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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2025

Willst du ihren Schmerz spüren?

Arena '89
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Ich durfte diesen Roman im Rahmen einer Leserunde entdecken und bin darüber sehr froh, denn ich weiß nicht, ob mich das durchaus ansprechende Cover sonst erreicht hätte, da ich oft in anderen Genres unterwegs ...

Ich durfte diesen Roman im Rahmen einer Leserunde entdecken und bin darüber sehr froh, denn ich weiß nicht, ob mich das durchaus ansprechende Cover sonst erreicht hätte, da ich oft in anderen Genres unterwegs bin. Hier handelt es sich um einen Auftakt zu einer dreiteiligen Dystopie mit einem Hauch von Science Fiction und ganz viel Action.
Die Protagonistin Reva lebt in einer erbarmungslosen Welt, die sie zwingt, ihre Gedanken, Gefühle und ihren Körper zur Belustigung der Massen in unfairen Kämpfen zur Verfügung zu stellen. Dabei können sich die Zuschauer durch verschiedene Geräte je nach Status und Vermögen in die Kämpfer hineinfühlen mit all den Schmerzen, Ängsten und Verzweiflung, die eine solche Situation hervorbringt. Aber Reva gibt ihnen mehr, nämlich Wut und Widerstand, was sie zu einem Liebling der Massen macht... aber nicht zum Liebling für alle.
Der Roman spielt in einer Welt, die in sich selber nachvollziehbar, aber hier noch nicht ganz aufgedeckt ist und so bleiben am Ende des Lesens einige Fragen offen. die natürlich die Neugier auf Band 2 verstärken. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, mittendrin stehen gelassen zu werden, sondern eher am Übergang zu einer weiteren Story.
Der Schreibstil ist im positiven Sinne einfach, nicht zu verschnörkelt und oft sachlich, so dass er sehr gut zu der nüchternen Atmosphäre in dieser Welt passt.
Man merkt, dass Stephan Steinthal sehr viel Herzblut in diese Geschichte fließen lässt, sei es durch die fein gezeichneten Charaktere, seine Website oder die Gimmicks, wie Aufkleber, die mich in der Leserundenversion erwarteten.
Wer sich jetzt fragt, ob man nach Gladiator, Tribute von Panem , Der Todesmarsch und Co noch dieses Buch lesen sollte: unbedingt!
Reva ist anders, weniger Opfer, weniger verzweifelt, manchmal stur, manchmal naiv, meistens sehr klar und durchschauend und dennoch nur mit wenigen Chancen... die sie dafür noch mehr nutzt. Ich glaube, dass uns hier noch einiges erwartet!

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Einer oder eine ganze Herde?

Der unsichtbare Elefant
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Der Titel ist hier Programm, denn zusammen mit Maria, Viktor und Simon, die alle verschiedene Motivationen haben, suchen wir mindestens einen Elefanten. Und finden noch einige mehr. Was sich hier ein bisschen ...

Der Titel ist hier Programm, denn zusammen mit Maria, Viktor und Simon, die alle verschiedene Motivationen haben, suchen wir mindestens einen Elefanten. Und finden noch einige mehr. Was sich hier ein bisschen flapsig anhört, ist aber ein tiefgehender subtiler Roman über scheinbar unsichtbare Nachwirkungen der eigenen Familiengeschichte. Hintergrund ist, dass Thomas, ein begabter aber mäßig erfolgreicher Anwalt während seiner Arbeitszeit Suizid begeht, oder einen Unfall hat, je nachdem wie man das sehen möchte. Völlig unerklärlich und unerwartet für die Familie, Kollegen und alte Freunde ... wobei... ist es wirklich unerklärlich? Und je länger man liest, desto mehr zeigt sich der Elefant - erschreckend banal und wohlbekannt. In den Nebenhandlungen erscheinen so einige mehr, aber nur in Sichtweite, nicht näher. Was sonst noch bemerkenswert an diesem Roman ist,ist, dass er sehr kurzweilig, menschlich und dennoch nicht zu schwer ist. Die Protagonisten sind real greifbar, keine Superhelden oder Superschurken, sondern ganz "normal". Mit Vogelkunde, Flugzeugwissen, Niederrheinliebe und dem Künstler Beuys garniert, was sich hier zugegebenermaßen wilder liest, als es tatsächlich ist. Es ist ein Roman, den man nochmal lesen kann,um vielleicht noch viel mehr kleine und feine Pointen rauslesen zu können, als es beim ersten Mal gelingt, weil man ja da gespannt auf die Auflösung wartet. Aber man bekommt durchaus sofort mit, dass der Autor Parabeln, Anekdoten und Analogien einstreut, um das große Thema anschaulich zu machen. Ein unaufgeregtes, schönes Buch, welches zum Nachdenken anregt und einlädt, nach einem unsichtbaren Elefanten in seinem Umfeld zu suchen. Aber Vorsicht, um Beuys und das Buch zu zitieren: Wer denkt, fliegt raus.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Experimentell und philosophisch

