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Veröffentlicht am 04.02.2024

Unspektakulär

Der Pfad
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“Der Pfad” von Megan Miranda handelt von dem kleinen Ort “Cutter’s Pass” in North Carolina, der idyllisch am Fuße eines Berges liegt. Es handelt sich um einen gefährlichen Ort, sieben Menschen sind spurlos ...

“Der Pfad” von Megan Miranda handelt von dem kleinen Ort “Cutter’s Pass” in North Carolina, der idyllisch am Fuße eines Berges liegt. Es handelt sich um einen gefährlichen Ort, sieben Menschen sind spurlos im Gebirge verschwunden. Der beliebte Appalachian Train fordert seine Opfer.

Zuletzt ist der Journalist Landon West verschwunden und als sein Bruder Trey nach Monaten im Passage Inn eincheckt, um mehr über das Verschwinden seines Bruders zu erfahren, rüttelt er an Türen, die besser verschlossen bleiben sollten. Auch Abby - Abigail- Lovett, welche seit 10 Jahren im Passage Inn arbeitet wird neugierig.
Irgendetwas stimmt nicht mit dem Ort. Die Einheimischen legen einen Mantel des Schweigens um die Geschehnisse, jedoch wird die Geschichte bei Führungen gut vermarktet und zieht die Touristen ins Dorf. Was ist passiert? Die Geheimnisse bleiben tief versteckt und jeder beschützt seinen Nachbarn, Freund und Verwandten.
Es ist ein kleiner Ort….

Die Autorin hat einen Thriller mit viel Potential geschrieben, leider konnte mich die Story nicht überzeugen. Sehr langatmig wurde von den verschwiegenen Dorfbewohnern, dem Trail und den verschwundenen Personen berichtet. Der Spannungsbogen kam erst in der zweiten Hälfte kurzzeitig zum tragen. Die Handlung wirkte anfangs vielversprechend, leider war kaum Spannung vorhanden und der Schreibstil konnte mich nicht fesseln. Sehr langatmig und unspektakulär bewegt sich der Thriller vorwärts.

Die Beschreibung der Protagonisten war blass, Abby als Hauptprotagonistin wirkte sympathisch und wurde authentisch dargestellt. Das Hotel, die Ortschaft und auch der Trail wurden bildlich beschrieben und als Leser konnte man sich sofort verbinden.

Leider nur 3 Sterne aufgrund der langatmigen Abschnitte ohne Spannung.


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Veröffentlicht am 28.01.2024

Yellow Mama

Seven Days
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„Seven Days“ von Steve Cavanagh ist ein herausragender Justizthriller über Rassismus und das Rechtssystem in Amerika.

Es handelt sich um ein in sich abgeschlossenes Buch der Eddie-Flynn-Reihe.

Steve ...

„Seven Days“ von Steve Cavanagh ist ein herausragender Justizthriller über Rassismus und das Rechtssystem in Amerika.

Es handelt sich um ein in sich abgeschlossenes Buch der Eddie-Flynn-Reihe.

Steve Cavanagh zieht uns gnadenlos in die bösartige Psyche der Menschen. Hüter des Gesetzes sollten fair und ohne Vorurteile handeln; ganz anders im Sunville County in Alabama. Bezirksstaatsanwalt Randal Korn genießt es die Menschen hinzurichten. Der elektrische Stuhl-auch Yellow Mama genannt- ist sein Lieblingswerkzeug.
Er manipuliert das System und genießt die Verbindung zum Gouverneur und dem Sheriffs Department.

Andy Dubois ein ruhiger, netter Afroamerikaner ist das nächste Opfer. Er wurde verurteilt, seine junge Kollegin Skylar nach der gemeinsamen Schicht im Pub grausam ermordet zu haben. Sein Geständnis und seine DNA liegen vor und der Bezirksstaatsanwalt plädiert auf Todesstrafe.

Eddie Flynn, früher Trickbetrüger, nun Anwalt in New York wird mit dem Fall beauftragt und hat nicht nur Randal Korn als Gegner, sondern eine ganze Stadt und in den Südstaaten ticken die Uhren noch anders. Hass kann schnell geschürt werden; Gewalt und Vergeltung sind keine Seltenheit. Im Hintergrund ein korruptes System - ein gefährlicher Ort für einen Verteidiger eines Afroamerikaners.

