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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2022

Erschütternd und authentisch

Das Kind von Gleis 1
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Dieses Buch thematisiert den Transport jüdischer Kinder aus der Tschechoslowakei nach Großbritannien und zeigt den Trennungsschmerz zwischen Kinder und Eltern, als einzigen Ausweg für eine sichere Zukunft.
Die ...

Dieses Buch thematisiert den Transport jüdischer Kinder aus der Tschechoslowakei nach Großbritannien und zeigt den Trennungsschmerz zwischen Kinder und Eltern, als einzigen Ausweg für eine sichere Zukunft.
Die Thematik ist nicht neu und ich bin eigentlich kein Fan von erfundenen Biografien aus dieser Zeit - da ich der Meinung bin, dass es unzählige echte Biografien von Überlebenden gibt und keine Fiktion kann der Realität das Wasser reichen. Allerdings ist Gill Thompson sehr genau beim Recherchieren und hat sich durch viele Berichte gearbeitet bevor sie ihr Buch schrieb. Und das merkt man, es fühlt sich authentisch an von den Schicksalen her genauso wie die Darstellung der Zeit. Die Erzählung wird den tragischen Leidenswegen gerecht. Geschickt verknüpft sie auch fiktive Charaktere mit tatsächlich existierenden.
An einer Stelle wirkt es ein wenig konstruiert, aber dafür ist es halt ein Roman, wenn das nicht überstrapaziert wird, kann man darüber gut hinwegsehen.
Für Geschichtsinteressierte auf jeden Fall eine Empfehlung, in die Thematik vertiefen würde ich mich dann allerdings über reale Biografien.

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Zwei Erzählungen mit gewaltiger Sogwirkung

Die versteckte Apotheke
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Was für ein wundervolles Buch! Ich bin völlig ohne Erwartungen an dieses Werk gegangen und wurde überraschend reich beschenkt.
Fangen wir einfach mal mit der Optik dieses Buches an, das Cover ist wunderschön ...

Was für ein wundervolles Buch! Ich bin völlig ohne Erwartungen an dieses Werk gegangen und wurde überraschend reich beschenkt.
Fangen wir einfach mal mit der Optik dieses Buches an, das Cover ist wunderschön gestaltet und wenn man den Schutzeinband entfernt, steckt darunter ein genauso schönes "nacktes" Buch. Aber: Never judge a book by its cover... hier aber passt es nicht, denn vom Äusseren kann man auch auf das Innere schließen. Zwei-Zeitzonen-Stories, wir kennen das von unzähligen anderen halbhistorischen Büchern, die leider nur allzu oft nach Schema F gestrickt sind. "Die versteckte Apotheke" allerdings geht diese Thematik völlig anders an, sehr glaubwürdig und ohne Schmalz.
Wir haben auf der einen Seite Nella, eine Apothekerin für "besondere" Fälle aus dem 18. Jahrhundert und auf der anderen Seite Caroline, eine Frau der Gegenwart mit Identitäts- und Ehekrise. Wie die beiden Fälle verknüpft sind, müsst Ihr schon selbst lesen.
Der Schreibstil ist wunderbar und liest sich locker flockig schnell weg. Die Charaktere sind griffig und nachvollziehbar, beide Erzählungen spannend wie ein guter Krimi... auch wenn es keiner ist.
Wann immer ich ängstlich gedacht habe: Bitte bitte lass es nicht einfältig oder schnulzig enden... keine Angst, alle Auflösungen sind schlüssig und unkitschig, sehr lobenswert.
Gut recherchiert ist es obendrein (zumindest hat alles, was ich neugierig nachgegoogelt habe, gepasst).
Ein Buch das mir spannende, extrem unterhaltsame und kurzweilige Stunden beschert hat.
Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 19.07.2022

Über Schuld, Verrat und Missverständnis

Schuldig
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"The tenth circle" ... leider mal wieder von einem deutschen Verlag anmassend umbenannt in einen nichtssagenden Titel. "Der zehnte Kreis", den es in Dantes Inferno nicht gibt, die schlimmste Bestrafung ...

