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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2025

Zwischen Ordnung und Aufbegehren

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
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Meine Meinung

Ich habe „1000 und ich“ von Yorick Goldewijk gelesen und gebe dem Buch drei von fünf Sternen. Die Geschichte hat mich wegen ihrer düsteren Stimmung von Anfang an beschäftigt. Ich war sofort ...

Meine Meinung

Ich habe „1000 und ich“ von Yorick Goldewijk gelesen und gebe dem Buch drei von fünf Sternen. Die Geschichte hat mich wegen ihrer düsteren Stimmung von Anfang an beschäftigt. Ich war sofort in der Welt von Surdus, in der alle Menschen Nummern tragen und Gefühle, Zweifel und Fragen verboten sind. Die Hauptfigur 8 erlebt jeden Tag denselben starren Ablauf und diese Monotonie konnte ich beim Lesen fast spüren. Als 8 auf 1000 trifft, bricht etwas in ihr auf und sie beginnt zu merken, dass es mehr geben könnte als Gehorsam und Gleichheit. Dieser Moment hat mich nachdenklich gemacht, weil er zeigt, wie ein einziger Auslöser ein ganzes System ins Wanken bringen kann.

Der Schreibstil passt für mich gut zu dieser Welt. Die vielen Wiederholungen und der ruhige Rhythmus verstärken das Gefühl von Leere und Kontrolle. Gleichzeitig fand ich es manchmal anstrengend, weil wenig Handlung passiert und fast alles in Gedanken abläuft. Auch das Ende ließ mich zwiespältig zurück. Es gibt keine klare Auflösung. Das finde ich einerseits interessant, andererseits hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Orientierung gewünscht.

Trotzdem hat das Buch für mich eine starke Wirkung, weil es mich über Freiheit und Identität nachdenken lässt. Was macht mich als Menschen aus, wenn ich nicht fühlen oder zweifeln darf. Wie viel Mut braucht es, anders zu sein, wenn alle anderen gleich bleiben wollen. Insgesamt war es für mich eine intensive, aber nicht durchgehend fesselnde Lektüre.



Klappentext

Für 8 ist jeder Tag gleich. Jeden Tag lebt sie nach einer strengen Lehre, die sie auf ein sinnvolles Leben im Ausland vorbereitet. Jeden Tag fügt sie sich unter Tausende andere Mädchen, die genauso aussehen wie sie.
Aber 8 fühlt anders. Sie fühlt sich besonders, und das ist ein Problem. Denn jemand zu sein, ist verboten und kann sie in große Gefahr bringen. Doch eines Tages hebt ein anderes Mädchen den Blick und sieht sie an. Und für 8 gibt es kein Zurück mehr. Sie wird fliehen müssen. Zusammen mit ihr.

Über den Autor

Yorick Goldewijk wurde 1979 in den Niederlanden geboren. Er wollte immer Schriftsteller, Künstler und Musiker werden. Das Zeichnen hat im Laufe der Jahre ein wenig nachgelassen, aber er hat nie aufgehört zu schreiben. Neben Kinder- und Jugendbüchern schreibt er Musik für Werbespots, Filme und sogar für Spiele. Mit seinem Kinderbuch »Cato und die Dinge, die niemand sieht« gewann er 2022 den Goldenen Griffel, den wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis in den Niederlanden.


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Veröffentlicht am 15.09.2025

Magische Süßigkeiten aus der Mondlichtgasse

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Meine Meinung

Ich habe "Der Laden in der Mondlichtgasse" mit großer Neugier gelesen, weil mich die Grundidee sofort angesprochen hat. Ein unscheinbarer kleiner Laden, geführt von einem Fuchsgeist, der ...

Meine Meinung

Ich habe "Der Laden in der Mondlichtgasse" mit großer Neugier gelesen, weil mich die Grundidee sofort angesprochen hat. Ein unscheinbarer kleiner Laden, geführt von einem Fuchsgeist, der japanische Süßigkeiten verkauft und Menschen in persönlichen Krisen begleitet – das klingt nach einer Mischung aus Märchen und Alltagsgeschichte, die mich sofort in den Bann gezogen hat.

Der Erzählstil ist ruhig und klar. Die sechs miteinander verbundenen Episoden entfalten sich langsam und jede einzelne Figur steht für ein eigenes Thema wie Einsamkeit, Selbstzweifel oder das Gefühl, nicht in die Welt zu passen. Genau diese ruhige Art des Erzählens hat mir gefallen, weil sie Zeit lässt, nachzudenken und die Stimmungen auf sich wirken zu lassen. Die Lösungen, die sich für die Figuren ergeben, sind oft sanfte Anstöße, keine großen Umbrüche. Für mich reicht das, weil es die warme, tröstliche Wirkung des Buches unterstützt.

