Profilbild von Booklyn

Booklyn

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Booklyn ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Booklyn über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2018

Atemberaubende Jagd rund um den Bondensee

Die Bücherjäger
4 1

Die Bücherjäger von Dirk Husemann – ein historischer Roman

Konstanz zur Zeit des Konzils, 1417: Poggio Bracciolini ist ein Meister im Aufstöbern antiker Texte - ein Bücherjäger. In einem Bergkloster am ...

Die Bücherjäger von Dirk Husemann – ein historischer Roman

Konstanz zur Zeit des Konzils, 1417: Poggio Bracciolini ist ein Meister im Aufstöbern antiker Texte - ein Bücherjäger. In einem Bergkloster am Bodensee entdeckt er ein Buch, das an eine Kette gelegt ist. Doch kaum hat Poggio die ersten brisanten Zeilen entziffert, ist der Foliant verschwunden. Entschlossen nimmt der Bücherjäger die Verfolgung der Diebe auf.

Der Autor Dirk Husemann arbeitet als Wissenschaftsjournalist und Archäologe, studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie und schreibt Reportagen und Sachbücher - und Romane. Ich lese „die Bücherjäger“ als Frischling und kann nur sagen – sein Werdegang und Knowhow kommt seinem Roman in jeder Hinsicht zugute.

Die spannungsgeladene Geschichte wartet mit einer ganzen Riege interessanter, historisch belegter Persönlichkeiten auf, als da wären:
• Poggio, der Bücherjäger – hat sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet und steht nun in den Diensten des Papstes. Ein überaus sympathischer Bursche, ich mag ihn sehr.
• Papst Johannes XXIII – geboren als Baldassare Cossa, ein durchtriebenes Schlitzohr und Freund, teilweise Beschützer von Poggio. Bei ihm muss man mit allem rechnen, er ist nie langweilig.
• Oswald von Wolkenstein – Widersacher Poggios, der das gejagte Buch für seine eigenen Zwecke nutzen will. Ein etwas simpler Charakter, der später noch gehörig einstecken muss.
• Agnes von Mähren, die sich aus politischen Gründen im Kloster versteckt und Poggio an seine Jugendliebe erinnert. Stets für Überraschungen gut und bis zum Schluss kaum zu durchschauen.
Dazu kommen noch zahlreiche Figuren, die nicht historisch belegt sind, die Geschichte aber wegen ihrer aussagekräftigen Charakterzüge enorm beleben. Keinen davon möchte ich missen.

Die Geschichte beginnt rasant mit der Flucht des Papstes vom Konstanzer Konzil, hält viele abwechslungsreiche Örtlichkeiten und Szenarien bereit, allesamt höchst interessant und unterhaltsamt – verläuft über mehrere Spannungsspitzen flott bis zum finalen Showdown, der ebenfalls eine rasante Verfolgungsjagd zum Rheinfall in der Schweiz ist.

Der Autor versteht es hervorragend sowohl absolute Sympathieträger als auch richtige Ekelpakete atmosphärisch dicht zu entwerfen und diese in entsprechendem Licht so darzustellen, dass man mit lebt, mit liebt, mit leidet, mit hasst.

Sehr gut gefallen hat mir an dem historischen Roman von Dirk Husemann einerseits die gute Mischung aus historischen Fakten und schriftstellerischer Phantasie (die im ausführlichen Anhang genau erläutert wird), andererseits die Kunst des Autors einen mit immer neuen spannenden Wendungen stets in Atem zu halten. Außerdem ist die Atmosphäre des Buchs wunderschön und stimmig, sowohl passend zur historischen Zeit der Handlung als auch bei der Beschreibung von Orten und Begebenheiten. Eine geniale Idee sind auch die immer wieder eingeschobenen Rückblicke in die Vorgeschichte der Protagonisten in Form von sogenannten Stundengläsern. Sie runden die Charaktere bereichernd ab.

Was mir aber am gesamten Buch am besten gefällt ist die Sprache des Autors. Eine Offenbarung!! Die bildgewaltige „Schreibe“ des Herrn Husemann hat mich begeistert. Das Buch ist voll wundervoller Sprach-Akrobatik! Da ist der Genuss das Lesen um des Lesens willen. Ich habe mich in die Sprache des Herrn Husemann Hals über Kopf verliebt.

„Die Bücherjäger“ ist für mich das erste Buch, das ich von Dirk Husemann lese – aber ganz sicher nicht das letzte!!