In dem County gibt es mächtige Vertreter, die sich für die weiße Rasse einsetzen. Diese nutzen skrupellos alle Mittel aus, um ihr Ziel zu erreichen und schrecken auch vor Mord und Gewalt nicht zurück.

Der Autor fesselt mit seinen Machtspielen, den Intrigen und dem juristischen Schlagabtausch, sowie den anschaulichen Erklärungen zum Rechtssystem in den Südstaaten. Die Strategien des Staatsanwalts und Verteidigers werden sehr detailliert eingebaut und atemlos verfolgt man als Leser die Wendungen in dem Fall. Es geht um Leben oder Tod und nur der bessere, geschicktere Jurist wird gewinnen. Die Zivilcourage der Geschworenen wird eingewoben und als Leser spürt man deren Vorurteile und auch deren Verantwortung.

Der Spannungsbogen wurde perfekt ausgearbeitet, man fliegt durch die Seiten. Die Protagonisten werden sehr bildlich beschrieben, der Bezirksstaatsanwalt riecht nach Fäulnis und als Leser hat man diesen ekelhaften Geruch direkt in der Nase. Eddie Flynn überzeugt durch seine hervorragende Kombination und Verteidigungsstrategie, vor allem jedoch zwecks seinem Gerechtigkeitsgefühl und seiner warmherzigen Art.

Ein meisterhafter Justiz-Thriller, der den Leser nicht mehr loslässt.

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Veröffentlicht am 25.01.2024

Ein trauriger Name

Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah
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„Wo ich wohne ist der Mond ganz nah“ von Cho Nam-Joo spielt im Viertel S-dong, einem der ärmsten Stadtteile in einem typischen Seouler Mondviertel. Mit den vielen kleinen Häuschen auf steilen Hügeln ist ...

„Wo ich wohne ist der Mond ganz nah“ von Cho Nam-Joo spielt im Viertel S-dong, einem der ärmsten Stadtteile in einem typischen Seouler Mondviertel. Mit den vielen kleinen Häuschen auf steilen Hügeln ist man „dem Mond ganz nahe“.
Mani Go ist Mitte dreißig, unverheiratet und lebt immer noch bei ihrer Familie. Die ICH-Erzählerin träumte als kleines Mädchen davon, Turnerin zu werden. Leider hat das Mädchen im Vergleich zu anderen wenig Talent und erlebt ihre erste große Enttäuschung. Aus Scham verbreitet sie eine Lüge und verstrickt sich darin.
Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Mani Go wurde von ihrem Arbeitgeber gekündigt, jahrelang war sie Manager Go und hat einfache Arbeiten verrichtet. Nun lebt sie mit der Scham, ihre Eltern nicht mehr unterstützen zu können, ihren Job verloren zu haben und unverheiratet zu sein.
Im Mondscheinviertel kennt und redet man übereinander.
Ihre Geburt war spektakulär : Die Mutter spürte nach 24 Stunden endlich etwas herauspurzeln und wollte wissen, was es nun sei. Ein Junge oder ein Mädchen? Der betagte Arzt resümierte: Es ist ein Kotklumpen.
Ihre Mutter hatte Angst während der Schwangerschaft auf die Toilette zu gehen. Das Baby könnte herausfallen. Somit war die Verstopfung vorprogrammiert und sie hatte erstmal einen Haufen Kacke auf die Welt gebracht und dann erst Mani.
Vielleicht hatte das Mädchen deshalb so Probleme mit der Hocktoilette und den Exkrementen. Und den Wunsch einen Mann mit Spültoilette zu heiraten.
Der soziale Aufstieg blieb ihr verwehrt; geprägt von Armut und Trostlosigkeit schreibt die Autorin über das Frauenleben in Seoul. Die Hoffnungslosigkeit trotz Arbeit nicht aus diesem Slum zu entkommen.
Entmutigt vertrödelt Mani den Tag vor dem Fernseher. Plötzlich erscheint ein Funken Hoffnung am Horizont; das Viertel soll saniert werden und ihr Vater hat einen Käufer für das Häuschen. Der Käufer hat noch nicht gehört, dass das Sanierungsprojekt abgeblasen werden soll. Sollen sie dem Käufer dieses Gerücht mitteilen? Kann die Familie ihr neues Leben auf einer Lüge beginnen? Ihre Ehrlichkeit für einen Neubeginn außerhalb Seoul aufgeben?
Durch den sachlichen Erzählstil kann man trotz derber Schicksalsschläge der Protagonistin keine Bindung aufbauen.
Als Leser ist man voller Mitgefühl und doch Unverständnis. Warum versucht die junge Frau nicht alles erdenkliche um ihr Leben zu verändern. Lustlos lebt Mani in den Tag, kein Anzeichen von Energie und Tatendrang. Ihr Leben verläuft trostlos, außer einigen Disputen mit ihrer Mutter ereignet sich kaum etwas.
Die Autorin beschreibt das primitive, trostlose Leben der armen Menschen in Seoul, die Hoffnungslosigkeit und das Zerplatzen von Träumen. Mit einfachen, schlichten Worten schreibt Cho Nam-Joo über ein Leben ohne großartige Bildung, erdrückt in Scham und Misserfolgen. Und doch geht das Leben weiter - immer weiter und wir können es nicht überspringen.
Gomani wird auch ein Hügel genannt; der Hügel dessen Überquerung >das Ende_< bedeutet. Wieso hatten Manis Eltern ihr so einen traurigen Namen gegeben?
Ein außergewöhnlicher Entwicklungsroman über den freudlosen Frauenalltag in Südkorea.