Besonders berührt hat mich Kogetsu, der Fuchsgeist. Er bewegt sich zwischen den Welten und beobachtet die Menschen mit einer Mischung aus Neugier und leiser Distanz. Seine geheimnisvolle Art gibt der Geschichte eine besondere Tiefe, auch wenn ich mir manchmal mehr Einblicke in seine eigene Vergangenheit gewünscht hätte.

Am stärksten bleibt mir die Atmosphäre im Gedächtnis. Die Beschreibungen der japanischen Süßigkeiten, die Mondlichtgasse selbst, dieses Gefühl, einen Ort zu betreten, der nur für einen kurzen Moment existiert – all das wirkt sinnlich und zugleich beruhigend. Ich konnte die Düfte und Geschmäcker fast spüren (und hätte dort auch am liebsten einen Besuch mal abgestattet).

Für mich ist dieses Buch ein leiser Trostspender. Es bietet keine dramatischen Überraschungen, sondern kleine, feine Geschichten, die Zuversicht schenken. Wer sich auf diese sanfte Magie einlässt, bekommt ein warmes, poetisches Leseerlebnis.

Für alle Leser, die auch "Bevor der Kaffee kalt wird" (auch eine Empfehlung von mir!) gelesen haben und mochten :)


Über den Autor

Die Autorin Hiyoko Kurisu wurde in der Präfektur Ibaraki geboren. Sie hat mehrere Romane verfasst, und ihr Debüt, Confectionary Senpai’s Delicious Recipes, wurde mit dem Sonderpreis des »Let´s Become a Novelist«-Preises von Starts Publishing ausgezeichnet. Ihr jüngstes Buch war The Twilight Post Office in the Night Alley, das die Fortsetzung zu Der Laden in der Mondlichtgasse ist.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

tolles Debüt

Pagans - Ein Killer. Zwei Cops. Hunderte Götter
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Meine Meinung
Beim Lesen von "Pagans – Ein Killer. Zwei Cops. Hunderte Götter" hat mich vor allem die Idee rund um ein England ohne industrielle Revolution, in dem Kelten, Sachsen und Pikten mit alten ...

Meine Meinung
Beim Lesen von "Pagans – Ein Killer. Zwei Cops. Hunderte Götter" hat mich vor allem die Idee rund um ein England ohne industrielle Revolution, in dem Kelten, Sachsen und Pikten mit alten Religionen und Göttern leben und Politik von Spannungen und Misstrauen geprägt ist, fasziniert. Der Mord an einem Diplomaten bringt die fragile Ordnung ins Wanken und die Ermittler Aedith und Drustan müssen trotz ihrer Gegensätze zusammenarbeiten. Ich fand das Zusammenspiel der beiden lebendig und glaubwürdig, ihre Unterschiede machen meiner Meinunng nach den Reiz aus.

Das Setting ist ungewöhnlich und detailliert, manchmal fast zu dicht, sodass der Einstieg schwerfällt. Man braucht Geduld und Konzentration, bis man sich in den vielen Begriffen und kulturellen Eigenheiten zurechtfindet. Wenn man aber drin ist, entfaltet die Geschichte eine besondere Spannung, die aus Krimi, politischer Intrige und alternativer Historie besteht.

Etwas schwächer fand ich, dass sich die Handlung in der Mitte etwas zieht und dass das Finale weniger kraftvoll wirkt als der lange Aufbau vermuten lässt. Trotzdem hat mich das Buch beschäftigt und wirklich gut unterhalten können. Für mich ist es ein tolles und gelungenes Debüt.



Über den Autor

James Alistair Henry arbeitete als Buchhändler und ist ein bekannter und vielfach ausgezeichneter Drehbuchautor und Redakteur, u.a. für die Kult-Serien SMACK THE PONY, GREEN WING, CAMPUS sowie für die erfolgreichen Kinderserien BOB DER BAUMEISTER, HEY DUGGEE und SHAUN, DAS SCHAF. Seine Sketchshow WOSSON CORNWALL wurde zur BBC RADIO COMEDY OF THE WEEK gewählt. James lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Cornwall.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Eine ruhige Reise durch Familie und Gefühle

Katzen, die wir auf unserem Weg trafen
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Meine Meinung

Ich habe das Buch als eine ruhige und gefühlvolle Geschichte erlebt. Aisha erfährt, dass ein Meteorit die Erde zerstören wird. Statt Spannung gibt es viel über Familie, Beziehungen und verlorene ...

Meine Meinung

Ich habe das Buch als eine ruhige und gefühlvolle Geschichte erlebt. Aisha erfährt, dass ein Meteorit die Erde zerstören wird. Statt Spannung gibt es viel über Familie, Beziehungen und verlorene Nähe zu lesen. Sie reist mit ihrer Mutter durch Malaysia, um ihre entfremdete Schwester zu finden und alte Wunden zu heilen.