Veröffentlicht am 28.02.2019

Von Einem, der süßen Honig sammelt und ein bitteres Schicksal meistern muss

Der Gesang der Bienen
3 1

„Das Sammeln des Honigs wilder Bienen durch den Menschen ist für die Zeit seit 9000 Jahren belegt. Der Begriff des Zeidlers oder Zeitlers bezeichnet einen besonderen Beruf des Honigsammlers, wie er sich ...

„Das Sammeln des Honigs wilder Bienen durch den Menschen ist für die Zeit seit 9000 Jahren belegt. Der Begriff des Zeidlers oder Zeitlers bezeichnet einen besonderen Beruf des Honigsammlers, wie er sich in Europa seit dem Frühmittelalter ausgebildet hat. Der Zeidler hielt, anders als der Imker im heutigen Sinne, die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben. Man hieb alten Bäumen künstliche Höhlen (Beuten) in etwa sechs Meter Höhe ein und versah den Eingang mit einem Brett, in das ein Flugloch eingebracht war.“ (Aus Wikipedia)

Wie das genau vor sich ging, und zwar anno 1152, das beschreibt Ralf H. Dorweiler in seinem dritten historischen Roman auf wundervolle Weise. Es gelingt ihm scheinbar mühelos den Leser mit in die Wälder rund um Staufen und Freiburg zu nehmen und mit einer herrlich bildhaften Sprache zu zeigen, wie die Menschen damals gelebt und gelitten haben. Mit zeitgemäßem Sprachstil bringt er uns nahe, was es bedeutete, als einfacher Mann der Obrigkeit ausgeliefert zu sein und wie wenig es gebraucht hat, unschuldig in größte Not zu geraten.

Mit hervorragend ausgearbeiteten Charakteren führt uns der Autor in die Welt des Mittelalters und schickt uns auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und auf eine Reise vom Münstertal bis nach Bingen am Rhein. Wir erlangen tiefe Einblicke, wie mühselig das Reisen damals war, gefährlich und zeitraubend, wir erfahren viel über das Handwerk des Zeidlers, tauchen ein in den Alltag einer Ritterburg und erahnen wie entbehrungsreich das Klosterleben war.

Die vom Autor entworfenen Personen sind vielschichtig und tiefgründig, durchdachte Persönlichkeiten, die sich entwickeln. Man kann mit ihnen hoffen und bangen (Seyfried, ein Zeidler/Elsbeth, seine Frau/Anna, seine fast erwachsene Tochter), man kann sie hassen und verfluchen (Theobald, ein Ritter/seine Handlanger/Ursel, die Furie aus der Burgküche), man kann mit ihnen leiden (Adelheyd, die ein Geheimnis hütet/Gregor, ein verletzter Bote) und eintauchen in deren Alltag (Nonnen in Hildegards Kloster/Seyfrieds Zeidler-Kollegen/Karl, Küchenjunge auf der Stauferburg). All diese wunderbaren und schrecklichen Menschen erweckt der Autor im Verlauf der Geschichte zum Leben, lässt sie erblühen oder verwelken, macht sie stark oder schwach und hält uns Leser atemlos vor Spannung bei der Stange bis zur letzen Seite. Auch begegnen uns einige historisch belegte Personen wie Gottfried von Staufen (der um seine Tochter trauert), Abt Eberhard im Kloster St. Trudpert (Ankläger von Elsbeth), Hildegard von Bingen (Äbtissin im Kloster auf dem Rupertsberg) sowie Abt Kuno im Kloster Disibodenberg (der nicht gut auf Hildegart zu sprechen ist) und schließlich der frisch gekrönte König Friedrich I., auch bekannt als Barbarossa.