Der letzte Brief des Papstes
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Wer meine Überschrift liest, weiß schon, dass ihn hier kein Historienepos, Vatikanthriller an sich oder ähnlich Triviales erwartet. Das Buch ist anspruchsvoll und nicht einfach nur zur Unterhaltung. Obwohl ...

Wer meine Überschrift liest, weiß schon, dass ihn hier kein Historienepos, Vatikanthriller an sich oder ähnlich Triviales erwartet. Das Buch ist anspruchsvoll und nicht einfach nur zur Unterhaltung. Obwohl - unterhaltend ist es durchaus auch. Gerade in den ersten Kapiteln hat man hier einen wahren Pageturner, weil man ständig wissen möchte, wie es weiter geht. Später wiederholen sich einige Settings und Erkenntnisse, was nicht unbedingt schlecht ist, denn Wiederholungen vertiefen natürlich auch Geschriebenes, aber man liest nicht mehr so rastlos wie am Anfang.

Ein Prosatext in Versform ist anfangs gewöhnungsbedürftig, es macht hier durchaus aber Sinn, warum es so und nicht "normal" geschrieben wurde, aber da soll sich jeder selber Gedanken zu machen, weshalb ich hier meine für mich behalte.

Zum Inhalt lässt sich sagen, dass vieles gesagt, wenig gelöst und vieles aufgewühlt wird. Wir begleiten hier einen Novizen, der vor sich selber und seiner Vergangenheit ins Kloster geflüchtet ist. Er bleibt namenlos, denn das Buch ist aus seiner Perspektive geschrieben. Aber dort findet er keine Ruhe, eher im Gegenteil...

Es geht um Schuld, Sühne, Schweigen, Aufdeckung, politische, weltliche Handlungen an einem Ort, an dem Glauben und Nächstenliebe an erster Stelle stehen sollten. Dabei wird es aber nie konkret, vieles bleibt Unausgesprochen und auch nicht eindeutig. Wer hier eine deutliche Kirchenkritik oder Atheismus sucht, ist hier fehl am Platz. Das Buch lädt eher ein über Schuld an sich nachzudenken. Durch Schweigen, aber auch durch Aufdeckung. Und ob es ein Richtig oder Falsch gibt oder nur Entscheidungen.

Mir gefällt das Buch sehr gut, weil es sich aus der Masse abhebt. Einen Punkt Abzug gibt es nur, weil mir manche Wiederholungen dann doch etwas zu oft waren.

Ich bin auf die Fortsetzung sehr gespannt, denn die Geschichte brennt geradezu darauf, fortgeführt zu werden...





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Veröffentlicht am 14.11.2025

Narben verstummen nie...

Verstummte Narben: Thriller
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Catherine Shepherd steht für mich mittlerweile als Garantin der guten Thriller, die abwechslungsreich und intelligent sind und vor allem Spaß beim Lesen bringen. Hier ist also das neueste Werk um die Rechtsmedizinerin ...

Catherine Shepherd steht für mich mittlerweile als Garantin der guten Thriller, die abwechslungsreich und intelligent sind und vor allem Spaß beim Lesen bringen. Hier ist also das neueste Werk um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Wie bei allen Büchern von Catherine Shepherd ist auch dieses Werk in eine Reihe eingebunden. Dennoch, und das finde ich einfach richtig gut, kann man die Teile jeweils für sich lesen. Natürlich macht die persönliche Geschichte mehr Sinn, wenn man weiß, worum es im Großen geht, aber ich finde es immer sehr charmant, wie die Autorin diese wichtigsten Informationen einstreut, um jeden Lesenden mitzunehmen.

