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Veröffentlicht am 05.11.2025

Empathie

I feel you
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Meine Meinung

Ich habe das Buch "I feel you" von Yasmine Mbarek gelesen und fand es sehr interessant. Es geht darum, was Empathie heute bedeutet und wie schwer es manchmal ist, wirklich zuzuhören. Sie ...

Meine Meinung

Ich habe das Buch "I feel you" von Yasmine Mbarek gelesen und fand es sehr interessant. Es geht darum, was Empathie heute bedeutet und wie schwer es manchmal ist, wirklich zuzuhören. Sie selbst sagt auch, dass viele mit dem Begriff um sich werfen, ohne wirklich zu wissen was Emphatie bedeutet. Besonders in sozialen Medien reagieren viele schnell, ohne wirklich zu verstehen.

"Man denkt dann ja vermutlich auch, dass man empathisch sei. Das ist immer eine 50/50-Chance, dass das tatsächlich so ist und man sich nicht nur selbst darstellt. Es ist ein wenig verblendet und zeugt vielleicht auch von Naivität. Das hier ist kein Appell, sondern ein unterschwelliger Dauerbeweis, wie schön Empathie ist, wenn man ihr eben nicht verblendet entgegensteht, voller Erwartung und Gutgläubigkeit." (ZITAT)

Mir gefällt, dass Mbarek Empathie nicht als etwas Schönes und Einfaches beschreibt. Sie zeigt, dass es Kraft kostet, andere wirklich zu verstehen. Besonders spannend fand ich ihre Idee von den "empathischen Egoisten". Das sind Menschen, die andere verstehen wollen, auch wenn sie dabei auch etwas für sich selbst erreichen. Das wirkt ehrlich und realistisch.

"Der Versuch, empathisch zu sein, ist gleichzeitig auch der Versuch, Menschen zu lieben." (ZITAT)

Ich finde die Sprache insgesamt gut, allerdings fand ich die Menge am Denglisch zu viel / störend.

Die Gedanken im Buch sind spannend. Beim Lesen musste ich oft nachdenken, weil immer wieder neue Ideen kommen und oder weil ich mich angesprochen gefühlt habe, zum Beispiel bei dem Thema, dass man manchmal automatisch empathisch reagiert, weil man sehr sensibel ist und früh gelernt hat, Stimmungen und kleine Veränderungen wahrzunehmen. Dadurch stellt man oft die Bedürfnisse anderer vor die eigenen, um Konflikte und Stress zu vermeiden.

Besonders gefallen hat mir, dass Mbarek Beispiele aus dem Alltag, der Politik (u.a. AfD), Musik (u.a. Dua Lipa) und den sozialen Medien verbindet. Das macht das Thema verständlich. Ich hätte mir manchmal mehr Tiefe gewünscht, aber das Buch soll eher zum Nachdenken anregen, als alles genau zu erklären.

Die Zitate bei den Kapitelanfänge finde ich gut und passed gewählt.

Das Buch gibt tolle Einblicke und lässt einen selbst mehr über Empathie nachdenken.


Über die Autorin

Yasmine M’Barek, geboren 1999, ist Journalistin, Podcasterin und Autorin. Sie hat die Kölner Journalistenschule besucht und ist Redakteurin bei ZEIT Online. Regelmäßig ist sie in politischen Talkshows zu Gast und hostet den ZEIT-Podcast Ehrlich jetzt. Yasmine M’Barek lebt in Köln und Berlin.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein Blick ins Moskau der frühen 2000er

Moscow Mule
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Meine Meinung

"Moscow Mule" von Maya Rosa ist nicht nur aufgrund des schönen Covers ein echter Blickfang. Für mich ist es ein Buch, das Sprache, Atmosphäre und Figuren auf eine Weise verbindet, die ich ...

Meine Meinung

"Moscow Mule" von Maya Rosa ist nicht nur aufgrund des schönen Covers ein echter Blickfang. Für mich ist es ein Buch, das Sprache, Atmosphäre und Figuren auf eine Weise verbindet, die ich selten so überzeugend erlebt habe.

Die Darstellung des Moskau der frühen 2000er Jahre wirkt glaubwürdig und lebendig. Man spürt die Widersprüche dieser Stadt in den Augen der jungen Frauen Karina und Tonya, ihre Sehnsucht nach Freiheit, die Enge ihrer Umgebung und die Einschränkungen des Alltags.

