Profilbild von Bibliomarie

Bibliomarie

Lesejury Star
offline

Bibliomarie ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bibliomarie über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.12.2016

Dora Maar und Pablo Picasso

Dora und der Minotaurus
0

Wenn der Name Dora Maar fällt, denken alle ganz automatisch an Pablo Picasso. Das ist die Tragödie im Leben der französisch-argentinischen Künstlerin.
Die Autorin beginnt mit einem raffinierten Kunstgriff, ...

Wenn der Name Dora Maar fällt, denken alle ganz automatisch an Pablo Picasso. Das ist die Tragödie im Leben der französisch-argentinischen Künstlerin.
Die Autorin beginnt mit einem raffinierten Kunstgriff, sie lässt ein unbekanntes Tagebuch der Fotografin und Surrealistin auftauchen und damit Dora Maar selbst zu Wort kommen. Ihre Kindheit in Argentinien, die enge Beziehung zum Vater und später ihre Zeit in Paris, als sie als surrealistische Fotografin Erfolge feiert. Nicht nur künstlerisch wagt sie Grenzüberschreitung, auch als Frau lotet sie ihre Grenzen aus, erforscht ihre Sexualität. Sie ist befreundet mit Breton, Bataille, Lacan und wird Teil der bewegten Pariser Kunstszene. Bis sie auf Pablo Picasso trifft, der ihr Leben erschüttert. Als Geliebte und Muse teilt sie 8 Jahre sein Leben, sehr schwierige Jahre, denn Picasso ist ein Egomane, der völlige Selbstaufgabe verlangt. Er kränkt sie mit offensichtlicher Untreue sei, missachtet ihr eigenes Talent, bis Doras eigene künstlerische Betätigung fast versiegt.
Das Bild „Dora und der Minotaurus“, das auch titelgebend für den Roman wird, ist symptomatisch. Eine Frau, unterlegen und verschlungen von einer Bestie, die in der Unterwerfung auch Lust empfindet. Dora fesselt Picasso durch ihre besondere Ausstrahlung, sie wird für ihn Muse und eine ganze Reihe von Bildern dokumentiert die besondere Beziehung, die für Dora Maar auch nach Ende der Liaison lebensbestimmend wird. Sie findet danach nicht mehr zu ihrer künstlerischen Kraft zurück, kämpft mit Depressionen und zieht sich in eine selbstgewählte Isolation zurück.
Der Roman hat mich fasziniert, der Autorin gelingt es einfühlsam, die Persönlichkeit Dora Maars darzustellen, ihre Unsicherheit und Einsamkeit zu beschreiben, die Dora hinter einer undurchdringlichen Maske aus Unnahbarkeit und Arroganz versteckte. Ein außergewöhnliches Portrait einer außergewöhnlichen Frau, die einen hohen Preis für ihre Liebe zu Picasso zahlte. Ich werde zukünftig Picassos Bilder seiner Muse mit anderen Augen sehen.

Veröffentlicht am 21.12.2016

Ein solider Krimi mit realistisch geschilderter Polizeiarbeit

Tiefe Stiche
0

Im beschaulichen Alkmaar wird eine Frau auf einem Supermarktparkplatz niedergestochen. Kurz danach trifft es eine Schülerin, die die Messerattacke nicht überlebt. Als sich die Überfälle häufen, spricht ...

Im beschaulichen Alkmaar wird eine Frau auf einem Supermarktparkplatz niedergestochen. Kurz danach trifft es eine Schülerin, die die Messerattacke nicht überlebt. Als sich die Überfälle häufen, spricht die Stadt bald von einem psychisch kranken Serientäter.
Die Polizistin Lois Elzinga steht unter Hochdruck, als die Überfälle in immer kürzerer Abschnitt geschehen, sie sucht fieberhaft nach Verbindungen und Querverweisen, um eine Spur zu finden. Dabei gerät sie selbst ins Visier des Täters.
Das Buch ist vollmundig als Thriller angekündigt und mit dem Hinweis auf einen Serienkiller werden Erwartungen geweckt, die das Buch nicht erfüllen kann. Schade, denn das Buch ist ein solide geschriebener Krimi, der realistisch und akribisch von der Polizeiarbeit berichtet und wirklich spannend geschrieben ist. Die Kommissarin Elzinga und ihre Kollegen sind sympathische Charakter und wie sie an den Fall herangehen hat mir gut gefallen. Wie sich allmählich Verdachtsmomente verdichten, die Polizei immer mehr über die Opfer und ihre Vergangenheit herausfindet und damit auch über die Tatmotive, ist wie im echten Polizeialltag ein mühsames Puzzle. Dabei wird die Balance zwischen privaten Problemen von Lois und ihrer Ermittlung sehr gut gehalten.
Als Krimi top – aber kein Thriller!

