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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2020

brutal und spannend

Das Schicksal der Henkerin
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Das Schicksal der Henkerin ist die gelungene Fortsetzung eines ersten Bandes, der sich aber auch prima solo lesen lässt. Im Mittelpunkt steht Melisande, gegenwärtig Gattin eines erfolgreichen Händlers ...

Das Schicksal der Henkerin ist die gelungene Fortsetzung eines ersten Bandes, der sich aber auch prima solo lesen lässt. Im Mittelpunkt steht Melisande, gegenwärtig Gattin eines erfolgreichen Händlers aus Rottweil, die in einer furchterregenden Vergangenheit ihre Herkunftsfamilie verloren hat und deren Rachefeldzug nicht nur sie selbst, sondern auch ihren Mann und ihre Kinder in höchste Gefahr bringt.
Den beiden Autoren gelingt es fabelhaft, die Brutalität, Grausamkeit und Härte des Lebens im Neckartal des 14. Jahrhunderts zu schildern. Wer sich nicht vor Schwertschlägen, Morden ohne Ende, Vergiftung und vielen Toten graust, der hat hier ein extrem spannendes Werk vor sich. Literarisch ist das Werk sehr gut komponiert und lässt an Spannung und Lesedrand nichts zu wünschen übrig. Für zart besaitete Leserinnen ist es dann aber doch zu sehr von Gewalt und Blut triefend, zumal sich die Handlung dann doch vor allem immer und immer wieder darum dreht, dass eine vermeintlich naheliegende Lösung durch ein erneutes Unglück, bzw. Glückssträhne der Gegner wieder in weite Ferne rückt.

  • Cover
  • Handlung
  • Figuren
  • Atmosphäre
  • Thema
Veröffentlicht am 20.07.2020

Schwere Kost

Mehr als wir uns erträumten
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Schwere Kost
Der mehrfach ausgezeichnete finnische Autor Juha Itkonen erzählt in seinem zweiten in Deutschland erschienenen Werk autobiografisch von 2 Schwangerschaften seiner Ehefrau. In regelrecht voyeuristischer ...

Schwere Kost
Der mehrfach ausgezeichnete finnische Autor Juha Itkonen erzählt in seinem zweiten in Deutschland erschienenen Werk autobiografisch von 2 Schwangerschaften seiner Ehefrau. In regelrecht voyeuristischer Art lässt er uns über knapp 2 Jahre hinweg an seinem Innenleben und den Auseinandersetzungen mit seiner Frau teilnehmen. Auf den letzten Seiten schreibt er explizit, warum er dies tat: Um die Emotionen und Sorgen der Väter, die beim Thema Fehlgeburt, Frühchen etc. nur wenig thematisiert werden, aus der Verschwiegenheit zu holen. Dieses Anliegen ist sicher gut zu heißen, ob es aber auf die hier präsentierte Art geschehen muss, ist für mich fraglich.
Wir werden in jeden Ehestreit, in jede Auseinandersetzung mit den schön größeren Kindern, in jedes Versagen und jeden Zweifel des werdenden Vaters mit hineingenommen. In brutal ehrlicher Weise erhalten wir Einblick in sein Inneres, bis hin zu Briefen, die er seiner Frau schreibt.
Da naturgemäß eine Schwangerschaft v.a. aus Warten und Ungewissheit besteht, besteht auch das Buch v.a. aus seitenlangen Beschreibungen des Wartens und der Sorge. Das mag begründet sein, ist aber wahrlich kein Lesevergnügen. Zumal man dem Schreibstil die finnische Urausgabe deutlich anmerkt. Die knappen Sätze und Wortfetzen, sind anstrengend zu lesen, dies bessert sich im zweiten Teil etwas, bleibt aber nach wie vor schwer zugänglich, da es sich hauptsächlich um Aufzeichnungen aus dem Innenleben handeln. Einen Lesefluss ermöglichen dies alles nicht. Es wimmelt außerdem nur von regionalen/Finnischen Fachbegriffen, die es deutschen Leserinnen schwer machen, in die Szenerie einzutauchen.
Beworben wird das Buch als Lektüre für Mütter und Väter, die ein Kind erwarten. Dem kann ich definitiv nicht zustimmen. Wer sich selbst innerlich auf ein Kind oder eine Schwangerschaft vorbereitet wird von diesem Werk gewiss in tiefe Unsicherheiten gestürzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Thema
Veröffentlicht am 26.05.2020

