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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2023

Ein Roman der einen nicht kalt lässt

Der leere Platz
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Selten hat mir ein Buch so viel abverlangt wie dieses, und das ist nicht nur der schweren Thematik geschuldet. Es geht um eine Familie, die schöner, priviligierter und glücklicher kaum sein könnte, und ...

Selten hat mir ein Buch so viel abverlangt wie dieses, und das ist nicht nur der schweren Thematik geschuldet. Es geht um eine Familie, die schöner, priviligierter und glücklicher kaum sein könnte, und dem gerade erwachsen gewordenen Sohn, der von einem Tag auf den anderen von der Bildfläche verschwindet.
Er taucht einige Zeit später völlig verändert wieder auf, dann wieder für lange Zeit ab... bis schließlich die Psychiatrie anruft - Diagnose Schizophrenie.
Soweit kurz und straff worum es geht, ohne etwas vorwegzunehmen.
Was macht das mit einer Familie, wenn ein Mitglied psychisch schwer erkrankt, vor allem das wird in diesem Buch thematisiert.
Das und dieses absolut magische Buchcover, haben mich extrem angesprochen und ich habe vorab schon sehr viele positive Rezensionen gelesen.
Mich hat dieser Roman schwer zwiegespalten, denn auf der einen Seite fand ich ihn stilistisch gut geschrieben, vor allem die Hilflosigkeit und Zerrissenheit Marlens (Mutter des erkrankten jungen Mannes) waren schmerzhaft spürbar. Wir erfahren diese Geschichte ja aus ihrer Sicht... und genau da hatte ich mein erstes Problem:
Ich kam mit Marlen einfach nicht klar, ich fand sie weder besonders sympathisch noch konnte ich ihre Aktionen (vielmehr noch ihr Nichthandeln) nachvollziehen. Es taten sich beim Lesen für mich so viele Fragen auf, die mich extrem beschäftigt haben... einige werden am Ende des Buches "beantwortet", aber eher so nach dem Motto "Na halt WEIL". Meine Fragen konnten also nur unbefriedigend abgeschmettert werden oder aber wurden teilweise gar nicht beantwortet. Näher darauf eingehen kann ich in dieser Rezension leider nicht, weil ich spoilern würde.
Ein weiteres Problem war für mich das doch eher sehr spezielle Lebensformat der Familie, ich konnte mich damit nicht einmal annähernd identifizieren: reich, überpriviligiert, First-World-Problems (den schizophrenen Sohn natürlich ausgenommen), weisse Reiche in Marokko, isoliert von der marokkanischen Wirklichkeit.... nunja, es machte mir die Menschen nicht wirklich sympathischer.
Das Ende des Buches hat mich kopfschüttelnd zurück gelassen (ich hab mir sogar verzweifelt an die Stirn gepatscht), das war mir dann einfach zu viel an Spiritualität und ich bin mir nicht sicher, ob es dem ernsten Thema Schizophrenie wirklich gerecht wird. Und genau da habe ich mein drittes Problem:
Ist dies eine authentische, eine biografische Erzählung, eine Geschichte die im näheren Umfeld der Autorin passierte? Es mag Leser*innen geben, denen es egal ist, hauptsache es ist eine gut erzählte Geschichte. Mir ist das nicht egal, weil ich immer gerne wissen möchte, wie ich ein Buch einordnen soll. Warum sich eine Autorin dieses und keinem anderen Thema widmet. Und immerhin ist eine psychische Erkrankung ein ernsthaftes Thema, über das man sich gut informieren sollte, wenn man darüber ein Buch schreibt. Ist es autobiografisch, dann sehe ich es als Erfahrungsbericht mit all den Gefühlen, die damit einher gehen....
Und genau da stehe ich vor einer Wand, ein aufklärendes Nachwort hätte ich für mich sehr hilfreich gefunden.
Ich kann nicht behaupten, dass das Buch schlecht wäre, das ist es ganz sicher nicht. Aber durch die Figur der Mutter war es für mich manchmal wirklich schwer zu lesen.
Sollte es sich um eine wahre Geschichte handeln, so hoffe ich sehr, dass Marlen sich mittlerweile selbst professionelle und SERIÖSE Hilfe geholt hat, denn diese hat sie bitter nötig.