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Veröffentlicht am 22.01.2024

Minderheitenrechte

Nachbarn
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„Nachbarn“ von Diane Oliver (1943-1966) ist eine Sammlung unterschiedlicher Geschichten aus den 50er und 60er Jahren über die Bürgerrechtsbewegung in Amerika und deren unterschiedliche Formen von Diskriminierung ...

„Nachbarn“ von Diane Oliver (1943-1966) ist eine Sammlung unterschiedlicher Geschichten aus den 50er und 60er Jahren über die Bürgerrechtsbewegung in Amerika und deren unterschiedliche Formen von Diskriminierung und Rassismus.

Nachbarn erzählt von dem kleinen Tommy, der als einziges farbiges Kind eine Schule der Weißen besuchen soll. Ellie, seine Schwester trifft auf dem Nachhauseweg den alten Mr. Paul und dieser murmelt: Ich glaube nicht, dass sie ihm was tun“.
Auch ein unbekanntes Paar aus einem Auto spricht Ellie an: Hör mal Mädchen, du kennst mich nicht, aber dein Vater kennt mich. Sag ihm, wenn seinem Jungen morgen was passiert, bringen wir die Sache in Ordnung“.
Die Weißen bedrohten die Familie seit Wochen, Drohbriefe wurden an den kleinen Tommy geschickt. Polizeifahrzeuge vor dem Haus sollen der Familie ein Gefühl der Sicherheit geben.
Der Junge ist still und verängstigt. Bis eine Bombe am Vorabend des Schulstart alles auf den Kopf stellt und die Angst allgegenwärtig ist. Das Leben ihres Kindes liegt in der Verantwortung der Eltern und doch hadern diese mit sich: Wie sollen sie ihren Kindern klarmachen, dass sie Angst vor den Weißen haben?

Unglaublich intensiv zeichnet die Autorin ein Bild der Angst, des Unbehagen und die Bösartigkeit der Weißen. Die Hautfarbe zeigt die Unterschiede auf und trotz der Bürgerrechtsbewegung ist der Hass deutlich spürbar.

Ein Mädchen wird von ihren Eltern auf die Green-Hill-Universität geschickt in der Hoffnung, dass sie die erste farbige Absolventin wird. Ihr Vater hat alles dafür getan, Bittbriefe geschrieben und mit einer Klage gedroht. Alle Mädchen außer Winifred waren in einer Studentinnenverbindung. Ihre Mitbewohnerin redete über sie, ihre Eigenarten, Gewohnheiten und ihre Kleidung. Das Mädchen wird zur Außenseiterin, bis sie nicht mehr am Unterricht teilnimmt, alleine ein Zimmer bewohnt und nur noch eine fensterlose Kammer zum lernen nutzt. Die Hausmutter macht sich Gedanken und ein Arzt fragt, ob es ihr etwas ausmacht, die einzige Schwarze am College zu sein.
Winifred verlässt das College und ihr Vater meint: Sie haben sich aufgeführt, als wärst du nicht gut genug für ihr College.“
Wer oder was macht das Mädchen krank?

Junge Farbige gehen in den Tea Room und wollen viermal das Tagesgericht bestellen; alle Weißen verlassen fluchtartig das Restaurant und die Polizei nimmt die jungen Menschen mit auf das Revier. Aus der schaulustigen Menge hörten die jungen Menschen wie jemand laut >Ni****< rief. Die beiden Männer und Frauen wurden stundenlang verhört, eingesperrt und zuletzt die Männer nochmal befragt und dabei misshandelt.