„Endlich da sein, wo ich bin“ (S. Harfst)

Ein Sommer voller Schmetterlinge
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„Endlich da sein, wo ich bin“ (S. Harfst)
Lohnt es sich, für Dinge, die man wirklich will, alles aufzugeben, Rückschläge einzustecken, verhöhnt und verletzt zu werden? Ja – zumindest wenn man Beti heißt, ...

„Endlich da sein, wo ich bin“ (S. Harfst)
Lohnt es sich, für Dinge, die man wirklich will, alles aufzugeben, Rückschläge einzustecken, verhöhnt und verletzt zu werden? Ja – zumindest wenn man Beti heißt, aus England kommt und den Traum hat, in Spanien eine Bar zu führen. Beti wagt den Schritt und muss einen extrem steinigen Weg gehen, der immer und immer wieder von Herausforderungen und Momenten des Scheiterns gespickt ist. Aber sie lernt auf diesem Weg nicht nur ihre Leidenschaft für´s Flamencotanzen, was wirklich zählt im Leben: 1. nicht die Likes in den Sozialen Medien, sondern die Herzensliebe von Menschen, die einen nie fallen lassen. 2. Nicht die Pläne, die man sich auf dem Papier ausgemalt hat, sondern die Momente des Glücks, in denen das Herz ja sagt. 3. Nicht starre Regeln, die zwischen Vergangenheit und Zukunft unterscheiden, sondern die Möglichkeit, sich dem Leben anzupassen und trotzdem seine Identität nicht zu verlieren.
Jo Thomas beschreibt eine wunderbare Szenerie zwischen einem spanischen Urlaubsort und einen traditionellen spanischen Dorf, mit Personen, die Ecken und Kanten haben und gerade darin authentisch sind. Wir Leserinnen leiden unendlich mit Beti und haben doch die Hoffnung, dass ihre Träume Wirklichkeit werden.
Das Buch strotzt nur so von spanischer Lebenskultur: herrliche Beschreibungen der Landschaft und Landwirtschaft, der Kultur, der Lebensart und des Essens. Man steht schmeckend, hörend und riechend mitten drin. Es verzichtet auf große erotische Liebesszenen und lässt doch gerade in den kleinen Momenten eine tiefe Gefühlswelt aufscheinen, die so viel mehr ist als S..: Es geht um Vertrauen und Zutrauen, um Verantwortung, auch um Schuld und Versagen – aber schließlich wählt das Gefühl den richtigen Weg.
Kleine Mankos des Buches: Der Titel hat keinen wirklichen Bezug zum Inhalt. Die Handlung ist nicht immer ganz logisch – aber bei der ganzen Romantik und der schönen Szenerie sehe ich gern darüber hinweg.

  • Cover
  • Geschichte
  • Gefühl
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.05.2020

Olle Lindberg: Bork der Bäumling

Bork - Der Bäumling
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Maja Blomberg, ein schwedisches Mädchen, wie es normaler nicht sein könnte, trifft in der letzten Ferienwoche bei einem ihrer Waldspaziergänge auf einen Jungen, der so ganz anders ist als sie: Bork entpuppt ...