Ich habe mich sofort in die Figuren hineinversetzt gefühlt, besonders in Karina, deren Trotz und Lebensenergie die Geschichte trägt. Ihre Freundschaft zu Tonya fand ich spannend, authentisch und emotional nachvollziehbar, weil sie Nähe und Distanz gleichermaßen spiegelt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Stil. Maya Rosa schreibt klar und echt direkt, schafft es aber trotzdem ein tolles Gespür für die Sprache zu haben, da sie eine gute Mischung aus Humor und Ernst wählt.

Die Szenen wirken wie Momentaufnahmen, die trotzdem ein stimmiges Ganzes ergeben.

Gut stellt die Autorin auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen Russlands dar. Es gibt Momente, in denen die Handlung etwas langsamer wirkt, was mich persönlich nicht sehr gestört hat.

Insgesamt hat mich Moscow Mule als Debüt sprachlich und inhaltlich sehr gut unterhalten können.


Klappentext

Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig.


Über die Autorin

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer Familie in Berlin.


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Veröffentlicht am 04.11.2025

Phänomenale Idee eines erschreckenden Szenarios

Das Dream Hotel
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Meine Meinung

Packende Grundidee, toller Schreibstil

Ich habe "Das Dream Hotel" von Laila Lalami gelesen und war tief beeindruckt, aber auch erleichtert, dass diese Welt, so glaubwürdig sie geschildert ...

Meine Meinung

Packende Grundidee, toller Schreibstil

Ich habe "Das Dream Hotel" von Laila Lalami gelesen und war tief beeindruckt, aber auch erleichtert, dass diese Welt, so glaubwürdig sie geschildert ist, hoffentlich noch weit von unserer Realität entfernt bleibt. Der Roman entwirft ein Szenario, in dem Träume von Algorithmen überwacht und analysiert werden, um das Risiko zukünftiger Straftaten zu bewerten. Allein diese Vorstellung ist gleichermaßen faszinierend und beängstigend. Lalami führt vor, wie schnell Kontrolle, Sicherheit und Überwachung zu einem entmenschlichten System verschmelzen können. Ich fand das erschütternd und gleichzeitig fesselnd.

Was mich besonders überzeugt hat, ist die Sorgfalt, mit der Lalami ihre dystopische Welt konstruiert. Alles wirkt durchdacht: die Bürokratie, die Sprache der Behörden, die kalte Logik des Systems.

Die Autorin beschreibt kein Horrorszenario (wenn man sich in dieser Situation selbst befinden würde ist es wohl eines), sondern eine scheinbar vernünftige Ordnung, die sich nach und nach als Albtraum entpuppt. Gerade diese Ruhe, dieses Fehlen offener Gewalt, macht das Buch so intensiv. Ich hatte ständig das Gefühl, dass "etwas Grundsätzliches nicht stimmt". Eine unterschwellige Unruhe, die bis zur letzten Seite anhält und mich als Leserin absolut gefesselt hat.

Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt. Lalami schreibt präzise, dicht, ruhig und ohne unnötige Ausschmückung, aber so, dass die Ungerechtigkeit im ganzen Buch laut schreit.

Großartig fand ich auch die detaillierte Deklarierung wie "Einbehaltenen" und die Namen der einzelnen Systeme, die Lalami sich ausgedacht hat – sie machen die Welt noch glaubwürdiger und eindringlicher.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite

Für mich ist "Das Dream Hotel" ein großartiger, eindringlicher Roman, eine phänomenale Idee eines erschreckenden Szenarios. Tolles Buch!


Klappentext

Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten: Ihr Risikowert sei zu hoch, denn die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Zu seiner Sicherheit muss sie sich für einundzwanzig Tage unter Beobachtung begeben. Während ihr Mann ahnungslos mit den zweijährigen Zwillingen auf ihre Rückkehr wartet, wird Sara in Gewahrsam genommen. Zunächst versucht sie genau wie die anderen inhaftierten Frauen, ihre Unschuld zu beweisen. Doch als immer neue Gründe auftauchen, weshalb sich ihre Haft verlängert, beginnt Sara zu ahnen, dass sie auf eigene Faust für ihre Freiheit einstehen muss.