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Veröffentlicht am 04.06.2023

Wichtiges Buch über Rassismus

Kleine große Schritte
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Kann eine weiße privilegierte Frau einen glaubwürdigen Roman über Rassismus schreiben?
Ich schätze Jodi Picoult als Autorin sehr, die Bücher die ich bisher von ihr gelesen habe handeln immer von Menschen ...

Kann eine weiße privilegierte Frau einen glaubwürdigen Roman über Rassismus schreiben?
Ich schätze Jodi Picoult als Autorin sehr, die Bücher die ich bisher von ihr gelesen habe handeln immer von Menschen in Ausnahmesituationen, oder von Problemen, die Minderheiten haben aufgrund von Diskriminierung… ich weiß also, dass sie jede Menge Einfühlungsvermögen besitzt und auch gründlich recherchiert bevor sie ein Buch zu schreiben beginnt. Bei dieser Thematik allerdings war ich sehr skeptisch und habe mir zuerst das Nachwort durchgelesen. Dieses hat mich soweit überzeugt zu verstehen welche Intuition hinter dem Wunsch steckt, als weiße Frau einen solchen Roman schreiben zu wollen.
Und nach Beendigung dieser Lektüre bin ich überzeugt, dass es ein wichtiges Buch ist, wichtig für Menschen mit weißer Hautfarbe, um verstehen zu lernen, was es bedeutet nicht weiß zu sein.
Es ist bittere Lektüre, weil mir vor Augen gehalten wurde, wie oft ich Alltagsrassismus lebe, ohne dass es mir bewusst ist. Es hat mir Situationen gezeigt, über die ich gar nicht nachdenke, weil sie in meinem Leben einfach nicht vorkommen - nichtweisse Menschen aber ständig erleben.
Es ist eine erfundene Story, allerdings vollgepackt mit real Erlebtem, mit Erkenntnissen die Picoult aus vielen Interviews und Recherchen gewonnen hat.
Ich lege dieses Buch jedermann ans Herz!
Großartig übersetzt wurde es von Elfriede Peschel.
Es wird wohl gerade an einer Verfilmung gearbeitet und die Hauptrolle wäre die wunderbare Viola Davis… genau sie hatte ich auch vor Augen beim Lesen.

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Veröffentlicht am 02.06.2023

Großartiger Debütroman der unter die Haut geht

Entzwei
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Puuuh, was für ein Buch! Ich war die letzten Stunden nicht mehr ansprechbar und völlig in dieses Buch abgetaucht. Nicht nur, dass Sabine Gelsings Schreibstil mich bereits auf den ersten Seiten komplett ...

Puuuh, was für ein Buch! Ich war die letzten Stunden nicht mehr ansprechbar und völlig in dieses Buch abgetaucht. Nicht nur, dass Sabine Gelsings Schreibstil mich bereits auf den ersten Seiten komplett abgeholt hat, die Story selbst ist so unfassbar gut, aber auch extrem grausam.
Gelsings Debütroman (was kaum zu glauben ist, weil er einfach super professionell wirkt) geht unter die Haut, da er teilweise auf wahren Geschehnissen beruht.
Der Schreibstil ist schlicht und präzise und passt hervorragend zur Grundstimmung, bei traumatischen Erlebnissen verwendet sie Sprachbilder, die einen atemlos zurücklassen. Und trotzdem blitzt ab und zu subtiler Humor durch, was ich großartig fand.
Die Charaktere sind allesamt unheimlich griffig und glaubwürdig, egal welchen Alters. Ich habe dieses Buch nicht nur gelesen - ich habe es gespürt und gelebt.
Ein ganz großartiger Roman, den ich wärmstens empfehlen kann. Unbedingt auch das Nachwort lesen.
Bitte bitte mehr liebe Sabine Gelsing!

