.09.2017

Magisch verwirrend

Der magische Faden
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Markus und seine beiden Geschwister erhalten ein Paket, in dem sich nichts weiter befindet als ein seltsames Fadenknäuel. Es scheint von ihrem bei archäologischen Ausgrabungen Grabungen verschollenen Vater ...

Markus und seine beiden Geschwister erhalten ein Paket, in dem sich nichts weiter befindet als ein seltsames Fadenknäuel. Es scheint von ihrem bei archäologischen Ausgrabungen Grabungen verschollenen Vater zu stammen. Die Mutter verbietet, den Faden zu berühren und verstaut die Schachtel in einer dunklen Ecke.

Natürlich können die drei Geschwister nicht widerstehen. Gern wüssten sie, wo ihr Vater geblieben ist. Sie hoffen, dass der Faden einen Hinweis liefern könnte. Alle drei Kinder (und auch die Mutter) hat das plötzliche Verschwinden verstört. Markus ist ein ziemliches Weichei und bricht häufig in Tränen aus, was ihn zum Opfer macht. Gut, dass er Aster kennenlernt. Sie hat zwar auch ihr Päckchen zu tragen, steht aber zu Markus und hilft ihm damit. Lukas, der jüngere Bruder, ist immer für Überraschungen gut, während Jannie nicht spricht, sondern alles, was sie sagen möchte, in einen Block schreibt.
Der Faden sorgt im weiteren Verlauf für ziemlich seltsame Aktionen. Beispielsweise beginnt das gesamte Haus zu leuchten und zieht nicht nur Motten, sondern auch seltsame Menschen an.
Wer sich ein wenig auskennt, weiß natürlich recht bald, um welchen griechischen Mythos es in dieser Geschichte geht. Doch auch diejenigen, die keine Ahnung haben, werden im Laufe der Story auf die richtige (oder eine mögliche?) Fährte gebracht.
Llewellyn geizt nicht mit Überraschungen, skurrilen Ideen und immer neuen Verwicklungen. Dabei ist seine Sprache klar und sehr angemessen für die Zielgruppe. Dieser fantastische Abenteuerroman wird den Zehnjährigen, für die er ausgeschrieben ist, begeistern, wenn sie sich auf diese seltsame Welt und die magischen Dinge, die in ihr geschehen, einlassen können.
Sehr schön gelungen ist auch das etwas verwirrende Titelbild, das schon zeigt, dass es um Mythologie und Verwirrung geht.
Insgesamt ist dieses Buch eine Entdeckung, die man sich nicht entgehen lassen sollte, gerade auch wegen der einfühlsamen Gestaltung der (angeschlagenen) Hauptfiguren.

Veröffentlicht am 14.09.2017

Mobbing?

Tausend kleine Lügen
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Jane ist gerade mit ihrem Sohn Ziggy in das australische Küstenstädtchen Pirriwee gezogen. Sie lernt sofort ein paar nette Mütter kennen und hofft, endlich angekommen zu sein. Doch dann wird ihrem Sohn ...

Jane ist gerade mit ihrem Sohn Ziggy in das australische Küstenstädtchen Pirriwee gezogen. Sie lernt sofort ein paar nette Mütter kennen und hofft, endlich angekommen zu sein. Doch dann wird ihrem Sohn vorgeworfen, ein Mädchen gewürgt zu haben.
Als es dann bei einem Quizabend zu einem Todesfall kommt, zerbröckeln die Fassaden langsam, die alle mit so viel Energie aufrecht erhalten wollen.
Dieser Roman weist eine ungewöhnliche Erzählstruktur auf. Eigentlich wird in zeitlich korrekter Reihenfolge erzählt, was seit dem Ende der Sommerferien geschehen ist. Auf der anderen Ebene sind immer wieder Kapitelchen zwischengefügt, die offensichtlich aus dem Vernehmungsprotokoll der Polizei stammen. Als Leserin erfährt man so nur wenig über den tatsächlichen Vorfall, die Aufmerksamkeit wird dadurch aber immer wieder gezielt auf bestimmte, eher unterschwellige Informationen im nachfolgenden Erzählfluss gelenkt.
Insgesamt liest sich das Buch sehr flüssig, es baut die Spannung fein justiert auf und zeigt, stückchenweise, was unter der Decke gehalten wird und hält damit der Gesellschaft und ihren Konventionen an sich einen Spiegel vor.
Eine eindeutige Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.09.2017

Schnell

Giftflut
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Ein Ehepaar wurde in seiner Badewanne ertränkt, so weit so kurios und zuerst einmal unverständlich, doch dann ergeben sich bald Parallelen zu Todesfällen im übrigen Europa und alle haben etwas mit Wasser ...

Ein Ehepaar wurde in seiner Badewanne ertränkt, so weit so kurios und zuerst einmal unverständlich, doch dann ergeben sich bald Parallelen zu Todesfällen im übrigen Europa und alle haben etwas mit Wasser zu tun.
Kommissar de Bodt aus Berlin ist eine skurrile Figur mit vielen Facetten, die sich nicht unbedingt an die Regeln und Vorschriften hält, gleichzeitig ist er ein Getriebener, der nicht allzu viele Gewissheiten mit sich herumträgt.
Die Story nimmt sofort Fahrt auf und verlangsamt sich nicht wieder, die Ermittlungen, die Todesfälle, man kommt beim Lesen kaum hinterher, eine wilde Jagd.
Gleichzeitig kommen Humor und Lebensweisheit nicht zu kurz, alles bleibt irgendwie menschlich, nachvollziehbar und ist gleichzeitig unglaublich spannend, vermutlich auch, weil das Thema – Terroranschläge - eben topaktuell ist.