Der Titel hat mich zunächst verwirrt, weil es kaum Katzen gibt. Doch er passt gut, weil die Begegnungen im Buch Spuren hinterlassen, auch wenn sie leise sind. Die Kapitel sind kurz und oft wechseln die Zeiten, aber das hat für mich gut funktioniert. Es geht weniger um Handlung als um Gefühle.

Besonders berührt hat mich die Beziehung zwischen Aisha und ihrer Mutter. Die unausgesprochenen Konflikte wirken echt und die wenigen Momente von Nähe sind intensiv. Das Ende ist offen, aber das hat für mich gut zur Geschichte gepasst.

Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen. Es ist kein actionreicher Roman, sondern eine stille Geschichte über Familie, Verlust und Nähe. Wer sich darauf einlässt, wird eine Geschichte finden, die nachklingt.

Die Covergestaltung finde ich super!


Über Nate Ng

Nate Ng lebt in Kuching, Malaysia, und arbeitet freiberuflich als Illustratorin. Bei ihren Zeichnungen für ›Katzen, die wir auf unserem Weg trafen‹ hat sie sich von Dato' Mohammad Nor bin Mohammad Khalid, besser bekannt als Lat, inspirieren lassen, weil er die malaysische Landschaft in einem ausgeprägt nostalgischen Stil darstellt. Nate Ngs Hobbys sind Frisieren, Hunde trainieren und Horrorserien schauen, und sie würde gern mal eine Horrorgeschichte über Hundetraining und Friseure illustrieren.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Toller Schreibstil, leise intensive Story!

Der letzte Tag des vorigen Lebens
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Meine Meinung

Ich habe "Der letzte Tag des vorigen Lebens" mit großer Aufmerksamkeit gelesen und gebe dem Buch klar fünf von fünf Sternen. Es ist ein stiller, konzentrierter Roman, der ohne laute Effekte ...

Meine Meinung

Ich habe "Der letzte Tag des vorigen Lebens" mit großer Aufmerksamkeit gelesen und gebe dem Buch klar fünf von fünf Sternen. Es ist ein stiller, konzentrierter Roman, der ohne laute Effekte auskommt und gerade dadurch eine enorme Spannung entfaltet. Die Erzählerin, eine Maklerin, betrachtet Häuser nicht bloß als Objekte, sondern als Speicher vergangener Leben. Als sie auf eine Geschichte stößt, die sie nicht mehr loslässt, kippt ihre professionelle Distanz langsam in eine gefährliche Nähe.

Was mich beeindruckt hat, ist die Sprache. Die Sätze sind präzise, unaufdringlich und doch voller Nachhall. Vieles geschieht zwischen den Zeilen, und gerade das macht den Text so dicht. Es ist keine klassische Geistergeschichte, und doch liegt eine unterschwellige Unruhe über allem. Die Figuren sind komplex und fehlerhaft, ohne jemals konstruiert zu wirken. Der Roman stellt Fragen nach Verantwortung, Erinnerung und Selbsttäuschung, ohne sie je platt zu beantworten.

Ein leises, kluges Werk, das seinen vollen Sinn erst entfaltet, wenn man ihm Zeit zum Nachklingen gibt.


Klappentext

Sie ist eine Immobilienmaklerin mittleren Alters, Tochter eines Friseurs, seit zwei Jahren verheiratet mit einem älteren Mann, zu dem sie sich nicht mehr hingezogen fühlt. Sie übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus. Mit einer solchen Hingabe, dass es für sie eine Kunst, eine Art Poesie ist, für jedes Haus den perfekten Besitzer zu finden. Sie ist stolz darauf, Häuser zu ertasten und ihre Vergangenheit zu erspüren. Eines Tages, als sie eine leer stehende Villa für die Besichtigung vorbereitet, stößt sie auf einen achtjährigen Jungen in einer braunen Schuluniform, der nicht blinzelt. Er scheint aus einer anderen Zeit zu kommen, gefangen an diesem Ort wie ein Insekt in einem Glas. Das Kind erwartet etwas von ihr, das spürt sie. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihnen eine verstörende Abhängigkeit, die das Leben der Frau für immer verändern wird.


Über den Autor

Andrés Barba, 1975 in Madrid geboren, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Spaniens. Sein Werk ist mehrfach preisgekrönt: Für den Roman »Die leuchtende Republik« erhielt er den renommierten Premio Herralde de Novela. »Der letzte Tag des vorigen Lebens« wurde mit dem Premio Finestres de Narrativa ausgezeichnet. Andrés Barba hat Autoren wie Herman Melville, Henry James, Joseph Conrad und Thomas De Quincey übersetzt. Er lebt in Argentinien.

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