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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2019

Berührendes Denkmal

Die Antwort auf Vielleicht
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Hendrik Winter erzählt auf einmalig berührende Weise von der Begegnung zwischen Taxifahrer Adam und der Krebspatientin Jessi. Die zum Teil auf wahren Erlebnissen des Autors beruhende Erzählung besticht ...

Hendrik Winter erzählt auf einmalig berührende Weise von der Begegnung zwischen Taxifahrer Adam und der Krebspatientin Jessi. Die zum Teil auf wahren Erlebnissen des Autors beruhende Erzählung besticht durch ihre Dramatik (Jessis Krebs ist unheilbar, sie kämpft um jeden einzelnen Tag, den sie noch mit ihrer kleinen Tochter verbringen kann), ihre Poesie (in Jessi schlummert eine famose Poetry-Slamerin), und ihre Tiefe (die Begegnungen mit Jessi beeindrucken den jungen Adam tief und verändern seine Einstellung zum Leben weitgreifend). Wir LeserInnen werden mitgenommen in vier intensive Wochen mit Höhen und Tiefen, wunderschönen Momenten, Zeiten tiefer Verzweiflung und machen uns daran, die eigenen Lebensfragen anzugehen.
Geschrieben ist die Erzählung nicht nur aus sehr fundierten Fachkenntnissen heraus, sondern auch mit dem feinen Humor, der Krebspatienten eigen ist. So versinkt die Geschichte an keiner Stelle im Elend, sondern bleibt trotz ihrer Dramatik ein Lebens-Mut-Macher. Sie erzählt gleichzeitig von den unterschiedlichen Bewältigungsstrategien, die Menschen (auch Angehörige) im Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag entwickeln können.
Alles in allem berührt es zutiefst, wie die zarte Liebe zwischen Adam und Jessi in der kurzen Zeit, die ihr verbleibt, eine solche Dynamik entwickeln kann und beiden Menschen zu unvergesslichen Momenten verhilft. Und genau darum geht es doch angesichts von Leben und Tod: Momente zu schaffen, die aus der Eintönigkeit eines kurzen oder langen Lebens herausstechen, weil sie bis zum Rand gefüllt sind mit Liebe, Mut und Risiko.

Veröffentlicht am 31.12.2018

crime, crime und etwas sex

Love & Danger - Verführerische Lügen
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Crime, Crime, Crime und ein bisschen sex
Angelina, Hausangestellte eines dubiosen Geschäftsmannes in Chicago versucht in ihrem Chef und dessen Handlangern den Tod ihrer Schwester zu rächen. Auch wenn sie ...

Crime, Crime, Crime und ein bisschen sex
Angelina, Hausangestellte eines dubiosen Geschäftsmannes in Chicago versucht in ihrem Chef und dessen Handlangern den Tod ihrer Schwester zu rächen. Auch wenn sie dabei geschickt vorzugehen scheint, steht sie dauerhaft in einem bedrohlichem, da weit größerem Machtgefüge das ihr Chef Marco Alighieri ausspannt. Dessen vermeintlicher neuer Geschäftspartner Jake Paxton scheint seinen eigenen Kampf zu führen, die Hintergründe seiner Machenschaften bleiben unklar. Die zarten Liebesbande, die Angelina und Jake verbinden, wecken bei beiden ungeahnte Hoffnungen. Die Frage, ob es ihnen gelingt, ihre Gefühle über die Macht und Machenschaften zu stellen, erzeugt eine nicht geringe Spannung.
Die Personen und ihre Handlungen werden in dieser Erzählung nur oberflächlich geschrammt. Es bleibt eine auf Kriminalität und Brutalität getrimmte story, die v.a. von der Frage, wer am Ende die Oberhand behält lebt. Wer facettenreichere Handlungsstränge sucht, ist hier fehl am Platz.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Adel in Zeiten der Weimarer Republik

Das Palais Reichenbach
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Josephine Winter erzählt gekonnt die Familiengeschichte einer Fürstenfamilie in den 1920er Jahren, die mitsamt ihren Bezugspersonen (Geschäftspartner, Angestellte, Lebensgefährtinnen) in den Trudel der ...