Kern der Geschichte ist der verzweifelte Versuch Seyfrieds, seine Frau Elsbeth vor der Hinrichtung zu retten. Weil sie Gottfrieds Tochter Fronika retten wollte, hat sie die ganze Familie in größte Not gebracht. Als letzter Ausweg seine Frau vor der Hinrichtung zu bewahren, bleiben ihm gerade noch 16 Tage, um von Hildegard von Bingen eine Fürsprache zu erhalten. Während Seyfried die mühselige Reise antritt bleiben seine Kinder zurück. Die kleine Lise bei Nachbarn, Tochter Anna und Sohn Jasper auf der Burg von Gottfried von Staufen. Dort sitzt auch Elsbeth im Verlies und wartet auf Rettung. Anna sorgt sich um Mutter und Bruder und muss sich dem widerlichen Theobald von Molsheim, Ritter von Gottfried, erwehren.
Seyfried bekommt das ersehnte Schreiben von Hildegard wiederum nicht so einfach, wie er sich das vorgestellt hat. Sie stellt Bedingungen - mehrere. Denn anders als Seyfried, glaubt Hildegard nicht daran, dass allein ein Schreiben von ihr die Rettung für Elsbeth ist. Der Autor lässt uns mitleiden, wenn die schon damals weithin bekannte Frau sagt: „An erster Stelle bin ich eine Frau. Äbtissin, Prophetin, Heilkundige, ja, das ist gut, aber in den Augen vieler Männer eben ´nur` eine Frau. Papst Eugen hat mich aufgefordert, mein Schreiben zu intensivieren. Soll das Weib nur schreiben. Aber die Männer regieren die Welt.“ und sie ermahnt Seyfried mit den Worten „Meinst du allen Ernstes, dass ein alter Abt sich von einer Äbtissin aus der Ferne vorschreiben lässt, wie er Recht zu sprechen hat?“

Als Leser hoffen wir auf Rettung und fiebern mit, wenn die Zeit für Elsbeths Rettung immer knapper wird. Das Buch ist ein echter Page-Turner, wir kommen vor Spannung kaum zu Atem. Kann Seyfried seine geliebte Elsbeth retten? Ist Anna stark genug, sich gegen Theobald zur Wehr zu setzen? Und welche Rolle spielt eigentlich Barbarossa in der ganzen Angelegenheit?

Insgesamt ist es ein ausführliches und einfühlsames Werk, zudem spannend von Anfang bis Ende, in dem alle losen Fäden äußerst gekonnt und schlüssig zusammengeführt werden. Sehr gelungen finde ich auch die Gestaltung des Buches, vom schönen Einband über ein ausführliches Personenverzeichnis bis hin zu einer anschaulichen Karte vom Reiseverlauf. Besonders hübsch sind die Kapitelanfänge mit historischen Zitaten und schön gemalten Bienenmotiven. Für mich war es das erste Buch des Autors und von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 21.01.2019

Interessanter Ansatz in lauwarmer Story

Forever You
2 0

Für Nick ist es seit eh und je klar: Lizzie, die kleine Schwester seines besten Freundes, ist die Liebe seines Lebens und genau das will er ihr an ihrem 18. Geburtstag gestehen. Doch just am Tag ihrer ...

Für Nick ist es seit eh und je klar: Lizzie, die kleine Schwester seines besten Freundes, ist die Liebe seines Lebens und genau das will er ihr an ihrem 18. Geburtstag gestehen. Doch just am Tag ihrer Volljährigkeit verkündet Lizzie stolz, dass ihr großer Traum von einer Modelkarriere wahr werden könnte, denn sie hat einen Vertrag in der Tasche, der sie in die USA führt. Die Jahre ziehen ins Land und Lizzie muss einige Schicksalsschläge wegstecken, bei denen Nick als ihr bester Freund ihr tröstend und helfend zur Seite steht. Bis zu dem Tag, an dem Lizzies Leben durch einen Skandal tief erschüttert wird und ihre gesamte Karriere gefährdet ist. Und wieder ist Nick sofort für sie da und schützt sie vor der Außenwelt.

Soweit so gut – bis dahin eine sehr gefühlvolle Lovestory mit sympathischen Protagonisten, eine vielversprechende Geschichte, bei der von Anfang an klar ist, wohin die Reise geht. Der Weg dahin ist allerdings sehr holprig und kurvenreich. Es gibt reichlich interessante Wendungen, die aber zum Teil sehr langatmig daherkommen. Obwohl Nick ein netter Kerl ist, kann er durch sein Verhalten nicht wirklich überzeugen. Öffentlich ist er ein erfolgreicher, klar strukturierter Zahlenmensch, privat ist er ein emotionales Häufchen Elend ohne Selbstbewusstsein. Bei Lizzie ist es nicht besser: Nach außen das erfolgreiche und strahlende Model, an sich aber eine komplett unfertige Person, die nicht weiß, was sie will und sich selbst gar nicht zu helfen weiß. Ich hatte den Eindruck, dass die Autorin zum einen Nick einen starken Charakter verpasst hat, ihn in Bezug auf seine Gefühle aber überhaupt nicht so handeln lässt. Und bei Lizzie hat sie wohl völlig vergessen hat, dass diese nach all den Jahren auch endlich mal erwachsen sein sollte.
Dazu kommt dann im Mittelteil das gebetsmühlenartig vorgetragene „sie/er liebt mich – ich sag´s ihr/ihm aber nicht, weil …“ was einfach zu oft wiederholt wird und letztlich ziemlich meine Geduld und Nerven strapaziert hat.