Die Story beginnt direkt, ohne großes Vorgeplänkel und ehe man sich versieht, versucht das Team unter Zeitdruck zu ermitteln. Als Leserin bekommt man den Stress mit, bekommt aber ebenso Einblicke in die Welt der Taten und der Opfer. Ich vermeide jetzt mit Absicht von einem oder mehreren Tätern zu sprechen, weshalb ich von Taten spreche.

Als erfahrene Thrillerleserin ahnte ich schon sehr zeitig, wer für die Taten verantwortlich ist, aber Catherine Shepherd schafft es immer wieder, dass ich damit hadere und zweifle und zwischendurch zig andere Leute im Sinn habe. Und das macht Spaß. Ich durfte dieses Buch in einer Leserunde lesen und es war toll zu sehen, wie die Geschichte von anderen Menschen hinterfragt und bearbeitet wird. Manche entsprachen 100% meinen Ideen, andere hatten ganz andere Ideen dazu und Wahrnehmungen, die ich gar nicht mitbekommen habe.

Und wenn ein Buch es schafft, die Lesenden bei der Stange zu halten, zum Rätseln zu motivieren und am Ende auch noch eine sinnige Auflösung hat, dann gibt es von mir 5 Sterne.

Zwischendurch bekommt das Buch auch ein bisschen "Das Schweigen der Lämmer" - Vibes und ich bin mir sicher, dass Julia nicht zum letzten Mal die Hilfe eines bestimmten Häftlings in Anspruch nimmt...

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Ein würdiger Vorgänger

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Bei Uketsu - HEN NA IE - Das seltsame Haus handelt es sich um das Vorgängerbuch von "Seltsame Bilder", was man aber nicht unbedingt merkt. Ich durfte dieses Buch in einer Leserunde mit anderen lesen und ...

Bei Uketsu - HEN NA IE - Das seltsame Haus handelt es sich um das Vorgängerbuch von "Seltsame Bilder", was man aber nicht unbedingt merkt. Ich durfte dieses Buch in einer Leserunde mit anderen lesen und weiß deshalb, dass das Meinungsspektrum sehr vielfältig ist. Der Einstieg und das Thema sind recht schnell klar, man sieht auf den ersten Seiten einen Hausgrundriss, an dem etwas seltsam sein soll. Ich habe drauf gestarrt und ehrlicherweise nicht viel Ungewöhnliches gesehen. Durch die Ermittlungen und Gedanken verschiedener Personen wird nach und nach aufgezeigt, was genau daran nicht stimmt, wie es interpretiert wird und so ergibt sich am Ende ein ganzes Bild einer grausigen Geschichte. Die Geschichte verläuft im Gegensatz zum Nachfolger linear, die Vergangenheit wird in Erinnerungen erzählt. Uketsu benutzt fast ausschließlich Dialoge, um die Geheimnisse zu lüften und die Sprache ist sehr japanisch. Höflich, unaufgeregt, ohne viel Drumherum. Uketsu selber hat das Buch in Japan gerade überarbeitet, leicht verändert und fotoähnliche Bilder beigefügt, natürlich die Sprache auf japanisch, weil er selber sagt, dass er mittlerweile mehr Erfahrung hat und es jetzt so aufbauen würde.
Soviel zum Formalen und jetzt meine Meinung: Ich finde das Buch nicht schwächer als "Seltsame Bilder", es ist anders, die Geschichte etwas skurriler und es gibt viele Personen. Die Idee mit den Grundrissen und den Erklärungen finde ich genial und die Auflösung ist für mich unter Berücksichtigung vom japanischen Verständnis von Mystery voll in Ordnung. Das Nachwort sorgt nochmal für einen zusätzlichen Drive, zusammengefasst: ich hatte Spaß. Es liest sich recht schnell und ist ein nicht zu schwerer Zeitvertreib, wenn man sich darauf einlassen kann, dass die Story in Deutschland etwas abstrus wirken kann. Und wenn man möchte, kann man auch die eine oder andere philosophische Überlegung anstellen, was ich zugegebenermaßen auch nicht sofort erkannt habe. Kann man durchaus nochmal lesen.

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