Josephine Winter erzählt gekonnt die Familiengeschichte einer Fürstenfamilie in den 1920er Jahren, die mitsamt ihren Bezugspersonen (Geschäftspartner, Angestellte, Lebensgefährtinnen) in den Trudel der Veränderungen gerät: Nicht nur die wirtschaftliche Basis der Familie schwimmt ihnen davon, zeitgleich zerbricht auch das angestammte Familienbild, nach dem sich jeder dem Erbe unterzuordnen habe. Die Generation der Kinder wächst in einer Welt auf, in der eine eigene Zukunft, ein eigenes Interesse, bis hin zu selbst ausgesuchten Lebenspartnern selbsverständlicher wird. Damit sind Konflikte mit der Elterngeneration vorprogrammier.
Es gelingt Winter besonders gut, diese Veränderungs- und spannungsreiche Zeit nicht nur aus Sicht eines bestimmten Milieus (Adel), sondern in vielerleich Sichtwinkeln (Künstler, niedere Angstellte, Homosexuelle, und viele andere mehr) zu erzählen. Damit wird das Werk zu einem wichtigen Plädoyer für die WErtschätzung der Diversität auch unserer Gesellschaft: Was für mich richtig ist, muss für andere noch lange nicht ebenso richtig sein. Was mir einleuchtet, stellen andere zu Recht in Frage.
Am Ende bleibt der Apell, nach gesellschaftlichen Normen zu suchen, die die Individualität und Würde einer jeden Person unabhängig ihres Geschlechts, Stand, ihrer Religion, Herkunft und ihres Berufes zu achten.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Emanzipation auf spanisch

Als das Leben vor uns lag
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Santos erzählt als Kennerin der spanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts fünf Frauenbiographien, die alle von der gemeinsamen Kindheit in einem streng katholischen Internat geprägt im Verlauf der folgenden ...

Santos erzählt als Kennerin der spanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts fünf Frauenbiographien, die alle von der gemeinsamen Kindheit in einem streng katholischen Internat geprägt im Verlauf der folgenden 30 Jahren Emanzipationen auf ganz unterschiedlichen Ebenen erleben:
- Religiöse Emanzipation von einem strafenden Gottesbild und der Macht der katholischen Kirche
- Emanzipation im Bereich der Bildung von Frauen, va. im universitären Kontext
- Kulturelle Emanzipation: welche Musik und Literatur darf/muss wahrgenommen werden
- Emanzipation von der eigenen Familie und die Frage, welche Macht der Vergangenheit, insbesondere den Eltern weiter zugesprochen wird
- Emanzipation in der eigenen Partnerschaft und die Frage, welche Rolle sie als (Ehe)Frau annehmen möchte
- Emanzipation in den eigenen Beziehungen und das Hadern mit der Treue
- Emanzipation der eigenen Sexualität
Jede Frau musste hier zwangsläufig ihren eigenen Weg finden und diesen nun in der Situation des Widertreffens neben die Wege und Entscheidungen der früheren Freundinnen stellen. Konflikte und Konkurrenzen sind hier unausweichlich.
Wie nebenbei werden auch einzelne wichtige Stationen der spanischen Geschichte der Nachkriegszeit und der Emanzipation des Staates von Diktatoren vorgestellt.
Auch wenn sich die Berichte der einzelnen Figuren seitenweise etwas in Details verlieren, gelingt es der Autorin eine kunstvolle Komposition der vier unterschiedlichen Frauentypen darzustellen und gleichzeitig einen höchst spannenden Verlauf des beschriebenen Abends zu konzipieren.

Veröffentlicht am 22.10.2018

erotische und packende Lektüre

Prince of Hearts - Diesmal für immer
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Die Hearts-Reihe wird fortgesetzt: wie gewohnt mir viel Emotionen, Dramatik, Erotik und Spannung. Dieses Mal stehen im Mittelpunkt: Reya, eine Musikerin, die gerade so von ihrer Kunst leben kann und Trev, ...

Die Hearts-Reihe wird fortgesetzt: wie gewohnt mir viel Emotionen, Dramatik, Erotik und Spannung. Dieses Mal stehen im Mittelpunkt: Reya, eine Musikerin, die gerade so von ihrer Kunst leben kann und Trev, Star einer erfolgreichen Serie über Parcour-Sportler. Beide haben schon eine lange gemeinsame Geschichte, die natürlich von Flirtereien, Verliebtsein und Eifersucht geprägt war. Als sie sich nach Jahren wiedersehen, hat sich viel verändert – und manches doch nicht. Als kurzfristig eine Stelle in der Filmcrew um Trevs Sportlerteam frei wird, ringt sich Reya auf Bitten Trevs durch, einzuspringen. Es beginnt eine mehrwöchige Reise durch Europa, bei der sich zwischen den verschiedenen Gruppenmitgliedern unterschiedliche Beziehungen, Nähen und Untiefen auftun.
Cosway zeichnet eine emotionsgeladene Beziehungskiste, die ungewohnte Tiefen eröffnet, gleichzeitig aber auch leichte und heitere Strecken hat. Die Begegnungen zwischen den unterschiedlichen Charakteren werden sehr anschaulich und tiefgründig dargestellt. Die erotischen Momente sind leidenschaftlich, die dramatischen packend und die biographischen Passagen fesselnd erzählt. Neben diesen Tiefen wird jedoch deutlich, dass das Werk insgesamt wenig Handlung erhält. Wer also nicht in eine Entwicklung, sondern in Emotionen eintauchen will, ist bei Prince of Hearts gut aufgehoben.