Fazit:
Es fällt mir schwer, eine gerechte Rezension zu schreiben. Vor allem weil das Buch an sich auf einer guten Idee mit viel Potential basiert, flüssig geschrieben und angenehm zu lesen ist - und weil Nick und Lizzie keine schlechten Typen sind. Insgesamt fand ich es aber auch relativ nichtssagend, die Charaktere sind nicht vollständig ausgearbeitet (vor allem der von Lizzie) und weil der Mittelteil zu lauwarm daherkommt. Das ständige "er/sie will mich ja doch nur als Freund“ wurde zu einer zermürbenden Dauerschleife. Das Ende hat mich dann wieder etwas versöhnt, da es hier nochmal sehr emotional wurde und die beiden auch endlich mal in die Pötte kamen. Obwohl ich zwischendurch wirklich gerne mal eine leseleichte Liebesstory mag, hat mich diese hier nicht vollkommen überzeugen können. Schade.

Veröffentlicht am 23.04.2018

Jammernde Ermittlerin in lahmer Story

Blumen des Todes
2 1

Für Langweiler Archibald Wilson brachte sein millionenschwerer Lottogewinn kein Glück. An einen Grabstein gebunden wird er ermordet auf einem Friedhof in Glasgow gefunden. Ein Kreuz wurde ihm in die Schädeldecke ...

Für Langweiler Archibald Wilson brachte sein millionenschwerer Lottogewinn kein Glück. An einen Grabstein gebunden wird er ermordet auf einem Friedhof in Glasgow gefunden. Ein Kreuz wurde ihm in die Schädeldecke gehämmert, Blutrinnsale in den eingeschnittenen Augenwinkeln, in den Händen hält er einen Straus Judasblüten. Was hat das zu bedeuten? Fühlte sich jemand verraten vom frischgebackenen Lotto-Millionär? Findet sich ein Hinweis auf den Täter in den vielen Zuschriften, die Archie erhalten hat – von hasserfüllten Neidern ebenso wie von Bittstellern, die sich eine Beteiligung am Gewinn erhofften. Die Ermittlerin Aliya Pereira und ihr Kollege Marc Bain gehen mehreren Spuren nach. Hat der Mord etwas mit Archies Plänen zu tun, leerstehende Kirchengebäude aufzukaufen und für wohltätige Zwecke zu nutzen? Ist gar ein religiöser Fanatiker der Täter? Oder liegt das Mordmotiv doch viel weiter zurück, nämlich in einem schrecklichen Unfall in Archies Jugendzeit bei den Pfadfindern? Während die Tatverdächtigen wechseln, geschieht ein zweiter Mord mit ebenso inszeniertem Fundort der Leiche.

Nach „Blutiger Schnitt“ erscheint nun mit „Blumen des Todes“ das zweite Buch des schottischen Autors Douglas Lindsay um das Ermittler-Duo DI Aliya Pereira und DS Marc Bain. Der Autor hat schon einige Buchreihen veröffentlicht, für die er viel Lob erhalten hat. Für mich ist „Blumen des Todes“ das erste Buch des Autors und auch ohne den ersten Band zu kennen, kam ich gut in der Geschichte an. Sein Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, vom Ton her geht es gelegentlich etwas ruppig zu, was mich aber nicht weiter gestört hat. Leider fällt der vielversprechende Anfang ziemlich schnell sehr stark ab, die Geschichte plätschert relativ spannungsarm dahin und macht keine Lust auf einen weiteren Band dieser Krimireihe.

