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Veröffentlicht am 07.04.2025

Begegnungen

Schweben
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Meine Meinung und Inhalt

"Noch nie war es vorgekommen, dass die Pflicht getan werden musste; so nannte man die Order, jeden, der sich
den Grenzen der Siedlung von außen näherte, sofort zu erschießen. ...

Meine Meinung und Inhalt

"Noch nie war es vorgekommen, dass die Pflicht getan werden musste; so nannte man die Order, jeden, der sich
den Grenzen der Siedlung von außen näherte, sofort zu erschießen. Und es würde nicht vorkommen, war Sasha
sich sicher. Niemand wollte in diese Siedlung. Das System, das behauptete, das hier wäre einer der wenigen schönen,
lebenswerten Orte auf der Welt, log doch. Wenn es so wäre, müsste es doch irgendwann einmal jemand, der sich nach
einem besseren Leben sehnte, probieren. Tat aber keiner." (ZITAT)

Wir treffen als Leser von "Schweben" auf einen Roman, welcher sich scheinbar in einer dystopischen und zukunftsbasierten Welt abspielt.

Das Leben spielt sich in einer - nach einer Klimakatastrophe entstandenen - abgeschotteten Siedlung ab, in welcher es klare Regeln gibt. Verlassen werden darf diese nicht, auch Gewaltausübung wird hart bestraft. Augenscheinlich führen die Menschen dort ein friedliches Leben - wenn auch stark kontrolliert und überwacht.


"Ich hatte nie verstanden, warum das System das Museum nicht längst für etwas anderes nutzte oder den Bau nicht überhaupt niedergerissen hatte, denn eigentlich war es verboten, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Das gehörte zu den wenigen Regeln, die es in der Siedlung gab: kein Streben nach mehr, keine Akkumulation von Wissen um das Davor und Draußen. Verstöße gegen diese beiden Regeln wurden
allerdings kaum geahndet, einzig die Ausübung von Gewalt wurde hart bestraft." (ZITAT)


Amira Ben Saoud schreibt in der Ich-Perspektive. Die "namenlose" Protagonistin verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie für zahlende Kunden die Rolle von Frauen übernimmt, die aus deren Leben verschwunden sind. Diese “Begegnungen” dienen dazu, den Hinterbliebenen über ihren Verlust hinwegzuhelfen. Doch während eines neuen Auftrags beginnt sie, ihre eigene Identität und die Realität um sie herum infrage zu stellen.


Der Autorin gelingt es meisterhaft, grundlegende Fragen nach Identität und zwischenmenschlichen (auch toxischen) Beziehungen zu thematisieren. Die Protagonistin, die ihren eigenen Namen vergessen hat und erst durch ein Aufeinandertreffen einer Person aus der Vergangeheit wieder daran erinnert wird, verliert sich zunehmend in den Identitäten anderer, was die Leser:innen dazu anregt, über die Konstruktion des Selbst und die Bedeutung von Authentizität nachzudenken.


"Was ich vermisste, war, mich intensiv mit den Eigenheiten und Angewohnheiten einer Person zu befassen. Ich
vermisste es, mich innerlich und äußerlich zu verwandeln, bis ich mich selbst nicht mehr erkannte. Ich vermisste es,
ein anderer Mensch zu sein. Ich hatte ein Talent an mir entdeckt, das ich nicht ignorieren wollte, denn vielleicht
hatte ich nur das eine. Ich wollte es nutzen, allerdings zu meinen Bedingungen." (ZITAT)


Surreale Ereignisse die sich in plötzlich auftretenden Fähigkeiten der Bewohner widerspiegeln lassen einen als Leser überrascht, irritiert und verstört zurück.

“Schweben” ist kein Wohlfühlroman. Doch gerade diese Eigenschaften machen ihn zu einem lesenswerten Debüt.


Klappentext

Gewalt scheint nicht mehr zu existieren, der Klimawandel längst vollzogen. Eine bedrohliche Gelassenheit liegt über der abgeschotteten Siedlung, in der sie lebt. An ihren eigenen Namen hat sie keine Erinnerung mehr. Sie verdient ihr Geld damit, andere Frauen zu imitieren, deren Angehörige nicht mit dem Verlust der Geliebten, der Ehefrau, der Tochter zurechtkommen. Während eines neuen Auftrags gerät ihre Welt ins Wanken: Wer ist diese Emma, die sie spielt? Weisen seltsame Phänomene am Rand der Siedlung auf deren Untergang hin? Und warum ist sie selbst so besessen davon, eine andere zu sein? Amira Ben Saoud gelingt ein fesselndes Debüt, das schwebend leicht grundsätzliche Fragen nach Identität und Beziehungen stellt und danach, was wir uns selbst vorspielen.