In den weiteren Kurzgeschichten geht es um Rassenintegration und die Storys werden tiefgründig, emotional und intensiv beschrieben.
Geht es um die Integration oder um das eigene Schicksal? Welcher Weg ist richtig, der private oder politische?
Nicht nur Schwarze, auch Weiße sind Leidtragende der Minderheitenrechte auch wenn die Gesetze bereits in den 60er Jahren aufgehoben wurden.

Die junge Autorin zeigt unglaublich gut mit ihren Kurzgeschichten die verschiedenen Lebensweisen von Schwarz und Weiß, die unterschiedlichen Wahrnehmungen und was eine Hautfarbe für Auswirkungen auf das Leben und das Umfeld haben kann.
Hoch emotional und zugleich schlicht und ergreifend zieht uns Diane Oliver in ihre Storys.
Fesselnd und ergreifend öffnen wir nach jeder Geschichte mehr und mehr unser Herz. Als Leser fasziniert der Schreibstil und eröffnet uns andere Sichtweisen.

Ein Kampf für die gleichen Rechte, Hoffnung verbunden mit Angst.
Ein Spagat zwischen Liebe und Hass, Freundschaft und Angst, Schwarz und Weiß ….

Diane Oliver hat ein großartiges literarisches Werk erschaffen.

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Veröffentlicht am 21.01.2024

Fehlende Erinnerung

In den Stunden einer Nacht
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„In den Stunden einer Nacht“ von Federico Axat ist ein Leckerbissen unter den Psychothrillern.

SPOILER!

Unglaublich gut inszeniert zieht uns der Autor mit seinem fesselnden Schreibstil in diesen Thriller. ...

„In den Stunden einer Nacht“ von Federico Axat ist ein Leckerbissen unter den Psychothrillern.

SPOILER!

Unglaublich gut inszeniert zieht uns der Autor mit seinem fesselnden Schreibstil in diesen Thriller. Ein Netz aus Lügen, Täuschung und Tarnung wartet auf den Leser. Frederick Axat hat mit diesem Werk einen hochspannenden Psychothriller voller Rätsel geschrieben.

John Brenner, trockener Alkoholiker, erwacht in seinem Haus im Wald und sieht neben sich eine tote Frau. Die leere Wodkaflasche spricht Bände und Johns Kopf ist leer. Keine Erinnerung….
Was hat er getan?

In Panik versucht er die Frau zu reanimieren, doch es gibt keinen Zweifel, sie ist tot. Ermordet! Es sieht alles danach aus, als wäre er der Täter. John versucht sich zu erinnern und scheitert kläglich. Er rennt in den Wald, trifft auf einen Van mit Überwachungssystem und sieht in diesem sein Wohnzimmer. Was geht hier vor? Wer beobachtet ihn?
Bevor er die Polizei anrufen kann, meldet sich zufällig sein älterer Bruder Mark. In Panik erklärt er Mark alles und läuft zurück in sein Haus. Dort trifft er auf Mark und auf ein Haus ohne Leiche.
War es ein halluzinatorischer Anfall? Im Wachzustand?

Sein Bruder war kein Experte für Halluzinationen, jedoch unglaublich intelligent und leitete
ein Labor. Seine Firma Meditek will er nun verkaufen, was für John absolut nicht glaubhaft war. War sein Bruder unheilbar krank? Alles drehte sich und war zuviel für John. Was passiert hier?
Warum hat Mark angerufen, wer war die Frau und wer wollte ihm einen Mord anhängen? Wohin ist alles verschwunden?

Der Autor beschreibt die Protagonisten und Orte bildlich. Die Charaktere werden bis in die Vergangenheit gezeichnet. Die Spannungskurve wird gehalten, man fliegt durch die Seiten und fiebert mit John und seinen engsten Freunden. Er hat die Sympathie des Lesers auf seiner Seite und doch ist alles unglaublich fein ausgeklügelt und Frederico Axat spielt mit der Wahrnehmung des Lesers. Wie eine Spinne ihr Opfer einwickelt, so wickelt der Autor den Leser in ein Meer von Irrungen und Täuschungen.
Es kann doch unmöglich ein Anfall oder Traum gewesen sein?!

Ein empfehlenswerter Psychothriller.

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