In „Blumen des Todes“ lernen wir die indisch-stämmige Aliya Pereira kennen, die einerseits eine kompetente Ermittlerin darstellt und erfolgreich in ihrem nervenaufreibenden und teils frustrierenden Beruf ist. Dem gegenüber steht die Privatperson, die mehr ungelöste Probleme mit sich rumschleppt als die Geschichte vertragen kann. Sie hegt Schuldgefühle gegenüber ihrem als perfekt dargestellten Ex-Mann Martin und der gemeinsamen Tochter, die bei ihr lebt und von ihr emotional vernachlässigt wird, weil sie noch immer fast wie hörig an ihrer Ex-Lebensgefährtin Lena hängt, von der sie jedoch verlassen wurde. Der gemeinsame Sohn mit Lena lebt ebenfalls bei Pereira und verschärft den Mutter-Tochter-Konflikt zusätzlich. Mit dem Fortgang der Geschichte nimmt das Privatleben der Protagonistin immer mehr Raum ein und drängt die Persönlichkeiten ihrer Kollegen, allen voran ihren Partner Marc Bain, mehr und mehr in den Hintergrund. Man erfährt quasi nichts vom Rest des Ermittlerteams, was sehr schade ist. Das wehleidige Gejammer von Pereira nervt mehr und mehr und steht zudem im krassen Gegensatz zu ihrer beruflichen Kompetenz. Das passt einfach nicht zusammen.
Unschön fand ich auch die Tatsache, dass fast ausnahmslos alle Befragten auf totalen Konfrontationskurs mit der Polizei gehen. Klar kann man das bei dem ein oder anderen aus Stilgründen so schildern – aber doch nicht bei fast allen. Das hat mich je öfter es vorkam umso mehr gestört.
Bei den Verdächtigen und möglichen Mordmotiven werden diverse Haken geschlagen, was der Geschichte anfangs noch gut tut, zum Ende hin aber einen etwas hektischen und ratlosen Eindruck hinterlässt. Es hätte der Spannung sicherlich gut getan, wenn man subtilere Hinweise auf den Täter erhalten hätte. Im letzten Teil gab es Gedankensprünge und Lücken, die mir teilweise das Folgen der Logik erschwert haben. Zwar ist letztendlich der Täter nachvollziehbar aber trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass sich der Autor selbst nicht so recht entscheiden konnte, wer es nun gewesen sein soll und das Buch einfach irgendwie beenden musste.

Mein Fazit: Insgesamt hatte ich mir ausgehend von der Leseprobe mehr erwartet.
Mehr Substanz - mehr Spannung - mehr Kurzweil - mehr Spaß!

Veröffentlicht am 06.12.2018

Tolle Story mit unsympathischen Figuren in ambivalenter Story

Unter dem Messer
1 1

Der Autor Kelly Parsons ist selbst ausgebildeter Mediziner, der an der Uni von San Diego unterrichtet. Er weiß also, was ein sogenannter Medizin-Thriller braucht und hat diesbezüglich auch hervorragende ...

Der Autor Kelly Parsons ist selbst ausgebildeter Mediziner, der an der Uni von San Diego unterrichtet. Er weiß also, was ein sogenannter Medizin-Thriller braucht und hat diesbezüglich auch hervorragende Arbeit geleistet. Mit seinem leseleichten Schreibstil ist es ihm gelungen die medizinischen Fakten für den Laien gut und verständlich aufzubereiten. Zudem liefert er sehr detaillierte Charakterstudien zu fast all seinen Personen.

Dass die Protagonistin Rita für mich sehr unsympathisch rüberkommt, stört mich nicht. Auch ihr Gegenspieler Finney ist ein richtiger Kotzbrocken, der keinerlei Sympathien wecken kann. Die sympathischen Charaktere kommen dafür leider etwas zu lasch und zu farblos bei mir an, da fehlt dann doch etwas die Aussagekraft. Einzig Finneys Handlanger Sebastian hat mehr Potential und man weiß bis zum Schluss nicht, auf welcher Seite er steht.
Zum echten Page-Turner tragen auch die meist extrem kurzen Kapitel bei, die jeweils mit dem Namen eines Charakters über- und aus dessen Sicht geschrieben sind. Ich empfand das als kurzweilig und es beschleunigt die Handlung.

Die Idee der Handlung ist sehr gut. Dr. Rita Wu bekommt ein Kleinst-Implantat hinterm Ohr verpasst, durch das Finney direkt mit ihr spricht und auch ihr Handeln beeinflussen kann. Damit verfolgt Finney einen ausgeklügelten Racheplan, der sich erst nach und nach offenbart, was zur Spannung beiträgt. So schaukelt sich die perfide Rachegeschichte – mit einigen interessanten Wendungen - langsam aber stetig hoch bis zum finalen Showdown.

Meiner Meinung nach hat leider genau dieses Finale der Story an Qualität geraubt, da hier viel zu viel gewollt wurde und viel zu viel reingepackt wurde. Das schmälert für mich den Gesamteindruck ebenso wie das „typisch amerikanische“, überzuckerte Happy End für manche Charaktere.

Alles in allem ein solider Medizinthriller, der sein Potential leider nicht voll ausschöpft.