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Veröffentlicht am 31.05.2023

Spät entdeckt und verliebt

Glück ist, wenn man trotzdem liebt
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Also zur Zeit kommt man ja kaum um die - fast schon hysterische - Werbung um das neue Buch von Petra Hülsmann herum. Da ich ja völlig resistent gegen Werbung bin (hüstel), dachte ich mir, ich könnte mal ...

Also zur Zeit kommt man ja kaum um die - fast schon hysterische - Werbung um das neue Buch von Petra Hülsmann herum. Da ich ja völlig resistent gegen Werbung bin (hüstel), dachte ich mir, ich könnte mal eines ihrer älteren Bücher aus meinem RUB befreien…
Tja, was soll ich sagen?
Ich bin verliebt! Ich habe meine Liste der umwerfendsten Autor*innen um einen Namen erweitert.
Das Buch sieht aus wie Chick-Lit und es ist auch Chick-Lit… aaaaber: intelligenter Humor, keinerlei abgeschmackte Phrasen, tolle Charaktere in die man sich verlieben muss, skurrile Momente und Figuren und ein Plot, der einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Dieses Buch erfüllt zu einhundert Prozent alle meine Erwartungen, die ich an das Genre habe. Ich war für mehrere Stunden unansprechbar, habe Schokoladen Malheur gegessen (dabei mag ich doch nix Süsses!), habe den Duft der Blumenhandlung eingeatmet, war Flugzeuge beobachten und habe bei jeder Weinbeschreibung wie blöd gekichert.
Ja, ab jetzt bin ich auch ganz „Fan-Girl“ und kreische verzückt: Ich brauche ALLE restlichen Bücher von Petra Hülsmann!

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Veröffentlicht am 29.05.2023

Etwas für Japan Liebhaber*innen

Das Restaurant der verlorenen Rezepte (Die Food Detectives von Kyoto 1)
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Ein süsses Büchlein für Japan Liebhaber*innen.
Dieses Buch liest sich schnell an einem Nachmittag und fühlt sich ein wenig wie eine TV-Serie mit einzelnen Episoden an... kein Wunder, dass das auch genauso ...

Ein süsses Büchlein für Japan Liebhaber*innen.
Dieses Buch liest sich schnell an einem Nachmittag und fühlt sich ein wenig wie eine TV-Serie mit einzelnen Episoden an... kein Wunder, dass das auch genauso verfilmt wurde und in Japan sehr beliebt ist.
Ein ehemaliger Detektiv betreibt mit seiner Tochter ein kleines verstecktes Restaurant in Kyoto, viel Werbung will er gar nicht machen, weil er keine Lust auf kritische Bewertungen auf Online-Portalen hat.
Er kocht worauf er gerade Lust hat und wer zum ersten Mal bei ihm isst, der bekommt ein eigens für ihn zusammengestelltes Menü.
Aber eigentlich verirren sich hauptsächlich Menschen in dieses Lokal, die auf der Suche nach einem Gericht aus ihrer Vergangenheit sind. Und mit viel detektivischem Spürsinn werden die Zutaten und das Rezept aufgespürt und zwei Wochen später serviert.
Wir erfahren dabei nicht nur viel über die lokalen Küchen Japans, sondern generell über japanische Esskultur und natürlich die Lebensgeschichten der Suchenden.
Wenn man der japanischen Kultur zugeneigt ist, wird man dieses Buch wirklich sehr lieben... ich glaube, ich habe noch nie ein Buch gelesen, das japanischer war als dieses.
Und niemals sollte man mit leerem Magen in diesem Buch lesen, der fängt nämlich unmittelbar zu knurren an.
Übersetzt von Ekatarina Mikulich.

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