Über die Autorin

Amira Ben Saoud, geboren 1989 in Waidhofen/Thaya, studierte Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Komparatistik in Wien. Sie war Chefredakteurin des Popkulturmagazins The Gap und Kulturredakteurin beim Standard. »Schweben« ist ihr erster Roman.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Ein Familienporträt voller Risse und Geheimnisse

Die Fletchers von Long Island
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Meine Meinung und Inhalt

Taffy Brodesser-Akner entwirft mit Die Fletchers von Long Island ein einfühlsames und zugleich ungeschöntes Bild einer Familie, die unter der Last der Vergangenheit zerbricht ...

Meine Meinung und Inhalt

Taffy Brodesser-Akner entwirft mit Die Fletchers von Long Island ein einfühlsames und zugleich ungeschöntes Bild einer Familie, die unter der Last der Vergangenheit zerbricht und sich gleichzeitig verzweifelt an ihr festhält.

Die Geschichte beginnt mit einem Albtraum: 1980 wird Carl Fletcher, Patriarch einer wohlhabenden jüdischen Familie, vor seinem Haus entführt. Nach seiner Freilassung scheint das Leben weiterzugehen,doch die eigentlichen Folgen der Tat zeigen sich erst mit den Jahren. Seine Ehefrau Ruth entwickelt eine fast zwanghafte Fürsorge, um ihre Familie zusammenzuhalten. Der älteste Sohn Nathan entwickelt eine tiefe Angst vor Kontrollverlust, während sein Bruder Beamer sich dem Gegenteil hingibt und sich in Eskapaden verliert. Und dann ist da noch Jenny, das jüngste Kind, das nach der Entführung geboren wurde und mit einer Vergangenheit ringt, die sie selbst nie erlebt hat.

Die Autorin schafft es geschicht die Figuren auszuarbeiten und die langfristigen Auswirkungen eines Traumas subtil und realistisch darzustellen.

Für mich war das wirklich ein berührender, feinfühliger Roman, der nicht nur von einer Familie erzählt, sondern auch von den Geheimnissen und Schatten, die jede Familie mit sich trägt.


Inhalt

1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie. Und diese Auswirkungen gestalten sich mal verstörend und mal überaus amüsant!

Über die Autorin

Taffy Brodesser-Akner schreibt für das NEW YORK TIMES MAGAZINE, für GQ und viele andere Medien und ist Autorin des internationalen Bestsellers FLEISHMAN STECKT IN SCHWIERIGKEITEN, der in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde. Sie hat außerdem das Drehbuch für die gleichnamige Serie verfasst und war als Producerin tätig. DIE FLETCHERS VON LONG ISLAND ist ihr zweiter Roman.


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Veröffentlicht am 02.04.2025

Wie wir unser Unterbewusstes überlisten und negative Gedankenschleifen ausschalten

Die dunkle Seite des Gehirns
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Meine Meinung und Inhalt

In "Die dunkle Seite des Gehirns" nimmt uns der Hirnforscher Stefan Kölsch mit auf eine spannende Reise durch die Mechanismen unseres Unterbewusstseins. Er erklärt, wie unser ...

Meine Meinung und Inhalt

In "Die dunkle Seite des Gehirns" nimmt uns der Hirnforscher Stefan Kölsch mit auf eine spannende Reise durch die Mechanismen unseres Unterbewusstseins. Er erklärt, wie unser Gehirn unbewusst Entscheidungen beeinflusst, uns in negativen Denkmustern gefangen hält und damit unser Wohlbefinden beeinträchtigen kann. Kölsch zeigt auf, dass viele unserer täglichen Reaktionen und Emotionen nicht bewusst gesteuert werden, sondern auf automatischen Prozessen basieren. Doch das Gute daran: Mit den richtigen Methoden lassen sich diese Muster durchbrechen.

Das Buch punktet besonders mit seiner leicht verständlichen Sprache. Komplexe neuropsychologische Zusammenhänge werden anschaulich und alltagsnah erklärt, sodass auch Leser ohne Vorwissen der Thematik folgen können. Kölsch nutzt viele Beispiele aus dem täglichen Leben, die klar verständlich für mich waren und hilfreich.


"Die dunkle Seite des Gehirns" gibt wertvolle Einblicke in die verborgenen Prozesse unseres Denkens. Es regt dazu an, die eigene Wahrnehmung bewusster zu hinterfragen und gezielt gegen negative Denkmuster vorzugehen.

Wer sich für die Funktionsweise des Gehirns interessiert und lernen möchte, wie man sich von destruktiven Gedankenmustern befreit, wird in diesem Buch sicherlich viele spannende Erkenntnisse finden.


Über den Autor

Stefan Kölsch, geboren 1968 in Wichita Falls (Texas), schloss zunächst ein Geigenstudium ab und erwarb anschließend Diplome in Psychologie und Soziologie, bevor er am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig promoviert wurde. Er arbeitete an der Harvard University sowie im Exzellenzcluster „Languages of Emotion“ der FU Berlin und folgte 2015 einem Ruf auf eine Professur an die renommierte Universität Bergen in Norwegen.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Was Frauen nicht mehr hören wollen

Bullshit-Bingo – Was Frauen nicht mehr hören wollen
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Meine Meinung und Inhalt

„Du musst nicht gleich hysterisch werden! Lächle doch mal! Hast du deine Tage? Und wer passt auf die Kinder auf?“Wer kennt sie nicht, die Bullshit-Sätze, die uns sprachlos machen? ...