Veröffentlicht am 20.12.2016

Krimi mit Tiefgang

Nadjas Katze
0

Nadja Schwertfeger kann keinem Antiquariat widerstehen und ganz besonders, wenn sie auf vergessene Autoren stößt. So findet sie ein kleines Büchlein eines Paul Anderweg, die sie elektrisiert. Sie spielt ...

Nadja Schwertfeger kann keinem Antiquariat widerstehen und ganz besonders, wenn sie auf vergessene Autoren stößt. So findet sie ein kleines Büchlein eines Paul Anderweg, die sie elektrisiert. Sie spielt in einem kleinen Dorf auf der Alp in den letzten Kriegstagen und beschreibt ganz nebenbei ein handgearbeitetes Stofftier, eine schwarzgraue Katze mit rosa Seidenpfötchen.
Diese Katze ist Nadjas Kinderspielzeug, das einzige was ihr von ihrer leiblichen Mutter geblieben ist, die wohl eine Zwangsarbeiterin war und sie zurücklassen musste. So jedenfalls die Erklärungen ihrer Adoptiveltern.
Nadja beginnt den Spuren der Erzählung zu folgen und findet tatsächlich das Dorf und wird bei der weiteren Suche bald auf Hans Berndorf verwiesen, einem ehemaligen Polizeibeamten, der jetzt als Privatermittler in Berlin lebt. Beide beginnen den Spuren der Erzählung und des Autors zu folgen, vor allem da Berndorf auch merkt, dass seine Kindheit in der kleinen Erzählung Erwähnung findet. Sie müssen tief in der deutschen Vergangenheit graben, auch wenn ihre Suche und Fragen oft Misstrauen und Ablehnung hervorruft.
Das Buch wird als Kriminalroman bezeichnet, aber das es mehr als nur ein Krimi. Es ist ein spannendes Stück Zeitgeschichte, die hier erzählt wird. Die letzten Kriegstage, das schnelle Vergessen und die Umdeutung der Geschehnisse wird Stück für Stück ans Licht geholt und dann auch ein Verbrechen, das nun nach 70 Jahren ans Licht kommt, auch wenn die Täter schon längst nicht mehr leben.
Mich hat das Buch unglaublich gefesselt und interessiert, und besonders die beiden etwas spröd gezeichneten Hauptpersonen haben mich angesprochen. Ich mag den besonderen Stil Ritzels, die seine Krimis auszeichnen und aus dem Genre hervorheben.

Veröffentlicht am 18.12.2016

Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt

Mord im stillen Belfrey
0

Keely kommt zurück in die Kleinstadt ihrer Kindheit und Jugend. 10 Jahre hat sie in Indien, New York und London gelebt, eine Ausbildung zur Yoga Lehrerin gemacht und möchte nun einen Traum verwirklichen. ...

Keely kommt zurück in die Kleinstadt ihrer Kindheit und Jugend. 10 Jahre hat sie in Indien, New York und London gelebt, eine Ausbildung zur Yoga Lehrerin gemacht und möchte nun einen Traum verwirklichen. In der alten Metzgerei ihres verstorbenen Vaters möchte sie ein Yoga Café eröffnen und vegetarische Speisen anbieten.
Doch es gibt eine böse Überraschung, kaum angekommen wird sie von der Polizei befragt, im leeren Geschäft hat es gebrannt und im Obergeschoss wurde die Leiche eines Mannes gefunden, offensichtlich erschlagen. Der Polizeibeamte ist niemand anders als Ben Taylor, der Schwarm ihrer Schulzeit. Aber damals hat er keinen Blick für sie gehabt, Keely war das Pummelchen der Schule und Opfer vieler Hänseleien. Nun verdächtigt er sie auch noch, das bringt sie völlig aus der Fassung und auch sonst wird ihr nicht allzu viel Wohlwollen entgegen gebracht. Deshalb versucht sie selbst ein paar Informationen zu erfragen und beginnt zu schnüffeln.
Auf der Rückseite ist ein Zitat der RT Books Review abgedruckt: Das Buch hat alles, was Cosy Crimes so populär macht. Das mag sein, aber leider hat die Autorin die Zutaten nicht zu einer homogenen Mischung gerührt. Die Figuren sind blutleer und bleiben allesamt blass, die Story ist zu langatmig um echte Spannung aufkommen zu lassen. Lediglich gegen Ende des Buches zieht die Spannung dann an. Bei mir wollte der Funke einfach nicht überspringen, zu uninspiriert hat die Autorin erzählt. Es fehlte an der typischen Kleinstadtatmosphäre mit ihren kauzig-spleenigen Bewohnern, die bei einem Landhaus-Krimi einen großen Teil des Reizes und der Unterhaltung ausmachen.
Am besten gefallen mir noch die manchen Kapiteln voran gestellten Yoga Übungen und die Rezepte am Ende des Buchs. Und natürlich die hübsche Gestaltung des Covers, die mir so viel Lust auf den Krimi machten.

Veröffentlicht am 17.12.2016

Eingeschneit

Geheimnis in Weiß
0

Zu Glühwein und Weihnachtsplätzchen gehört für mich auch immer ein Weihnachtskrimi. Mit der Neuauflage des Klassikers „Geheimnis in Weiß“ von J.J. Farjeon habe ich einen guten Griff getan.
Kurz vor dem ...

Zu Glühwein und Weihnachtsplätzchen gehört für mich auch immer ein Weihnachtskrimi. Mit der Neuauflage des Klassikers „Geheimnis in Weiß“ von J.J. Farjeon habe ich einen guten Griff getan.
Kurz vor dem 24. Dezember wird England von heftigen Schneefällen heimgesucht, das führt zu einer Zwangsgemeinschaft, als der Zug in einer Schneewehe stecken bleibt. Die Reisenden eines Abteils beschließen sich zu Fuß zum nächsten Bahnhof durchzuschlagen. Als sie sich verirren, kommt in das Licht eines Landhauses wie die ersehnte Rettung vor. Im unverschlossenen Haus scheint alles auf Gäste vorbereitet zu sein, in den Kaminen brennen wärmende Feuer, der Tee ist vorbereitet, sogar das Wasser scheint gerade erst gekocht zu haben. Doch kein Mensch ist zu sehen, niemand nimmt die Reisenden in Empfang und das sie alle durchnässt und durchfroren sind, gewähren sie sich mit seltsamen Gefühl selbst die Gastfreundschaft. Als sie noch ein großes Messer auf dem Boden finden, verstärkt sich ihr Unbehagen.
Die Reisegruppe ist bunt gemischt, ein Geschwisterpaar der besseren Gesellschaft, ein Nörgler und Besserwisser, eine Revuetänzerin auf der Suche nach einen Engagement, ein schüchterner junger Mann und natürlich Mr Maltby, ein kultivierter älterer Herr, der rasch zum Führer der kleinen Gruppe wird. Als dann noch ein grobschlächtiger Mann, der sich Smith nennt, auftaucht, rückt die Gemeinschaft noch etwas enger zusammen.
Natürlich strahlt das Haus etwas Geheimnisvolles und Gefährliches aus und abgeschnitten von der Außenwelt versuchen sie die unfreiwilligen Gäste so gut wie möglich zu arrangieren. Auch wenn bald klar wird, dass sich ein Mörder unter ihnen befindet.
Das Buch ist wirklich ein Klassiker, schon 1937 in England erschienen, es hat nicht von seinem Charme eingebüßt. Vielleicht merkt man es der Sprache an, die der Zeit entspricht und mir deswegen ganz besonders gefallen hat. Auch die Zusammensetzung der Gruppe ist ein Spiegel der damaligen Gesellschaftsschichten.
Ein spannendes Krimirätsel, voller Geheimnisse und mysteriösen Begebenheit, das mir sehr viel Spaß gemacht hat. Der Klett Cotta Verlag hat nicht nur das Buch neu für deutsche Leser entdeckt, er hat es auch durch eine besonders schöne Ausstattung (feines Leinen, Lesebändchen) hervorgehoben.