Über die Autorin

Laila Lalami wurde in Rabat geboren und hat in Marokko, Großbritannien und den Vereinigten Staaten studiert. Sie ist Autorin von vier Romanen und zahlreichen Essays, die u. a. in der Washington Post, The Nation und der New York Times erschienen sind. Ihre Bücher wurden in zwanzig Sprachen übersetzt. Bei Kein & Aber erschienen ihre Romane Die Anderen, der auf der Shortlist des National Book Award stand, sowie Der verbotene Bericht, mit dem sie den American Book Award erhielt und Finalistin des Pulitzer Prize wurde. Laila Lalami ist Professorin für Kreatives Schreiben an der University of California, Riverside. Sie lebt in Los Angeles.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Was bleibt, wenn alles zerfällt

Der brennende Garten
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Meine Meinung

Schon in den ersten Seiten zieht mich die Welt von Sashi in ihren Bann. In der Geschichte geht es um eine junge Frau im Studienalltag mit einem Traum, Ärztin zu werden, während um sie herum ...

Meine Meinung

Schon in den ersten Seiten zieht mich die Welt von Sashi in ihren Bann. In der Geschichte geht es um eine junge Frau im Studienalltag mit einem Traum, Ärztin zu werden, während um sie herum eine Gemeinschaft, eine Familie und ein Land in den Strudel von Gewalt und Verzweiflung geraten. Ich habe selten eine Geschichte erlebt, die das Alltägliche und das Extrem so dicht miteinander verwebt wie in diesem Roman...und mich zugleich noch so sehr mitreißt.

Die Figuren wirken nicht wie Platzhalter für politische Ideen, sondern Menschen mit Hoffnungen, Schuldgefühlen, Bindungen und Abgründen.Alles hier wirkt super authentisch. Sashi etwa bleibt verletzlich, mutig und immer auch zwiegespalten. Ihre Brüder, ihre Eltern, sie alle tragen das Gefühl mit, dass etwas schiefgelaufen ist  und / aber dass Aufgeben keine Option ist.

Die Erzählung spannt einen Bogen vom häuslichen Garten, vom Arzttraum, vom Studieren bis hinein in Feldhospital und eine Welt, in der Unterscheiden schwer wird: Freund oder Feind, Zuhause oder Flucht, Helfen oder Beteiligen.

Dieses Buch packt!

Die Sprache tut ihren Teil, denn sie ist genau, sie ist sparsam, sie lässt Bilder und Stimmungen in mir nachwirken.

Wer Lektüre will, die Ablenkung bietet und sich schnell „weglesen“ lässt, der ist hier falsch.
Der brennende Garten ist ein toller bedeutungsschwerer Roman, den ich allen empfehle, die sich auf eine Lektüre einlassen wollen, die zum Nachdenken anregt. Es ist kein Wohlfühlroman.


Über die Autorin

V. V. Ganeshananthan ist außerordentliche Professorin für Englisch an der University of Minnesota. Ihr Roman Der brennende Garten wurde von der Kritik gefeiert und 2024 mit dem Women's Prize for Fiction sowie dem Carol Shields Prize ausgezeichnet. Sie co-hostet den Fiction/Non/Fiction-Podcast auf Literary Hub, der sich mit dem Schnittpunkt von Literatur und Nachrichten beschäftigt.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Die Wurzeln des Wahnsinns – Familiengeschichte als Psychogramm

Botanik des Wahnsinns
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Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt ...

Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt erlebt. Es geht um einen jungen Psychologen, der auf eine Familie blickt, in der über Generationen psychische Erkrankungen und Abhängigkeiten präsent sind, und fragt sich deshalb immer wieder, ob er selbst irgendwann betroffen sein wird.

Für mich war es beeindruckend, wie Engler diese Ängste und Beobachtungen nicht nur erzählt, sondern zugleich analytisch reflektiert.

Was mich besonders angesprochen hat, ist der Ton des Buches. Engler bleibt sachlich, fast lakonisch, aber gleichzeitig sehr nah an den Menschen und ihren Eigenheiten.

Gleichzeitig habe ich gespürt, dass der Roman kein dramatisches Geschehen liefern will. Das schafft er wegen der nüchternen Erzählung auch ganz hervorragend. Die Episoden springen zwischen Generationen, zwischen Klinikalltag und Reflexionen, und manchmal musste ich mich darauf einlassen, dass nicht alles eine klare emotionale Klammer hat.

Für mich ist Botanik des Wahnsinns ist ein tolles anspruchsvolles gutes Debüt, das mich am Ende auch nachdenklich gestimmt hat.Das Ende ist rund und man erkennt alle Zusammenhänge.


Über den Autor

LEON ENGLER wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. ›Botanik des Wahnsinns‹ ist sein Debütroman.


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