Meine Meinung und Inhalt

„Du musst nicht gleich hysterisch werden! Lächle doch mal! Hast du deine Tage? Und wer passt auf die Kinder auf?“Wer kennt sie nicht, die Bullshit-Sätze, die uns sprachlos machen? Das Autorinnen-Team des Ladies Mentoring Netzwerks geht auf Recherchereise und sammelt unfassbare Geschichten, im beruflichen und privaten Kontext, die Frauen wirklich erlebt haben. Momente, in denen die schlagfertige Antwort ausblieb. Mit „Bullshit-Bingo“ sensibilisieren sie für die unterschätzten Folgen solcher Aussagen und zeigen Frauen, dass sie nicht allein sind. Gemeinsam erarbeiten sie perfekte Antworten, die dem Gegenüber noch lange in Erinnerung bleiben werden.



Ich habe Bullshit-Bingo mit großen Erwartungen angehört, weil das Thema absolut relevant ist. Die Idee, typische Sätze, die Frauen im Alltag hören müssen, zu sammeln und passende Konter zu liefern, fand ich super. Es gibt definitiv viele Situationen, die ich selbst erlebt habe, und viele der vorgeschlagenen Antworten sind echt hilfreich.

Allerdings konnte ich das Hörbuch nicht in einem Stück hören – es war einfach zu viel Input auf einmal. Die ständige Aneinanderreihung von Beispielen wirkte auf Dauer etwas erschlagend. Ich hätte mir vielleicht eine etwas lockerere Struktur gewünscht, die mehr Raum zum Reflektieren gibt. Auch wenn Humor dabei ist, bleibt die Dichte an Aussagen hoch, sodass ich zwischendurch Pausen brauchte.

Insgesamt ein wichtiges und starkes Hörbuch mit guten Denkanstößen, aber für mich wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Wer sich gezielt mit solchen Themen auseinandersetzen will, sollte sich Zeit nehmen und es in kleineren Portionen hören. Ansonsten ist es super zum Reflektieren, Umsetzen und Verinnerlichen.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Ein packender Thriller über digitale Überwachung

Going Zero
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Meine Meinung und Inhalt

Mich konnte dieses Buch total packen. Dies war mein erstes Buch von McCarten und ich war wirklich begeistert.

Er thematisiert in diesem Buch was wohl passiert, wenn man für 30 ...

Meine Meinung und Inhalt

Mich konnte dieses Buch total packen. Dies war mein erstes Buch von McCarten und ich war wirklich begeistert.

Er thematisiert in diesem Buch was wohl passiert, wenn man für 30 Tage völlig von der Bildfläche verschwinden muss?

Zehn Menschen nehmen an einem Experiment teil, das vom milliardenschweren Tech-Unternehmer Cy Baxter und der CIA organisiert wird. Wer es schafft, sich einen Monat lang vor der hochmodernen Überwachungssoftware FUSION zu verstecken, gewinnt drei Millionen Dollar. Doch während sich alle auf das Spiel konzentrieren, verfolgt Kaitlyn Day eine ganz eigene Agenda – und plötzlich wird aus dem Experiment bitterer Ernst.

Der Thriller ist nicht nur temporeich und voller Überraschungen, sondern auch hochaktuell. Es geht um Datenschutz, staatliche Kontrolle und die Frage, ob es in unserer digital vernetzten Welt überhaupt noch möglich ist, unsichtbar zu bleiben.


McCarten schreibt sehr dynamisch und so schafft er eine Sogwirkung auf den Leser.

Besonders spannend ist das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kaitlyn und den Ermittlern, die immer wieder glauben, sie hätten sie erwischt – nur um dann doch wieder ins Leere zu laufen.


Going Zero“ ist ein rasanter, intelligenter Thriller, der zum Nachdenken anregt – und gleichzeitig erstklassig unterhält.


Inhalt

Hat man als Einzelner überhaupt eine Chance gegen das System? Eine junge Bibliothekarin aus Boston ist entschlossen, es zu versuchen – ihr bleibt keine Wahl. Und so greift sie zu, als sich die Einladung zu einem ungewöhnlichen Kräftemessen bietet: dem Betatest von FUSION, einem Projekt der US-Geheimdienste und des Social-Media-Moguls Cy Baxter. Wem es gelingt, 30 Tage unauffindbar zu bleiben, dem winken 3 Millionen Dollar. Doch Kaitlyn geht es um etwas anderes.


Über den Autor

Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹. Es folgten Romane und Drehbücher, für die er schon mehrere Male für einen Oscar nominiert war (u.a. zu den internationalen Filmen ›The Theory of Everything‹ und ›Darkest Hour‹ und ›Bohemian Rhapsody‹). Er lebt in London.

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