"The tenth circle" ... leider mal wieder von einem deutschen Verlag anmassend umbenannt in einen nichtssagenden Titel. "Der zehnte Kreis", den es in Dantes Inferno nicht gibt, die schlimmste Bestrafung für eine Schuld, die nicht einmal Dante einfiel?
Trixie, die 14 jährige Tochter von Laura und Daniel wurde vermeintlich vergewaltigt, von Jason - ihrer großen unerfüllten Liebe.
Die Anklage zerstört Jasons Leben, aber auch das der Familiie Trixies.
Ein Tatbestand, der nicht eindeutig klärbar ist und viele Fragen aufwirft, noch mehr als die Situation schliesslich eskaliert.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig gebraucht habe um in die Geschichte reinzufinden, bin aber sehr froh, dass ich weitergelesen habe.
Picoult schafft es auch in diesem Roman wieder, menschliche Verhaltensweisen aufzuzeigen, die nicht immer schwarz oder weiß sind. Es sind die Grauzonen, die diese Geschichte so realistisch machen.
Das Finale der Erzählung wartet mit einem Sahnehäubchen auf, in dem wir einen kurzen Einblick in eine Gemeinde von Eskimos in Alaska erhalten... und auch hier bleibt sie ernüchternd realistisch.
Ein tolles Buch, bei dem man sich oft dabei ertappt über das Gelesene zu reflektieren.

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Veröffentlicht am 18.07.2022

"Lieb das Buch wie ein Crawdad"

Mama Melba
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Was für ein tolles Buch!
Ich muss zugeben, dass ich ganz schön skeptisch war: eine deutsche Autorin schreibt über die Südstaaten, die Sklaverei und den Bürgerkrieg? Die Skepsis war völlig unbegründet!
Wir ...

Was für ein tolles Buch!
Ich muss zugeben, dass ich ganz schön skeptisch war: eine deutsche Autorin schreibt über die Südstaaten, die Sklaverei und den Bürgerkrieg? Die Skepsis war völlig unbegründet!
Wir begleiten die blutjunge Melba Koch, ein naives Mädel aus dem Schwarzwald, auf ihrem Weg in die Staaten. In Louisana angekommen ist sie erst einmal auf sich gestellt. Durch ihre Neugierde und ihrem Talent zu kochen findet sie schnell Anschluss und auch eine Stellung als Küchenhilfe auf einer Plantage. Wo sie zum ersten Mal in ihrem Leben mit der Thematik Rassismus und Sklaverei konfrontiert wird.
Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt, in einfacher aber sehr einnehmender Sprache - so habe ich amerikanische Geschichte aus dieser Zeit noch nicht gelesen.
Melba ist ein liebenswerter pragmatischer Charakter, den man einfach mögen muss. Aber auch alle anderen wichtigen Charaktere sind so wunderbar ausgearbeitet, dass man sie lebendig vor sich sieht.

Das Buch selbst ist sehr eindringlich: Thematik, Schreibstil, Dramatik.... alles perfekt kombiniert mit viel Liebe zum Detail. Viele Fakten kannte ich aus anderen Büchern bzw. Dokumentationen, Vieles war mir völlig neu. Die Romanfiguren werden noch lange in meinem Herzen wohnen.

Dieser Roman belegt jetzt schon die Top 10 der tollsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe

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Veröffentlicht am 17.07.2022

Kommunikation ist eine tolle Erfindung

Die Ewigkeit ist ein guter Ort
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Dieses Buch hat mich dezent aggressiv gemacht, nicht weil mich der Inhalt so gefesselt hätte, sondern weil es extrem konstruiert wirkt.
Die Protagonisten haben ein riesiges Problem, speziell die Hauptfigur: ...

Dieses Buch hat mich dezent aggressiv gemacht, nicht weil mich der Inhalt so gefesselt hätte, sondern weil es extrem konstruiert wirkt.
Die Protagonisten haben ein riesiges Problem, speziell die Hauptfigur: Null Kommunikation.
Es kann schon sein, dass die Autorin daraufhin weisen möchte, dass wir verlernt haben Probleme anzusprechen, über Gefühle generell zu sprechen, oder einfach miteinander zu sprechen. Aber in diesem Buch wirkt es allzu gewollt. Selbst der Papagei Gertrude möchte was sagen und kann nicht.

Als Agnostikerin (eine, die sich kaum Namen merken kann, geschweige denn Liedtexte oder Gedichte) hatte ich ja schon meine Probleme mit dem eigentlichen Problem der Hauptprotagonistin: sie ist Pastorin und kann sich von einem Tag auf den anderen an kein einziges Gebet mehr erinnern, ja sie kann noch nicht einmal aus der Bibel vorlesen.
Nun ja, ich erkenne vielleicht die Metapher dahinter.
Kurz und gut: dieses Buch konnte mich an keiner Stelle abholen. Es zog und zog sich dahin mit unsympathischen - teils psychopathischen - Protagonisten.
Auf der Suche nach sich selbst oder seiner inneren Mitte - da gibt es weit bessere Lektüre.

Nein, ich kenne niemanden dem ich dieses Buch empfehlen möchte.

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