Maja Blomberg, ein schwedisches Mädchen, wie es normaler nicht sein könnte, trifft in der letzten Ferienwoche bei einem ihrer Waldspaziergänge auf einen Jungen, der so ganz anders ist als sie: Bork entpuppt sich als Bäumling: halb Mensch, halb Baum, mit fantastischen Fähigkeiten (Klettern wie ein Eichhörnchen, Heilen von Pflanzen), aber auch mit großen Defiziten, was das menschliche Leben angeht (schnell muss er sprechen, spielen und essen lernen). Seine wichtigste Eigenschaft aber ist, dass er sich für Maja und deren kleinen Bruder schnell zu einem wunderbaren Freund entwickelt, den sie nicht mehr missen wollen. Mit einiger Überzeugungskraft gelingt es den dreien gemeinsam, auch die Blomberg-Eltern davon zu überzeugen.
Die Gestalt basiert auf einer Legende der Wikinger, wobei die Entstehung der Welt von menschenähnlichen Bäumen geprägt war. So steht die Erzählung auf einer Zwischenebene zwischen realistischer Schilderung der heutigen Kinderwelt und der fantastischen Legendenwelt früherer Zeit. Sobald Kinder dies auseinanderhalten und sich auch in Sagenwelten einfinden können, haben sie hier sicher ihren Spaß daran.
Sprache und Thematik des Buches eignen sich deshalb wohl eher für Kinder ab 8 Jahren (statt der ausgezeichneten 7). Neben dem Thema Freundschaft, die auch in Widerständen und Gefahren Bestand hat, steht der wertschätzende Umgang mit der Natur im Vordergrund.
Kleine Skizzen auf jeder Seite, mittellange Kapitel und eine mittelgroße Schrift sind nicht für Leseanfänger, wohl aber für LeserInnen ab der 3. Klasse gut geeignet. Einen über die benannten Aspekte hinausgehenden pädagogischen Dukus konnte ich nicht erkennen – muss ja auch nicht in jedem Buch sein. Für Naturliebhaber ist es eine schöne Abwechslung – im nächsten Jahr folgt Band 2.

  • Geschichte
  • Stimmung
  • Fantasie
  • Cover
Veröffentlicht am 27.04.2020

schöne Dorfszenerie

Die kleinen Geheimnisse des Herzens
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Celia Anderson erzählt von einem kleinen Dorf in Schottland und seinen vielfältigen Beziehungen zueinander: 2 hochbetagte Damen, die in ihrem letzten Lebensjahren von ihrer bisherigen Feindschaft abkommen, ...

Celia Anderson erzählt von einem kleinen Dorf in Schottland und seinen vielfältigen Beziehungen zueinander: 2 hochbetagte Damen, die in ihrem letzten Lebensjahren von ihrer bisherigen Feindschaft abkommen, ein früh verwittweter Vater, der von einer alleinerziehende Frau umgarnt wird, die Familie eines Restaurantbesitzer und noch manch weitere. Auch Haustiere, v.a. Katzen und Hunde haben ihre besondere Rolle.
Das Buch zeichnet sich genau dadurch aus: Die Dorfszenerie ist wunderbar miteinander verwoben, jeder kennt nicht nur jeden, sondern alle Figuren agieren auch miteinander – nicht zuletzt durch den Besuch einer Enkelin, deren Aufenthalt bei ihrer Oma nicht nur das Dorfleben, sondern auch ihr eigenes gehörig auf den Kopf stellt. So entsteht ein liebevoll gezeichnetes Panorama der kleinen Gesellschaft.
Inhaltlich geht es um Themen wie Vergebung, das Ruhenlassen der Vergangenheit und der mutige Schritt in die Zukunft. Das Familiengeheimnis, das gleich auf den ersten Seiten thematisiert wird, wird wirklich erst im aller letzten Kapitel gelöst, so bleibt man als Leserin gespannt dabei.
Kleines Manko: Die Autorin musste ein paar unrealistische Detail einfügen, die vielleicht die ein oder andere Leserin stören werden: eine 110Jährige, die physisch und geistig nahezu ohne Einschränkungen agiert, sogar eine magische Fähigkeit besitzt und aus ebenfalls magischen Gründen zunächst unbedingt 111 Jahre alt werden will, sowie der auf dem Cover abgebildete Ring, dem ebenfalls magische Kräfte zugeschrieben werden und der deshalb immer wieder von Bedeutung ist.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren