Nicolaus von Verdun und der Dreikönigenschrein
Der Schrein der KönigeDer Schrein der Heiligen Drei Könige, wohl eines der bekanntesten Reliquiare der Welt. Gold, Silber, Edelsteine, prunkvoll steht es im Mittelpunkt des Kölner Dom, der Kathedrale, die extra für den Schrein ...
Der Schrein der Heiligen Drei Könige, wohl eines der bekanntesten Reliquiare der Welt. Gold, Silber, Edelsteine, prunkvoll steht es im Mittelpunkt des Kölner Dom, der Kathedrale, die extra für den Schrein errichtet wurde.
Diesem Kunstwerk widmet sich Sabine Weiss in ihrem neuesten historischen Roman. Das Cover stellt den Schrein vor dunkelrotem Hintergrund gold schimmernd in den Vordergrund.
Im Jahr 1164 überführte der Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem eroberten Mailand nach Köln.
Der Goldschmied Nicolaus von Verdun, dem historisch Teile des Schreins zugeordnet werden, wird nach Köln berufen, um den Schrein zu bauen.
Damit kommen wir zum Fokus des Romans, der Goldschmied und seine Familie. Da es hier keine historischen Belege gibt, ist die Geschichte rund um Nicolaus komplett fiktiv.
Familiäre Angelegenheiten, die Schwierigkeiten mit den in Köln ansässigen Goldschmieden, kirchliche und weltliche Herrscher, die bei der Gestaltung des Schreins eigene Vorstellungen haben, all dies bestimmt einen großen Teil des Romans. Die Atmosphäre in Köln, das alltägliche Leben mit all seinen Gepflogenheiten und Regeln ist sehr authentisch dargestellt. Die Handwerkskunst der Goldschmiede wird dem Leser nahe gebracht.
Was mir fehlt, ist eine deutlichere Einbettung in die damaligen historischen Ereignisse. Das kommt etwas zu kurz, auch wenn der Fokus offensichtlich auf der Familie liegt, habe ich mir da mehr erhofft.
Der Roman selbst ist unterhaltsam, der Schreibstil flüssig und bildhaft. Zu den Charakteren baut man sehr schnell eine Verbindung auf. Man hofft, bangt, leidet und freut sich mit den Figuren. Manches ist etwas überzogen, so dass man denkt, das hätte es jetzt nicht gebraucht, aber es bleibt im Rahmen.
Ein Personenverzeichnis und Anmerkungen zum historischen Hintergrund vervollständigen die Lektüre.
Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, dem etwas mehr Historie und dafür weniger Familie gut getan hätten.